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Öffentlichkeitsarbeit seit den 1950er Jahren

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Einflussnahme und Kampagnen der Atomlobby > Öffentlichkeitsarbeit seit den 1950er Jahren

VAK Kahl.jpg

Erstes deutsches Atomkraftwerk, AKW Kahl in Bayern

Bereits Mitte der 1950er Jahre versuchten die Protagonisten der Atomenergie, die Öffentlichkeit von der zwingenden Notwendigkeit der Atomkraft zur überzeugen.

So wurden in zahlreichen Publikationen eine angebliche "Energielücke", ein "Alpdruck der Energienot" aufgrund eines massiven Anstiegs des Energiebedarfs in Deutschlands und stark steigende Energiepreise bei den fossilen Energien prophezeit. Vor dem Bau des ersten AKW Kahl behauptete RWE, Deutschland würde "als Industriestaat keine Rolle mehr spielen", wenn es nicht in die Atomkraft einsteige. Als Ende der 50er Jahre die erste Atomeuphorie einer Ernüchterung aufgrund der hohen Kosten der Atomenergie gewichen war, gründete man 1959 das Deutsche Atomforum und versuchte mit einer systematischen und zentralen Öffentlichkeitsarbeit entgegenzusteuern.[1]

Infolge der Proteste gegen den Bau des AKW Wyhl 1975 hatte im Auftrag des AKW-Herstellers Karlsruher Badenwerk AG die Hamburger Werbeagentur Kurt Drews Konzepte erarbeitet, mit der die Öffentlichkeit systematisch im Sinne der Atomindustrie bearbeitet werden konnte. Dabei wurden vier Modelle erarbeitet:

  • "Bildungstaktik: Objektive, ehrliche Information über alle Fragen der Kernenergie im Zusammenhang mit Kernkraftwerken: Die Ängste durch besseres Wissen ablösen bzw. bezwingen.
  • Negativtaktik: Dramatisierung aller Probleme, die durch den Nichtbau von KKW entstehen: Die Ängste der Gegenwart durch Ängste der Zukunft überdecken.
  • Verschleierungstaktik: Herunterspielen der Probleme, die in Zusammenhang mit KKW in der Bevölkerung auftauchen: Die Ängste durch Verfremdung der Probleme verdrängen.
  • Verschönerungstaktik: Einseitige, positive Information über alle Fragen (fast alle) der Kernenergie im Zusammenhang mit Kernkraftwerken: Die Ängste einfach negieren und ein positives Bild aufbauen."

Als die Demonstrationen der Anti-AKW-Bewegung ab Mitte der 1970er Jahre einen Höhepunkt erreichten, gründeten Gewerkschaftsmitglieder, unterstützt von der Atomindustrie, eine Reihe von Bürgerinitiativen "engagierter Bürger", um das ramponierte Ansehen der Atomkraft zu verbessern. "Zum Mißfallen der IGM-Spitze machen die Interessenvertreter mit Demonstrationen, Anzeigenkampagnen und gezielter Ansprache von Politikern für den zügigen Ausbau der Kernenergie Stimmung -- und liegen damit nicht mehr auf Gewerkschaftskurs." Der "Spiegel" deckte 1978 auf, dass es sich um Bürger handelte, die auf der Gehaltsliste der Atomkonzerne standen, und beschrieb die Arbeitsweise dieser Bürgerinitiativen. Die Idee für solche verdeckten Lobbyorganisationen hatte laut "Spiegel" Günter Hartkopf, Staatssekretär im Bonner Innenministerium, schon Jahre zuvor entwickelt.[2]

Siehe auch → Gewerkschaften und Atomkraft

Verstärkten Bedarf für Öffentlichkeitsarbeit gab es insbesondere nach der Tschernobyl-Katastrophe im Jahre 1986, in der die Stimmen für einen Atomausstieg in Deutschland lauter wurden. "Rund 60 Millionen D-Mark sollen die Kraftwerksbetreiber nach der Katastrophe von Tschernobyl für Werbung ausgegeben haben. Das Deutsche Atomforum wirbt, unterstützt von großen deutschen Unternehmen, für die Kraft aus Atomen: "Tschernobyl bietet keinen Anlass, an der Verantwortbarkeit der friedlichen Kernenergie in unserem Land zu zweifeln.""[3]

1986 warben auch 900 Betriebsräte von Atomkonzernen für die Atomenergie.[4]

1991 starteten die deutschen Energieerzeuger Badenwerk, Bayernwerk, PreussenElektra und RWE eine Anzeigenserie, in er sie versuchten, eine besseres Image der Atomenergie als CO2-freier Energiequelle zu generieren: diese sollte als "Retter aus den Energieproblemen der Welt" und "Retter vor der Klimakatastrophe" verstanden werden.[5]

Erst 2014 wurde bekannt, dass der Kohle- und Atomkonzern RWE ab 2006 Frühstücksdosen für Erstklässler mit RWE-Logo verteilte. "Die Masche von RWE ist billig, einfach – und fast genial. Der Kohle- und Atomkonzern macht schon Sechsjährige zu Werbeträgern."[6]

(Letzte Änderung: 25.10.2016)

Einzelnachweise

  1. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013. S. 70 und 83ff.
  2. DER SPIEGEL 51/1978: Die Pro-Lobby: Kernkraft - ja bitte - SPIEGEL-Report über Strategien und Methoden westdeutscher Bürgerinitiativen für Atomenergie vom 18. Dezember 1978
  3. mdr.de: "Ich war ein Kind von Tschernobyl" vom 27. April 2011
  4. DER SPIEGEL 29/1986: Zwischen Himmel und Hölle vom 14. Juli 1986
  5. DER SPIEGEL 44/1991: Phönix aus der Asche vom 28. Oktober 1991
  6. taz.de: Werbung an Grundschulen - RWE macht sich an 6-Jährige ran vom 22. April 2014

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