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Atommüll im Atlantik

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Radioaktive Verseuchung von Gewässern > Atommüll im Atlantik

Verklappung bis 1993

Ocean dumping of radioactive waste in Atlantic Ocean.png

B=Belgium (2,120TBq), F=France (354TBq), D=Germany (0.2TBq), I=Italy (0.2TBq), N=Netherlands (336TBq), S=Sweden (3.2TBq), C=Switzerland (4,419TBq), G=UK (35,088TBq), US=USA (2,942TBq), SU=USSR (Quelle: IAEA_tecdoc_1105)

Noch bis 1993 wurde Atommüll im Atlantik und im Ärmelkanal zwischen Großbritannien und Frankreich versenkt.

In einer Antwort der Bundesregierung auf eine Große Anfrage aus dem Bundestag wurden 1993 Details über die Versenkung von nuklearen Abfällen in den Weltmeeren bekannt. Bei der radioaktiven Belastung griff die Bundesregierung hierbei auf Daten der Atomlobbyorganisation IAEO zurück. Es wurden im Atlantik, der Ost- und Nordsee und der Irischen See Cäsium-137, Strontium-90 sowie Plutonium-239 und -240 gemessen. In der Londoner Konvention 1983 wurde zunächst ein freiwilliges Moratorium beschlossen. 1992 folgte ein weiteres Übereinkommen, das die Versenkung radioaktiver Abfälle im Nordatlantik verbot.[1]

Somit wurde zwar die Versenkung verboten, dennoch dürfen aber Großbritannien und Frankreich weiterhin große Mengen radioaktiven Abwassers aus ihren Wiederaufarbeitungsanlagen Sellafield und La Hague in den Atlantik ablassen. "Voriges Jahr [1997] maßen Greenpeace-Taucher am Abflußrohr in La Hague eine Radioaktivität, die 17 Millionen mal höher war als die unbelasteter Gewässer. Nicht nur der Ärmelkanal und die Irische See leiden darunter, auch die Küstenbewohner sind betroffen: Die Leukämie-Rate liegt in der Umgebung von Sellafield zehnmal höher als im Landesdurchschnitt."[2] Bei der internationalen Meeresschutzkonferenz in Bremen einigte man sich 2003 darauf, die Einleitung dieser Abwässer schrittweise zu reduzieren und bis 2020 zu beenden.[3]

Erst 2011 wurde offenbar das ganze Ausmaß der Versenkung von Atommüll im Atlantik deutlich. Nach Recherchen des ARD-Magazins "Report Mainz" gehe aus Verzeichnissen der IAEO und Nuclear Energy Agency (NEA) hervor, dass bis 1982 neun Staaten, darunter Deutschland, an 15 Stellen im Nordostatlantik 114.726 Tonnen Atommüll in 222.732 Fässern versenkten. An den Versenkungsstellen wurden erhöhte Konzentrationen von Plutonium-239, -240, Americium-241 und Kohlenstoff-14 gemessen. Auch Tritium wurde verklappt. Viele Atommüllfässer sind mittlerweile aufgeplatzt und löchrig.

Während das deutsche Bundesumweltministerium im November 2011 keinen Anlass für regelmäßige Überwachungen sah, bereitete die IAEO einen neuen Bericht über die Versenkungsgebiete vor. Die erste Versenkungsaktion war anscheinend durch das deutsche Ministerium für wissenschaftliche Forschung eingeleitet worden. "Dabei versenkten Deutschland, England, Frankreich, Belgien und die Niederlande 1967 insgesamt 10'895 Tonnen schwach- und mittelradioaktiven Abfall 400 Kilometer vor der portugiesischen Küste. Der deutsche Atommüll stammte von der Gesellschaft für Kernforschung in Karlsruhe."[4][5][6]

Im Juni 2013 wurde berichtet, dass auch die Schweiz nach 1969 Atommüll im Atlantik verklappte. "7420 Fässer mit einem Gewicht von 5321 Tonnen hat die Schweiz an drei Standorten im Atlantik versenkt. (...) Die Schweiz kommt mit ihrer umstrittenen Entsorgungsstrategie im Atlantik auf den unrühmlichen Platz zwei hinter Grossbritannien." Verantwortliche und Umweltschützer streiten nun über die Gefahren der radioaktiven Abfälle.[7] Die Schweizer Regierung dementiert, genauere Informationen über Anteil und Zustand der Atommüllfässer aus dem AKW Beznau zu haben und weigert sich, dies zu prüfen.[8]

Nach einer Meldung vom 31. März 2014 plant die deutsche Bundesregierung eine Untersuchung des im Atlantik verklappten Atommülls und der Auswirkung radioaktiver Stoffe auf lebende Organismen.[9]

Da nach Ansicht der Nuclear Energy Agency (NEA) nur noch eine schwache Strahlenexposition auftritt, wurde die Überwachung des Atommülls auf dem Meeresgrund mittlerweile aufgegeben.[10]

Deutschlands Idee von der billigen Entsorgung ...

  • Deutscher Atommüll auf dem Meeresboden wird zur tickenden Zeitbombe
    "Mehr als 200.000 Atommüllfässer verrosten vor den Küsten Europas. Eine Zeitbombe? (...) Auch Deutschland ließ Atommüll ins Meer kippen. Ein vertrauliches Sitzungsprotokoll aus dem Jahr 1962 nennt den Grund: (...) "Die Kosten bei der Zwischenlagerung vermindern sich bei einer endgültigen Beseitigung durch Versenken in das Meer besonders augenfällig (Verwendung billigster Behälter)."" Quelle: Video
Strahlende Altlast (XL-Version)09:34

Strahlende Altlast (XL-Version)

Report Mainz vom 1. November 2011

"Die internationale Versenkung von Atommüll – Deutschland hatte sie angestoßen: Das beweist dieser amtliche Vermerk: Danach findet auf Anregung eines Referats im Bundesforschungsministerium die erste internationale Versenkungsaktion statt. Deutschland, England, Frankreich, Belgien und die Niederlande sammeln mehr als 10.000 Tonnen Atommüll."[11]

... und die Folgen

  • Versenkte Atommüllfässer
    "Ganz am Anfang, als diese Versenkungen waren, war das praktisch geheim. Da hat überhaupt niemand darüber gesprochen. Heute ist dieser Atommüll eine tickende Zeitbombe. Viele Fässer sind mittlerweile undicht. (..) Zudem gibt es seit fast zwölf Jahren keine Messergebnisse mehr aus den Versenkungsgebieten." Quelle: Video

    Weitere Informationen von Report Mainz mit Belegen:
    swr.de: Deutscher Atommüll auf dem Meeresboden wird zur tickenden Zeitbombe
Versenkte Atommüllfässer -- Röttgen will sich für Überwachungsprozesse einsetzen02:09

Versenkte Atommüllfässer -- Röttgen will sich für Überwachungsprozesse einsetzen

Report Mainz vom 16. Dezember 2011

Was unternimmt Deutschland?

Am 8. November 2011 forderte die SPD-Bundestagsfraktion in einem Antrag die Bundesregierung auf, ein "Monitoring für versenkte Atommüllfässer im Atlantik sicher[zu]stellen und Maßnahmen gegen weitere Strahlenexposition ein[zu]leiten". Da die OSPAR-Kommission (Kommission zum Schutz und zur Erhaltung des Nordostatlantiks und seiner Ressourcen) 2010 eine erhöhte Konzentration radioaktiver Substanzen, wie z. B. Plutonium, festgestellt hatte, solle sich die Bundesregierung international für kontinuierliche Messungen der radioaktiven Strahlung und der Veröffentlichung der Ergebnisse einsetzen.[12]

Der Antrag der SPD-Fraktion war eine Reaktion auf eine Sendung von "Report Mainz" am 1. November 2011, in der auf die Verseuchung des Atlantiks und erhöhte Konzentrationen von Plutonium 238, Plutonium 293, Plutonium 240, Americium 241 und Kohlenstoff 14 hingewiesen wurde.[13]

Am 26. Juni 2013 wurde der Antrag mit der Mehrheit der schwarz-gelben Koalition abgelehnt, mit der Begründung, die Bundesregierung habe das Thema bereits in die OSPAR-Kommission eingebracht und sei gebeten worden, einen Vorschlag für ein geeignetes Monitoringprogramm zu machen. Da auch Stellungnahmen von der IAEO einbezogen werden sollen, habe sich der Bericht jedoch verzögert und solle 2014 vorgelegt werden. Er sollte die Forderungen aus dem Antrag der SPD beinhalten.[14]

Ärmelkanal

  • Tausende Tonnen Atommüll im Ärmelkanal
    "Nach Informationen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) waren rund 28.500 Fässer mit insgesamt 17.244 Tonnen schwachradioaktiven Materials von 1950 bis 1963 von Großbritannien und Belgien in den Unterwassergraben Hurd Deep nordöstlich der britischen Kanalinsel Alderney versenkt worden. Die britischen Fässer enthalten nach IAEA-Angaben 58 Billionen Becquerel, die belgischen 2,4 Billionen Becquerel Alpha-, Beta und Gammastrahlung. Der EU-Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 10 Becquerel pro Liter."[15]
Tausende Tonnen Atommüll im Ärmelkanal03:20

Tausende Tonnen Atommüll im Ärmelkanal

ARD, tagesthemen vom 11. April 2013

480 Fässer kamen aus Deutschland. Da es sich um schwach- bis mittelradioaktiven Atommüll handelt und keine Emissionen gemessen wurden, sahen die beteiligten Regierungen keinen Handlungsbedarf.[16]

Ostsee

Die Ostsee gilt als eines der am stärksten radioaktiv verseuchten Meere. Dies ist auf eine radioaktive Wolke aus Tschernobyl 1986 zurückzuführen, die über die Ostsee zog, oberirdische Atomtests sowie Zuleitungen radioaktiven Wassers aus umliegenden Atomkraftwerken.

Im Februar 2010 wurde in Pressemeldungen berichtet, dass radioaktiver Abfall aus russischen Beständen zwischen 1990 und 1992 in der Ostsee vor der schwedischen Urlaubsinsel Gotland verklappt worden sei, was die russische Marine dementierte.[17][18]

La Hague

Aus der Wiederaufarbeitungsanlage bei La Hague fließen jährlich rund 500 Mio. Liter radioaktive Abwässer in den Atlantik. Aus der Verseuchung der umliegenden Meeresgebiete resultiert ein Anstieg der Blutkrebsrate bei Kindern und Jugendlichen. Laut Greenpeace ist die Kontamination ähnlich hoch wie bei großen radioaktiven Unfällen.[19]

In einer schriftlichen Anfrage an die EU aus dem Jahre 1997 heißt es: "Man schätzt die Menge des [von La Hague und Sellafield] ins Meer eingeleiteten Plutoniums auf 200.000 Kubikmeter pro Jahr. Diese Rückstände sind sehr gefährlich und bleiben 250.000 Jahre radioaktiv." Die französische Regierung verbot deswegen Fischfang und Baden in der Umgebung. Die radioaktive Belastung soll zwar unter den in Frankreich geltenden Grenzwerten liegen.[20] Wir dürfen aber davon ausgehen, dass die atombegeisterten französischen Regierungen die Grenzwerte so hoch wie möglich angesetzt haben.

  • Albtraum Atommüll
    Täglich fließen 400 Kubikmeter radioaktive Abwässer in den Ärmelkanal
    "Wir sind hier genau oberhalb der Stelle, wo das Abflussrohr für Atommüll der Anlage von La Hague rauskommt. (...) Hier drunter fließen durch dieses Rohr jedes Jahr mengenmäßig 33 Millionen 200-Liter Fässer an radioaktivem Abwasser ins Meer. (...) Im internationalen Abkommen von 1993 war es verboten worden, radioaktive Abfälle ins Meer zu werfen - aber nur von Schiffen aus. Auch wenn es paradox klingt, die Einleitung durch unterirdische Leitungen ist weiterhin legal. (...) Manche Isotope wie Jod 129 kann man in Deutschland im Regen und sogar noch in der Arktis messen. (...) Aus diesem Rohr kommen Cäsium, Kobalt und andere Isotope, die man dann in der gesamten Nahrungskette findet." Quelle: Video
Atommüll Wiederaufarbeitungsanlage La Hague - Eine andauernde Verseuchung der Umwelt11:15

Atommüll Wiederaufarbeitungsanlage La Hague - Eine andauernde Verseuchung der Umwelt

Auszug aus dem Dokumentarfilm, 2009

→ AtomkraftwerkePlag: La Hague

Sellafield

In der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield in Großbritannien befindet sich das größte Plutoniumlager der Welt. Von dort aus wurden bis Ende der 1980er Jahre große Mengen Abwässer in den Atlantik gepumpt, die unter anderem Plutonium enthielten. Das Plutonium hat sich am Meeresboden abgelagert und die umliegenden Küsten hochgradig verseucht.[21] Durch Meeresströmungen gelangt das eingeleitete radioaktive Wasser bis in den Arktischen Ozean.

Die Situation war aber auch in den 1990er Jahren besorgniserregend: Laut einer schriftlichen Anfrage an die EU aus dem Jahre 1997 wurden aus La Hague und Sellafield weiterhin 200.000 Kubikmeter Plutonium pro Jahr eingeleitet.[20]

Wie die "FTD" im Jahre 2000 berichtete, forderten wegen radioaktiver Emissionen Irland, Dänemark und Island die Stilllegung der Anlage.[22][23] Greenpeace forderte 2003 lediglich, die Einleitung radioaktiver Abwässer sofort zu verbieten.[24] Sellafield soll erst im Jahre 2018 geschlossen werden.[21]

In der Nähe von Sellafield befindet sich außerdem das Lager Drigg, in dem eine Millionen Tonnen Atommüll gelagert werden. Die britische Umweltbehörde geht davon aus, dass das Lager, das nur fünf bis zwanzig Meter über dem Meeresspiegel liegt, im Meer versinken und die Westküste Großbritanniens radioaktiv verseuchen wird.[25]

→ Deutscher Bundestag: Endlager Meeresgrund (Drucksache 17/ 10548) vom 27. August 2012 (mit einer Liste der aus der WAA Sellafield von 1995 bis 2010 in den Atlantik eingeleiteten radioaktiven Substanzen)
→ AtomkraftwerkePlag: Atomunfall Sellafield (ehemals Windscale), Großbritannien 1957

Weitere Quellen

→ IAEA: IAEA-TECDOC-1105 - Inventory of radioactive waste disposals at sea (PDF) vom August 1999
→ Wikipedia: Verklappung und OSPAR

(Letzte Änderung: 20.04.2016)

Einzelnachweise

  1. Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung (Drucksache 12/6506 vom 27. Dezember 1993
  2. SPIEGEL SPECIAL 11/1998: See in Not vom 1. November 1998
  3. Mitteldeutsche Zeitung: Nord- und Ostsee - Minister finden Kompromisse zum Meeresschutz vom 26. Juni 2003
  4. SF Schweizer Fernsehen:Strahlenalarm: Atommüll-Fässer im Atlantik undicht vom 2. November 2011 [Seite nicht mehr verfügbar]
  5. Focus Online: Atommüll im Nordatlantik - Radioaktivität entweicht aus undichten Fässern vom 1. November 2011
  6. PLOS: Human Activities on the Deep Seafloor in the North East Atlantic: An Assessment of Spatial Extent (Wate Disposal, Radioactive Waste) vom 13. September 2010
  7. SRF: Wie Schweizer Atommüll im Atlantik verschwand vom 12. Juni 2013 (mit Video)
  8. Aargauer Zeitung: Regierung foutiert sich um Atommüll auf dem Meeresgrund vom 14. Juni 2014
  9. SWR: Bundesregierung für Untersuchung vom 31. März 2014
  10. Aargauer Zeitung: Aargauer Atommüll auf dem Meeresgrund wird nicht mehr überwacht vom 13. April 2014
  11. swr.de Strahlende Altlast vom 1. November 2011
  12. Deutscher Bundestag: Monitoring für versenkte Atommüllfässer im Atlantik sicherstellen und Maßnahmen gegen weitere Strahlenexposition einleiten (Drucksache 17/7633) vom 8. November 2011
  13. SWR: Im Atlantik versenkte Atommüllfässer laufen aus vom 1. November 2011
  14. Deutscher Bundestag: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Drucksache 17/14177) vom 26. Juni 2013
  15. tagesschau.de: Tausende Tonnen Atommüll im Ärmelkanal vom 12. April 2013 (via WayBack)
  16. strom magazin: Atommüll im Meer: 480 Fässer aus Deutschland vom 16. April 2013
  17. Der Tagesspiegel: Radioaktiver Abfall - Atommüll auf dem Grund der Ostsee vom 6. Februar 2010
  18. taz.de: Atommüll in der Ostsee vom 5. Februar 2010
  19. Greenpeace: Wiederaufarbeitung in La Hague: Schleichende radioaktive Verseuchung und illegale Einleitungen vom Mai 2000
  20. 20,0 20,1 jurion.de: SCHRIFTLICHE ANFRAGE Nr. 3244/97 von Alfonso NOVO BELENGUER an die Kommission. Radioaktive Abwässer vom 20. Oktober 1997 (via WayBack)
  21. 21,0 21,1 FAZ.net: Sellafield in England - Die Atomstadt vom 24. Januar 2013
  22. Der Tagesspiegel: Anschlag auf die britische Atomanlage Sellafield - Kabel von Robotern wurden durchtrennt vom 26. März 2000
  23. Spiegel Online Atromkraft: Steht Sellafield vor dem Aus? vom 25. März 2000
  24. taz.de: Meeresschutzkonferenz - Greenpeace kämpft gegen radioaktive Abwässer vom 25. Juni 2003
  25. taz.de: Altlasten in Sellafield - Atommüll versinkt im Meer vom 22. April 2014

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