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Atomkraftwerke Plag

Bohunice (Slowakei)

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Atomenergie in Europa > Slowakei > Bohunice (Slowakei)
Weitere Atomunfälle und Störfälle > Bohunice (Slowakei)

1 Schwerwasserreaktor (Bohunice A1), 4 Druckwasserreaktoren (Bohunice-1 bis 4) •
Leistung: 143 MW/440 MW/440 MW/505 MW/505 MW •
Typ: KS 150/WWER V-230/ WWER V-230/WWER V-213/ WWER V-213 •
Hersteller: Škoda (Bohunice A1), Atomenergo Export/Škoda (Bohunice-1/-2), Škoda (Bohunice-3/-4) •
Baubeginn: 1958/1972/1972/1976/1976 • Inbetriebnahme: 1972/1978/1980/1984/1985 •
Abschaltung: 1977 (Bohunice A1), 2006 (Bohunice-1), 2008 (Bohunice-2),[1] offen (Bohunice-3/-4[2][3]


Noch zwei aktive Reaktoren

Jaslovske Bohunice Power Plant 1.jpg

AKW Bohunice (Slowakei)

Das Atomkraftwerk Bohunice befindet sich im Westen der Slowakei nordöstlich der Stadt Trnava.[4]

Am Standort waren zunächst drei mittlerweile stillgelegte Reaktoren in Betrieb: Bohunice A1, der bereits 1972 abgeschaltet wurde, und Bohunice-1 und Bohunice-2, die in den Jahren 2006 und 2008 vom Netz gingen. 1984 bzw. 1985 gingen die neueren Reaktoren Bohunice-3 und -4 in Betrieb, die bis heute Strom liefern. Eigentümer und Betreiber von Bohunice A1, -1 und -2 ist die Jadrova a vyradovacia spolocnost (Nuclear and Decommissioning Company), von Bohunice -3 und -4 die Slovenské elektrárne.[1] Hersteller waren: Škoda (Bohunice A1), Atomenergo Export/Škoda (Bohunice-1/-2), Škoda (Bohunice-3/-4).[3]

Für die aktiven Reaktoren sind Leistungssteigerungen und Laufzeitverlängerungen geplant.[5]

Zur Abschaltung der beiden älteren Reaktoren Bohunice-1 und -2 vom veralteten sowjetischen Typ WWER-440/V230 hatte sich die Slowakei im Vertrag zum Beitritt zur Europäischen Union verpflichtet.[6] Wegen der Gaskrise zwischen Russland und der Ukraine war 2009 die Stromversorgung in der Slowakei gefährdet, weshalb geplant war, Bohunice-2 gleich nach der Abschaltung wieder hochzufahren, was eine Verletzung des Beitrittsvertrags bedeutet hätte. Kurz darauf wurde dieser Plan wegen einer Ersatzlieferung aus Tschechien verworfen.[7][8]

Im November 2013 erklärte sich das EU-Parlament dazu bereit, die Stilllegung der abgeschalteten Reaktoren Bohunice-1 und -2 durch weitere finanzielle Mittel zu unterstützen.[9]

Partielle Kernschmelze in Bohunice A1

Die beiden gefährlichsten nuklearen Zwischenfälle in den Jahren 1976 und 1977, die sich noch in der damaligen Tschechoslowakei im Reaktor A1 ereigneten, brachten das Land zweimal an den Rand einer Katastrophe.

Im Frühjahr 1976 kamen drei Arbeiter aufgrund eines sich lösenden Deckels eines Brennelementekanals und einer herausschießenden Brennstoffkassette ums Leben. Nur aufgrund einer provisorischen Abdichtung des offenen Kanals wurde eine großer Unfall vermieden.[10]

Noch gefährlicher war eine partielle Kernschmelze am 22. Februar 1977, die als Unfall der INES-Stufe 4 bewertet wurde.[11][12] Ursache des Unfalls war, dass "das Verpackungs- und Feuchtigkeitsabsorptionsmaterial Silikagel nicht von einem Brennelement entfernt worden war und dann den Kühlkanal verstopfte." Mit dem Wasserdampf wurde radioaktive Strahlung in der Umgebung freigesetzt. Dies war nur der letzte in einer langen Reihe von Vorfällen in diesem Reaktor.[13] Der Reaktor wurde noch am selben Tag für immer abgeschaltet.[14]

Weitere Störfälle

1984 ereigneten sich in Bohunice-1 und -2 gleich mehrere Störfälle. Es trat monatelang radioaktiv belastetes Kühlwasser aus, 72 Bolzen zwischen Primär- und Sekundärkreislauf waren beschädigt, die Stromzufuhr in Reaktor 2 fiel aus, und das Kontrollsystem erhöhte die Leistung des ungeschützten AKW unkontrolliert von 80 auf 102 %.[15]

Im mittlerweile stillgelegten Bereich des AKW (Bohunice-1 und -2) sind im August 2014 bei einem Chemieunfall (Arbeiten mit Salpetersäure) zwei Arbeiter schwer verletzt worden. Einer vorhergehenden Meldung, es sei in Bohunice zu einer Explosion gekommen, widersprach die für den Rückbau zuständige Spezialfirma.[16]

Ausbau fraglich

2011 hatte die slowakische Regierung Pläne für einen Ausbau von Bohunice angekündigt,[17] die sich aber bislang nicht weiter konkretisiert haben. Nach einer Meldung von 2012 war zwar eine Inbetriebnahme 2025 geplant, es gibt aber große Probleme mit der Finanzierung des 4 bis 6 Mrd. Euro teuren Projekts.[18]

Die Slowakei verhandelte 2013 mit sechs AKW-Lieferanten wegen der neuen Reaktoren. Die Verhandlungen mit dem russischen Energiekonzern Rosatom gerieten im Juli 2013 ins Stocken, als Rosatom eine Strompreisgarantie forderte. Da diese derzeit nicht möglich sei, müsse der slowakische Staat die Differenz übernehmen, wie der slowakische Wirtschaftsminister Tomas Malatinsky erklärte.[19]

Nach einer Meldung von 2014 verlangt Rosatom nun doch keine Abnahmegarantien mehr. Die Kosten für das Projekt steigen jedoch weiter und wurden 2014 auf 5 bis 10 Mrd. Euro geschätzt.[20]

→ Slovenské elektrárne: Bohunice V2 NPP (Website des Betreibers)
→ AtomkraftwerkePlag: Mochovce (Slowakei)

(Letzte Änderung: 16.11.2016)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Slovak Republic abgerufen am 28. Mai 2014
  2. WNA: Slovakia abgerufen am 30. Mai 2014
  3. 3,0 3,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  4. WNA Reactor Database: Bohunice 3, Slovakia abgerufen am 9. April 2016
  5. Deutscher Bundestag: Atomvorhaben in Europa (Drucksache 18/677) vom 27. Februar 2014
  6. nuklearforum.ch: Slowakei stellt Kernkraftwerk Bohunice-2 wie geplant ab vom 7. Januar 2009
  7. Spiegel Online: Gaskrise: Slowakei knipst Atomkraftwerk wieder an vom 10. Januar 2009
  8. diepresse.com: Energie: Atomkraftwerk Bohunice geht nicht in Betrieb vom 19. Januar 2009
  9. nuklearforum.ch: Mehr EU-Unterstützung für Stilllegungen in Osteuropa vom 25. November 2013
  10. DER SPIEGEL 30/1990: Ohne Megawatt keine Prämie vom 23. Juli 1990
  11. theguardian: Nuclear power plant accidents: listed and ranked since 1952 vom 18. März 2011
  12. jaif.or.jp: Lessons learned - WANO action to improve Nuclear Safety vom 7. August 2012
  13. strahlentelex.de: Havarien ohne Ende im KKW A1 in Jaslovske Bohunice von 2008
  14. IAEO/PRIS: Bohunice A1 abgerufen am 2. Dezember 2013
  15. DER SPIEGEL 17/1987: Mir läuft der kalte Schauer über den Rücken vom 20. April 1987
  16. Augsburger Allgemeine: Chemieunfall in stillgelegtem Atomkraftwerk vom 19. August 2014
  17. Industriemagazin: Tschechien und Slowakei beharren auf Atomenergie vom 29. Juni 2011
  18. wienerzeitung.at: Neuer Reaktor in AKW Bohunice kommt frühestens 2025 vom 3. Oktober 2012
  19. nuklearforum.ch: Rosatom verlangt Garantien für Neubau in Slowakei vom 18. Juli 2013
  20. gtai.de: Slowakei investiert massiv in die Atomenergie vom 11. Februar 2014

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