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Atomenergie in Europa > Deutschland

Atomausstieg bis 2022

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Deutschland, ein Gründungsmitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) 1957,[1] ist schon in den 1960er Jahren in die Atomenergie eingestiegen und hat im Lauf der Jahrzehnte einen umfangreichen Bestand von 36 kommerziellen Atomkraftwerken aufgebaut. Derzeit werden noch acht kommerzielle Reaktoren an sieben Standorten betrieben, 28 Reaktoren wurden bislang stillgelegt. 2017 hatte die Atomenergie noch einen Anteil von rund 13 % an der Stromerzeugung.[2]

Atomkraft in Deutschland (Karte)

Da nach der Fukushima-Katastrophe am 11. März 2011 die Atomkraft jede Akzeptanz in der Bevölkerung verloren hatte, beschloss die Bundesregierung unter Angela Merkel den kompletten Atomausstieg bis 2022 und leitete eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien ein.

Entwicklung bis 2011

In den 1920er bis 1940er Jahren war bereits Atomforschung im Deutschen Reich betrieben und in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg an der Entwicklung von Reaktoren gearbeitet worden.

1955 wurden in den beiden deutschen Staaten Pläne zum Einstieg in die Atomkraft wieder aufgenommen. Unter Bundeskanzler Adenauer wurde das "Bundesministerium für Atomfragen" gegründet und 1960 das erste kommerzielle Atomkraftwerk Kahl (Bayern) in Betrieb genommen. Die folgenden Regierungen behielten die Atomkraft bei, und es gingen mehr und mehr Atomkraftwerke ans Netz.

Ab Mitte der 1970er Jahren stieß die deutsche Atompolitik jedoch auf zunehmenden Widerstand in der Öffentlichkeit. Es bildete sich eine Anti-Atomkraftbewegung, und der Ausbau der Atomenergie verlangsamte sich. Nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986 verstärkte sich dieser Trend: In der Regierungszeit Helmut Kohls ging als letztes Atomkraftwerk Neckarwestheim II (Baden-Württemberg) im Jahr 1989 ans Netz, und es kam zu einer ersten Welle von Stilllegungen. Die Einrichtung eines "Brennstoffkreislaufs" mit Wiederaufarbeitungsanlagen und Schnellen Brütern war politisch nicht mehr durchsetzbar.

2000 wurde schließlich unter Bundeskanzler Schröder eine erste Vereinbarung zum Atomausstieg mit den Atomkonzernen E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW abgeschlossen, der sogenannte "Atomkonsens". 2010 wurde der Atomausstieg unter Bundeskanzlerin Merkel kurzzeitig rückgängig gemacht und eine Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke eingeleitet. Nach der Fukushima-Katastrophe 2011 wurde der Ausstiegsbeschluss jedoch erneuert – aller Widerstand der seit Jahrzehnten einflussreichen Atomlobby war zwecklos geblieben.

In der DDR wurde 1955 mit derselben Euphorie wie in der Bundesregierung der Einstieg in die Atomenergie eingeleitet. Mit Rheinsberg und Greifswald/Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) wurden zwei Atomkraftwerke in Betrieb genommen. Weitere Pläne zum Ausbau der Atomkraft konnten jedoch nicht mehr verwirklicht werden, und mit der deutschen Wiedervereinigung 1990/1991 erfolgte die Abschaltung aller Reaktoren.

Ein geschichtlicher Abriss zur Atomkraft in Deutschland findet sich unter → Atompolitik.

Strahlende Hinterlassenschaften

Stilllegung und Rückbau der Atomanlagen werden Deutschland noch Jahrzehnte beschäftigen.

Eine große Herausforderung für künftige Generationen stellt der Umgang mit dem Atommüll dar, der sich im Laufe der Jahrzehnte angesammelt hat. Bislang wurde nur ein Endlager, der Schacht Konrad für schwach- und mittelradioaktiven Müll, genehmigt. Andere geplante Endlager (Morsleben, die Asse und Gorleben) sind aus verschiedenen Gründen gescheitert, weswegen der Atommüll derzeit in verschiedenen Zwischenlagern deponiert wird. 2013 wurde die Suche nach einem neuen Endlager für hochradioaktiven Atommüll eingeleitet.

Atommüll – Zwischen- und Endlagerung

(Letzte Änderung: 08.07.2017)

Einzelnachweise

  1. IAEO: Member States abgerufen am 11. März 2016
  2. IAEO PRIS: Country Statistics/Germany

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