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Weltmarktführer unter Druck

Erlangen Areva 001

Deutschland-Zentrale in Erlangen

Mehrere internationale Konzerne sind nach der Fukushima-Katastrophe und aufgrund des Trends weg von der Atomindustrie unter wirtschaftlichen Druck geraten und ziehen Konsequenzen. Dies gilt auch für AREVA und seiner Reaktorsparte AREVA NP, die bis März 2006 den Namen Framatome NP getragen hatte.[1]

Der Weltmarkführer im Bereich der Atomindustrie "mit seinen weltweit 48000 Beschäftigten muss für 2011 rund 2,4 Milliarden Euro wertberichtigen und stürzt mit etwa 1,5 Milliarden Euro erstmals in seiner Geschichte tief in die Verlustzone." Bei der deutschen Tochter AREVA NP wurde ein drastischer Stellenabbau eingeleitet.[2] Siemens beendete seine Partnerschaft mit AREVA im September 2011 und gab das Atomgeschäft endgültig auf.[3]

Im November 2012 wurde darauf hingewiesen, dass sich die ökonomische Situation von AREVA deutlich verschlechtert hat: "Die Ratingagenturen geben Areva heute sehr schlechte Noten. Der größte Atomkonzern der Welt hat zwischen dem Höchststand 2007 und dem niedrigsten Stand 2012 ganze 88 Prozent seines Aktienwerts verloren."[4]

Derzeit hat der Konzern noch vier AKW-Neubauprojekte am Laufen.Der EPR-Reaktor → Olkiluoto (Finnland) befindet sich seit Jahren im Verzug. Er sollte bereits 2009 fertiggestellt werden, als neuer Termin wird 2018 genannt. Die Baukosten sind explodiert. Auch der AKW-Neubau bei → Flamanville (Frankreich) ist in Schieflage geraten: Wegen massiver Baumängel, Verzögerungen und einer Verdreifachung der Kosten dürfte das Projekt unrentabel geworden sein. Darüber hinaus werden noch die Einheiten → Taishan-1 und -2 in China gebaut.[5]

Im Februar 2013 wurde AREVA von den Bieterverfahren für ein neues Atomkraftwerk im Westen Finnlands sowie für die geplante Erweiterung des Atomkraftwerkes Temelin ausgeschlossen.[6]

Milliardenverluste und Aufspaltung

Im November 2014 stand AREVA wegen der schlechten Konjunktur bei der Atomenergie vor dem Bankrott und musste vermutlich durch den französischen Staat mit 2 Mrd. Euro gerettet werden. Umweltschützer fürchten, dass AREVA auf Kosten der Sicherheit Geld sparen und die Laufzeiten seiner Atomkraftwerke verlängern wird, um so Gewinne einzufahren.[7] An der Börse brach der Aktienkurs um 20 % ein, und die Bonität des Unternehmens wurde von Standard & Poor´s von BBB- auf BB- zurückgestuft, auf das Niveau spekulativer Anleihen.[8]

Im Februar 2015 wurde gemeldet, dass sich der Verlust mittlerweile auf vier Mrd. Euro beläuft.[9]

Am 15. März 2015 gab der AREVA-Chef Philippe Knoche bekannt, dass der Konzern künftig keine neuen Atomkraftwerke mehr bauen und sich stattdessen auf Uranabbau, Wiederaufbereitung, Brennelementherstellung, Wartung und AKW-Komponenten beschränken wird.[10]

Am 4. Juni 2015 wurde bekannt, dass Électricité des France (EDF) die Mehrheit bei der Reaktorsparte von AREVA übernehmen wird, während "die Bereiche vom Uranabbau bis zur Atommüll-Verarbeitung" bei AREVA verbleiben sollen. AREVA soll vom Staat eine Finanzspritze erhalten.[11]

Im Dezember 2015 wurde bekannt, dass AREVA innerhalb eines Jahres 36 % seines Wertes verloren hat, innerhalb der letzten fünf Jahre waren es 80 %. "Nun soll eine Finanzspritze des größten chinesischen Atomkonzerns China National Nuclear Corporation (CNNC) den Konzern aus seiner Misere retten."[12]

Am 15. November 2016 unterzeichneten AREVA und die Electricité de France (EDF) ein Abkommen zur Übernahme der Reaktorsparte AREVA NP durch die EDF für 2,5 Mrd. Euro; AREVA NP wird umbenannt in New NP.  Nicht übertragen wird das Bauprojekt Olkiluoto (Finnland).[13]

Anfang 2018 schloss EDF die Übernahme des AREVA-Reaktorgeschäfts ab und ist nun Eigentümer von 75,5 % des Kapitals. Zuvor hatte der französische Staat AREVA durch eine Kapitalspritze von insgesamt 4,5 Milliarden Euro vor der Pleite gerettet.[14] Das Reaktorgeschäft tritt nun wieder unter dem alten Namen Framatome an, den es schon bis 2006 getragen hatte. Weitere Anteilseigner sind Mitsubishi Heavy Industries zu 19,5 % und der französische Konzern Assystem zu 5 %.[15]

(Letzte Änderung: 07.01.2018)

Einzelnachweise

  1. nuklearforum.ch: Framatome und Cogema werden zu Areva NP bzw. NC vom 28. Februar 2006
  2. FR Online: Areva streicht bis zu 1500 Stellen vom 13. Dezember 2011
  3. FAZ.net: Siemens sagt Allianz mit Rosatom ab vom 18. September 2011
  4. Badische Zeitung: Kernenergie-Experte Mycle Schneider: "Der Widerstand ist enorm" vom 24. November 2012
  5. areva.com: Genehmigt und im Bau: der EPR™-Reaktor abgerufen am 11. November 2012
  6. n24.de: Rückschläge für Areva in Finnland und Tschechien vom 25. Februar 2013 (via WayBack)
  7. Badische Zeitung: Steuerzahler sollen Atomkonzern Areva retten vom 21. November 2014
  8. nzz.ch: Staatliche Rettung erwartet Atomkonzern - Areva am Abgrund vom 22. November 2014
  9. Yahoo: Noch höherer Milliardenverlust für Atomkonzern vom 21. Februar 2015 (via WayBack)
  10. ft.com: Areva’s new boss promises shift in strategy vom 15. März 2015 [gebührenpflichtig]
  11. n-tv.de: EDF übernimmt Reaktorsparte - Paris treibt Areva-Aufspaltung voran vom 4. Juni 2015
  12. taz.de: Französischer Energieversorger EdF - Klatsche für Atomkonzern vom 21. Dezember 2015
  13. nuklearforum.ch: Übernahme des Areva-Reaktorgeschäfts unter Dach und Fach vom 18. November 2016
  14. Handelsblatt: EDF schließt Übernahme von Areva-Reaktorgeschäft ab vom 2. Januar 2018
  15. greenpeace.org: Bisheriges Areva-Reaktorgeschäft in Framatome umbenannt vom 4. Januar 2018