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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Armenien > Armenia/Mezamor (Armenien)

2 Druckwasserreaktoren •
Leistung: 408 MW/408 MW • Typ: WWER V-270/WWER V-270 • Hersteller: Minatomenergo •
Baubeginn: 1. Juli 1969/1. Juli 1975 • Inbetriebnahme: 15. Dezember 1976/1. Januar 1980 •
Abschaltung: 25. Februar 1989 (Armenia-1)/offen (Armenia-2)[1][2]


Sowjetische Reaktoren in seismisch hochaktivem Gebiet

Metsamor aerien

AKW Armenia/Mezamor (Armenien)

Die Entscheidung, in Armenien ein Atomkraftwerk zu bauen, ist laut IAEO auf einen Beschluss des Ministerrats der ehemaligen Sowjetunion aus dem Jahr 1966 zurückzuführen.[3]

Es wurden mehr als 20 mögliche Standorte erwogen, schließlich wurde der westliche Teil des Ararattals ausgewählt, der sich 16 km von der türkischen Grenze, 10 km von der Stadt Hoktemberyan (Armavir) und 28 km westlich von der Hauptstadt Eriwan befindet. Die beiden Reaktoren sollten ursprünglich in den Jahren 1973/1974 fertiggestellt werden, die Lage in einer seismisch hochaktiven Region erforderte jedoch Änderungen am Design. Der ursprüngliche Typ WWER-440/230 wurde so stark modifiziert, dass er mit WWER V-270 eine neue Typenbezeichnung erhielt.[3]

Laut IAEO ist der Eigentümer des AKW das armenische Ministerium für Energie und natürliche Ressourcen, der Betreiber die Armenia NPP (ANPP). Die beiden Druckwasserreaktoren Armenia-1 und -2 (früher auch Mezamor genannt) mit einer Leistung von je 408 MW wurden 1976 und 1980 in Betrieb genommen.[1] Hersteller war Minatomenergo.[2]

Nach Erdbeben: Armenia-3 und -4 aufgegeben, Armenia-1 stillgelegt

Zwei weitere geplante Blöcke, Armenia-3 und -4, waren 1985/1986 bestellt worden, bei Einheit 3 war 1986 sogar mit den Bauarbeiten begonnen worden. Beide Blöcke wurden nach einem schweren Erdbeben im Dezember 1988 aufgegeben. Armenia-1 und -2 gingen aus dem gleichen Grund im Jahr 1989 vom Netz, Armenia-1 für immer, Armenia-2 für sechseinhalb Jahre. Nachdem wegen eines Territorialstreits das benachbarte Aserbaidschan ein Energieembargo gegen Armenien verhängte und Energiemangel herrschte, beschloss die Regierung 1993 eine Wiederinbetriebnahme des Reaktors. Dieser wurde Ende 1995 hochgefahren.[2][4] In Zusammenarbeit mit der IAEO wurden Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit umgesetzt. [5]

1998 stellten die Energiewerke Nord, seit Februar 2017 Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN) genannt, Teile aus den Einheiten 7 und 8 des Atomkraftwerks Greifswald/Lubmin bereit, die per LKW an Armenien geliefert wurden, um die Sicherheit des Blocks Armenia-2 zu erhöhen.[6]

Armenia-2 hätte eigentlich 2016 abgeschaltet werden sollen, nach Erklärungen von 2013 und 2015 ist aber mit russischer Unterstützung ein Weiterbetrieb bis 2026 geplant.[7] Der Reaktor soll mit russischer Unterstützung nachgerüstet werden; finanziert wird dies über ein russisches Darlehen.[8] Die Arbeiten sollen bis 2020 dauern.[9]

Störfälle

Im Oktober 1982 explodierte ein Generator in Armenia-1, woraufhin die Halle für den Turbogenerator niederbrannte. Ein Großteil der Bedienungsmannschaft floh aus dem AKW, nur ein Spezialtrupp vom AKW Kola (Russland) konnte das AKW retten.[10]

1986 machten armenische Intellektuelle in einem Brief den sowjetischen Präsidenten Gorbatschow darauf aufmerksam, dass es 150 Störfälle gegeben hätte, von den drei fast zu einer Katastrophe geführt hätten. Sie forderten, das AKW nicht weiter auszubauen.[11] Es sollen auch radioaktive Gase und verseuchtes Wasser ausgetreten sein; "in der Umgebung von Medsamor sei jede zweite Geburt eine Miß- oder Totgeburt." Die Intellektuellen warnten: "Ein AKW in einem Gebiet zu bauen, wo die Wahrscheinlichkeit von Erdbeben der Stärke 5 bis 9 besteht und sich 40 vulkanische Verwerfungen schneiden, das ist eine Praxis, die nicht ihresgleichen in der Anwendung der Atomenergie hat und ein schweres Verbrechen am armenischen Volk darstellt."[12]

Neubaupläne immer wieder verschoben

Da Armenia-2 (auch "Mezamor-2" genannt) als technisch veraltet und erdbebengefährdet gilt, plant die armenische Regierung schon seit Jahren einen neuen Reaktor Armenia-3, dessen Baubeginn eigentlich Ende 2011 erfolgen sollte, der aber wegen der Fukushima-Katastrophe verschoben wurde.[13]

Um die besorgte Bevölkerung zu beruhigen, hat sich Armenien im Juni 2011 von der IAEO die Beurteilung "akzeptables Risiko" für das AKW Armenia ausstellen lassen. Dies wirkt unglaubwürdig, weil der Reaktor von drei tektonischen Bruchstellen nur 500 Meter, 16 km und 34 km entfernt ist.[14] Bei der EU und der benachbarten Türkei führte der Weiterbetrieb zu großer Besorgnis.[5]

Im Februar 2012 gab der armenische Premierminister Sargsyan bekannt, dass mit den Bauarbeiten des geplanten neuen Reaktors 2014 begonnen werden sollte.[15] 2014 wurde die Betriebserlaubnis von Armenia-2 jedoch bis zum 10. Juni 2019 verlängert und der Bau von Armenia-3 auf 2019 bis 2020 verschoben.[16] Im Juli 2015 kündigte der stellvertretende Energieminister an, dass "neue nukleare Kapazität" 2027 in Betrieb gehen soll.[17] 2017 wurden die Neubaupläne bekräftigt, es wurde aber keine Entscheidung über die zu verwendende Technologie und die Leistung getroffen.[9]

(Letzte Änderung: 15.08.2018)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Iran, Armenia abgerufen am 30. Juni 2014
  2. 2,0 2,1 2,2 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE (Oktemberyan, S.64 und S.77) von 1997
  3. 3,0 3,1 IAEO: Country Nuclear Power Profiles/Armenia abgerufen am 14. Februar 2015
  4. Nuclear Energy Institute: Soviet-Designed Nuclear Power Plants in Russia, Ukraine, Lithuania, Armenia, the Czech Republic, the Slovak Republic, Hungary and Bulgaria (Fifth Edition) von 1997 [Seite nicht mehr verfügbar]
  5. 5,0 5,1 WNA: Armenia abgerufen am 4. Oktober 2014
  6. Deutscher Bundestag: Atomtransporte nach Armenien (Drucksache 13/10131) vom 17. März 1998
  7. Deutschlandfunk: Armenisches Atomkraftwerk ist ein Pulverfass vom 6. Dezember 2013
  8. nuklearforum.ch: Russland spricht Mittel für Laufzeitverlängerung von Armenia-2 vom 13. April 2015
  9. 9,0 9,1 nuklearforum.ch: Armenien: Regierung bekräftigt Neubauabsichten vom 1. November 2011
  10. rri.kyoto-u.ac.jp: The Chernobyl Reactor: Design Features and Reasons for Accident abgerufen am 24. Juli 2014
  11. Zeit Online: Der Geist ist aus der Flasche vom 24. April 1987
  12. DER SPIEGEL 9/1989: Nur ein Samowar vom 27. Februar 1989
  13. Deutsche Welle: Armenien überarbeitet Bauplan für AKW vom 29. April 2011
  14. AG Friedensforschung: IAEO und armenische Regierung verharmlosen Atom-Gefahr vom 14. Juni 2011
  15. Armenpress: Construction of new unit of Armenian nuclear power plant to start in 2014 vom 8. Februar 2012
  16. arka.am: PSRC extends Armenian NPP’s license for electricity production for 10 years vom 4. Juni 2014
  17. world nuclear news: Armenia confirms ongoing role for nuclear vom 23. Juli 2015