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Atomenergie in Europa > Tschechien > Dukovany (Tschechien)

4 Druckwasserreaktoren • Leistung: 500 MW/500 MW/500 MW/500 MW •
Typ: WWER V-213/WWER V-213/WWER V-213/WWER V-213 • Hersteller: Škoda •
Baubeginn: 1. Januar 1979 • Inbetriebnahme: 1985/1986/1986/1987 • [1][2] Abschaltung: offen


Reaktoren ohne Containment

Dukovany Nuclear Power Plant, 15M3704.JPG

AKW Dukovany (Tschechien)

Das Atomkraftwerk Dukovany liegt im Süden Tschechiens, westlich der Stadt Brno (Brünn) und nur 32 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt.[3][4]

Es besteht aus vier Druckwasserreaktoren des russischen Typs WWER V-213 mit je 500 MW Leistung, mit deren Bau 1979 begonnen wurde und die von 1985 bis 1987 in Betrieb gingen. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die tschechische CEZ Gruppe,[1][5] Hersteller war Škoda.[2]

Die Reaktoren gelten als besonders gefährlich, weil sie wie der Katastrophenreaktor in Tschernobyl kein Containment (Schutzhülle) besitzen[6][7] und neben Mühleberg in der Schweiz die einzigen sind, welche "nur über eine einzige Kühlwasserversorgungsquelle" verfügen.[8] Sie sind vom gleichen Typ wie die des AKW Greifswald/Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern), welche aus Sicherheitsgründen stillgelegt wurden.

Der ausgebrannte Brennstoff wurde ursprünglich am AKW Bohunice zwischengelagert und sollte in die Sowjetunion transportiert werden; Russland trat jedoch als Rechtsnachfolger der Sowjetunion von der Vereinbarung zurück. Deshalb werden die verbrauchten Brennelemente nun auf dem Gelände des AKW Dukovany in deutschen Castoren zwischengelagert.[9]

2013 wurde gemeldet, dass der Betreiber eine umfassende Modernisierung des Kühlsystems bei allen Reaktoren plant; diese soll 2016 abgeschlossen sein.[10]

Zwischenfälle

Bei einer IAEO-ASSET-Mission 1993 wurden insgesamt 476 Ereignisse begutachtet, die zwischen April 1988 und März 1993 gemeldet worden waren. Davon wurden 382 als sicherheitsrelevant angesehen (eines wurde mit der INES-Stufe 2 klassifiziert, 19 mit der Stufe 2).[11]

1994 geriet ein Leistungsgenerator in Brand, der später wieder instandgesetzt wurde.[6]

Im September 2006 fiel ein Kommissar der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) bei einem Besuch in ein Wasserbecken des Primärkreislaufs, das für das Laden und Entladen von Brennelementen genutzt wird und radioaktiv ist. Laut "Radio Praha" soll der Kommissar das unfreiwillige Bad aber unbeschadet überstanden haben.[12]

Im Februar 2010 brach wegen einer technischen Panne ein Brand im nichtatomaren Teil der Anlage aus. Der Betreiber behauptete, es habe keine Gefahr für den Betrieb des AKW bestanden. Österreichische Politiker und Aktivisten forderten eine Abschaltung des Atomkraftwerks.[13]

Im April 2011 musste ein Reaktor wegen eines Lecks in einem kontaminierten Rohr[14] und ein anderer wegen eines Problems im Kühlwasserabfluss vom Netz genommen werden.[15]

Im November 2014 wurden zwei Reaktoren aufgrund einer undichter Rohrleitung im Kühlsystem abgeschaltet.[16] Laut der Umweltschutzorganisation Global 2000 war der Vorfall gravierender als zugegeben wurde: Auf einer Länge von 1,5 Metern soll die Kühlwasserleitung zu den Kühltürmen der Reaktoren 3 und 4 zerbrochen sein, und große Mengen an Kühlwasser gingen verloren.[17]

Laufzeitverlängerung und Ausbau?

Ein Neu- oder Ausbau des AKW war schon 2008 vorgesehen.[18]

Im Februar 2012 kündigte der ehemalige Energie- und Handelsminister Kuba den Bau eines neuen Reaktors in Dukovany an.[19] Im Mai 2012 bestätigte dies des Generaldirektor des Betreibers CEZ und machte zugleich Pläne für die Errichtung eines neuen gasgekühlten, schnellen Versuchsreaktors der Generation IV mit Heliumkühlung in Dukovany bekannt.[4] Am 1. April 2014 sprach sich der tschechische Premierminister Sobotka für eine Laufzeitverlängerung der Reaktoren bis 2035 (bisher 2025) und den Bau eines fünften Blocks aus.[20]

Am 31. März 2016 genehmigte das nukleare tschechische State Office for Nuclear Safety (SUJB) eine Laufzeitverlängerung für Dukovany-1 auf unbestimmter Dauer.[21]

Da aber der Ausbau von Temelin aufgrund fehlender Garantien des Staates abgesagt wurde,[22] dürfte wie in Temelin auch in Dukovany ein Neubau fraglich sein.

→ AtomkraftwerkePlag: Tschechien
→ AtomkraftwerkePlag: Temelin (Tschechien)

(Letzte Änderung: 27.05.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Czech Republic abgerufen am 28. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA Reactor Database: Dukovany 1, Czech Republic abgerufen am 9. April 2016
  4. 4,0 4,1 Wiener Zeitung: Atomkraftwerk Dukovany wird ausgebaut vom 18. Mai 2012
  5. WNA: Nuclear Power in Czech Republic abgerufen am 16. Mai 2014
  6. 6,0 6,1 Sächsische Zeitung: Ausbau in Dukovany - Tschechien denkt nicht an Atomausstieg vom 23. November 2010
  7. unet.univie.ac.at: AKW Dukovany abgerufen am 16. Mai 2014
  8. Vorarlberg Online: Frist für Mühleberg verlängert vom 28. Dezember 2012
  9. cez.cz: Kernkraftwerke abgerufen am 16. Mai 2014 (via WayBack)
  10. wirtschaftspressedienst.at: CEZ baut Atomkraftwerk Dukovany weiter aus vom 8. November 2013
  11. Nuclear Energy Institute: Soviet-Designed Nuclear Power Plants in Russia, Ukraine, Lithuania, Armenia, the Czech Republic, the Slovak Republic, Hungary and Bulgaria (Fifth Edition) von 1997
  12. Radio Praha: AKW Dukovany: Atomkommissar fällt in Primärkreislauf - unverletzt vom 26. September 2006
  13. diepresse.com: Brand in AKW Dukovany: "Tickende Zeitbombe" vom 18. Februar 2010
  14. Münchner Merkur: Tschechien: Leck im AKW Dukovany vom 1. April 2011
  15. ÄrzteZeitung: Erneute Panne in tschechischem Atomkraftwerk vom 14. April 2011
  16. ORF: Undicht: Tschechisches AKW schaltet Blöcke ab vom 5. November 2014
  17. Global 2000: Kühlleitungs-Zwischenfall an österreichischer Grenze schwerer als angenommen vom 13. November 2014
  18. taz.de: Tschechien will neue Reaktoren - Atomkraftwerk als Nationaldenkmal vom 10. März 2008
  19. derStandard.at: Neuer Block im AKW Dukovany in Aussicht vom 13. Februar 2012
  20. Prager Zeitung: Sobotka für Dukovany-Ausbau vom 1. April 2014
  21. nuklearforum.ch: Tschechien: Laufzeitverlängerung für Dukovany-1 vom 31. März 2016
  22. Süddeutsche.de: Aus für neue Reaktoren in Temelín vom 10. April 2014

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