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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > USA > Browns Ferry (USA)

3 Siedewasserreaktoren • Leistung: 1.155 MW/1.155 MW/1.155 MW •
Typ: BWR-4 (Mark 1)/BWR-4 (Mark 1)/BWR-4 (Mark 1) •
Baubeginn: 1967/1967/1968 • Inbetriebnahme: 1973/1974/1976 •[1] Abschaltung: offen


Der Standort Browns Ferry befindet sich in der Nähe von Athens am Tennessee River im Bundesstaat Alabama. Es war das erste Atomkraftwerk weltweit mit Siedewasserreaktoren, die eine Leistung von mehr als 1.000 MW Leistung besaßen.[2]

Das Atomkraftwerk besteht aus drei Siedewasserreaktoren mit einer Leistung von je 1.155 MW, die 1973 bis 1976 in Betrieb gegangen sind. Die drei Reaktoren waren ab 1985 für lange Zeit abgeschaltet, wurden jedoch 1991 (Reaktor 2), 1995 (Reaktor 3) und 2007 (Reaktor 1) wieder ans Netz genommen. Die drei Reaktoren besitzen Betriebsgenehmigungen bis 2033, 2034, and 2036. Eigentümer und Betreiber ist die Tennessee Valley Authority.[1][2]

Nach 2005 wurde in Browns-Ferry-2 und -3 als Brennstoff auch verdünntes hochangereichertes Waffenuran verwendet.[3] 2010 war der Einsatz von MOX-Brennstoff aus überschüssigem Waffenplutonium geplant.[4]

Am 16. August 2017 genehmigte die Nuclear Regulatory Commission (NRC) eine Leistungserhöhung von 14,3 % für alle drei Einheiten.[5]

Großbrand 1975 und andere Störfälle

Eine hochgefährliche Situation entwickelte sich am 22. März 1975 zwischen 12.15 Uhr und 20 Uhr. Ein Arbeiter hatte sich mit einer Kerze (!) auf die Suche nach Lecks begeben, um diese abzudichten, und dabei hochentzündlichen Polyurethan-Schaumstoff entzündet. Der Schaumstoff war bereits 1963 als gefährlich erkannt und verboten worden, was von der Mannschaft ignoriert wurde. Der folgende Brand griff schnell um sich und zerstörte alle sicherheitstechnisch wichtigen Leitungen. Wegen einer "Kette von Fahrlässigkeiten, Unzulänglichkeiten und fehlerhafter Planung" geriet das komplette Sicherheitssystem außer Kontrolle. Alle Anzeigen über nukleare Vorgänge, alle Stromkreise, die Hauptwasserpumpe und das Notkühlsystem fielen aus. Mit Niederdruckpumpen konnte glücklicherweise der Kühlwasserstand aufrechterhalten werden. Es gelang schließlich, den Reaktor herunterzufahren. Erst nach sieben Stunden war der Brand gelöscht. Nur mit viel Glück war eine Katastrophe verhindert worden.[6][7] Kosten: 281 Mio. US-Dollar.[8]

In den 1980er Jahren kam es zu großen Komplikationen. Nach dem 15. September 1984 musste Browns-Ferry-2 wegen Sicherheitsübertretungen, Bedienfehlern und Design-Problemen sechs Jahre vom Netz (Kosten: 129 Mio. US-Dollar). Am 9. März 1985 wurde allen drei Browns-Ferry-Reaktoren wegen einer Fehlfunktion beim Hochfahren die Betriebsgenehmigungen für lange Jahre entzogen (Kosten: 2,15 Mrd. US-Dollar).[8]

Nachdem die Einheit 1 nach 12 Jahren Stillstand am 24. Mai 2007 wiederhochgefahren wurde, kam es wegen eines Lecks zu Komplikationen. Der Reaktor musste vorübergehend wieder abgeschaltet werden.[9]

Im April 2011 musste das AKW abgeschaltet worden, nachdem es wegen Tornados von der Stromversorgung abgeschnitten wurde. Notfalldieselgeneratoren übernahmen die Stromversorgung, so dass die Brennelemente weiter gekühlt werden konnten.[10]

Im Juni 2011 wurde in den US-amerikanischen Medien berichtet, dass an 48 von 65 AKW-Standorten in den USA Tritiumlecks entdeckt wurden.[11] Nach einer Liste vom Juli 2014 war auch Browns Ferry betroffen.[12] Im Januar 2008 wurde z. B. ein Vorratstank von radioaktivem Wasser überflutet, das in den Boden eindrang. Dies wiederholte sich im April 2010 mit einer Konzentration von 2 Mio. Picocurie je Liter.[13][11]

Im Sommer 2011 wurde das AKW vorübergehend vom Netz genommen, weil der zur Kühlung benutzte Tennessee-River zu warm geworden war.[14] Dies hatte schon im Sommer 2007 zur Abschaltung eines Reaktors geführt.[15]

Im Januar 2015 traten 100 bis 200 Gallonen radioaktiven Wassers wegen eines Lecks aus einer Ablaufleitung in die Umwelt aus.[16]

Weitere Links

→ Tennessee Valley Authority: Browns Ferry Nuclear Plant (Informationen des Betreibers)
→ engineerlive.com: Solving the lightning strike problem at nuclear power plant vom 21. Februar 2013

(Letzte Änderung: 18.08.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/United States of America abgerufen am 3. Juli 2014
  2. 2,0 2,1 Tennessee Valley Authority: Browns Ferry Nuclear Plant abgerufen am 4. Juli 2014
  3. nuklearforum.ch: USA: Einsatz von verdünntem Waffenuran in Kernkraftwerken vom 28. Februar 2005
  4. nuklearforum.ch: USA: Einsatz von Mox-Brennstoff aus Waffenplutonium konkretisiert vom 15. März 2010
  5. nuclearforum.ch: USA: Leistungserhöhung für Browns Ferry vom 18. August 2017
  6. DER SPIEGEL 8/1977: Alarm auf Station SL-1 - Unfälle in Atomkraftwerken (V) vom 14. Februar 1977
  7. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013. S. 334.
  8. 8,0 8,1 tagesschau.de: Kosten von Atomunfällen - Fukushima, Tschernobyl und viele andere vom 11. März 2014
  9. nuklearforum.ch: USA: Komplikationen bei Testlauf von Browns-Ferry-1 vom 3. Juni 2007
  10. FR Online: Tornado-Serie in den USA - Es regnet Metallteile und Schutt vom 28. April 2011
  11. 11,0 11,1 NBC News: Radioactive tritium leaks found at 48 US nuke sites vom 21. Juni 2011
  12. pbadupws.nrc.gov: List of Historical Leaks and Spills At U.S. Commercial Nuclear Power Plants vom 14. Juli 2014
  13. CV News: Third Tritium leak at Catawba Nuclear Station pollutes local water vom 6. November 2013
  14. heise.de: Unzuverlässige Atomkraft vom 10. August 2011
  15. n-tv.de: Hurrikan, Brände, Hitze - Wetter extrem in den USA vom 17. August 2007
  16. al.com: Leak at Browns Ferry Nuclear Power Plant releases tritium into Alabama environment vom 12. Januar 2015

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