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Beznau (Schweiz)

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2 Druckwasserreaktoren • Leistung: 380 MW/380 MW • Typ: W (2-loop)/ W (2-loop) •
Hersteller: Westinghouse • Baubeginn: 1. September 1965/1. Januar 1968 •
Inbetriebnahme: 30. Juni 1969/16. Oktober 1971 •[1][2] Abschaltung: 2029/2031[3]


Beznau-1: Dienstältester Reaktor weltweit

Kkw beznau.jpg

AKW Beznau (Schweiz)

Das Atomkraftwerk Beznau befindet sich im Kanton Aargau, ganz im Norden der Schweiz, nahe Döttingen. Bedenkt man die Hochwassergefahr aufgrund seiner Lage zwischen der Aare und einem Seitenarm des Flusses,[4] das hohe Alter der Anlage und deren Sicherheitsmängel, ist nicht nachvollziehbar, dass das AKW immer noch am Netz ist. Beznau ist lediglich 6 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.[5]

Zur Anlage gehören zwei Druckwasserreaktoren mit je 380 MW Leistung. Beznau-1 ist im Jahr 1969 in Betrieb gegangen und damit der dienstälteste Meiler der Welt. Beznau-2 ist lediglich zwei Jahre jünger. Nach den Beschlüssen des Bundesrats, des Nationalrats und des Ständerats 2011 sollten die Reaktoren eigentlich 2019 bzw. 2022 vom Netz gehen.[6] Im Dezember 2014 wurden die Termine jedoch weit in die Zukunft verschoben: Beznau-1 und - 2 sollen erst 2029 und 2031 nach 60 Jahren Betrieb abgeschaltet werden.[3] Eigentümer und Betreiber des Atomkraftwerks ist die AXPO Holding,[7] Hersteller war Westinghouse.[2]

Beznau-3 verworfen

2008 hatte der Betreiber BKW ein Gesuch für den Bau eines dritten Reaktors in Beznau mit bis zu 1.600 MW Leistung gestellt. Wirtschaft und Gemeinden befürworteten das Gesuch, während Umweltgruppen ein Referendum ankündigten.[8] Nach der Fukushima-Katastrophe wurden alle Gesuche für neue AKW vom Schweizer Umweltministerium jedoch bis auf Weiteres eingefroren.[9]

Am 12. Oktober 2016 zogen die Atomkonzerne in der Schweiz ihre Rahmenbewilligungsgesuche für die Ersatzkraftwerke an den Standorten Beznau, Mühleberg und Niederamt zurück. Dies wurde mit den geänderten Marktbedingungen und dem geplanten Atomausstieg begründet.[10]

Sicherheitsmängel und Hochwassergefahr

Planet e - Risiko Atomkraft Europas Pannenmeiler28:39

Planet e - Risiko Atomkraft Europas Pannenmeiler

ZDF, planet e veröffentlicht auf YouTube am 24. April 2016

Atomkraftgegner in der Schweiz fordern, das AKW Beznau deutlich früher als geplant stillzulegen.[11]

Im Mai 2011 wurde kritisiert, dass es bei der nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernten Anlage Mängel bei der Lagerung von Brennelementen gab, die denjenigen in Fukushima glichen. "Die Kühlung der Becken sei nicht genügend vor Erdbeben und Überflutungen geschützt."[12]

Als weitere Kritikpunkte wurden im März 2012 "Risse im Reaktormantel", "eine mangelhafte Stromversorgung" sowie mangelnder Schutz vor "Extremhochwasser" genannt. Der Betreiber Axpo hält dagegen, es seien in den vergangen Jahren 1,6 Mrd. Franken in die Sicherheit investiert worden, weitere 700 Mio. seien für die nächsten Jahre geplant.[13] Die gleichen Sicherheitsmängel wurden dem AKW Beznau auch durch ein deutsches Gutachten vom Oktober 2012 bescheinigt. Das ENSI widersprach dem Gutachten jedoch und kam zum Schluss, dass es keinen Handlungsbedarf gebe.[14]

Bei der Hochwassergefahr zeigen sich große Diskrepanzen zwischen der Einschätzung des Betreibers und des ENSI einerseits, die das AKW für ausreichend geschützt halten, und derjenigen von Historikern andererseits. Geschichtliche Forschungen haben ergeben, dass sich beispielsweise 1852 und 1480 extreme Hochwasser ereigneten. Was geschieht, wenn sich so etwas wiederholt? "Wenige Kilometer oberhalb des AKWs fliessen Aare, Reuss und Limmat zusammen. Kein Fluss der Schweiz führt so viel Wasser wie hier die Aare. (...) Wenn das Hochwasser wirklich garstig kommt, steht Beznau mittendrin." Der Betreiber zog für seine eigenen Statistiken übrigens nur die Jahre 1877 bis 1993 heran, was ein grob verzerrtes Bild ergibt, da in diesem Zeitraum keine extremen Hochwasser aufgetreten sind. Bundesämter und das ENSI erarbeiten nun neue Szenarien für Hochwassergefahren, die 2016 vorliegen sollen.[15]

Nach dem Beschluss zur Abschaltung des AKW Mühleberg kündigte die Schweizerische Energiestiftung rechtliche Mittel an, um auch eine Schließung des AKW Beznau zu erreichen.[16]

Altersschwäche und rund 1.000 Löcher im Druckbehälter

In einer Studie vom Februar 2014 bezeichneten die atomkritische Schweizerische Energie-Stiftung und Greenpeace die AKW Beznau und Mühleberg als unsicher und forderten dessen sofortige Abschaltung. Hingewiesen wird vor allem auf Alterungsprozesse und Kernschmelzrisiken.[17] → energiestiftung.ch: Risiko Altreaktoren Schweiz (Studie) vom Februar 2014

Bei der Revision 2015 kam es zu gravierenden Problemen: Der neue Deckel des Reaktordruckbehälters passte nicht, außerdem wurden bauliche Unregelmäßigkeiten am Reaktordruckbehälter festgestellt. AXPO muss nun die Sicherheit des Reaktors beim ENSI nachweisen.[18]

Am 8. Oktober 2015 wurde bekannt, dass die Schäden an Beznau-1 gravierender sind als vermutet: Es wurden über 1.000 Löcher am Reaktordruckbehälter entdeckt. Es wurde darüber spekuliert, dass die Einheit möglicherweise nie wieder ans Netz geht.[19] Nachdem 925 schwarze Flecken bei einer Ultraschallprüfung festgestellt wurden, warnte Greenpeace vor Materialfehlern und forderte wegen hoher Risiken die endgültige Abschaltung.[20]

Beznau-2, das längere Zeit abgeschaltet war, ging am 28. Dezember 2015 wieder ans Netz, nachdem der Reaktordeckel ausgewechselt worden war. Beznau-1 soll nach Aussage von AXPO vor Ende Juli 2016 nicht hochgefahren werden.[21]

Meldepflichtige Ereignisse

Laut Greenpeace Schweiz gab es 40 meldepflichtige Ereignisse von 1997 bis 2013.[22]

Greenpeace hat zu Beznau ein Factsheet mit einer Liste von Störfällen veröffentlicht. Danach starben beispielsweise 1992 zwei Arbeiter, die sich in einem nicht abgepumpten Raum mit Argon aufhielten. 1997 kam es zu einem Totausfall des Kühlsystems für zwei Wochen, im August 2009 wurden zwei Arbeiter aufgrund unkoordinierten Arbeitens stark verstrahlt. Seit 2007 häuften sich Störfälle und Schnellabschaltungen.[23]

Der Vorfall vom August 2009 wurde als Zwischenfall der INES-Stufe 2 bewertet.[24] Wegen des Störfalls bescheinigte das ENSI dem AKW Beznau 2010 nur eine ausreichende Betriebssicherheit und leitete ein Strafverfahren ein.[25]

Im Oktober 2013 wurde gemeldet, dass das AKW mit einem neuen Notstromsystem für 500 Mio. Franken ausgestattet werden soll. Außerdem sollen ein neues Anlageinformationssystem eingerichtet und die Reaktordruckbehälterdeckel ausgewechselt werden.[26]

Weitere Links

→ AXPO: Kernkraftwerk Beznau (Informationen des Betreibers)
→ kernenergie.ch: Kernkraftwerk Beznau-1 und -2 (KKB) (Informationen der Lobbyorganisation Deutsches Atomforum (DAtF))
→ SRF: Inbetriebnahme von Beznau I 1969 vom 17. November 2010</ref>

(Letzte Änderung: 28.05.2017)

Einzelnachweise

  1. IAEO: PRIS - Country Statistics/Switzerland abgerufen am 28. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. 3,0 3,1 Berner Zeitung: Nationalrat sagt Nein zu Ausstiegsinitiative der Grünen vom 9. Dezember 2014
  4. WNA Reactor Database: Beznau 1, Switzerland abgerufen am 9. April 2016
  5. Deutscher Bundestag: Unterrichtung durch die Bundesregierung Bericht der Bundesregierung an den Deutschen Bundestag über Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung in den Jahren 1983/84/85 (Drucksache 11/949, S. 13) vom 14. Oktober 1987
  6. NZZ Online: Die Schweiz steigt aus der Atomenergie aus vom 25. Mai 2011
  7. SRF: Die Schweizer Atomkraftwerke im Überblick vom 8. Dezember 2014
  8. nzz.ch: Gesuche für neue AKW reissen alte Gräben auf vom 4. Dezember 2008
  9. UVEK: Doris Leuthard: "Sicherheit hat oberste Priorität" vom 14. März 2011 (via WayBack)
  10. nuklearforum.ch: Axpo, Alpiq und BKW ziehen Rahmenbewilligungsgesuche zurück vom 13. Oktober 2016
  11. Tagesanzeiger: Ein Geburtstagsgeschenk für AKW-Gegner vom 8. März 2012
  12. managermagazin: Schweiz bemerkt plötzlich Probleme vom 6. Mai 2011
  13. Spiegel Online: Zwischenfall im Kühlsystem: Schweizer müssen uralten Reaktor abschalten vom 24. März 2012
  14. Handelszeitung.ch: Gutachten: Sicherheitsmängel im AKW Beznau vom 18. Oktober 2012
  15. woz.ch: Das AKW Beznau bei Hochwasser - Wie monströs wird der Wasserwurm? vom 12. Dezember 2013
  16. Neue Luzerner Zeitung: Juristisches Hickhack um Beznau vom 2. November 2013
  17. SRF: Neue Studie kritisiert die Sicherheit des AKWs Beznau vom 13. Februar 2014
  18. SRF: Grosse Probleme im AKW Beznau vom 16. Juli 2015
  19. blick.ch: Geht Beznau 1 nie mehr ans Netz? Vom 8. Oktober 2015
  20. The Huffington Post: Greenpeace warnt vor Atomkatastrophe an der deutschen Grenze vom 19. Oktober 2015
  21. vorarlberg.orf.at: Atomkraftwerk Beznau wieder am Netz vom 28. Dezember 2015
  22. m.greenpeace.org: 44 Jahre AKW Beznau: Wir sind keine Versuchskaninchen! vom 1. September 2013
  23. m.greenpeace.org: 44 Jahre AKW Beznau – Ein gefährliches Experiment vom 1. September 2013
  24. news.admin.ch: Die Kernanlagen in der Schweiz waren 2009 sicher vom 13. Januar 2010
  25. tagesanzeiger.ch: Warum Beznau und Gösgen kein "gut" erhalten vom 5. Mai 2010
  26. tageswoche.ch: AKW Beznau rüstet für Störfälle nach vom 16. Oktober 2013

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