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Auftakt in den 1950er Jahren

Nachdem am 20. Dezember 1951 in den USA zum ersten Mal mit Atomkraft Energie erzeugt worden war und die USA in der Genfer UNO-Konferenz vom August 1955 ein neues Zeitalter der friedlichen Nutzung der Atomenergie ausrief ("Atoms for Peace"), brach weltweit eine Phase der Atomeuphorie aus, in der technisch alles machbar erschien.

In jener Zeit überboten sich Visionäre und Techniker gegenseitig mit kühnen Ideen, wie man die Atomenergie zum Wohl der Menschheit einsetzen könnte. In diesem Zusammenhang wurden nukleare Antriebssysteme für Automobile, Lokomotiven, Schiffe, U-Boote, Flugzeuge und Raumschiffe konzipiert und projektiert.[1]

Ein visueller Überblick über eine Vielzahl dieser Projekte findet sich unter → Nuclear-Powered Vehicle Concepts from the Mid-20th Century.

Nur wenige dieser Ideen wurden realisiert, wie beispielsweise Schiffe oder U-Boote mit atomarem Antrieb oder nukleare Batterien. Einige sind in den letzten Jahren wieder aufgegriffen worden.

Automobile und Busse

Im August 1954 wurden offenbar in der Sowjetunion erste "Versuche zum Bau von atomgetriebenen Kraftfahrzeugen" durchgeführt.[2] Mitte der 1950er Jahre wurden auch Visionen von Atombussen und –transportern entwickelt, die Wüsten in kürzester Zeit durchqueren sollten.[1]

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Astral - The Atomic Powered Studebaker

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The 1960Ford Nucleon

1957 entwarf der US-Konzern Studebaker die Studie eines Atomautos namens "Astral", das auf einem einzigen Rad fahren und von einem Kreisel stabilisiert werden sollte. Ein Energieschild sollte für Unfällen schützen.[3]

1957 begann der Automobilkonzern Ford mit Forschungen an einem atomgetriebenen Auto "Nucleon", für das sich auch die US-Regierung interessierte. 1958 wurde der Zukunftswagens zum ersten Mal präsentiert. Er sollte einen Reaktor im Heck des Fahrzeugs als Antrieb nutzen und eine Reichweite von 5.000 bis 8.000 Kilometer besitzen. Anstelle von Tankstellen waren Servicestationen geplant, an denen der Reaktor als Ganzes ausgetauscht werden sollte.[4][1] Darüber hinaus präsentierte Ford als weitere nuklearbetriebene Modelle den FX Athos und den Seattle-ite XXI.[5]

Ebenfalls 1958 stellte Simca im französischen Nanterre das Automobil "Fulgur" (Blitz) mit einer ähnlichen Reichweite wie der Nucleon und einer Höchstgeschwindigkeit von 150 Kilometer pro Stunde vor.[1] Der Fulgur hatte ein avantgardistisches Design und sollte mit einem kleinen Reaktor mit vier Brennstäben ausgerüstet werden. Die Modelle Nucleon und der Fulgur waren jedoch zu schwer, zu teuer und zu gefährlich, weshalb sie nie in Produktion gingen.[6]

2009 wurde auf der Chicago Auto Show das Cadillac World Thorium Fuel Concept vorgestellt, ein Atomwagen mit 340 PS. Das Auto war mit einem Thorium-Reaktor zur Energieerzeugung für einen Laser ausgerüstet. Der Laser sollte Wasser erhitzen und Dampf erzeugen, der Dampf sollte eine Turbine antreiben. Nach Angaben des Herstellers sollte das Auto mit 8 Gramm Thorium 500.000 Kilometer zurücklegen können. Bis 2011, als über das Modell berichtet wurde, war allerdings kein funktionsfähiger Thoriummotor entwickelt oder ein Zeitplan genannt worden.[7][8]

2014 wurde eine Nuklearbatterie mit dem radioaktiven Isotop Strontium-90 entwickelt, die elektrochemische Energie erzeugen und auch im Automobilbereich eingesetzt werden sollte.[9]

Lokomotiven

Am 1. Januar 1954 veröffentlichte Professor L. B. Borst von der physikalischen Fakultät der Universität Utah eine Machbarkeitsstudie zur einer atombetriebenen Lokomotive, an der auch Unternehmen wie Babcock und Wilkox und General Electric beteiligt waren. Die Energie für die Lokomotive sollte ein 30.000-KW-Leichtwasserreaktor mit Uran-235 als Brennstoff liefern.[10]

Die Atomlokomotive hatte die Bezeichnung X-12, sollte 360 Tonnen wiegen und eine Länge von 160 Fuß besitzen. Der Reaktor sollte in einer massiven 200-Tonnen-Schutzwand eingeschlossen werden, um ein Austreten von Radioaktivität zu verhindern. Die Produktionskosten wurden auf 1,2 Mio. US-Dollar ohne Brennstoff geschätzt.[11] Wegen zu hoher Urankosten wurde die Rentabilität im Vergleich zu Dampf- und Dieselloks jedoch schon 1954 als gering erachtet. Das Verteidigungsministerium wollte jedenfalls nicht in die Entwicklung investieren.[12]

1956 wurde im "Hamburger Abendblatt" berichtet, dass die Deutsche Bundesbahn eine atombetriebene Lokomotive mit einem gasgekühlten Atomreaktor plane, die mit "einem 5916-PS-Motor billiger fahren würde als dampfgetriebene Maschinen". Die Baukosten wurden auf zwei Mio. Deutsche Mark geschätzt.[13] 1957 veröffentlichte die Deutsche Bundesbahn einen Artikel über Atomlokomotiven, bestritt aber, dass sie selbst den Bau eines solchen Vehikels plane.[14]

1958 berichtete der "Spiegel", dass es auch in der Sowjetunion schon seit Jahren Pläne für Atomlokomotiven mit 100.000 PS Leistung gegeben habe, die Güterwaggons mit 1.000 Tonnen Kapazität über neue Eisenbahnlinien transportieren sollten.[15]

→ books.google.de: The Atomic Locomotive abgerufen am 14. August 2015
→ hobby Das Magazin für Technik: Auf Bahnsteig 3 - Atom-D-Zug vom 7. Juli 1954

Schiffe und U-Boote

Atomschiffe

NS Savannah exterior MD2.png

NS Savannah

Seit den 1950er Jahren sind nicht nur militärische, sondern auch zivile Schiffe mit Nuklearantrieb gebaut worden:

  • die NS Savannah (USA), die als Vorzeigeprojekt für Roosevelts "Atoms for peace" diente,

Außer der Sewmorput sind alle anderen zivilen Atomschiffe stillgelegt worden.

Daneben wurden und werden auch atomgetriebene Oberflächenschiffe für militärische Zwecke in diversen Staaten betrieben. Die Quellenlage hierzu ist jedoch problematisch. Folgt man den Angaben der World Nuclear Association (WNA), die zum Teil widersprüchlich sind, handelt es sich um (Atom-U-Boote nicht mitgezählt): 60 russische Militärschiffe (darunter auch Kreuzer und Eisbrecher), 11 US-amerikanische Flugzeugträger und neun US-amerikanische Kreuzer sowie einen französischen Flugzeugträger.[16]

Atom-U-Boote

Entwicklung und Bau von Atom-U-Booten für militärische Zwecke begannen in der Ära des kalten Krieges. Das erste atombetriebene U-Boot war die USS Nautilus, die 1955 zum ersten Mal ablegte. Bis zum Ende des Kalten Krieges 1989 wurden über 400 Atom-U-Boote betrieben oder gebaut – in den USA, der Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich und China. Nach Verhandlung zur Rüstungskontrolle wurde jedoch 300 Atom-U-Boote ausgemustert bzw. nicht mehr bestellt. Heute sollen noch ungefähr 120 im Einsatz sein; zu den Nationen, die Atom-U-Boote betreiben, gehört seit 2009 auch Indien.[16]

Nuklear betriebene U-Boote, insbesondere sowjetische, waren immer wieder in Unfälle und andere Zwischenfälle verwickelt. So versank beispielsweise die Kursk (K-141) am 12. August 2000 in der Barentsee, wobei alle 118 Mitglieder der Besatzung das Leben verloren.[17] Ursache war vermutlich die Fehlzündung eines Torpedos.[18]

Große ökologische Risiken gehen von den nach dem Kalten Krieg ausgemusterten sowjetischen Atom-U-Booten aus, die nun in Murmansk und anderen Häfen des Nordmeers verfallen und darauf warten, verschrottet zu werden. Seit 2003 wird Russland, dem Geld und Know-how fehlten, bei der Entsorgung von Deutschland unterstützt. Gelingt diese nicht rechtzeitig, könnte Radioaktivität austreten und die Umwelt verseuchen.[18] Auf der Kola-Halbinsel und in der Barentsee liegen 120 rostende Atom-U-Boote, deren Risiken von Umweltexperten als "Tschernobyl in Zeitlupe" angesehen werden.[19]

→ Wikipedia: Atom-U-Boot

Flugzeuge

Pläne für atombetriebene Flugzeuge entstanden zuerst im Kalten Krieg. 1951 wurde gemeldet, dass die US-Luftstreitkräfte der Consolidated Vultec in San Diego (Kalifornien) einen Auftrag in Höhe von 100 bis 200 Mio. US-Dollar zum Bau eines Atomflugzeugs erteilt hätten. Der mit Uran-235 betriebene Reaktor für das Flugzeug sei von General Electric hergestellt worden.[20]

1955 bis 1957 absolvierte die US-amerikanische Convair NB-36 H mit einem Atomreaktor an Bord Testflüge. Der Reaktor sorgte jedoch nicht für den Antrieb, es sollte lediglich bewiesen werden, dass ein Flugzeug einen Reaktor befördern und dieser in der Luft betrieben werden könne.[21]

1958 wurden im Magazin "hobby" diverse Entwürfe von US-amerikanischen Unternehmen für atombetriebene Flugzeuge vorgestellt: vom Hersteller Lockheed ein nukleares Verkehrsflugzeug (Studienauftrag durch die US-Luftwaffe) und ein Atombomber sowie vom britischen Unternehmen De Havilland ein Transportflugzeug mit Helium als Kühlmittel, ein Überschallbomber und ein Flugboot. Im Artikel wurde auch auf die Strahlungsgefahr durch den Austritt radioaktiver Stoffe im Heck, auf Absturzrisiken und den aus dem Betrieb resultierenden Atommüll hingewiesen.[22]

Die Sowjetunion führte von 1961 bis 1965 Testflüge mit der Tupulew Tu-119 durch, die mit Atomkraft hätte betrieben werden können, und Anfang der 1970er Jahre mit der Antonow AN-22PLO, einem Prototyp für ein Atomflugzeug. Später stellten die USA und die UdSSR ihre Pläne für Atomflugzeuge ein, da es aufgrund der Interkontinentalraketen keinen Bedarf und zudem Sicherheitsbedenken gab.[21]

Über Entwicklungen in den folgenden Jahrzehnten war in den Quellen nichts zu finden.

2012 wurde bekannt, dass die US-Regierung zusammen mit dem Rüstungskonzern Northrop Grumman Pläne für atomgetriebene Drohnen entwickelt hat. Diese sollten praktisch unbegrenzte Energiereserven besitzen. Die Entwicklung wurde aber ausgesetzt, weil das Projekt politisch nicht vermittelbar war.[21]

Im Juli 2015 kündigte der Flugzeughersteller Boeing an, dass er den Bau eines Flugzeugtriebwerks mit einem Kernfusionsreaktor plane, und reichte dafür einen Patentantrag ein. Als Treibstoff ist ein Gemisch aus Deuterium und Tritium vorgesehen, das durch einen Laser gezündet werden soll. Entstehende Gase sollen eine Turbine antreiben. Das Innere der Brennkammer soll Uran-238 enthalten, durch dessen Wärme über Umwege ein Generator für das Lasersystem angetrieben werden soll. Aufgrund der hohen Komplexität sei aber eine Realisierung in nächster Zukunft nicht zu erwarten.[23]

Raumschiffe

Atombomben und -reaktoren

Project Orion "To Mars by A-Bomb" RARE Footage03:36

Project Orion "To Mars by A-Bomb" RARE Footage

1958 entwarf der US-amerikanische Physiker Stanislav Ulam ein Raumschiff mit dem verheißungsvollen Namen "Orion", das durch schnell nacheinander gezündete Atombomben (davon sollten insgesamt 2.600 an Bord sein) angetrieben und interplanetarische Reisen zum Mars und zum Saturn ermöglichen sollte. Spätere Versionen sollten größere Kolonien zum Nachbarstern Alpha Centauri transportieren. Die Orion sollte einen Durchmesser von 400 Metern und ein Gewicht von acht Mio. Tonnen besitzen. Probleme bereiteten jedoch die Tests, die nur in der Schwerelosigkeit möglich gewesen wären, und die Platzierung der Bomben in die Zündposition. Und für den radioaktiven Atomstaub, der in die Atmosphäre geblasen worden wäre, fand man keine Lösung, weshalb das Projekt nach jahrelanger Forschung im Januar 1964 aufgegeben wurde.[1][6][24]

[Anmerkung: Die Orion aus den 1950er Jahren ist nicht zu verwechseln mit dem neueren Raumschiff Orion MPCV.]

Britische Forscher arbeiteten in den 1950er Jahren an einem Modell, das einer fliegenden Untertassen ähnelte und "anhand von "kontrolliert thermonuklearen Fusionen, ausgelöst durch Laserstrahlen" von der Erde abheben sollte." Es ist nie gebaut worden.[6]

In den späten 1950er und den 1960er Jahren entwickelten die USA ein "System for Nuclear Auxiliary Power" (SNAP), einen kleinen nuklearen Reaktor zur Stromerzeugung im Weltraum, zu Wasser und zu Lande. Der mit angereichertem Uran betriebene Reaktor SNAP 10 A sollte mindestens 500 Watt für ein Jahr oder länger im Weltraum produzieren. Am 3. April 1965 startete eine Raumsonde mit diesem Reaktor und wurde in einen Orbit von 500 Seemeilen gebracht. SNAP 10 A erzeugte anfangs mehr als 600 Watt, wurde aber nach 43 Tagen wegen einer Hochspannungsstörung im elektrischen System des Raumfahrzeugs deaktiviert.[25]

1959 bis 1973 lief in den USA ein Programm für atomar betriebene Raketen (Nuclear Engine for Rocket Vehicle Applications, NERVA), die als Ersatz für Raketen mit chemischem Treibstoff gedacht waren.[26]

Ab 1987 forschten die USA in einem Programm namens Timber Wind an einem atomaren Raketentriebwerk für das SDI-Programm (Abwehrschirm gegen Interkontinentalraketen), das 1992 erfolglos beendet wurde.[27][28]

2003 plante die NASA, die Jupitermonde Ganymed und Callisto durch ein unbemanntes Raumschiff namens "Jupiter Icy Moons Orbiter" (Jimo) erforschen zu lassen, um möglicherweise außerirdisches Leben zu finden. Es sollte 2011 starten, 20 bis 30 Meter lang sein und mit einem Kernreaktor und einem Ionentriebwerk ausgerüstet werden.[29] Die Mission wurde 2005 von der NASA gestrichen.[30]

Die Sowjetunion plante seit den 1960er Jahren zwar den Einsatz atomgetriebener Raumschiffe, verzichtete jedoch auf deren Einsatz, da man eine radioaktive Verseuchung von Landschaften befürchtete. 2009 kündigte der Leiter der russischen Raumfahrtbehörde den Bau eines atomgetriebenes Raumfahrzeugs für interplanetare Reisen an. Das Design sollte bis 2012 entstehen, das Raumfahrzeug nach weiteren neun Jahren fertiggestellt werden.[31]

Plutonium-Batterien und radioaktive Verseuchungen

In der Raumfahrt werden seit Jahrzehnten sogenannte Radionuclidbatterien zur Stromerzeugung eingesetzt, die Energie aus radioaktivem Zerfall gewinnen; der englische Begriff dafür ist Radioisotope Thermoelectric Generators (RTGs). In RTGs werden meist Plutonium oder Americium genutzt. Außerdem wurden sogenannte Radioisotope Heater Units (RHUs) zur Erzeugung von Wärme für die Instrumente entwickelt.[32][26]

Die USA verwendeten ein RTG zum ersten Mal 1961 im Navigationssatellit Transit 4A, ein weiteres 1969 im Wettersatellit Nimbus III. RTGs und zum Teil RHUs wurden in den Missionen Apollo, Pioneer, Viking, Voyager, Galileo, Ulysses, Cassini und New Horizons eingesetzt. Die Mars-Rover Pathfinder, Spirit und Opportunity nutzten zwar Solarenergie, erzeugten die Wärme für die Instrumente aber mit RHUs. Bei der Curiosity-Mission ab 2011 wurde zum ersten Mal der Multi-Mission Radioisotope Thermoelectric Generator zur Erzeugung von Strom und Wärme gleichermaßen verwendet.[32][26] Seit den 1960er Jahren setzten auch die Sowjetunion und später Russland Radionuclidbatterien in der Raumfahrt ein.[31]

Der Einsatz radioaktiver Batterien hat mehrmals zu schweren Unfällen geführt:

Operation Morning Light06:14

Operation Morning Light

Cosmos 954 Russian satellite crash in 1978

  • 1964 stürzte ein Satellit der US-amerikanischen Marine beim Start ab und verteilte ein Kilogramm Plutonium in der Atmosphäre.[33][34]
  • 1978 kontaminierte der Reaktorkern des sowjetischen Satelliten "Kosmos 954" nach einer Bruchlandung 124.000 Quadratkilometer in Kanada.[35]
  • 1996 stürzte die russische Sonde Mars-96 mit 200 Gramm Plutonium ins Grenzgebiet zwischen Chile und Bolivien ab.[36]

Insbesondere während der Mission der Cassini- und Huygens-Sonden zum Saturn, bei der ebenfalls Plutonium-Batterien eingesetzt wurden, gab es 1997 große Befürchtungen. Die Raumfahrzeuge steuerten nämlich nicht direkt ihr Ziel an, sondern näherten sich der Erde noch einmal bis auf wenige hundert Kilometer Entfernung, um Schwung für ihre Reise zu holen. Bei einem fehlerhaften Kurs hätten die Sonden in der Erdatmosphäre verglühen und das Plutonium verteilen können. NASA-Analytiker rechneten, dass dann 5 Mrd. Menschen mit Plutonium im Berührung gekommen wären und daraus 120 bis 2.300 tödliche Krebserkrankungen resultieren könnten. Gegner der Mission bezeichneten diese niedrigen Zahlen als "Wunschdenken" und forderten, auf Plutonium künftig ganz zu verzichten.[36]

Erst 2006 räumte die NASA endgültig ein, welche Gefahren das bei der Weltraumfahrt eingesetzte Plutonium mit sich bringt.[34]

2012 setzte die NASA jedoch ungeachtet dessen zum ersten Mal Plutoniumbatterien beim Marsrover Curiosity ein, nachdem Opportunity und Spirit noch mit Solarzellen betrieben worden waren.[33]

2013 wurde berichtet, dass die Vorräte an Plutonium-238 zu Ende gingen und deshalb Deep-Space-Raumflüge gefährdet seien.[37] Ab Dezember 2015 ließ die NASA, die noch 35 Gramm besaß, neues Plutonium-238 herstellen. In den Laboratorien in Oak Ridge und Idaho sollen jährlich 300 bis 400 Gramm produziert werden.[38]

Weitere Links

→ islandone.org: Project Orion: Its Life, Death, and Possible Rebirth abgerufen am 14. August 2015
→ NASA: Nuclear Pulse Propulsion: Orion and Beyond vom Juli 2000
→ NASA: NUCLEAR PULSE VEHICLE STUDY CONDENSED SUMMARYREPORT (GENERAL DYNAHICS CORP.) vom Januar 1964
→ Wikipedia: Kernenergieantrieb
→ Wikipedia: Antriebsmethoden für die Raumfahrt
→ Wikipedia: Nuklearer Pulsantrieb
→ Wikipedia: Orion-Projekt
→ Wikipedia: NERVA

Mini-Reaktoren für den Garten und SMRs

Die Idee, im Vergleich zu regulären Reaktoren kostengünstigere Mini-Atomkraftwerke zu produzieren, ist Jahrzehnte alt und wurde in den letzten Jahren wieder aufgegriffen.

Erste Minireaktoren bauten die USA und die Sowjetunion bereits in den 1950er Jahren, um in entlegenen Gebieten eine Stromversorgung zu ermöglichen. Technische Grundlage waren Reaktoren in U-Booten.[39]

Als 2008 die Atomenergie vor einer Renaissance zu stehen schien, plante die deutsche Temme AG den Bau eines drei mal drei Meter großen Atomkraftwerks mit Namen "catchy". Es sollte ohne große Infrastruktur auskommen, nur die Wärme eines zerfallenden radioaktiven Isotops nutzen, im Untergrund vergraben werden und daher besonders sicher sein.[40]

Im November 2008 berichtete der "Spiegel", dass das US-amerikanische Unternehmen Hyperion Power Generation ein Miniatomkraftwerk mit 25 MW elektrischer und 70 MW Wärmeleistung entwickelt habe, das millionenfach verkauft werden sollte. Mit der Produktion sollte 2013 begonnen werden. Nach Angabe des Herstellers seien bei dem mit Uranhydrid betriebenen und mit Kalium gekühlten "Hyperion" Unfälle oder Kernschmelzen ausgeschlossen.[39] Im März 2012 wurde ein Prototyp fertiggestellt.[41]

Im Oktober 2014 veröffentlichte die atomfreundliche "Welt" einen Artikel zu diesem Thema, nachdem die USA 450 Mio. Dollar in Miniatomkraftwerke investiert hätte. Man stieß damit in der Industrie aber auf wenig Gegenliebe, die Probleme bei Finanzierung und Regulierung befürchtete. Während Microsoft-Gründer Bill Gates in eines der Unternehmen, TerraPower, investierte, schlossen sich die französischen Konzerne AREVA und EDF der Initiative nur zögerlich an, da sie lediglich einen kleinen Markt für Minireaktoren sahen.[42] Der ehemalige britische Umweltminister Patersen schlug im gleichen Monat vor, man solle als Maßnahme gegen den Klimawandel in ganz Großbritannien Mini-Atomkraftwerke errichten lassen.[43]

In diesem Zusammenhang sind auch die sogenannten Small Modular Reactors (SMRs) zu nennen. Hierbei handelt es sich nicht um Mini-, sondern Reaktoren kleiner und mittlerer Größe, zu deren Realisierung seit den 1950er Jahren in diversen Staaten immer wieder neue Anläufe gestartet wurden, heutzutage unter dem Label "advanced reactors". Die Pläne für SMRs sind bislang jedoch aus finanziellen und anderen Gründen gescheitert.[44]

Hobby-Atomlabor für Kinder

In den 1950er Jahren sollten sogar Kinder für die Atomenergie begeistert werden. In den USA konnte man für 50 US-Dollar das "Gilbert Atomic Energy Laboratory" kaufen, ein Hobby-Atomlabor, das "vier uranhaltige Erzproben, dazu einen Geigerzähler und eine Mini-Nebelkammer" enthielt.[6] Kinder hantierten offen mit radioaktiven Substanzen: Pb-210 und Po-210 (Alpha-Strahler), Ru-106 (Beta-Strahler), wahrscheinlich Zn-65 (Gammastrahler) und vier uranhaltigen Erzproben.[45][46]

Ein Exponat des Labors, das 1951/1952 vertrieben wurde, liegt im → Deutschen Museum: Ein besonderes Spielzeug: Das Gilbert U-238 Atomic Energy Lab von 1952.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Zeit Online: Das atomare Glück vom 14. September 2006
  2. hobby Das Magazin für Technik: Baut MOSKAU das erste ATOM-Auto vom August 1955
  3. Handelsblatt: 8.000 Kilometer mit einer Uran-Füllung vom 16. November 2009
  4. Die Presse.com: Atomauto: Reaktor im Rückspiegel vom 25. März 2011
  5. Süddeutsche.de: Space Cars - Als gestern noch morgen war (S.13, 14 und 26) vom 10. November 2011
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Spiegel Online: Kernkraft damals - Abgefahren aufs Atom vom 26. Oktober 2009
  7. Fox News: U.S. Company Developing Radioactive Steam-Powered Car Engine vom 19. September 2011 (via WayBack)
  8. Kronenzeitung: Dieser Cadillac bekommt Atomantrieb vom 19. September 2011
  9. Focus Online: Radioaktives Strontium im Tank - Auf zum Atom-Auto! Kommt jetzt der Nuklear-Motor? vom 20. November 2014
  10. babel.hathitrust.org: An Atomic Locomotive (University of Utah) vom 1. Januar 1954
  11. io9: The Days of Atomic Locomotives in America vom 24. April 2014
  12. DER SPIEGEL 35/1954: Die Kraftpille vom 25. August 1954
  13. Hamburger Abendblatt: Deutsche Atomlok? vom 22. November 1956
  14. drehscheibe-online.de: Etwas über Atomlokomotiven vom Januar 1957
  15. DER SPIEGEL 40/1958: Wovon die Sowjets träumen vom 1. Oktober 1958
  16. 16,0 16,1 WNA: Nuclear-Powered Ships abgerufen am 25. August 2015
  17. IAEO: Inventory of accidents and losses at sea involving radioactive material vom September 2001
  18. 18,0 18,1 planet wissen: Die Russische Atom-U-Boot-Flotte vom 31. Oktober 2014
  19. phoenix: U-Boote: Lautlose Giganten der Weltmeere abgerufen am 21. August 2015
  20. Hamburger Abendblatt: Erstes Atomflugzeug im Bau vom 6. September 1951
  21. 21,0 21,1 21,2 Spiegel Online: Unbemannte Späher: US-Regierung besitzt Pläne für Atomdrohnen vom 4. April 2012
  22. hobby Das Magazin für Technik: Wer baut das erste ATOMFLUGZEUG? vom 8. August 1958
  23. Focus Online Revolution in der Luftfahrt - Boeing plant Triebwerk mit Kernfusions-Reaktor vom 19. Juli 2015
  24. Spiegel Online: Projekt Orion: Der Ritt auf der Bombe vom 10. Mai 2014
  25. U.S. Department of Energy: SNAP Overview abgerufen am 20. August 2015 [via Wayback]
  26. 26,0 26,1 26,2 WNA: Nuclear Reactors and Radioisotopes for Space abgerufen am 19. August 2015
  27. fas.org: TIMBER WIND SPECIAL ACCESS PROGRAM vom 16. Dezember 1992
  28. astronautix.com: Timberwind abgerufen am 20. August 2015
  29. Spiegel Online: Jupitermonde: Atom-Raumschiff soll Leben finden vom 11. Dezember 2003
  30. books.google.de: Exoplaneten: Die Suche nach einer zweiten Erde (Seite 141) abgerufen am 18. August 2015
  31. 31,0 31,1 RP Online: Eroberung des Weltraums - Russen wollen mit Atom-Antrieb zum Mars vom 31. Oktober 2009
  32. 32,0 32,1 energy.gov: History of Space Nuclear Power vom 9. Juni 2015
  33. 33,0 33,1 Süddeutsche.de: Mit Atomkraft im Weltall vom 22. August 2012
  34. 34,0 34,1 cjonline.com: NASA finally admits plutonium dangers vom 6. Oktober 2006
  35. Der Tagesspiegel: Kernenergie in der Raumfahrt Die Zerfallswärme wird in Strom umgewandelt vom 18. Juli 2013
  36. 36,0 36,1 DER SPIEGEL 39/1997: Kreuzfahrt ins Ungewisse vom 22. September 1997
  37. heise.de: Plutonium-Engpass gefährdet Deep-Space-Missionen vom 30. September 2013
  38. nuklearforum.ch: USA produzieren wieder Plutonium für Raumfahrt vom 12. Januar 2016
  39. 39,0 39,1 Spiegel Online: Kraftwerke zum Vergraben: Tausende Mini-Atommeiler sollen Großkraftwerke ersetzen vom 13. November 2008
  40. heise.de: Aus den Augen, aus dem Sinn vom 19. März 2008
  41. Focus Online: Erfindung in den USA - Mini-Atomkraftwerk für den heimischen Garten vom 11. März 2012
  42. Welt Online: Firmen forschen an unterirdischen Mini-Reaktoren vom 19. April 2014
  43. Focus Online: Strahlende Idee - Umwelt-Politiker will England mit Mini-AKWs zupflastern vom 21. Oktober 2014
  44. worldnuclearreport.org: The World Nuclear Industry Status Report 2015 (S. 68ff.) vom 15. Juli 2015
  45. orau.org: Gilbert U-238 Atomic Energy Lab (1950-1951) vom 17. September 2004
  46. Daily Grind: World’s Most Dangerous Toys: Gilbert U-238 Atomic Energy Lab vom 23.August 2010

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