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Atomenergie in Europa > Österreich

Atomkraft keine Option

Die Nutzung der Atomenergie stellt in Österreich schon lange keine Option mehr dar. Dies bekräftigte Bundeskanzler Faymann am 31. Juli 2014 in Tschechien: "Wir treten entschieden gegen die Verwendung von Nuklearenergie ein und sind für eine stärkere Nutzung erneuerbarer Energieformen und für mehr Energieeffizienz. Kernenergie ist weder sicher noch nachhaltig und rechnet sich letztlich auch wirtschaftlich nicht."[1]

Einstiegspläne in früheren Jahrzehnten

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Donau bei Zwentendorf (Österreich)

Österreich war 1957 ein Gründungsmitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO).[2]

In den 1960er Jahren war zunächst ein Einstieg in die Atomkraft geplant, der mit dem Bau eines Reaktorzentrums und des Forschungsreaktors ASTRA (Adaptierter Schwimmbecken-Tank-Reaktor Austria) bis 1960 in Seibersdorf eingeleitet wurde. 1962 und 1965 gingen mit dem TRIGA II Vienna in Wien und dem SAR GRAZ zwei weitere Forschungsreaktoren in Betrieb.[3] 1968 wurde die Kernkraftwerk-Planungsgesellschaft aus der Verbundgesellschaft und sieben Landesgesellschaften gegründet.[4]

Kaum bekannt ist, dass in den 1960er Jahren in Kärnten, nur 3,7 km von Völkermarkt entfernt, ein Atomkraftwerk geplant war. Die Vorbehaltsfläche für das AKW wurde erst 1991 aufgrund eines Bescheids aus dem Flächenwidmungsplan entfernt.[5]

In den 1970er Jahren waren drei Atomkraftwerke in Zwentendorf, St. Pantaleon-Erla und St. Andrä geplant, von denen aber nur der Reaktor Zwentendorf in Bau ging.[6][7] Nach einer Volksabstimmung im Jahr 1978 wurde jedoch der Bau eingestellt und 1985 das Ende des Projekts beschlossen.

Weitere Informationen unter → Zwentendorf (Österreich)

Mit dem Bau des geplanten AKW St. Pantaleon-Erla wurde nicht mehr begonnen, nachdem die Gemeinde St. Pantaleon mit über 90 % gegen den Reaktor gestimmt hatte. Österreich hat den Atomausstieg bald nach der Volksabstimmung gesetzlich fixiert und in der Verfassung verankert: "Anlagen, die dem Zweck der Energiegewinnung durch Kernspaltung dienen, dürfen in Österreich nicht errichtet werden."[8][9]

Viele Probleme erspart

Österreich hat sich dadurch, dass es nicht in die Atomkraft eingestiegen ist, viele Probleme erspart: Diskussionen über Laufzeitverlängerungen, Neubauten, Atommüll, Lagerkosten, Rückbaukosten, Gesundheitsschäden, Abhängigkeit vom Uranabbau, Polizeikosten für Demonstrationen, atomstaatliche Entscheidungsprozesse. "Die Argumente der damaligen Atomkraft-BefürworterInnen haben sich tatsächlich als falsch erwiesen: Weder ist das Licht ausgegangen noch ist Österreich von der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa abgehängt worden."[10]

Österreich tritt für einen internationalen Ausstieg aus der Atomenergie ein und kritisiert den Bau neuer Atomkraftwerke, insbesondere den Temelin-Ausbau in Tschechien.[11] Nach der Fukushima-Katastrophe forderte Österreich zusammen mit vier anderen Staaten den europaweiten Ausstieg aus der Atomkraft.[12] In einer Studie vom Juli 2012 wurden technische Mängel des Schweizer AKW Mühleberg dokumentiert, die für Österreich "verheerende Folgen" haben könnten.[13]

Am 22. Januar 2015 wurde bekannt, dass Österreich "beim Europäischen Gericht gegen die Entscheidung der Europäischen Kommission, Staatsbeihilfen für die Errichtung des britischen Atomkraftwerkes Hinkley Point zu gewähren", klagt.[14]

Ausbau erneuerbarer Energien

2012 ist die Windenergie in Österreich deutlich ausgebaut worden, die Leistung um 27 % gestiegen. "Der Zubau des Jahres 2012 entspricht der Stromerzeugung für mehr als 180.000 Haushalte. Für die Förderung der Windkraft zahle ein Durchschnittshaushalt nicht mehr als fünf Euro im Jahr."[15]

Seit 13. September 2013 ist das Burgenland aufgrund des Ausbaus erneuerbarer Energien rechnerisch energieautark.[16]

2014 deckten die erneuerbaren Energien einen Anteil von 78,6 % bei der Energieerzeugung ab. Im Segment der erneuerbaren Energien lieferte die Wasserkraft den weitaus höchsten Beitrag mit 68,1 %.[17]

Atomstromimport und Forschungsreaktor

Österreich importiert noch Atomstrom aus dem Ausland, was aber künftig unterbunden werden soll: "Österreich soll zu einer gänzlich atomstromfreien Zone werden. Dazu verpflichteten sich Politik und Energiewirtschaft auf einem Atomgipfel gegenüber den Umweltorganisationen. (...) Die österreichischen Energieversorger, mehrheitlich Landesgesellschaften, verpflichten sich freiwillig, bis Ende 2013 auf den Bezug von Atomstrom für die privaten Haushalte zu verzichten."[18]

September 2014 wurde dies endgültig umgesetzt, und alle Haushalte, kleine und mittlere Unternehmen wurden nur mehr mit atomfreiem Strom beliefert. Ab 2015 sollte das auch für die Industrie möglich sein.[19]

Immer noch aktiv ist der Forschungsreaktor TRIGA-Mark-II im Atominstitut der Technischen Universität Wien – und das mitten im Wiener Prater.[20] Der Reaktor mit 250 kW Leistung, der am 7. März 1962 in Betrieb genommen wurde,[21] kam im Oktober 2012 in die Schlagzeilen, da alte Brennelemente – zum Teil aus dem Jahre 1962 – erneuert werden sollen. "Von den 104 Brennelementen sollen 91 zurück in die USA transportiert werden, 13 frische bzw. noch wenig abgebrannte Brennstäbe bleiben in Wien. Aus den USA werden 77 neue Brennstäbe angeliefert, deren Transport per Schiff nach Koper (Slowenien) und per Lastwagen nach Wien erfolgt." Der Reaktor soll mindestens bis 2025 weiterbetrieben werden.[22]

→ ORF: Klein, handlich und stadtnah - Der Atomreaktor im Wiener Prater vom 13. September 2013

Im Mai 2013 kam es in der Nuclear Engineering Seibersdorf GmbH (NES) zu einem Arbeitsunfall, bei dem Mitarbeiter einer erhöhten Strahlung ausgesetzt wurden, die aber nicht in die Umwelt gelangte.[23] Die NES wickelt im Auftrag der Republik Österreich die Sammlung, Konditionierung und Zwischenlagerung des anfallenden radioaktiven Abfalls ab. Sie übernahm auch den Rückbau des 1999 stillgelegten Seibersdorfer Forschungsreaktors ASTRA, der nach fünf Jahren abgeschlossen wurde.[24]

Neben TRIGA II und ASTRA besaß Österreich mit SAR-Graz noch einen dritten Forschungsreaktor, der am 17. Mai 1965 in Betrieb genommen worden war und mittlerweile stillgelegt wurde. [3]


(Letzte Änderung: 25.12.2016)

Einzelnachweise

  1. APA OTS: Bundeskanzler Faymann: Gemeinsam für sozialen Ausgleich und Beschäftigung in Europa einsetzen vom 31. Juli 2014
  2. IAEO: Member States abgerufen am 11. März 2016
  3. 3,0 3,1 IAEO: Research Reactors/Countries: Austria abgerufen am 19. September 2014
  4. NÖN: Europa ist gespalten vom 27. Oktober 2013
  5. kaernten.orf.at: 60-er Jahre: Atomkraftwerk in Kärnten geplant vom 14. Januar 2014
  6. Wikipedia: Liste der Kernreaktoren in Österreich
  7. Wikipedia: Adaptierter Schwimmbecken-Tank-Reaktor Austria
  8. stern.de: Wie Österreich ohne AKW lebt vom 22. März 2011
  9. nachrichten.at: Für Kernkraftwerk in St. Pantaleon waren die Brennstäbe schon bestellt vom 5. November 2008
  10. Global 2000: Kein AKW Zwentendorf - Was Österreich sich bis heute erspart hat abgerufen am 18. November 2014
  11. heute.at: Atomkraft nicht kontrollierbar - Berlakovich: "Österreich ist gegen Temelin-Ausbau" vom 30. Mai 2012
  12. Spiegel Online: Fukushima und die Folgen: Fünf EU-Länder fordern europaweiten Atomausstieg vom 21. März 2011
  13. vorarlberg.orf.at: Mühleberg: Österreichische Behörden alarmiert vom 22. Juli 2012
  14. Bundeskanzleramt Österreich: Werner Faymann: "Keine Fördergelder für britisches Atomkraftwerk" vom 22. Januar 2015
  15. derStandard: Windkraft wird massiv ausgebaut vom 8. Januar 2013
  16. ORF: Burgenland erreicht Energiewende vom 13. September 2013
  17. Salzburger Nachrichten Online: Haushalte erstmals "atomstromfrei" vom 10. September 2014
  18. taz.de: Atomenergiefreies Alpenland vom 22. April 2012
  19. news.orf.at: Haushalte erstmals "atomstromfrei" vom 10. September 2014
  20. TU Wien Atominstitut: Der TRIGA Mark-II Reaktor abgerufen am 19. September 2014
  21. IAEO: Research Reactors/Austria TRIGA II Vienna abgerufen am 19. September 2014
  22. news.at: Atomtransport im Wiener Prater vom 30. Oktober 2012
  23. Vienna Online: Nuclear Engineering Mitarbeiter in Seibersdorf erhöhter Strahlung ausgesetzt vom 3. Mai 2013
  24. Nuclear Engineering Seibersdorf : Homepage und Dekommissionierung und Dekontamination abgerufen am 19. September 2014

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