Fandom

Atomkraftwerke Plag

Dekontamination und geplante Maßnahmen

1.003Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Kommentare0 Teilen

Die Fukushima-Katastrophe > Dekontamination und geplante Maßnahmen

Zweifelhafte Dekontaminationsmaßnahmen

23.3.22? CRF:放水支援(3号機)※103隊撮影 東日本大震災における災害派遣活動 17.jpg

Seit dem GAU werden große Anstrengungen unternommen, die verstrahlte Umgebung des AKW zu dekontaminieren. Damit sollen jedoch nicht nur die Umweltbedingungen verbessert werden. Premier Abe, dessen Partei eng mit der Atomindustrie verflochten ist, versucht damit auch, eine Normalität vorzugaukeln und die Folgen des Atomunfalls vergessen zu machen. Dies soll ihn bei seinem Ziel unterstützen, die meisten japanischen Reaktoren wieder hochzufahren.[1]

Nach Beobachtungen von Greenpeace können nämlich nur Teile der kontaminierten Landschaft gesäubert werden. Die riesigen Mengen an Atommüll (verstrahlte Erde und Pflanzen) werden in unzähligen Müllsäcken verpackt. Aus den Säcken kann Strahlung austreten, dennoch werden diese zum Teil auf normalen Abfallhaufen gelagert.[2]

Eine Recherche der Nachrichtenagentur Reuters hat ein erschreckendes Bild von den beteiligten Unternehmen mit Tepco an der Spitze ergeben. "Für das Abbauen der AKW-Reaktoren und die Säuberung der Umgebung ist ein dubioses, undurchschaubares Geflecht aus Hunderten Firmen und Subunternehmen verantwortlich, viele von ihnen ohne jegliche Erfahrung mit nuklearer Arbeit und mit zum Teil Verbindungen ins organisierte Verbrechen." Die Arbeiter, oft aus sozialen Randgruppen, leiden unter der Ausbeutung und sind völlig von den Unternehmen abhängig.[3]

Einen Bericht über heimatlose Billiglohnarbeiter, die bei den Dekontaminationsarbeiten in der Region Fukushima eingesetzt werden, hat Reuters Ende 2013 verfasst.

→ Reuters UK: Special Report - Japan's homeless recruited for murky Fukushima clean-up vom 30. Dezember 2013
→ euronews: Endlich Arbeit: Putzjob in Fukushima vom 31. Dezember 2013 (Video über die Anwerbung eines Obdachlosen)

Geplante Maßnahmen

Im Juli 2012 wurde angekündigt, dass mit einer Entkernung der vier zerstörten Fukushima-Reaktoren in zehn Jahren begonnen werden könne, gefolgt von einem 40 bis 50 Jahre dauernden Rückbau.[4]

Ob und wie dies umgesetzt werden kann, ist fraglich, da über den Zustand der stark verstrahlten Kerne wenig bekannt ist. Sicher ist jedoch, dass aufgrund der Kernschmelzen Corium entstanden ist. Im März 2011 wurde befürchtet, dass das Corium mit dem Wasser im äußeren Schutzreaktor reagieren und eine Dampfexplosion mit Freisetzung von radioaktiven Stoffen verursachen könnte.[5] Im Mai 2011 wurde gemeldet, dass sich in den Reaktoren 1, 2 und 3 von Fukushima Coriumklumpen mit radioaktiven Spaltprodukten auf den Böden der Reaktordruckgefäße gebildet haben. Ob sie in den Boden eingedrungen sind, war unbekannt.[6] Im Februar 2014 fanden japanische Forscher jedoch eine Methode, wie das Corium lokalisiert werden könnte: mit Hilfe von Myonen, Elementarteilchen, die fast jede Materie durchfliegen, nicht aber Uran. Es könnten rund um die havarierten Reaktoren Sensoren aufgestellt werden, die messen, inwieweit Myonen durch Uran gestreut oder gestoppt wurden.[7]

Im April 2013 besuchten IAEO-Experten das AKW Fukushima und überprüften die mittel- und langfristige Planung der japanischen Regierung und des Betreibers Tepco für eine Stilllegung der havarierten Reaktoren 1 bis 4. Bei folgenden Themen wurden Verbesserungen vorgeschlagen, um internationale Standards zu erfüllen: Stilllegungsstrategie und -planung, Stabilisierung und Kühlung der Reaktoren, Umgang mit dem Austritt radioaktiver Stoffe und Flüssigkeiten, Strahlungsschutz von Arbeitern und Dekontamination.[8] Im Oktober erfolgte ein zweiter Besuch von IAEO-Spezialisten.[9]

Im Dezember 2013 gab TEPCO bekannt, dass eine dauerhafte Stilllegung aller sechs Fukushima-Reaktoren beabsichtigt sei.[10] Mittlerweile werden die Reaktoren bei der IAEO tatsächlich unter der Kategorie "Permanent shutdown" gelistet.[11]

Alles unter Kontrolle?

Verfolgt man die Pannenserie mit, die sich seit Frühjahr 2013 mit schadhaften Sammelbehältern ereignet hat und eine anhaltende massive Verseuchung des Erdbodens, des Grundwassers und des Pazifik mit radioaktivem Wasser nach sich zieht, sind Zweifel an der Wirkung von Tepcos Maßnahmen angebracht. → AtomkraftwerkePlag: Fukushima verseucht Grundwasser und Pazifik

Im Oktober 2013 musste der japanische Ministerpräsident Abe international um Unterstützung bitten und gestand damit ein, dass es Tepco und der Regierung seit 2011 nicht gelungen ist, das zerstörte AKW unter Kontrolle zu bringen: "Mein Land braucht Ihr Wissen und Ihre Expertise". Während einige Beobachter weitere Katastrophen befürchten, sieht Greenpeace die Lage lediglich als kritisch an. Die atomfreundliche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) hält eine weitere Katastrophe sogar für ausgeschlossen, da sich die Brennstäbe nach mehr als zwei Jahren nicht mehr entzünden könnten.[12]

Der deutsche Physiker Sebastian Pflugbeil, Präsident der deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz e.V., der in der Endphase der DDR Minister der Regierung Modrow war und sich für die Stilllegung der DDR-Reaktoren eingesetzt hat, kommt zu ganz anderen Schlussfolgerungen. Die Überreste der Reaktoren würden weiter verfallen, die Brennstäbe seien nicht geborgen und der Untergrund sei so mit radioaktivem Wasser durchtränkt, dass er schwimme und keine Belastungen mehr aushalte, weswegen die Reaktoren absinken. Sollte ein weiteres Erdbeben oder ein Sturm die Reaktoren beschädigen, könnten das Kühlwasser auslaufen und die Brennstäbe neuerdings explodieren. Die Mitarbeiter müssten die Gebäude räumen, und eine neue Katastrophe wäre nicht zu verhindern. Pflugbeil ist sehr skeptisch, ob das AKW Fukushima überhaupt unter Kontrolle gebracht werden kann.[13]

Riskante Bergung von Brennelementen

In den Abklingbecken der havarierten Reaktoren lagern über 11.000 verbrauchte und neue Brennelemente, die sich bei längerem Ausfall der Kühlung und Verdampfen des Kühlwassers erhitzen und gewaltige Mengen an Radioaktivität freisetzen könnten. Robert Alvarez, der früher das US-Energieministerium beraten hat, spricht von "327 Millionen Curie langlebiger Radioaktivität, davon circa 132 Millionen Curie Cäsium-137", die 85fache Menge der Radioaktivität, die in Tschernobyl freigesetzt wurde.[14]

Ab 2014 wurde mit der Entfernung der rund 1535 gebrauchten Brennelemente mit je 72 Brennstäben[15] aus dem Abklingbecken von Reaktor 4 und der Behandlung des verstrahlten Wassers begonnen.[16] Experten bezweifelten, dass der Betreiber und die japanische Regierung in der Lage sind, dies ohne internationale Hilfe zu bewerkstelligen.[17]

Der Nucklearexperte Mycle Schneider hielt die Situation für katastrophal und befürchtete, dass diese vollends entgleiten könnte. Die geplante Bergung der Brennelemente schätzte er als "hochriskantes Unterfangen" ein, und die japanische Bevölkerung für stark gefährdet. Schneider forderte den Einsatz einer internationalen Task-Force.[18]

Die Pläne TEPCOS zur Bergung sind von der japanischen Atomaufsicht genehmigt worden. Die Brennelemente liegen derzeit noch im Kühlbecken. Die japanische Regierung plant außerdem TEPCO aufzuteilen. "Wie die Zeitungen Nikkei und Yomiuri berichteten, ist angedacht, die für die Stilllegung der beschädigten Reaktoren sowie für den Umgang mit verseuchtem Wasser zuständigen Bereiche des Energiekonzerns abzuspalten."[19]

Am 5. November 2014 waren 1331 gebrauchte und 22 nicht verwendete Brennelemente aus dem Reaktor 4 ins zentrale Nasslager im Gelände überführt worden. Der Reaktor 4 war zum Zeitpunkt der Katastrophe 2011 nicht in Betrieb gewesen.[20] Am 20. Dezember wurde gemeldet, dass über 1.500 Brennelemente aus dem Abklingbecken von Einheit 4 entfernt wurden und damit die Bergung beendet wäre. Es sollen nun die Brennelemente in den Abklingbecken der drei weiteren Einheiten geborgen werden.[21]

(Letzte Änderung: 21.04.2017)

Einzelnachweise

  1. Mitteldeutsche Zeitung: Zwei Jahre nach Fukushima - Atomlobby kämpft für das Vergessen vom 10. März 2013
  2. Tiroler Tageszeitung: Meer aus radioaktiven Atommüllsäcken lässt Normalität nicht zu vom 21. Oktober 2013
  3. ORF: TEPCO - Spitze einer fragwürdigen Pyramide vom 25. Oktober 2013
  4. wallstreet-online.de: Mythos von sicherer Atomkraft schuld an Fukushima vom 23. Juli 2012
  5. taz.de: Nukleare Katastrophe in Japan - Angst vor der Schmelze vom 25. März 2011
  6. Welt Online: Die Angst vor den hochradioaktiven Corium-Klumpen vom 25. Mai 2011
  7. Japanmarkt: AKW Fukushima: Wo ist das geschmolzene Corium hin? vom 3. Februar 2014
  8. IAEO: IAEA Delivers Final Report to Japan After Initial Review of Plans to Decommission Fukushima Daiichi und IAEO: Mission Report (via WayBack) abgerufen am 18. Oktober 2013
  9. RP Online: IAEA-Experten untersuchen Atomruine Fukushima vom 14. Oktober 2013
  10. Spiegel Online: Atomruine Fukushima: Betreiber Tepco will alle Reaktoren dauerhaft stilllegen vom 18. Dezember 2013
  11. IAEA PRIS: Japan
  12. stern.de: Wie gefährlich ist die Atomruine? vom 9. Oktober 2013
  13. deutsche-wirtschafts-nachrichten.de: Fukushima: "Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rettung gelingt, geht gegen Null" vom 15. Oktober 2013
  14. tageswoche.ch: Fukushima – noch droht eine weltweite Katastrophe vom 27. Oktober 2013
  15. www-pub.iaea.org: 7. Design Characteristics/Japan/ FUKUSHIMA-DAIICHI-4 abgerufen am 5. November 2013
  16. Neue Zürcher Zeitung: Aufräumarbeiten im havarierten Atomkraftwerk Fukushima Daiichi - Japan stemmt sich gegen das Trauma vom 6. März 2013
  17. heise.de: Japan sucht im Ausland um Rat für AKW-Ruine Fukushima vom 14. Oktober 2013
  18. Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Nuklear-Experte: "Die Lage in Fukushima ist katastrophal" vom 29. Dezember 2013
  19. Zeit Online: Brennelemente in Fukushima dürfen geborgen werden vom 30. November 2013
  20. nuklearforum.ch: Keine ausgedienten Brennelemente mehr in Fukushima-Daiichi-4 vom 11. November 2014
  21. n-tv.de: Aufräumen im Fukushima-AKW - Brennstäbe werden aus Reaktor entfernt vom 20. Dezember 2014

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki