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Entsorgungsunternehmen > Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK)

Entsorgungsunternehmen der vier Atomkonzerne

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Die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK), deren Firmensitz sich zunächst in Essen befand, ist heute in Gorleben ansässig. Zu ihren Aufgaben gehören der "Betrieb und die Stilllegung von Anlagen zur Entsorgung von Kernkraftwerken sowie die Erbringung sonstiger Dienstleistungen für die Gesellschafter". Gesellschafter sind die vier großen deutschen Atomkonzerne: E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall.[1] E.ON war 2014 zu 42,50 % an der DWK beteiligt[2]

Gründung 1977

Die DWK war 1977 gegründet worden, um die Entsorgungsaufgaben der deutschen Atomindustrie zu bündeln.[3] Sie ging aus der 1975 gegründeten Projektgesellschaft Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen mbH (PWK) hervor, deren Aufgabe bereits die Entsorgung von Atommüll gewesen war. In der DWK wurden diverse Unternehmen zusammengefasst, die in diesem Bereich bereits tätig waren, wie z. B. die Brennelementlager Gorleben GmbH (BLG), die Arbeitsgemeinschaft Brennelementlager Ahaus (ARGE) oder die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe Rückbau- und Entsorgungs-GmbH (WAK), die mittlerweile eine Tochter der bundeseigenen Energiewerken Nord (EWN) ist. Projekte der DWK waren anfangs der Bau einer Wiederaufarbeitungsanlage, diverser Zwischenlager sowie "die Errichtung einer Demonstrationsanlage zur Verglasung hochradioaktiver Abfalle nach dem deutschen PAMELA-Verfahren" im belgischen Mol.[4]

Grundstückskäufe, Zahlungen und Manipulationen bei Gorleben

Im Auftrag der Atomindustrie und der Politik sollte von der DWK in den 1970er/1980er Jahren in Gorleben ein Nukleares Entsorgungszentrum errichtet werden.

1978 versuchte die DWK, mit umstrittenen Methoden in Gorleben 1.200 Hektar Land dafür zu erwerben. Sie versprach den Grundstücksbesitzern anfangs einen "Standortzuschlag" und schickte diesen gleich fertige Verträge mit kurzer Zustimmungspflicht ins Haus. Nachdem aber nicht alle Grundstücksbesitzer verkaufen wollten, setzte sie diese unter Druck und streute die Nachricht aus, "sie werde nach Ablauf der Frist unverzüglich Enteignungsverfahren gegen alle Eigentümer einleiten, die das Angebot nicht akzeptiert hätten, und das hieß für die Bauern auf deutsch: entweder jetzt zu 4,10 Mark zu verkaufen oder später mit 45 Pfennig enteignet zu werden." Sie ließ die Eigentümer, die nicht verkaufen wollten, "unauffällig" durch ein privates Wachkommando beobachten. Diese Maßnahmen bestärkten die Eigentümer jedoch nur in ihrer Ablehnung, so dass die DWK schließlich nur einen Teil des geplanten Geländes erwerben konnte.[5]

Im Januar 1979 schlossen die Bundesregierung und die DWK eine Finanzierungsvereinbarung ab, in der sich die DWK zu einer Zahlung von 200 Mio. Deutsche Mark an den Bund, das Land Niedersachsen und den Landkreis Lüchow-Dannenberg als Ausgleich für Erstellung und Betrieb geplanter Atomanlagen in Gorleben verpflichtete. Die DWK zahlte nur die erste Rate, aber keine weitere mehr, nachdem die Bundesregierung das Projekt des Nuklearen Entsorgungszentrums am 16. Mai 1979 absagte.[6] Umweltschützer sahen in der Zahlung ein Indiz, dass die Atomindustrie die Region geschmiert hatte, um sie gefügig zu machen.[7]

Die DWK hatte die Aufgabe, den Salzstock Gorleben als Endlager durchzusetzen. Nach Angaben des Geologen Thomas Diettrich, der am Standort Gorleben beschäftigt war, hatte die DWK darüber hinaus bei Probebohrungen in Gorleben in den 1970er Jahren Daten manipuliert. ""DWK-Verantwortliche hätten ihn und Kollegen angewiesen, "aus der Vielzahl der Daten jene auszuwählen, die das Projekt in günstigem Licht erscheinen ließen", so der Geologe. "In die Anträge, die die DWK etwa bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) stellte, kamen nur die besten Zahlen hinein.""[8]

Nukleares Entsorgungszentrum (NEZ)

Hamburg-Illerich und Wackersdorf

1982 plante die DWK die Errichtung einer Wiederaufarbeitungsanlage bei Hambuch/Illerich in der Eifel, musste das Projekt jedoch aufgrund massiven Widerstandes aufgeben.

WAA Hambuch/Illerich (Rheinland-Pfalz)

1983/1984 wurde in einer Anfrage an den Deutschen Bundestag über eine finanzielle Schieflage der DWK berichtet: Die Gesellschaft habe 1,3 Mrd. Deutsche Mark Verluste gemacht, da sie u.a. im Landkreis Lüchow-Dannenberg Grundstücke zum zehnfach überhöhten Wert erworben sowie hohe Gehälter und Beraterhonorare bezahlt habe. Die Bundesregierung wollte sich zu den Verlusten nicht äußern, da für die Geschäftsführung die Industrie verantwortlich sei. Sie erklärte aber, der Gesellschaft und ihrer Vorgängergesellschaft 1975 bis 1985 Forschungsmittel in Höhe von 204,7 Mio. Deutsche Mark zur Verfügung gestellt zu haben – u.a. für die Eignungssuche nach dem Nuklearen Entsorgungszentrum und für die Demonstrationsanlage PAMELA.[9][10]

Die DWK war außerdem Bauherrin der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf; 1988 führte sie die Bauarbeiten laut "Spiegel“ mit Unterstützung der bayerischen Staatsregierung nur auf Grundlage schlichter Baugenehmigungen durch; 1987 war nämlich per gerichtlichem Sofortvollzug die erste atomrechtliche Teilgenehmigung aufgehoben worden.[11]

WAA Wackersdorf (Bayern)

Nachdem die DWK 1989 im Auftrag der Atomindustrie das Aus für die WAA verkündet hatte,[12] verkaufte sie 2005 ihre Anteile an der WAK an die Energiewerke Nord (EWN).[13]

(Letzte Änderung: 16.12.2016)

Einzelnachweise

  1. Handelsregister: Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen AG & Co. oHG HRA 200697 vom 21. August 2008
  2. E.ON: Konzernbeteiligungsverzeichnis Stand 31.12.2014 abgerufen am 21. Juni 2015
  3. Kernforschungszentrum Karlsruhe: Sammlung der Vorträge anläßlich des 2. Statusberichtes des Projektes Wiederaufarbeitung und Abfallbehandlung am 18.11.77 von 1977
  4. onlinelibrary.wiley.com : Physikalische Blätter, Volume 35, Deutsche Gesellschaft fur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen mbH (DWK) von 1981
  5. DER SPIEGEL 29/1978: Riesiger Klotz vom 17. Juli 1978
  6. Deutscher Bundestag: Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht, 18. Sitzung Plenarprotokoll 17/18 vom 27. Januar 2010
  7. Kölner Stadtanzeiger: Atomwirtschaft hat "geschmiert" vom 6. Januar 2010
  8. FR Online: Daten manipuliert vom 20. Mai 2010
  9. Deutscher Bundestag: Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen mbH (DWK) (Drucksache 10/1292) vom 11. April 1984
  10. Zeit Online: Der heimliche Ausstieg – Geldverschwendung vom 2. Dezember 1983
  11. DER SPIEGEL 23/1988: Sehr unschön vom 6. Juni 1988
  12. mittelbayerische.de: Energiekonzerne kippten die WAA vom 7. Juni 2013
  13. baden-wuerttemberg.de: Fragen & Antworten zur Verglasungseinrichtung (VEK) und der atomaren Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK) vom August 2009

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