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Atomfabriken in Deutschland > Brennelementfertigungsanlage Lingen

Betrieb seit 1979

Brennelement-Kernkraftwerk

Brennelemente

Die Brennelementfertigungsanlage Lingen wurde im Januar 1979 in Betrieb genommen. Laut Bundesamt für Strahlenschutz sind 137 meldepflichtige Ereignisse bis April 2017 gezählt worden.[1]

Eigentümer des Werkes in Lingen ist die Advanced Nuclear Fuels GmbH, die unter anderem Namen zunächst zu 100 % Siemens gehörte, seit 2001 zu 100 % der AREVA NP, an der zu zwei Dritteln AREVA und zu einem Drittel Siemens beteiligt sind.[2] Von 2006 bis 2008 fiel das Brennelementewerk damit übrigens unter die Leitung des ehemaligen Executive Vice President Dr. Ralf Güldner, dem heutigen Präsidenten der Atomlobbyorganisation Deutsches Atomforum (DAtF).[3]

Das Werk setzt sich aus einem Fertigungsgebäude und Lagerbereichen für Reststoffe, Zwischenprodukte, Brennstäbe und radioaktive Abfälle zusammen.[2] Zum Werk Lingen gehören noch zwei weitere Standorte in Karlstein und Duisburg, die Komponenten und Rohre zuliefern. Die Fertigung von Brennelementen läuft wie folgt ab: Nach der Konversion von angereichertem Uranhexafluorid zu Urandioxid-Pulver werden Urantabletten gepresst und in Hüllrohre gefüllt. Mit dem Verschweißen der Hüllrohre sind die Brennstäbe gefertigt und werden abschließend zu Brennelementen montiert.[4]

2012 wurden Stresstests angekündigt, bei denen auch für Lingen der Schutz vor Erdbeben, Flugzeugabstürzen, Hochwasser, Wetterkatastrophen, Explosionen, Stromausfällen und Bränden überprüft werden sollte.[5] Laut der Entsorgungskommission (ESK) vom 14. März 2013 wiesen alle Zwischenlager und Brennstofffabriken einen hohen Grad an Robustheit auf und hätten daher den Stresstest bestanden. Die ESK war vom Bundesumweltministerium mit der Durchführung der Stresstests beauftragt worden. [6] Atomkraftgegner kritisieren den Stresstest als "verharmlosend", da er Gefahren wie Terrorangriffe oder "chemische Folgereaktionen" ausblende.[7]

Bundesregierung verweigert Schließung

Umweltschützer kritisieren, dass Deutschland trotz Atomausstiegs Brennelemente im eigenen Land produzieren lässt und das Brennelementewerk Lingen im Atomausstiegsgesetz nicht erwähnt wird. Sie fordern die sofortige Stilllegung.[8] Im Oktober 2012 protestierten neun Umweltaktivisten mit einer mehrstündigen Blockade der Zufahrt gegen den Weiterbetrieb des Brennelementewerks.[9]

Am 7. März 2013 erklärte die Bundesregierung, dass sie die Brennelementefabrik weiter betreiben wolle, denn diese "unterscheide sich grundlegend von Kernkraftwerken und den Sicherheitsgründen, aus denen deren Abschaltung beschlossen worden sei".[10]

Aufgrund einer Kleinen Anfrage des Bundestages teilte die Bundesregierung im April 2013 mit, dass 610 Tonnen angereichertes Uran in den Jahren 2007 bis 2012 in das Brennelementewerk geliefert wurden. Von 82 Tonnen im Jahre 2011 haben sich die Lieferungen auf 189 Tonnen 2012 mehr als verdoppelt.[11]

Im Juli 2013 wurde die Zufahrt der Brennelementefabrik neuerdings von Atomkraftgegnern blockiert, diesmal von 43 Aktivisten, die den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie forderten.[12]

Nach einer Meldung im NDR vom September 2013 weigert sich die Bundesregierung auch aktuell, das Brennelementewerk zu schließen: es stünden Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auf dem Spiel. Ein Antrag Nordrhein-Westfalens auf eine Änderung des Atomgesetzes, die eine Schließung ermöglichen würde, ist auf unbestimmte Zeit vertagt worden.[13]

Neben Lingen gab es in Hanau und Karlstein noch weitere Brennelementewerke, die aber mittlerweile stillgelegt wurden.[14]

Export von Brennelementen

Aus Lingen sind bislang über 30.000 Brennelemente nach Deutschland und Europa geliefert worden.[4]

Obwohl Deutschland den Atomausstieg plant, wird weiter nach Frankreich, Schweden, Finnland, Belgien, die Niederlande, die Schweiz, Spanien und China exportiert.[13] Deutsche Brennelemente werden auch im maroden Atomkraftwerk Doel eingesetzt. → Verkauf an Belgien

Weitere Quellen

→ Landtag Niedersachsen - Kleine Anfrage: Drs. 16/4706 vom 9. März 2012/17. April 2012
→ Entsorgungskommission: ESK-Stresstest für Anlagen und Einrichtungen der Ver- und Entsorgung in Deutschland, Teil 1 vom 14.03.2013 (via WayBack)
→ Entsorgungskommission: ESK-Stresstest für Anlagen und Einrichtungen der Ver- und Entsorgung in Deutschland, Teil 2 vom 18.10.2013 (via WayBack)
AREVA in Deutschland (Homepage)

(Letzte Änderung: 26.08.2017)

Einzelnachweise

  1. BfE: Anlagen zur Kernbrennstoffver- und -entsorgung in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme abgerufen am 30. April 2017
  2. 2,0 2,1 Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Umweltschutz: Brennelementfertigung abgerufen am 23. Oktober 2012
  3. kernenergie.de: Dr. Ralf Güldner, Präsident des DAtF abgerufen am 24. Oktober 2012
  4. 4,0 4,1 de.areva.com: Advanced Nuclear Fuels GmbH: spezialisiert auf Brennelemente (Website und PDF) abgerufen am 24. Oktober 2012
  5. Focus Online: Stresstests für atomare Zwischenlager laufen vom 7. Juni 2012
  6. Entsorgungskommission: ESK-Stresstest für Anlagen und Einrichtungen der Ver- und Entsorgung in Deutschland, Teil 1 vom 14.03.2013 (via WayBack)
  7. taz.de: Atommüll bis mindestens 2120 vom 2. April 2013
  8. Robin Wood: "Uranfabrik Lingen sofort stilllegen!" vom 11. Oktober 2012 (via WayBack)
  9. NOZ: Blockade auf dem Hochseil - Polizei beendet Protestaktion bei Brennelementehersteller in Lingen friedlich vom 12. Oktober 2012 (via WayBack)
  10. Deutscher Bundestag: Urananreicherung erfolgt weiter in Deutschland vom 7. März 2013
  11. Deutscher Bundestag: Seit 2007 wurden 610 Tonnen angereichertes Uran nach Lingen geliefert vom 10. April 2013
  12. NOZ: Blockade von Areva in Lingen ist aufgelöst vom 25. Juli 2013 (via WayBack)
  13. 13,0 13,1 NDR: "Plusminus": Nur halber Atomausstieg - Deutschland exportiert weiter Brennelemente vom 10 September 2013 (via Wayback)
  14. BfS: A.17 Anlagen des Brennstoffkreislaufs in Deutschland Stand 12/11, abgerufen am 10. November 2012 (via WayBack)

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