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Bestand an Atomsprengköpfen

B61 Nuclear bomb - Prima Air Museum 2012

Atombombe vom Typ B61, ausgestellt im Pima Air & Space Museum (Tucson, Arizona, USA)

Derzeit verfügen laut Angaben der Federation of American Scientists (FAS) neun Staaten über Atomwaffen.

Der Bestand an Atomsprengköpfen weltweit, der 1986 mit 70.300 seinen Höhepunkt erreicht hatte, wird derzeit auf insgesamt 14.485 geschätzt. Davon befinden sich rund 9.335 in militärischen Beständen, der Rest soll abgebaut werden (Stand: Juni 2018).[1]

Der Gesamtbestand verteilt sich wie folgt:

Staat Atomsprengköpfe
Russland 6.850
USA 6.450
Frankreich 300
China 280
Großbritannien 215
Pakistan 140 bis 150
Indien 130 bis 140
Israel 80
Nordkorea 10 bis 20

Quelle: Federation of American Scientists (FAS)[1]

Uran und Plutonium

Für den Bau von Atomwaffen benötigt man Uran und Plutonium. Beide Substanzen wurden bereits militärisch verwendet, bevor man begann, sie für die Stromerzeugung und Isotopenproduktion zu nutzen. Waffenfähiges Uran muss hochangereichert sein und mindestens 90 % des Isotops Uran-235 enthalten. Waffenfähiges Plutonium muss zu über 90 % aus Plutonium-239 bestehen und wird in speziellen Reaktoren erzeugt, in denen Natururan verwendet wird.[2][3]

In zivilen Reaktoren hingegen wird laut World Nuclear Association (WNA), der größten internationalen Lobbyorganisation für Atomenergie, nur mit bis zu 5 % Uran-235 und rund 60 % Plutonium-239 gearbeitet. In Druckwasser-, Siedewasser- und Druck-Schwerwasserreaktoren sei bislang kein waffenfähiges Plutonium erzeugt worden.[2][3]

Seit den 1990er Jahren ist ein Großteil des waffenfähigen Urans mit abgereichertem Uran-238 verdünnt und zur Stromproduktion verwendet worden. Außerdem wurde damit begonnen, waffenfähiges Plutonium, gemischt mit abgereichertem Uran, für den gleichen Zweck zu nutzen.[2]

Reaktoren zur Produktion waffenfähigen Plutoniums

An folgenden Standorten wurde oder wird waffenfähiges Plutonium produziert (die meisten der aufgeführten Reaktoren sind mittlerweile stillgelegt):

Reaktoren zur
Plutoniumherstellung

stillgelegte NuclearPowerPlant-black24x24 aktive NuclearPowerPlant-yellow24x24
Russland Majak 8 2
Sewersk/Tomsk-7 5
Krasnojarsk-26/Schelesnogorsk 3
Troizk 6
USA Hanford 9
Savannah River 5
X-10 Graphitreaktor 1
Frankreich Marcoule 5
China Jiuquan 1
Guangyuan 1
Großbritannien Sellafield (Pile 1, 2) 2
Calder Hall 4
Chapelcross 4
Pakistan Kushab 4
Indien CIRUS 1
Dhruva 1
Israel Dimona 1
Nordkorea Yongbyon 5-MW-Reaktor 1

Quellen: siehe in den oben aufgeführten Seiten

Reaktoren zur Produktion von Tritium

Wasserstoffbomben (H-Bomben) benötigen als Zünder eine konventionelle Atombombe, mit der dann eine energiereiche Fusion von Deuterium und Tritium zu Helium ermöglicht wird.[4] Tritium muss wegen seiner kurzen Halbwertszeit von 12,3 Jahren immer wieder nachproduziert werden. An folgenden Standorten wurde oder wird Tritium für Wasserstoffbomben oder andere Atomwaffen hergestellt:

Reaktoren zur
Tritiumherstellung

stillgelegte NuclearPowerPlant-black24x24 aktive NuclearPowerPlant-yellow24x24
Russland Majak (Ruslan, Lyudmila) 2
USA Watts-Bar-1 1
Savannah River 5
Frankreich Celestin/Marcoule 2
Großbritannien Chapelcross 4
Calder Hall 4
China Baotou
Pakistan Kushab
Indien BARC
Madras
Israel Dimona 1
Nordkorea Forschungszentrum Yongbyon

Quellen: siehe in den oben aufgeführten Seiten

Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen

Der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV), auch Atomwaffensperrvertrag genannt, wurde am 1. Juli 1968 unterzeichnet. Er beinhaltet drei wesentliche Vereinbarungen, die von der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) überwacht werden:[5][6]

  • Die fünf am Vertrag beteiligten Staaten mit Atomwaffen (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) verpflichten sich, eine komplette nukleare Abrüstung anzustreben sowie Atomwaffen nicht an andere Staaten weiterzugeben oder diese bei deren Bau zu unterstützen.
  • Die am Vertrag beteiligten Staaten ohne Atomwaffen verzichten darauf, Atomwaffen anzunehmen, zu erwerben oder selbst anzufertigen.
  • Außerdem wird darin die Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie geregelt.

Bislang sind dem NVV-Vertrag 190 Staaten beigetreten. Die drei jüngeren Atommächte, Indien, Pakistan und Israel, sowie der Südsudan haben den Vertrag bislang nicht unterzeichnet. Nordkorea hat seine Mitgliedschaft 2003 widerrufen.[5]

Alle fünf Jahre werden sogenannte Überprüfungskonferenzen abgehalten. Während 2010 noch ein Aktionsplan zu den drei zentralen Vereinbarungen des Vertrags verabschiedet wurde, konnten sich die Teilnehmer 2015 aufgrund wesentlich schwieriger internationaler Rahmenbedingungen nicht einmal auf ein Abschlussdokument einigen.[5]

Die Wirkungsgeschichte des Vertrags ist von Licht und Schatten geprägt. Einerseits hat dieser dazu beigetragen, dass die meisten Staaten der Erde atomwaffenfrei geblieben sind. Andererseits sind die Atommächte nicht gewillt, ihr nukleares Privileg aufzugeben und ihre Bestände an Sprengköpfen abzuschaffen. Nur Südafrika, das vorübergehend Atomwaffen besaß, hat diese verschrottet.

→ Auswärtiges Amt: Text des Vertrages über die Nichtverbreitung von Kernwaffen – NVV – (deutsche Übersetzung) abgerufen am 8. August 2017
→ United Nations Office for Disarmament Affairs (UNODA): Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons

Atomwaffenverbotsvertrag

Am 7. Juli 2017 verabschiedeten Vertreter von 122 Staaten einen Entwurf zum Atomwaffenverbotsvertrag (Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons), der am 20. September 2017 bereits von zahlreichen Ländern unterzeichnet wurde und ab diesem Datum ratifiziert werden soll. Die Atommächte planen jedoch nicht, den Vertrag zu unterzeichnen, ebenso nicht die meisten NATO-Staaten, darunter Deutschland. Sie halten den Atomwaffensperrvertrag für ausreichend.[7][8]

Die unterzeichnenden Staaten verpflichten sich im Atomwaffenverbotsvertrag u.a. dazu, Atomwaffen nicht zu entwickeln, zu testen, zu produzieren, anderweitig zu beschaffen, zu besitzen, zu lagern, weiterzugeben, zu nutzen oder mit der Nutzung zu drohen.

→ United Nations Office for Disarmament Affairs (UNODA): Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons (Vertragstext englisch)

Atomwaffenfreie Zonen

Atomwaffenfreie Zonen sind regionale Ansätze, Frieden und Sicherheit auf der Welt zu konsolidieren und die Bemühungen um Abrüstung und Nichtverbreitung von Atomwaffen zu unterstützen. Vom United Nations Office for Disarmament Affairs (UNODA) werden folgende atomwaffenfreie Zonen aufgeführt:[9]

Vertrag von Atomwaffenfreie Zone in
Bangkok Südostasien Status und Text
Pelindaba Afrika Status und Text
Rarotonga Südlicher Pazifik Status und Text
Semipalatinsk Zentralasien Status und Text
Tlatelolco Südamerika und Karibik Status und Text

Die Mongolei hat sich selbst zu einer atmomwaffenfreien Zone erklärt, die von der Generalversammlung der UNO anerkannt wurde. Weitere Verträge, in denen u.a. das Ziel der Denuklearisierung verfolgt wird, wurden zu folgenden Regionen abgeschlossen: Antarktis, Weltraum, Mond, Meeresboden.[9]

Weitere Links

→ Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI): World nuclear forces
→ United Nations Office for Disarmament Affairs (UNODA): Nuclear Weapons
→ Focus Online Nukleare Bedrohung: Hier lagern in Europa Atomwaffen vom 6. März 2015
Atomwaffen in Deutschland
Atomtests

(Letzte Änderung: 22.07.2018)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 FAS: Status of World Nuclear Forces abgerufen am 22. Juli 2018
  2. 2,0 2,1 2,2 WNA: What is Uranium? How Does it Work? abgerufen am 7. Mai 2017
  3. 3,0 3,1 WNA: Plutonium abgerufen am 7. Mai 2017
  4. Focus Online: Atombombe und Wasserstoffbombe im Vergleich - Das ist der Unterschied zwischen den gefährlichen Waffen vom 4. September 2017
  5. 5,0 5,1 5,2 Auswärtiges Amt: Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV) abgerufen am 8. August
  6. Auswärtiges Amt: Text des Vertrages über die Nichtverbreitung von Kernwaffen –NVV – (deutsche Übersetzung) abgerufen am 8. August 2017
  7. heise.de: UN: 122 Staaten verabschieden Atomwaffenverbotsvertrag vom 9. Juli 2017
  8. UNODA: Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons abgerufen am 12. August 2018
  9. 9,0 9,1 United Nations Office for Disarmament Affairs (UNODA): Nuclear-Weapon-Free Zones abgerufen am 12. August 2017