FANDOM


Die Konzerne > EnBW

Folgen des Atomausstiegs

IMG 2134.JPG.jpg

EnBW-Werbung

Den drittgrößten Energiekonzern EnBW traf der Atomausstieg besonders hart, da er in der Vergangenheit stark in Atomkraft investiert hatte: EnBW ist Betreiber der Kernkraftwerke Neckarwestheim I und II sowie Philippsburg I und II. Neckarwestheim I und Philippsburg I wurden 2011 abgeschaltet.

Am 2. August 2012 machte der Konzern EnBW in einer Pressemitteilung publik, dass er sich für den direkten Rückbau der Atomkraftwerke Neckarwestheim und Philippsburg entschieden hat. "Sowohl sicherheitstechnische als auch ökonomische Aspekte sprechen aus unserer Sicht für den unmittelbaren Rückbau und damit gegen den sogenannten sicheren Einschluss." Für die Erstellung der Genehmigungsanträge für Neckarwestheim I und Philippsburg I rechnet EnBW zwei Jahre; in den kommenden Jahren sollen auch entsprechende Unterlagen für Neckarwestheim II und Philippsburg II erarbeitet werden, die 2022 bzw. 2019 vom Netz gehen sollen. Die Kosten für den Rückbau seien durch Rückstellungen gedeckt.[1] Mit ersten Rückbauarbeiten des 2011 abgeschalteten Reaktors Neckarwestheim I hatte EnBW schon im Juni 2012 begonnen. Die davon betroffenen Kühlanlagen, die außerhalb des Kraftwerksgeländes stehen, fallen nicht unter die Regelungen des Atomgesetzes und konnten deshalb vorab abgerissen werden.[2]

Am 6. Oktober 2014 kündigte EnBW an, dass die beiden Reaktoren Neckarwestheim II und Philippsburg II trotz sinkender Margen bis zum Ende der festgelegten Laufzeit weiterbetrieben werden sollen. Eine vorzeitige Abschaltung sei nicht geplant.[3]

EnBW-Chef Frank Mastiaux erklärte am 29. April 2015 auf der Hauptversammlung, dass sich der Konzern "derzeit" nicht wie E.ON aufspalten wolle. "Wir haben diese Frage intensiv erörtert und sind zu dem Schluss gekommen, dass das für uns derzeit kein Thema ist".[4]

Nur Klage auf Schadenersatz

Am 30. Juli 2012 gab der Konzern bekannt, dass er auf eine Verfassungsklage gegen den Atomausstieg verzichtet. EnBW teile zwar die Auffassung der anderen Energiekonzerne, dass der Atomausstieg das Grundrecht auf Eigentum verletze, da jedoch EnBW zu 98 % in öffentlicher Hand sei, habe es keine Grundrechtsfähigkeit.[5] EnBW hofft nun, das seine Interessen aufgrund der Klagen der anderen Energiekonzerne berücksichtigt werden.[6]

Wie andere Atomkonzerne schon zuvor reichte EnBW am 23. Dezember 2014 beim Landgericht Bonn eine Klage gegen die Schließung der Reaktoren Neckarwestheim I und Philippsburg I ein. Nach Informationen der "Stuttgarter Zeitung" möchte der Atomkonzern 200 Mio. Euro Schadenersatz.[7] Laut "Handelsblatt" vom 11. März 2015 ergeben sich sogar Forderungen von 260 Mio. Euro an den Staat.[8]

Am 6. April 2016 wies das Bonner Landgericht die Klage von EnBW in Höhe von nun 261 Mio. Euro zurück. Begründung: "Das Unternehmen habe darauf verzichtet, gegen die Anordnung zur Abschaltung der Anlagen gerichtlich vorzugehen, um den Schaden abzuwenden".[9]

Geschäfte mit Russland

Im Oktober 2013 wurden in den Medien Korruptionsvorwürfe gegen EnBW laut. Der Atomkonzern soll für Atom- und Gasgeschäfte in Russland über schwarze Kassen Schmiergelder gezahlt haben, u. a. an russische Militärs. Gegen mehrere EnBW-Manager wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet.[10]

→ AtomkraftwerkePlag: Korruption und Drehtür/EnBW

Im Februar 2014 wurde von vertraulichen Papieren berichtet, nach denen EnBW plante, seinen Atommüll in Russland zu entsorgen. Dies galt auch für Bauteile des 2005 stillgelegten Reaktors Obrigheim. Damit sollten langfristige Genehmigungsverfahren umgangen werden.[11]

Zögern bei den erneuerbaren Energien

Noch im März 2011 hatte der neue baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann angekündigt, einen strategischen Kurswechsel des Konzerns hin zu regenerativen Energien einleiten zu wollen.[12]

Der drittgrößte deutsche Energiekonzern konnte nach 870 Mio. Euro Verlust 2011 zwar im ersten Halbjahr 2012 aufgrund von Investitionen in erneuerbare Energien zwar einen Gewinn von 545 Mio. Euro einfahren.[13]

Im Vergleich zu den Wettbewerbern scheint der Konzern aber den Trend zu den erneuerbaren Energien verpasst zu haben. So installierte RWE auf See siebenmal so viel Windkraftleistung wie EnBW. Im ersten Halbjahr 2012 wurden auf dem Land nur sechs neue Windräder errichtet. "EnBW-Strommanager scheuten eher das Licht. Erst 2011 erhöhten sie mit neuen Solarparks in Ulm-Eggingen und Leibertingen die Stromerzeugung durch Fotovoltaik von 3,5 auf 10 Megawatt." GP Joule und RWE liefern ungleich höhere Zahlen.[14]

Nach einer Meldung vom 2. März 2013 fehlen EnBW derzeit die Mittel, in Ökostrom zu investieren. Problematisch sind vor allem die aufgrund des Booms erneuerbarer Energien stark fallenden Strompreise. Langfristig möchte EnBW-Chef Frank Mastiaux die Hälfte der Investitionen für Ökostrom reservieren.[15]

→ Wikipedia: EnBW
→ AtomkraftwerkePlag: Stefan Mappus

(Letzte Änderung: 06.04.2016)

Einzelnachweise

  1. enbw.com: Rückbaustrategie verabschiedet: EnKK stellt Weichen für direkten Rückbau ihrer Kernkraftwerke vom 2. August 2012
  2. strom magazin Rückbau - EnBW macht den Atomausstieg sichtbar vom 28. Juni 2012
  3. Rhein-Neckar-Zeitung: Philippsburg/Neckarwestheim: EnBW plant keine vorzeitige Abschaltung von Atomkraftwerken vom 6. Oktober 2014
  4. n-tv.de: Aufspaltung kommt für EnBW nicht in Frage vom 29. April 2014
  5. Focus Online: EnBW verzichtet auf Klage gegen den Atomausstieg vom 30. Juli 2012
  6. Spiegel Online: EnBW verzichtet auf Klage und will trotzdem Schadensersatz vom 30. Juli 2012
  7. swp.de: Zeitung: EnBW klagt auf mehr als 200 Millionen Euro Schadenersatz vom 24. Januar 2015 (via WayBack)
  8. Handelsblatt: EnBW - Energiekonzern will 260 Millionen Euro vom Staat vom 11. März 2015
  9. Focus Online: Atomausstieg: Stromkonzern EnBW scheitert vor Gericht vom 6. April 2016
  10. Focus Online: Schmiergeld in Russland - EnBW gerät massiv unter Bestechungs-Verdacht vom 28. Oktober 2013
  11. Handelsblatt: EnBW wollte Atommüll nach Russland schaffen vom 27. Februar 2013
  12. Welt Online: Kretschmann will Energiekonzern EnBW umbauen vom 28. März 2011
  13. Welt Online: EnBW-Halbjahreszahlen "leicht über Erwartungen" vom 27. Juli 2012
  14. WirtschaftsWoche: Versorger-Riese EnBW droht an Energiewende zu zerbrechen vom 27. September 2012
  15. Stuttgarter Zeitung: EnBW fehlt das Geld für Öko-Investitionen vom 2. März 2013

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki