FANDOM


Atomenergie in Europa > Großbritannien > Dounreay (Großbritannien)

2 schnelle Brüter •
Leistung: 15 MW (PFR)/250 MW (DFR) • Typ: -/- • Hersteller: UKAEA/AEA •
Baubeginn: 1. März 1955 (DFR)/1. Januar 1966 (PFR) •
Inbetriebnahme: 14. November 1959 (DFR)/1. März 1974 (PFR) •
Abschaltung: 1. März 1977 (DFR)/31. März 1994 (PFR)[1][2]


Stillgelegtes Atomzentrum im Norden Schottlands

Dounreay Nuclear Reactor Dome - geograph.org.uk - 8225.png

Atomzentrum Dounreay (Großbritannien)

Der Standort Dounreay befindet sich westlich von Thurso in der Grafschaft Caithness an der Nordküste Schottlands.[3]

Dort befinden sich zwei stillgelegte schnelle Brüter. Dounreay DFR mit 15 MW war von 1959 bis 1977 in Betrieb, Dounreay PFD mit 250 MW von 1974 bis 1994. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die United Kingdom Atomic Energy Authority.[1] Hersteller des DFR war die United Kingdom Atomic Energy Authority (UKAEA), des PFD die AEA Technology.[2]

In Dounreay befand sich darüber hinaus eine Wiederaufarbeitungsanlage, von der radioaktive Substanzen in die Nordsee eingeleitet wurden.[4] Gegen deren geplanten Erweiterung zur größten Wiederaufarbeitungsanlage der Welt für Plutonium erhoben sich 1986 massive Proteste auf den Orkney-Inseln; die Bewohner ersuchten Dänemark und Norwegen um Unterstützung gegen das Projekt. "Gebrauchte Brennstäbe aus zahlreichen Ländern sollen hier behandelt werden. Nukleare Abfälle wollen die Atomwerke bei den Stormy Banks 25 Kilometer westlich der Orkney-Inseln ins Meer versenken."[5]

1992 sollten 123 unbenutzte Brennelemente mit Plutonium, die von Siemens in Hanau produziert wurden und eigentlich im Schnellen Brüter von Kalkar (Nordrhein-Westfalen) eingesetzt werden sollten, über das Meer nach Dounreay transportiert werden. Die Entscheidung dafür hatte der damalige Umweltminister Klaus Töpfer getroffen.[6] Die Wiederaufarbeitung konnte jedoch in Dounreay wegen der Schließung der Anlage 1998 nicht mehr durchgeführt werden. Im Oktober 2001 genehmigte das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) den Rücktransport von 82 unbestrahlten Brennelementen zum Verwahrungslager des BfS in Hanau.[7] Welche deutschen Brennelemente wann wohin verschoben wurden, lässt sich anhand der Quellenlage nicht eindeutig nachvollziehen.

Im April 1998 beendete die Wiederaufarbeitungsanlage auf Druck schottischer Nationalisten und, weil sie wirtschaftlich nicht mit Sellafield und La Hague (Frankreich) konkurrieren konnte, den Betrieb – obwohl der damalige Premierminister Tony Blair noch kurz davor behauptet hatte, sie sei der "beste Betrieb seiner Art in der Welt".[8]

Am 20. Januar 2004 wurde eine Anlage zur Behandlung flüssiger schwachradioaktiver Abfälle in Betrieb genommen.[9]

Irreparable radioaktive Verseuchung, Leukämie und Störfälle

Die Anlagen von Dounreay verursachten über Jahrzehnte eine irreparable radioaktive Verseuchung der schottischen Nordküste. 2011 musste die Umweltbehörde "Scottish Environment Protection Agency (Sepa)" einräumen, dass die Umweltschäden nie komplett beseitigt werden könnten.[10]

In mehreren Studien wurde eine erhöhte Anzahl von Leukämieerkrankungen bei Kindern in der Umgebung von Dounreay konstatiert.[11]

1977 ereignete sich ein schwerer Unfall, nachdem Natrium und Kalium in einen Schacht herabgelassen wurden, in dem in einer Deponie auch Brennelemente aus den 1960er Jahren lagen. "Da die unterirdische Deponie mit Meerwasser überflutet war, kam es zu einer gewaltigen Explosion, in deren Folge das radioaktive Material in den Grund gelangte und offenbar weithin verbreitet wurde." Der Vorfall wurde verheimlicht, bis 1995 radioaktive Partikel am Küstenvorland entdeckt wurden.[12]

Am 27. Februar 1987 kam es zu einem Unfall an einem Dampferzeuger. Ein Leck in einem Wasserdampf führenden Rohr, das lange unbemerkt blieb, führte binnen einer Minute zum Bruch von 40 weiteren Rohren. "Der Wasserdampf mischte sich mit dem Kühlmittel Natrium, ein explosives Gebräu."[13]

1998 wurde berichtet, dass zwei Untersuchungskommissionen 380 teilweise metallische Partikel gefunden wurden, die so hochradioaktiv sind, dass sie bei Aufnahme in menschliche Körper schwere Erkrankungen auslösen würden. Sie sind bis Ende der 1960er Jahre möglicherweise über eine Abwasserleitung ins Meer gelangt und wieder an die Küste zurückgespült worden.[14]

Am 10. November 2002 tropfte radioaktives Material in einer Behandlungsanlage für Atommüll in Dounreay auf den Boden. Bei 14 Personen wurden Kontaminationen an den Schuhen, bei zwei auch am Körper festgestellt. In der Sanitätsstelle der Anlage wurden die Betroffenen dekontaminiert.[15] Schottische Umweltschutzgruppen forderten eine Strafverfolgung des Zwischenfalls.[16]

Nach einem Brand am 7. Oktober 2014 in einem Gebäude mit Natriumtanks an einem der schnellen Brüter wurde Tritium in die Umwelt freigesetzt. Der Belegschaft wurde eine unakzeptable Arbeitsweise vorgeworfen.[17][18]

Stilllegung

Am 8. Oktober 2000 wurde vom Betreiber ein Sanierungsplan vorgestellt, der Rückbau, Lagerung und Dekontamination der Reaktoren sowie weiterer Anlagen über einen Zeitraum von 50 bis 60 Jahren vorsieht; hochradioaktive Risiken sollen schon innerhalb von 25 Jahren beseitigt werden.[19] Laut einem Schließungsplan von 2013 sollen bis 2025 die Anlagen so weit wie möglich rückgebaut und der Standort dann geschlossen werden.[20]

Am 15. Mai 2014 wurde am Standort ein Langzeitlager für schwachradioaktive Abfälle aus Dounreay eröffnet. Das Langzeitlager soll nach Füllung für dreihundert Jahre verschlossen und überwacht werden.[21]

Im Juni 2015 wurde der Rückbau des seit 40 Jahren betriebenen Zwischenlagers für mittelradioaktiven Atommüll in Dounreay an ein Unternehmen vergeben. Die Abfälle sollen geborgen und für die Langzeitlagerung vorbereitet werden.[22]

Weitere Links

→ United Kingdom Atomic Energy Authority: About us (Informationen des Betreibers)
→ umweltFAIRaendern: Plutoniumfabrik Dounreay: Strahlende Strände und deutscher Atommüll. vom 17. Mai 2014

(Letzte Änderung: 19.11.2016)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/United Kingdom abgerufen am 20. Februar 2015
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA Reactor Database: Dounreay Dfr, United Kingdom abgerufen am 9. April 2016
  4. DER SPIEGEL: Erst stirbt der Seehund, dann der Mensch vom 11. August 1980
  5. DER SIEGEL 31/1986: Skandinavische Karte vom 28. Juli 1986
  6. DER SPIEGEL 47/1992: Nicht mal geschenkt vom 16. November 1992
  7. nuklearforum.ch: Transport unbestrahlter SNR-Brennelemente nach Hanau vom 31. Oktober 2001
  8. Zeit Online: Blairs Tricks und der Testfall Dounreay vom 10. Juni 1998
  9. nuklearforum.ch: Neue Anlage zur Behandlung flüssiger Abfälle in Dounreay vom 19. Januar 2004
  10. theguardian: Scottish nuclear fuel leak 'will never be completely cleaned up' vom 21. September 2011
  11. British Journal of Cancer: Childhood leukaemia near nuclear power plants vom 26. November 2013
  12. Zeit Online: Erforscht und erfunden vom 7. Juli 1995
  13. DER SPIEGEL 29/1988: Politische Tricks mit dem Brüter vom 18. Juli 1988
  14. nuklearforum.ch: Radioaktive Partikel bei Dounreay vom 29. März 1999
  15. nuklearforum.ch: Keine Radioaktivitäts-Freisetzung in die Umwelt bei Dounreay-Zwischenfall9 vom 10. November 2002
  16. The Scotsman: Call to prosecute Dounreay vom 14. November 2002
  17. theguardian: Dounreay nuclear plant fire led to ‘unauthorised’ radioactivity release vom 21. November 2014
  18. heraldscotland: Dounreay nuclear plant fire led to release of radioactivity vom 21. November 2014
  19. nuklearforum.ch: Dounreay-Sanierungsplan vom 8. Oktober 2000
  20. dounreay.com: Decommissioning und Site Closure Programme von 2013
  21. nuklearforum.ch: GB: neue Lager für radioaktive Abfälle vom 28. Mai 2014
  22. nuklearforum.ch: Fortschritt bei Rückbau in Dounreay vom 25. Juni 2015

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki