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Atomunfälle - Klassifizierung und Übersicht

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Klassifizierung von nuklearen und radiologischen Vorfällen

INES de.png

INES-Skala

Nukleare und radiologische Vorfälle werden mit der "International Nuclear and Radiological Event Scale" (INES), übersetzt "Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse", eingestuft. Diese Skala wurde 1989 von der IAEO und der (OECD/NEA) entwickelt und wird mittlerweile von 74 Staaten benutzt.[1]

INES unterscheidet je nach Schwere der Ereignisse zwischen Störfällen und Unfällen und enthält folgende Stufen:[2]

7 – Katastrophaler Unfall
6 – Schwerer Unfall
5 – Ernster Unfall
4 – Unfall
3 – Ernster Störfall
2 – Störfall
1 – Störung
0 – Unterhalb der Skala, Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung

Die IAEO stellt eine Liste zur Verfügung, in der neuere Ereignisse beschrieben werden:

→ IAEO: Events

Weitere Informationen zu INES unter:

→ IAEO: The International Nuclear and Radiological Event Scale (INES) (Flyer mit beispielhaften Störfällen)
→ IAEO: Challenges for Removal of Damaged Fuel and Debris von 2013 (englisch)
→ GRS: RS-Handbuch von 12/2001 (via Wayback)


GAU = Größter anzunehmender Unfall = Katastrophaler Unfall (INES)

Precursor-Analysen

Neben der relativ groben INES-Klassifizierung gibt es die sogenannten Precursor-Analysen (Precursor = Vorbote), die eine differenziertere Betrachtung ermöglicht. Hier wird ermittelt, "inwiefern beziehungsweise mit welcher Wahrscheinlichkeit Zwischenfälle in Atomkraftwerken, bei denen es noch nicht zu einem Kernschaden kam, zu einem solchen hätten führen können." Precursor-Analysen wurden in Deutschland durch die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) durchgeführt, wie Dokumente des Bundestages belegen.[3]

Listen von Atomunfällen

Corium

Bei den schweren Reaktorunfällen in Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima haben sich Kernschmelzen ereignet. Dabei entstand Corium, eine lavaähnliche Mischung aus Brennstoffen, Brennstäben und Werkstoffen. Corium sammelt sich am Boden des Reaktorbehälters und kann diesen durchdringen, wobei dann auch Beton in die Mischung aufgenommen wird. In Tschernobyl war das Corium bei seiner Entdeckung zwar bereits verhärtet. Es neigt jedoch über die Jahre zur Verwitterung, wodurch große Mengen von radioaktiven Spaltprodukten über kurz oder lang in die Umwelt gelangen werden.[4]

Auch beim GAU von Fukushima wurde Corium gebildet. Im März 2011 wurde befürchtet, dass das Corium mit dem Wasser im äußeren Schutzreaktor reagieren und eine Dampfexplosion mit Freisetzung von radioaktiven Stoffen verursachen könnte.[5] Im Mai 2011 wurden Coriumklumpen mit radioaktiven Spaltprodukten auf den Böden der Reaktordruckgefäße der Fukushima-Einheiten 1, 2 und 3 entdeckt. Ob sie in den Boden eingedrungen sind, war unbekannt.[6]

In einem vom der Lobbyorganisation Deutsches Atomforum 2013 veröffentlichten Artikel wird davon ausgegangen, dass das Corium in den Reaktorsockel in Fukushima eingedrungen ist, diesen aber nicht durchdrungen hat.[7] Wieviel Corium verschmolzen ist und wo es festgebacken ist, war auch 2013 ungewiss, da niemand die verstrahlten Gebäude betreten konnte.[8]

Um bei potenziellen schweren Unfällen einen entstandenen Corium-Schmelzsee auffangen zu können, wurden in einigen neueren Reaktortypen, wie z. B. dem Europäischen Druckwasserreaktor (EPR), die Betonsockel verstärkt oder Auffangvorrichtungen angebracht.[9]

Bei Atomunfällen entstandenes oder künstlich erzeugtes Corium ist auch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Je nachdem, welche Werkstoffe und Gase aufgenommen wurden, werden unterschiedliche Klassen von Corium unterschieden.[10]

→ Wikipedia: Corium

(Letzte Änderung: 21.04.2017)

Einzelnachweise

  1. IAEO: The INES Scale abgerufen am 19. September 2015
  2. GRS: INES – The International Nuclear and Radiological Event Scale abgerufen am 15. Juni 2013
  3. Deutscher Bundestag: Elf Precursor-Fälle in AKW von 2007 bis 2009 vom 30. Juli 2014; Deutscher Bundestag: Precursor-Analysen von Zwischenfällen in deutschen Atomkraftwerken (Drucksache 18/2108) vom 14. Juli 2014
  4. FAZ.net: Reaktorruinen - Kehraus nach der Kernschmelze vom 19. April 2011
  5. taz.de: Nukleare Katastrophe in Japan - Angst vor der Schmelze vom 25. März 2011
  6. Welt Online: Die Angst vor den hochradioaktiven Corium-Klumpen vom 25. Mai 2011
  7. kernenergie.de: Fukushima two years after the tsunami – the consequences worldwide vom März 2013
  8. taz.de: AKW-Ruine in Fukushima - In der Strahlenhölle vom 11. März 2013
  9. dradio.de: Französische Atomkraftwerke müssen nachgerüstet werden vom 17. April 2013
  10. RWTH Aachen: Untersuchungen zum Wechselwirkungsverhalten keramischer Schutzschichten und Betonen mit Hochtemperatur-Metallschmelzen von 2005

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