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Atomforschung > Dresden-Rossendorf

Zentralinstitut für Kernforschung (1956 bis 1991)

Der Standort Dresden-Rossendorf blickt auf eine mehr als 50-jährige Geschichte zurück.

Nachdem der Ministerrat der ehemaligen DDR am 10. November 1955 die zivile Nutzung der Atomkraft und die Schaffung eines Forschungszentrums beschlossen hatte, wurde am 1. Januar 1956 das "Zentralinstitut für Kernphysik (ZfK)" in Dresden gegründet. Es wurde später in "Zentralinstitut für Kernforschung (ZfK)" umbenannt.

Das ZfK betrieb mehrere Forschungsreaktoren: Am 16. Dezember 1957 wurde der Rossendorfer Forschungsreaktor (RFR) mit 2 MW thermischer Leistung in Betrieb genommen (am 6. Mai 1965 auf 5 MW und am 31. Oktober 1967 auf 10 MW erhöht). Am 1. August 1958 wurde das Zyklotron fertiggestellt, 1962 der "Rossendorfer Ringzonenreaktor" in Betrieb genommen, und 1969 war Baubeginn der "Rossendorfer Anordnung für kritische Experimente". Beide Reaktoren wurden für die Grundlagenforschung, nicht für die Stromerzeugung eingesetzt. 1972 wurde schließlich der Tandemgenerator fertiggestellt.[1]

Während das Forschungsinstitut in den ersten Jahren umfangreiche Förderungsmittel erhielt, schraubte die DDR 1962 im Rahmen des "neuen ökonomischen Systems" ihre Investitionen deutlich zurück. Man wollte die Grundlagenforschung nur noch dort unterstützen, wo sie wirtschaftlichen Nutzen versprach. Die Forschung wurde ab diesem Zeitpunkt zunächst auf Schnelle Brutreaktoren konzentriert. 1964 wurden die personellen und finanziellen Mittel jedoch neuerdings in Frage gestellt, da man atompolitisch einen Import von Brütern aus der UdSSR plante. 1967 gelang es dem ZfK nicht, für die Brütertechnologie einen Partner in der Industrie zu finden. 1968 wurden schließlich Sicherheitsbedenken aus Politik und Wissenschaft gegen die Brüterforschung und den Brennstoffzyklus aufgrund des sicherheitspolitisch bedenklichen und hochgiftigen Plutoniums laut. Daraufhin verabschiedete sich die DDR weitgehend aus der Brütertechnologie, und Rossendorf konzentrierte sich auf die Forschung im Bereich Energieerzeugung durch Leichtwasserreaktoren. Nach der Tschernobyl-Katastrophe sah sich das ZfK Rossendorf mit Widerstand von Umweltgruppen konfrontiert, die eine bessere Informationspolitik und einen Stopp des weiteren Ausbaus der Atomkraft forderten.[2]

Nach der Wende wurden 1991 alle Forschungsreaktoren außer Betrieb genommen und am 31. Dezember 1991 das ZfK aufgelöst. Der Rückbau der "Rossendorfer Anordnung" und des "Rossendorfer Ringzonenreaktors" wurde 1998 bzw. 2000 abgeschlossen, die bestrahlten Brennelemente aller Reaktoren wurden 2005 ins Zwischenlager Ahaus überführt.[1]

Das Forschungszentrum seit 1992

Fz rossendorf

Ehemaliger Eingangsbereich zum Gelände des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf

Am 1. Januar 1992 wurde das Forschungszentrum Rossendorf e. V. (FZR) gegründet, das am 1. Januar 2011 in die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren aufgenommen wurde und sich heute Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) nennt.[1]

Das Zentrum forscht mit seinen rund 1.000 Mitarbeitern heute in den Bereichen Energie, Gesundheit und Materie. Im Bereich der Atomenergie sind nukleare Entsorgung (Endlager) und Reaktorsicherheit aktuelle Forschungsthemen. In der Versuchsanlage ROCOM werden beispielsweise Störfälle simuliert und ausgewertet.[3]

→ Zeit Online: Die Kernkonfusion vom 16. April 2011. Artikel zur nuklearen Forschung in Rossendorf.
→ AtomkraftwerkePlag: Atompolitik in der ehemaligen DDR

(Letzte Änderung: 24.09.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 HZDR: Die Geschichte des Forschungsstandortes Dresden-Rossendorf abgerufen am 31. Mai 2013
  2. Johannes Abele: Kernkraft in DDR - Zwischen nationaler Industriepolitik und sozialistischer Zusammenarbeit, in: TU Dresden/Hannah-Arendt-Institut, Berichte und Studien Nr. 26, Dresden 2000. S. 16, 24, 32, 34, 101.
  3. HZDR: Forschungsbereiche und Reaktorsicherheit abgerufen am 31. Mai 2013

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