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Emsland (Niedersachsen)

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Reaktoren in Betrieb > Emsland (Niedersachsen)

Druckwasserreaktor • Leistung: 1.400 MW • Typ: Konvoi • Hersteller: KWU •
Baubeginn: 10. August 1982 • Inbetriebnahme: 14. April 1988 • [1][2] Abschaltung: 31. Dezember 2022[3]


Informationen zum Reaktor

Ems bei Lingen 3.jpg

AKW Emsland

Das AKW Emsland (KKE) in der Nähe von Lingen in Niedersachsen ist ein Druckwasserreaktor mit 1.400 MW Leistung, der am 14. April 1988 nach sechs Jahren Bauzeit in Betrieb genommen wurde. Betreiber ist die Lippe-Ems GmbH, Eigentümer sind die RWE Power AG mit 87,5 % und die E.ON Kernkraft GmbH mit 12,5 % Beteiligungen.[1][4][5] Hersteller war die Kraftwerk Union (KWU).[2]

Seit Inbetriebnahme sind laut Bundesamt für Strahlenschutz 140 meldepflichtige Ereignisse registriert worden (Stand: 2. August 2015).[6] Auf dem Gelände gibt es ein Standortzwischenlager, welches 2002 in Betrieb gegangen ist.[7]

Zwischenfälle und Risiken

Im Dezember 1988 floss radioaktives Kühlwasser in einen Abblasetank, weil ein Ventil des primären Kühlmittelkreislaufs wegen eines falschen elektrischen Steuerbefehls geöffnet worden war.[8]

Im Juli 2009 wurde von einer Überwachungseinrichtung eine Schnellabschaltung ausgelöst.[9]

Am 26. August 2010 protestierte Greenpeace kurz vor einem Besuch Angela Merkels am AKW mit einer Lichtinstallation gegen die geplante Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. Während des Besuchs der Kanzlerin protestierten weitere Umweltschützer.[10]

Am 28. September 2012 berichtete die "Neue Osnabrücker Zeitung", dass das AKW Emsland nicht gegen gezielte Flugzeugabstürze gesichert sei. So fehle als Schutzmaßnahme eine Nebelanlage, die Piloten bei gezielten Terrorangriffen die Sicht nehmen solle. Die "Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit" begründet dies mit Arbeitsüberlastung. Das niedersächsische Umweltministerium äußerte sich dahingehend, dass man erst ältere Anlagen ausrüsten wollte.[11]

Im EU-Stresstest wurden im Oktober 2012 neue Mängel auch am AKW Emsland offengelegt: "Das Zeugnis der EU-Experten fiel generell nicht gerade positiv aus: Neben den fehlenden Erdbebenwarnsystemen wurden auch der fehlende Schutz der Reaktorgebäude bei starken Erdbeben sowie die lückenhaften Notfallpläne für schwere Unfälle bemängelt." Der damalige niedersächsische Umweltminister Stefan Birkner (FDP) wies die Analyse der Experten zurück.[12] Birkner unterstützt nach eigenen Angaben die Nutzung der Atomkraft.[13]

Der BUND wies im Oktober 2012 darauf hin, dass das AKW Emsland im normalen Betrieb Radioaktivität an die Umgebung abgibt und anfällig gegen Terroranschläge ist.[14]

Im März 2013 wurde bekannt, dass die AKW Emsland und Grohnde "einer umfassenden Sicherheitsüberprüfung (...) nach dem Stand von Wissenschaft und Technik" unterzogen werden sollen. Der Einsatz von MOX-Brennelementen sollte in einem ersten Schritt kritisch untersucht werden.[15]

Am 27. Oktober 2013 musste das AKW Emsland vom Netz genommen werden, weil beim Nachfüllen Öl auf einer heißen Leitung in Brand geraten war. Externe Sachverständige wurden vom Umweltministerium Niedersachsen zur Prüfung des Vorfalls hinzugezogen.[16]

Nach einem Leck im April 2015, aufgrund dessen das AKW vorübergehend heruntergeschalten wurde, forderten Atomkraftgegner eine sofortige Abschaltung des unter "Materialermüdung" leidenden Meilers. Sie erinnerten an "Leckagen am Entwässerungs- sowie am nuklearen Abwasseraufbereitungssystem" im Jahr 2012.[17]

Misslungene Notfallübung

Im Oktober 2014 berichtete die "taz" auf Grundlage eigener Recherche, dass am 17. September 2013 eine geheime Übung von Bund und Ländern stattfand, bei der ein schwerer Reaktorunfall im Atomkraftwerk Emsland simuliert wurde. Dabei traten "eklatante Mängel" bei der Kommunikation und der Aufteilung der Zuständigkeiten zutage. So wurde beispielsweise "die Bevölkerung erst zu einem Zeitpunkt gewarnt, zu dem die radioaktive Wolke bereits Millionen Menschen erreicht hätte. "Die Empfehlung, Fenster und Außentüren geschlossen zu halten, kam für einige Regionen fünf Stunden zu spät"".[18] Was alles schiefging, lässt sich im Rechercheblog der "taz" nachlesen: → Was am Tag X passiert.

Weitere Links

→ RWE Power AG: Kernkraftwerk Emsland (Informationen des Betreibers)
→ RWE Power AG: Virtueller Kraftwerksrundgang

(Letzte Änderung: 08.11.2016)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 26. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. BfS: Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke abgerufen am 16. Juni 2015
  4. RWE Power AG: Wesentliche Beteiligungen in Deutschland abgerufen am 5. August 2014
  5. RWE: Kernkraftwerk Emsland abegerufen am 9. April 2016
  6. BfS: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme abgerufen am 2. August 2015
  7. RWE Power AG: Kernkraftwerk Emsland abgerufen am 23. Juli 2014
  8. DER SPIEGEL 52/1988: Große Schlamperei Neuer Höhepunkt der Pannenserie in Atommeilern vom 26. Dezember 1988
  9. n-tv: Kernkraftwerk abgeschaltet - Zwischenfall im AKW Emsland vom 24. Juli 2009
  10. Spiegel Online: Emsland: Proteste bei Kanzlerin-Besuch im AKW vom 26. August 2010
  11. NOZ: Grüne kritisieren Umweltministerium - Nebelanlage für AKW-Schutz fehlt in Lingen vom 27. September 2012
  12. NDR: AKW-Stresstest: Birkner weist EU-Kritik zurück vom 5. Oktober 2012 (via WayBack)
  13. NWZ: "Bürger sollen zu Wort kommen" vom 13. Februar 2012
  14. BUND: AKW/KKW Emsland abgerufen am 4. Oktober 2012
  15. PresseBox: Einsatz von MOX-Brennelementen wird kritisch überprüft vom 27. März 2013
  16. Neue OZ: Ministerium prüft Feuer im Kernkraftwerk in Lingen vom 28. Oktober 2013
  17. NDR: AKW Emsland ist wieder hochgefahren vom 7. April 2015
  18. taz.de: Geheime Übung von Bund und Ländern - Nicht bereit für den Super-GAU vom 24. Oktober 2014

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