Fandom

Atomkraftwerke Plag

AREVA

964Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Kommentare0 Teilen

Die Konzerne > AREVA

Weltmarktführer unter Druck

Erlangen Areva 001.jpg

Deutschland-Zentrale in Erlangen

Mehrere internationale Konzerne sind nach der Fukushima-Katastrophe und aufgrund des Trends weg von der Atomindustrie unter wirtschaftlichen Druck geraten und ziehen Konsequenzen. Dies gilt auch für AREVA und seiner Reaktorsparte AREVA NP, die bis März 2006 den Namen Framatome NP getragen hatte.[1]

Der Weltmarkführer im Bereich der Atomindustrie "mit seinen weltweit 48000 Beschäftigten muss für 2011 rund 2,4 Milliarden Euro wertberichtigen und stürzt mit etwa 1,5 Milliarden Euro erstmals in seiner Geschichte tief in die Verlustzone." Bei der deutschen Tochter AREVA NP wurde ein drastischer Stellenabbau eingeleitet.[2] Auch 2012 hat der Konzerne nur noch wenige Neubauprojekte am Laufen. "Die Auftragslage ist mau. Lediglich vier Reaktoren – zwei in China, einer in Finnland und einer in Frankreich – werden derzeit mit Areva-Technik gebaut.(...) "Im Bereich Offshore-Windkraft expandieren wir dafür", hieß es. Die Energiewende ist endgültig in der Industrie angekommen."[3]

2010 übernahm AREVA den deutschen Windkraftspezialisten Multibrid GmbH und benannte diesen in AREVA Wind um.[4] AREVA Wind stellt die M5000-Windenergieanlage mit einer Leistung von 5 MW her.[5]

AKW-Neubauten verzögert und überteuert

Die AKW-Neubauprojekte laufen jedoch weiter: Es handelt sich um die EPR-Reaktoren Olkiluoto-3 in Finnland, Flamanville-3 in Frankreich sowie Taishan-1 und -2 in China.[6]

Der finnische Reaktor in Olkiluoto befindet sich seit Jahren im Verzug. Er sollte bereits 2009 fertiggestellt werden, als neuer Termin wird 2017 genannt. Die Baukosten sind explodiert. → Olkiluoto (Finnland)

Auch der AKW-Neubau bei Flamanville in Frankreich ist in Schieflage geraten: wegen massiver Baumängel, Verzögerungen und einer Verdreifachung der Kosten dürfte das Projekt unrentabel geworden sein. → Flamanville (Frankreich)

Der Atomexperte Mycle Schneider wies im November 2012 darauf hin, dass sich die ökonomische Situation von AREVA deutlich verschlechtert hat: "Die Ratingagenturen geben Areva heute sehr schlechte Noten. Der größte Atomkonzern der Welt hat zwischen dem Höchststand 2007 und dem niedrigsten Stand 2012 ganze 88 Prozent seines Aktienwerts verloren."[7]

Im Februar 2013 wurde AREVA von den Bieterverfahren für ein neues Atomkraftwerk im Westen Finnlands sowie für die geplante Erweiterung des Atomkraftwerkes Temelin ausgeschlossen.[8]

Siemens hatte seine Partnerschaft mit AREVA bereits im September 2011 beendet und das Atomgeschäft endgültig aufgegeben.[9]

Milliardenverluste und Aufspaltung

Im November 2014 stand AREVA wegen der schlechten Konjunktur bei der Atomenergie vor dem Bankrott und musste vermutlich durch den französischen Staat mit 2 Mrd. Euro gerettet werden. Umweltschützer fürchten, dass AREVA auf Kosten der Sicherheit Geld sparen und die Laufzeiten seiner Atomkraftwerke verlängern wird, um so Gewinne einzufahren.[10] An der Börse brach der Aktienkurs um 20 % ein, und die Bonität des Unternehmens wurde von Standard & Poor´s von BBB- auf BB- auf das Niveau spekulativer Anleihen zurückgestuft.[11]

Im Februar 2015 wurde gemeldet, dass sich der Verlust mittlerweile auf vier Mrd. Euro beläuft.[12]

Am 15. März 2015 gab der AREVA-Chef Philippe Knoche bekannt, dass der Konzern künftig keine neuen Atomkraftwerke mehr bauen und sich stattdessen auf Uranabbau, Wiederaufbereitung, Brennelementherstellung, Wartung und AKW-Komponenten beschränken wird.[13]

Am 4. Juni 2015 wurde bekannt, dass Électricité des France (EDF) die Mehrheit bei der Reaktorsparte von AREVA übernehmen wird, während "die Bereiche vom Uranabbau bis zur Atommüll-Verarbeitung" bei AREVA verbleiben sollen. AREVA soll vom Staat eine Finanzspritze erhalten.[14]

Im Dezember 2015 wurde bekannt, dass AREVA innerhalb eines Jahres 36 % seines Wertes verloren hat, innerhalb der letzten fünf Jahre waren es 80 %. "Nun soll eine Finanzspritze des größten chinesischen Atomkonzerns China National Nuclear Corporation (CNNC) den Konzern aus seiner Misere retten."[15]

Am 15. November 2016 unterzeichneten AREVA und die Electricité de France (EDF) ein Abkommen zur Übernahme der Reaktorsparte AREVA NP durch die EDF für 2,5 Mrd. Euro; AREVA NP wird umbenannt in New NP.  Nicht übertragen wird das Bauprojekt Olkiluoto (Finnland).[16]

(Letzte Änderung: 18.11.2016)

Einzelnachweise

  1. nuklearforum.ch: Framatome und Cogema werden zu Areva NP bzw. NC vom 28. Februar 2006
  2. FR Online: Areva streicht bis zu 1500 Stellen vom 13. Dezember 2011
  3. FR Online: Neue Energien statt Atomkraft - Schleichender Tod der Atomindustrie vom 5. November 2012
  4. Verivox: Areva übernimmt deutschen Windkraftspezialisten Multibrid vom 1. Juni 2010
  5. AREVA: Offshore-Windkraft: ein Eckpfeiler der Energiewende abgerufen am 19. November 2013
  6. areva.com: Genehmigt und im Bau: der EPR™-Reaktor abgerufen am 11. November 2012
  7. Badische Zeitung: Kernenergie-Experte Mycle Schneider: "Der Widerstand ist enorm" vom 24. November 2012
  8. n24.de: Rückschläge für Areva in Finnland und Tschechien vom 25. Februar 2013
  9. FAZ.net: Siemens sagt Allianz mit Rosatom ab vom 18. September 2011
  10. Badische Zeitung: Steuerzahler sollen Atomkonzern Areva retten vom 21. November 2014
  11. nzz.ch: Staatliche Rettung erwartet Atomkonzern - Areva am Abgrund vom 22. November 2014
  12. Yahoo: Noch höherer Milliardenverlust für Atomkonzern vom 21. Februar 2015 (via WayBack)
  13. ft.com: Areva’s new boss promises shift in strategy vom 15. März 2015 [gebührenpflichtig]
  14. n-tv.de: EDF übernimmt Reaktorsparte - Paris treibt Areva-Aufspaltung voran vom 4. Juni 2015
  15. taz.de: Französischer Energieversorger EdF - Klatsche für Atomkonzern vom 21. Dezember 2015
  16. nuklearforum.ch: Übernahme des Areva-Reaktorgeschäfts unter Dach und Fach vom 18. November 2016

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki