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Die Lobbyorganisationen > Bürger für Technik (BfT)

Getarnte Lobbyorganisation

Vielleicht war es ja die Frustration wegen der vielen erfolgreichen Bürgerinitiativen der Atomkraftgegner, dass sich die Lobbyorganisation Kerntechnische Gesellschaft (KTG) entschloss: Jetzt gründen wir auch mal eine Bürgerinitiative!

So wurde 2001 durch den Chemiker Ludwig Lindner der Verein "Bürger für Technik (BfT)" ins Leben gerufen. Lindner war bis 2004 Sprecher der Fachgruppe "Nutzen der Kerntechnik" in der Kerntechnischen Gesellschaft (KTG) gewesen.[1]

Die "BfT" bezeichnet sich offiziell als "Gruppe von unabhängigen Bürgern", die technische Problemstellungen vermitteln möchte. In Wirklichkeit handelt es sich aber um eine getarnte Lobbyorganisation der Atomkonzerne, deren Mitglieder sich aus der Kerntechnischen Gesellschaft rekrutieren und die Öffentlichkeit im Internet vom Nutzen der Atomkraft zu überzeugen versucht. "Die meisten der dort veröffentlichten Texte und Studien handeln jedoch von »Windkraft-Lügen« und den Segnungen der Kerntechnik. Der Tenor ist stets derselbe: Atomenergie ist gut, alternative Energien werden überschätzt." Die BfT sandte viele "Leserbriefe" an Zeitungsredaktionen, die oft auch veröffentlicht wurden. Auch werden atomfreundliche Internetseiten insbesondere für Schüler und Studenten betrieben, von denen sich diese Informationen für Schulprojekte und Referate herunterladen können.[1]

Das Verfahren, vermeintliche Bürgerinitiativen zu gründen bzw. echte Bürgerinitiativen zu unterwandern, nennt man auch "Astroturf" (Kunstrasen). Die "Zeit" kritisierte im April 2008: "Als Bürgerinitiative getarnte Lobbyarbeit ist besonders heimtückisch, weil sie einen Vertrauensvorschuss missbraucht. Das Bundesumweltministerium ließ vor zwei Jahren untersuchen, wem die Deutschen am meisten vertrauen, wenn es um das Thema Umweltschutz geht. Bürgerinitiativen belegten Platz zwei (...)." Die "Zeit" nennt in ihrem Artikel weitere Beispiele für diese Vorgehensweise.[1]

In einem Artikel des "Deutschlandfunks" vom November 2008 wurden die "Bürger für Technik" und weitere Beispiele für getarnte Lobbyorganisationen genannt, auch aus anderen Branchen, die von der Organisation LobbyControl als "unanständig" und "demokratieschädlich" bezeichnet werden.[2]

Vor allem im Vorfeld der Bundestagswahlen 2009 und im Rahmen der Marketingkampagne der Energiekonzerne machten sich PR-Agenturen und Gruppen wie die "Bürger für Technik" daran, im großen Stil Wikipedia-Artikel in ihrem Sinne umzuschreiben. So lässt sich feststellen, dass bei den Artikeln zu deutschen Atomkraftwerken positive Schilderungen überwogen.[3]

Selbstdarstellung im Bundestag

Die BfT sind weiterhin aktiv: Zwei Mitglieder der getarnten Lobbyorganisation nutzten beispielsweise im Februar 2013 eine öffentliche Anhörung im Bundestag zur Asse für eine Selbstdarstellung. So schrieb Lindner, dass man die Fässer aus der Asse bergen könne, aber nicht müsse, da ihre Radioaktivität unbedenklich sei. Die unbedenkliche Salzlauge könne in der Nordsee entsorgt werden. Unterstützt wurde diese Sichtweise durch Hermann Hinsch, ebenfalls BfT-Mitglied.[4]

[Anmerkung: Die folgenden Zitate waren in Ausschussdrucksachen des Bundestages enthalten, die im Netz nicht mehr verfügbar sind; den Wortlaut kann man aber auf der Website der BfT finden. Wir haben beides als Quellen angegeben.]

Zitat Dr. Ludwig Lindner:

"Rückholung der Fässer aus dem Bergwerk Asse? Nein !!!!!
(...) Wegen der Unbedenklichkeit der Salzlaugen könnte diese technisch auch direkt in der Nordsee entsorgt werden, wie heute bereits andere Abwässer. (...) Außerdem ist die Abfallaktivität der in der Asse eingelagerten Fässer geringer als die natürliche Aktivität im Asseberg, zu welcher ganz besonders das dort in großen Mengen vorhandene radioaktive Kalium 40 (...) beiträgt. (...) Facit: Die Fässer sollten in der Asse verbleiben"[5][6]

Zitat Dr. Hermann Hinsch:

"Selbst wenn in der Asse etwas passiert, passiert in Wirklichkeit nichts
(...) Das wesentliche Isotop im Salz ist das natürliche Kalium 40. Nicht aus der Tiefe, aber von der Oberfläche des Salzstocks gelangt es in Quellen zu Tage, über 1.000 Becquerel pro Minute! (...) Achtung Strahlenhysteriker: Halten Sie die Mitmenschen auf Abstand! Jede und jeder ist eine Strahlenquelle von 8000 Becquerel, das heißt, eine Quelle für viele tausend Teilchen der radioaktiven Stahlung pro Sekunde!"[7][8] [Anmerkung: Künstlerisch besonders wertvoll ist das Bild im Stil von Wilhelm Busch.]

Zum Vergleich: "Becquerel (Bq): Einheit der Aktivität; gibt die Anzahl der radioaktiven Zerfälle pro Sekunde an. Ein Gramm Radium hat eine Aktivität von 37 Milliarden Bq."[9] Strontium-90 hat gar eine Aktivität von 5,086 TBq/g also 5.086.000.000.000 Bq/g.[10]

→ AtomkraftwerkePlag: Gründung einer atomfreundlichen "Bürgerinitiative"

Autoren des BfT

Alt, Helmut
Keil, Günter
Lindner, Ludwig[11]

(Letzte Änderung: 02.10.2015)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Zeit Online: Atomkraft – ja bitte! vom 18. April 2008
  2. dradio.de: Lobbyismus gut getarnt vom 22. November 2008
  3. stern.de: Streit um Atomkraft - Lobbyisten-Krieg bei Wikipedia vom 21. Juli 2009
  4. heise.de: Experten fordern schnellstmögliche Rückholung des Atommülls aus der Asse vom 21. Februar 2013
  5. bundestag.de Stellungnahme Dr. Ludwig Lindner 17(16)686-A vom Februar 2013 [Website nicht mehr verfügbar]
  6. Bürger für Technik: Rückholung der Fässer aus dem Bergwerk Asse? Nein !!!!! vom 8. Februar 2013
  7. bundestag.de Stellungnahme Dr. Hermann Hinsch 17(16)686-B vom Februar 2013 [Website nicht mehr verfügbar]
  8. Bürger für Technik: Selbst wenn in der Asse etwas passiert, passiert in Wirklichkeit nichts abgerufen am 10. März 2014
  9. wdr.de Abschnitt: Was ist Strahlung? - Das kleine Strahlenlexikon vom 26. April 2011
  10. periodensystem-online.de Das Periodensystem der Elemente online abgerufen am 25. Juni 2013
  11. buerger-fuer-technik.de Zur Energie finden Sie hier folgende Berichte: abgerufen am 10. April 2014

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