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Atommüll - Zwischen- und Endlagerung > Ahaus

Zentrales Zwischenlager im Münsterland

Ahaus Zwischenlager 2.jpg

Brennelemente-Zwischenlager Ahaus

Das zwischen 1984 und 1990 errichtete zentrale Zwischenlager Ahaus, auch Transportbehälterlager (TBL) Ahaus genannt, befindet sich in der gleichnamigen Stadt im westlichen Münsterland. Es besteht aus zwei getrennten Lagerhallen, in denen Brennelemente und weitere radioaktive Stoffe gelagert werden.[1]

Auf der Homepage des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) ist zu lesen: "Der Lagerbereich I dient derzeit der vorübergehenden Zwischenlagerung (maximal 10 Jahre) von sonstigen radioaktiven Stoffen (...). Der Lagerbereich II dient derzeit der Aufbewahrung von Brennelementen aus Leichtwasserreaktoren (LWR-Brennelemente), von Brennelementen aus dem Rossendorfer Forschungsreaktor und von Brennelementen aus dem Hochtemperaturreaktor (THTR) in Hamm-Uentrop (...). Aktuell befinden sich im Transportbehälterlager Ahaus im Lagerbereich II Kernbrennstoffe in insgesamt 329 CASTOR-Behältern (...). Die Aufbewahrungsgenehmigung des BfS vom 7. November 1997 gilt bis zum 31. Dezember 2036." Beantragt, aber noch nicht genehmigt ist die Lagerung von Brennelementen aus verschiedenen Forschungsreaktoren, von "hochdruckkompaktierten radioaktiven Abfällen" sowie von Atommüll aus dem AVR Jülich.[1]

Das Lager wurde im Juli 1992 in Betrieb genommen; bis Dezember 2013 wurden 15 meldepflichtige Ereignisse gezählt.[2]

Betreiber des Zwischenlagers ist die Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS), auf deren Homepage weitere Details zu finden sind. Danach werden schwach- und mittelradioaktive Stoffe gelagert, und es werden radiologische Überwachungen am Zaun sowie Messungen durch die Aufsichtsbehörde durchgeführt. "Die Messwerte liegen seit Betriebsbeginn des Zwischenlagers stets im Schwankungsbereich der natürlichen Strahlung und somit deutlich unter den Grenzwerten der Strahlenschutzverordnung."[3]

Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS)

2010 sollten Brennstäbe mit atomwaffenfähigem Plutonium, die aus dem ehemaligen DDR-Forschungsreaktor in Rossendorf stammten und in Ahaus gelagert werden, ins russische Majak transportiert werden. Der Transport war zunächst vom BfS genehmigt worden, wurde aber nach Protesten von Umweltschutzgruppen in Deutschland und Strahlenopfern im russischen Majak gestoppt.[4][5]

Kritik an Lagerung und Transport

In einem Beitrag des "Deutschlandfunks" von 2011 kritisierte der Physiker und Umweltberater Wolfgang Neumann, dass das Zwischenlager Ahaus lediglich eine Industriehalle sei und kaum gegen äußerliche Gewalteinwirkung geschützt sei. "Bei einem Flugzeugabsturz zum Beispiel müssen deshalb die Castoren die Sicherheit gewährleisten."[6]

Im November 2011 kritisierten Umweltschützer die durch die GNS beantragte Lagerung von Atommüll aus dem ehemaligen Forschungsreaktor AVR Jülich im Zwischenlager Ahaus. Dies bringe Gefahren beim Transport mit sich, aber kein Mehr an Sicherheit bei der Lagerung.[7]

Am 4. Mai 2012 wurde ein Sonderzug mit Atommüll gesichtet, dessen Herkunft und Ziel zunächst unklar waren. Erst im Juli stellte sich heraus, dass der Transport für Ahaus bestimmt war. Die GAL von Gronau warf den Behörden vor, die Sicherheit der Bevölkerung aufgrund der Transporte durch Gronau zu missachten und kündigte Prüfungen und Protestaktionen an.[8]

Nach dem Abschluss des europäischen Stresstests sind bislang keine Ergebnisse für Ahaus bekannt geworden, es wurde aber in diesem Zusammenhang von Umweltschutzgruppen im Oktober 2012 kritisiert, dass die Landesregierung zwar ein Transportmoratorium beschlossen, aber nicht umgesetzt habe.[9]

Eine generelles Ende von Transporten und Lagerung von Atommüll in Ahaus fordert die Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus", die befürchtet, dass sich das Zwischenlager aufgrund der Verzögerungen beim Schacht Konrad "schleichend" zu einem Endlager entwickeln könnte.

kein-castor-nach-ahaus.de (Homepage)

(Letzte Änderung: 21.06.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 BfS: Zentrales Zwischenlager Ahaus abgerufen am 16. Juli 2015
  2. BfS: Anlagen zur Kernbrennstoffver- und -entsorgung in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme abgerufen am 16. Juli 2015
  3. GNS: Ahaus abgerufen am 2. November 2011
  4. taz.de: Atommüll-Export nach Russland - Proteste in beiden Ländern vom 28. September 2010
  5. tagesschau.de: Tagesschau vom 6. Dezember 2010
  6. Deutschlandfunk: Das Atommüll-Zwischenlager Ahaus - Sendereihe: Ende auf Zeit - Zwischenlager für radioaktiven Müll in Deutschland, Teil 1 vom 25. Juli 2011
  7. taz.de: Atommüll aus Forschungsreaktor Jülich - Castor-Geschiebe in NRW vom 30. November 2011
  8. Deutsches Verbände Forum: Wie oft rollen Sonderzüge mit Atommüll durch Münster-Steinfurt-Gronau nach Ahaus? vom 30. Juli 2012
  9. Der Tagesspiegel: Europaweiter AKW-Stresstest: Blick zum Nachbarn vom 4. Oktober 2012

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