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Die Energiewende > Dezentralisierung

Dezentralisierung fördert Stabilität der Stromversorgung

Biogas Photovoltaik Wind

Dezentrale Energiequellen in Horstedt (Schleswig-Holstein)

Mit der Energiewende hat ein Phänomen an Bedeutung gewonnen, das den großen Energieversorgern, die unter dem Atomausstieg ohnehin gelitten haben, weniger gefallen dürfte: die Dezentralisierung der Energieerzeugung. Im Gegensatz zur zentral steuerbaren Atomenergie ist man bei den erneuerbaren Energien mit einer Pluralität verschiedener Techniken und wirtschaftlich und räumlich unabhängiger Vorhaben konfrontiert.

Von den großen Energiekonzernen war immer behauptet worden, viele dezentrale Solar- und Windkraftwerke führten zur Instabilität von Stromnetzen und erhöhten die Gefahr von Netzzusammenbrüchen.[1] Eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen, die verschiedene Stromnetze verglichen hat, kam jedoch zum gegenteiligen Ergebnis. Die Dezentralisierung sorge für höhere Stabilität, weil die Stromleitungen weniger stark belastet würden.[2][3]

→ MaxPlanckForschung 2/2012: Netz mit Taktgefühl von Marc Timme am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (PDF)

Energieproduktion an Ort und Stelle

Die dezentrale Energieversorgung spielt vor allem im Bereich der Solarenergie eine große Rolle, wie in einem "Zeit"-Essay vom Januar 2012 ausgeführt wird. Die Leistung der Solaranlagen ist danach weltweit von 150 MW im Jahr 1992 auf 42 GW 2010 gewachsen, in Deutschland auf 17 GW, was der Leistung von 12 großen Atomkraftwerken entspricht. Im dezentralen Energiesystem werden Strom und Wärme an Ort und Stelle erzeugt. Lange Energieketten mit Bergwerken und Ölfeldern, Kraftwerken und Raffinerien, Stromleitungen und Pipelines werden so nicht benötigt. Voraussetzung dafür sei aber eine fortschrittliche Energiespeicherung.[4]

Im Juni 2012 wurde bekannt, dass in einer Studie, die das Umweltbundesamt (UBA) in Auftrag gegeben hatte, geklärt werden sollte, ob aufgrund dezentraler Energieerzeugung der Ausbau der Stromtrassen kleiner ausfallen könnte als bislang geplant. Die Studie lag der Bundesregierung vor, sollte aber erst Ende des Jahres nach den Beschlüssen zum Netzausbau veröffentlicht werden. Die "taz" erklärte die verspätete Veröffentlichung damit, dass die Studie der Bundesregierung nicht willkommen war, weil sie den angekündigten Großprojekten (Windparks, Kraftwerke) widersprach und zu strengem Energiesparen verpflichtete, was nachteilig für die Wirtschaft wäre.[5] Die "Deutsche Handwerks Zeitung" kritisierte ebenfalls die verspätete Veröffentlichung, weil damit eine Forderung des Handwerks, eben die Dezentralisierung, nicht erfüllt würde.[6]

Zunehmende Selbstversorgung bei Kommunen, Regionen und Unternehmen

Schon im Oktober 2011 hatte "Focus Online" festgestellt, dass immer mehr Gemeinden und Regionen eine komplette Selbstversorgung mit erneuerbaren Energie anstreben.[7]

BAPV solar-facade

Photovoltaikfassade in Madrid (Spanien)

Mittlerweile gibt es laut dem "Spiegel" Häuser, die mit "Mini-Kraftwerken" ausgestattet sind und selbst Energie erzeugen. Aus einer Kombination von ausgeklügeltem Energiesparen und Energieerzeugung über ein kleines Blockheizkraftwerk sowie Sonnenkollektoren und Photovoltaikanlagen entsteht ein Energieüberschuss, und die Bewohner machen nach einigen Jahren Gewinn.[8]

Laut einer Meldung des "manager magazins online" vom Oktober 2012 verlieren die Energiekonzerne aufgrund der kostengünstigen Möglichkeiten, Strom dezentral zu erzeugen, auch immer mehr Großkunden aus der Wirtschaft. Mehr und mehr Unternehmen erzeugten ihre Energie mit erneuerbaren Energien selbst auf dem Firmengelände. Vorteilhaft sei, dass für die Anlagen nur einmal Anschaffungskosten zu bezahlen seien, aber kaum Wartungskosten anfielen.[9]

Auf dem "Energiekongress Energieautonome Kommunen" im April 2014 wurde der Versuch kritisiert, die Energiewende zentral zu steuern. So planten 79 Gemeinden und Regionen, nur noch auf erneuerbare Energien zurückzugreifen. Ein Beispiel sei Weinsberg bei Heilbronn, wo sich 23 Wohneinheiten selbst mit Solarstrom, einem Stromspeicher, einer Wärmepumpe und einem Wassertank versorgen.[10]

Herausforderung für Politik und Atomkonzerne

Das Phänomen der Dezentralisierung ist auch in der Bundesregierung als Herausforderung erkannt worden. Laut einer Äußerung des ehemaligen Bundesumweltministers Altmaier vom Oktober 2012 habe die Politik noch keine Antwort darauf, dass Energie nicht mehr nur dort erzeugt werde, wo sie gebraucht werde, sondern überall in Deutschland.[11]

Aufgrund der Dezentralisierung sei, so die "Zeit" 2013, eine neue "Grundordnung der Energiewirtschaft" entstanden, die die Atomkonzerne, die bislang den Markt in Deutschland bestimmten, in Bedrängnis bringe. Diese seien seit Jahrzehnten auf ein zentralisiertes System mit großen Kraftwerken ausgerichtet und hätten bislang keinen Weg gefunden, von der dezentralen Energieerzeugung zu profitieren. Dies trage zu sinkenden Gewinnen und Renditen bei.[12]

Fernsehbeiträge

  • Bürger machen selber Strom
    "Doch die Energiewende macht Schwierigkeiten: Mal ist sie zu teuer, geht zu schnell oder zu langsam und beeinträchtigt stromintensive Wirtschaftszweige. Dabei ist sie längst in vollem Gange, die Energiewende "von unten" - die Bürger nehmen sie in Angriff. Schon jetzt stammt mehr als ein Viertel unseres Stroms aus erneuerbaren Energiequellen – und die Hälfte davon entsteht in Anlagen, die den Bürgern gehören."[13]
Energiewende von unten Bürger machen selber Strom44:16

Energiewende von unten Bürger machen selber Strom

BR, Unkraut vom 22. September 2014



(Letzte Änderung: 10.08.2017)

Einzelnachweise

  1. FEEWi: Ein dezentral organisiertes Netz ist stabiler als ein großes Stromnetz vom 27. Juli 2012 (via WayBack)
  2. Max-Planck-Gesellschaft: Netz mit Taktgefühl vom 31. Mai 2012
  3. pro-physik.de: Stabiles Stromnetz durch regenerative Energien vom 10. September 2012
  4. Zeit Online: Sonnige Zeiten vom 17. Januar 2012. Essay zur Dezentralisierung der Energieversorgung
  5. taz.de: Netzausbau versus dezentrale Versorgung - Energiestudie kommt später vom 8. Juni 2012
  6. Deutsche Handwerks Zeitung: UBA-Studie zur dezentralen Energieversorgung - Lokale Anlagen machen Netzausbau überflüssig vom 11. Juni 2012
  7. Focus Online: Den Strom machen wir uns selbst vom 24. Oktober 2011
  8. Spiegel Online: Energie aus dem Haus - Schöner wohnen im Kraftwerk vom 17. Dezember 2011
  9. manager magazin online: Firmen erzeugen selbst Strom - Großkunden laufen RWE und Eon davon vom 29. Oktober 2012
  10. taz.de: Dezentrale Energiewende - Kommunen wollen selbst gestalten vom 6. April 2014
  11. Welt Online: "Die Energiewende war unsere Mondlandung" vom 30. Oktober 2012
  12. Zeit Online: Riesen taumeln im Wind vom 17. September 2013
  13. br.de: Bürger machen selber Strom vom 22. September 2014 (via WayBack)

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