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Der GAU von Fukushima und die Folgen

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Die Fukushima-Katastrophe > Der GAU von Fukushima und die Folgen

11. März 2011 • Explosionen, Kernschmelzen, Freisetzung radioaktiver Stoffe •
INES-Stufe 7 (Katastrophaler Unfall)[1] • Geschätzte Kosten: 260 Mrd. US-Dollar[2]


Erdbeben, Tsunami und Explosionen

Am Freitag, dem 11. März 2011, barst 129 Kilometer östlich der japanischen Küste der Meeresboden, und ein Erdbeben von der Stärke 9,0 erschütterte den Osten Japans. Anschließend erreichten Tsunamis das Land, die sich an manchen Stellen bis zu 20 Meter erhoben. Als direkte Folge des Erdbebens und der Tsunamis starben 20.000 Menschen. Die Atomkraftwerke Tokai und Onagawa wurden nach Beschädigungen heruntergefahren.[3]

Das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi trafen 14 Meter hohe Wellen; die Mauern waren aber nur 11 Meter hoch. Es trat zwar eine automatische Schnellabschaltung in Kraft. Aufgrund der Naturkatastrophe brachen jedoch nacheinander Stromversorgung und Notstromversorgung zusammen. Versuche, die Kernelemente zu kühlen, scheiterten aufgrund defekter Wasserpumpen. Bei einer Explosion wurden in Reaktor 1 Reaktorhülle und Gebäudedach zerstört. In Reaktor 3 ereignete sich eine Wasserstoffexplosion, bei der Arbeiter verstrahlt und verletzt wurden. In Reaktor 2 kam es zu einer weiteren Explosion, als deren Folge Radioaktivität durch die zerstörte Außenhülle nach außen trat und alle Arbeiter das Gelände des AKW verlassen mussten. Auch der Reaktor 4, der zwar abschaltet war, bei dem aber das Kühlwasser zu stark gesunken war, explodierte. Große Mengen an Radioaktivität wurden freigesetzt.[3] Erst am 24. Mai gab der Betreiber TEPCO zu, dass in allen drei aktiven Reaktoren bereits unmittelbar nach dem Erdbeben Kernschmelzen eingesetzt hatten.[4]

Hersteller der vier explodierten Reaktoren waren übrigens drei renommierte internationale Gesellschaften gewesen: General Electric (Einheit 1), GE-Toshiba (Einheit 2), Toshiba (Einheit 3) und Hitachi (Einheit 4).[5]

Nachdem die Fukushima-Katastrophe in der Bewertungsskala INES zunächst in Stufe 5 eingeordnet worden war, wurde sie am 12. April 2011 als katastrophaler Unfall der Stufe 7 (GAU) klassifiziert.[6][7]

Laut einer Analyse von 2013 wäre die Katastrophe von Fukushima in dieser Form vermeidbar gewesen. Sie ist u. a. darauf zurückzuführen, dass die vom Erdbeben und dem folgendem Tsunami ausgehende Gefahr unterschätzt wurde.[8]

Mittlerweile gibt es Zweifel, dass der GAU ausschließlich durch den Tsunami verursacht wurde. Im November 2013 erklärte ein früherer Kraftwerksingenieur von TEPCO, Toshio Kimura, nach einer Analyse von Daten zu den Vorkommnissen im AKW, dass die Kühlflüssigkeit gleich nach dem Erdbeben in die falsche Richtung floss und aus dem Gleichgewicht geriet. Deswegen sei die Kühlung bereits vor dem Tsunami, als Folge des Erdbebens, komplett ausgefallen.[9]

Die Folgen

Radiation hotspot in Kashiwa 02.jpg

Stadt Kashiwa, etwa 30 Kilometer nordöstlich von Tokio im Februar 2012 - gesperrte Straße wegen eines sog. HotSpots

Nach dem GAU wurden eine 20 Kilometer große Evakuierungszone und ein 30 Kilometer großes Sperrgebiet eingerichtet. 8 % der japanischen Landfläche wurden radioaktiv verstrahlt.[3] Die Emission radioaktiver Stoffe in Luft, Boden und Pazifischen Ozean begann mit den Explosionen in den Reaktoren und dauert bis heute an.

Die japanische Regierung berichtete im Juni 2011 an die IAEO, dass die Bevölkerung über die Luft mit folgenden  Strahlenpartikeln belastet wurde: "Xenon-133, Cäsium-134 und -137, Strontium-89 und -90, Barium-140, Tellur-127m, -129m, -131m und -132, Ruthenium-103 und -106, Zirkonium-95, Cerium-141 und -144, Neptunium-239, Plutonium-238, -239, -240 und -241, Yttrium-91, Praseodym-143, Neodym147, Curium-242, Jod-131, -132, -133 und 135, Antimon-127 und -129 sowie Molybdän-99."[10]

Rund 150.000 Menschen mussten die Region Fukushima verlassen. Lange machte die Regierung den Vertriebenen Hoffnungen auf eine Rückkehr. Erst im November 2013 erklärte ein Vertreter der japanischen Regierungspartei, dass die Regierung Gebiete benennen musste, "die wegen der radioaktiven Verseuchung niemals mehr bewohnbar sein würden." Die betroffenen ehemaligen Bewohner sollen entschädigt werden.[11]

Eine Bilanz vom August 2013:[12]

  • 210 Tonnen Corium (Schmelzmasse), Tausende von Grad heiß, fressen sich durch den Beton der Reaktoren 1 bis 3.
  • 300.000 Liter kontaminiertes Wasser fließen Tag für Tag ins Meer (seit März 2011 ca. 270 Millionen Liter).
  • 2.000 Arbeiter sind verstrahlt worden.
  • 160.000 Menschen sind evakuiert worden.
  • Sieben Hektar Meeresboden mussten zubetoniert werden.
  • 10.833 Brennelemente wurden auf dem Gelände gelagert, die gefährdet waren.

Das Ausmaß der Katastrophe und deren Folgeschäden sind zum Teil auch von den Behörden und dem Betreiber TEPCO mit verschuldet worden. Der "Focus" hat in einem Artikel ausführlich deren Versagen und die dilettantische Ausführung der Katastrophenschutzmaßnahmen seit März 2011 dokumentiert. → Focus: Eine Chronik des Versagens vom 14. September 2013

Laut einer Studie des französischen Instituts für Klima- und Umweltwissenschaften (LSCE) in Paris wurden die bei der Fuhushima-Katastrophe freigesetzten radioaktiven Substanzen durch Taifune stark weiterverbreitet. "Die Wirbelstürme würden die Böden in der Region um Fukushima auswaschen, in denen sich radioaktives Material wie Cäsium 134 und Cäsium 137 abgelagert habe". Die Substanzen gelangten so in Flüsse und in den Pazifik.[13]

2017 wurden in den vier zerstörten Reaktoren so hohe Strahlungswerte gemessen, dass Menschen im Inneren nach wenigen Minuten sterbern würden. Das Risiko eines Austritts ionisierender Strahlung aus Reaktor 1 sei deutlich angestiegen. In den Einheiten 1 und 3 ist selbst die Sondierung der Lage mit Robotern hochproblematisch. In Einheit 2 wurde ein großes Loch unter dem Reaktordruckbehälter entdeckt, das vermutlich von heruntergefallenden atomaren Brennstoff verursacht wurde. Die Schilddrüsenkrebsfälle bei Kindern in Fukushima steigen weiter an.[14][15]

Hohe Kosten

Die Fukushima-Katastrophe verursachte – über das menschliche Leid und die Schäden für die Umwelt hinaus – auch enorme Kosten für Japan: nach einer Schätzung aus dem Jahr 2012 260 Mrd. US-Dollar.[2]

Im November 2013 kündigte die japanische Regierung eine Aufstockung der Finanzmittel für Aufräumarbeiten und Entschädigungen von 50 auf 80 Mrd. US-Dollar an.[16] Da die Fristen zur Geltendmachung von Entschädigungen für den AKW-GAU schon im März 2014 abläuft, reichten im gleichen Monat Geschädigte eine Petition mit 80.000 Unterschriften ein, die Fristen zu verlängern. Ein Senator wandte sich mit einer Bittschrift an den japanischen Kaiser.[17]

Nach einem Vorschuss von 5 Billionen Yen bewilligte die Regierung im Dezember 2013 weitere 4 Billionen Yen (28 Mrd. Euro) für den Entschädigungsfonds, mit dessen Hilfe die Folgekosten gedeckt werden sollen. Auch die Dekontaminierungskosten sollten aus Steuermitteln finanziert werden.[18]

Dekontamination und geplante Maßnahmen

Chroniken und weitere Quellen


(Letzte Änderung: 21.04.2017)

Einzelnachweise

  1. IAEO: Challenges for Removal of Damaged Fuel and Debris von 2013 (englisch) vom 1. Februar 2013
  2. 2,0 2,1 tagesschau.de: Kosten von Atomunfällen - Fukushima, Tschernobyl und viele andere vom 11. März 2014.
  3. 3,0 3,1 3,2 Spiegel Online: Chronik der Tsunami- und Atomkatastrophe in Japan abgerufen am 22. Oktober 2012
  4. Hamburger Abendblatt: Tepco gibt zu: Kernschmelze in drei Fukushima-Reaktoren vom 24. Mai 2011
  5. IAEO: LES CENTRALES  NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  6. n-tv: Katastrophaler Atom-Unfall - Fukushima erreicht höchste Stufe vom 12. April 2011
  7. IAEO: The International Nuclear and Radiological Event Scale (INES) abgerufen am 9. April 2017
  8. RiskNET: Konsequenzen für das Risikomanagement - Die Nuklearkatastrophe von Fukushima vom 8. Oktober 2013
  9. The Japan Times: Cracks in Tepco’s 3/11 narrative vom 17. November 2013
  10. IPPNW: Fukushima: Das atomare Zeitalter beenden vom 25. Februar 2012
  11. n24.de: Offenbar keine Hoffnung für Fukushima-Flüchtlinge - "Ihr könnt dort nicht mehr leben" vom 3.  November 2013
  12. nachrichten.at: Albtraum Fukushima - "Das Schlimmste steht noch bevor" vom 21. August 2013
  13. RP Online: Die Spätwirkungen von Fukushima 2 - Taifune verbreiten radioaktives Material weiter vom 28. November 2013
  14. The Japan News: Long way ahead for decommissioning of nuclear power plant in Fukushima vom 7. März 2017 (via WayBack)
  15. IPPNW: Die Atomkatastrophe besteht fort vom 7. März 2017
  16. n-tv.de: Japan plant weitere 30 Milliarden Dollar für Fukushima ein vom 15. November 2013
  17. taz.de.: Opferverbände überreichen Petition vom 12. November 2013
  18. japanmarkt.de: Fukushima-Katastrophe kostet Steuerzahler immer mehr vom 24. Dezember 2013

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