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Europäisches Atomforum (FORATOM)

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Die Lobbyorganisationen > Europäisches Atomforum (FORATOM)

Dachorganisation europäischer Atomforen

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FORATOM-Mitgliedstaaten 2013

FORATOM leistet bereits seit über 50 Jahren Lobbyarbeit für die europäische Atomindustrie.

Die Organisation wurde 1960 in Paris gegründet und etablierte vom Zeitpunkt ihres Bestehens an enge Beziehungen mit EURATOM, der IAEO und der Nuclear Energy Agency (NEA). 1975 hatte FORATOM seinen Sitz in London, ab 1990 in Brüssel. 2009 bis 2011 war Dr. Ralf Güldner Präsident von FORATOM, der heutige Präsident des Deutschen Atomforums (DAtF).[1] Generaldirektor des Europäischen Atomforums ist Jean-Pol Poncelet, der führende Positionen in der belgischen Atomindustrie bekleidete und stellvertretender Premierminister Belgiens war.[2][3]

Hauptziel von FORATOM ist die Vermarktung und Interessenvertretung der Atomenergie. FORATOM fungiert als Dachorganisation von 17 europäischen Atomforen, darunter auch des Deutschen Atomforums (DAtF), und repräsentiert über 800 Unternehmen der Atomindustrie.[4] Anscheinend ist FORATOM nicht daran interessiert, die beteiligten Verbände und Unternehmen bekanntzugeben; eine Mitgliederliste auf der Homepage von FORATOM sucht man vergebens.

Einflussnahme auf europäische Politik

FORATOM agiert eher im Hintergrund und hat bisher kaum Beachtung in den Medien gefunden. Es sind nur wenige Meldungen zu finden, in denen das Wirken der Organisation beschrieben wurde.

In einem Artikel der "Deutschen Welle" vom 18. Mai 2009 ist die Lobbyarbeit des europäischen Atomforums und des Cheflobbyisten Sami Tulonen als "Strippenziehen für die Atome" bezeichnet und näher beschrieben worden. Danach initiierte FORATOM beispielsweise 2005 eine "Erklärung zu Klimawandel und Nuklearenergie". Darin wird eine verstärkte Nutzung der Atomenergie gefordert, womit der Klimawandel bekämpft werden könne. Diese wurde von diversen europäischen Abgeordneten unterzeichnet.[5]

In "heise.de" wurde am 31. März 2011 darauf hingewiesen, welches Problem die nach der Fukushima-Katastrophe einsetzende Sicherheitsdiskussion und die dadurch geringer werdende Rentabilität der Atomkraftwerke für die Atomindustrie darstellen. Im Zusammenhang mit der geplanten Sicherheitsüberprüfung der spanischen AKW forderte FORATOM die spanische Regierung auf, "gesunden Menschenverstand" walten zu lassen und die Anforderungen nicht zu hoch anzusetzen (z. B. gegen Flugzeugabstürze). "Die Atomlobby hat offenbar gemerkt, dass sich ihre Kraftwerke nicht mehr lohnen, wenn man sie tatsächlich auf dem neuesten Stand der Technik hält und schon alle bekannten Gefahren einbezieht."[6]

Das "Nuklearforum Schweiz", die Schweizer Tochter von FORATOM, wies darauf hin, dass FORATOM schon im Februar 2011 eine "Energy 2050 Roadmap" zusammen mit Entscheidungsträgern in den europäischen Staaten und der Atomindustrie aufgesetzt hatte, die auch nach Fukushima Gültigkeit behalten soll. Danach sollte die Atomkraft "ein wichtiges Standbein für den kohlenstoffarmen Energiemix bleiben".[7]

Angesichts der Ausstiegspläne verschiedener Staaten in Europa und einer stagnierenden Atomindustrie rücken die Interessenverbände der Atomindustrie enger zusammen. Im März 2012 beschlossen die IAEO und FORATOM, ihre Zusammenarbeit zu vertiefen und unterzeichneten ein Kooperationsabkommen in den Feldern Energieplanung, Personalmanagement, Wissensmanagement und Entsorgung.[8]

Im April 2014 kritisierte das Europäische Atomforum (FORATOM) die EU-Kommission, da diese zu jenem Zeitpunkt in der Subventionierung des geplanten britischen AKW Hinkley Point C einen Verstoß gegen den Wettbewerb sah. Dies behindere den Ausbau der Atomkraft in anderen europäischen Staaten. Nach Meinung von Foratom sei nur mit Atomkraft eine günstige Entkarbonisierung der britischen Energiewirtschaft möglich; Atomkraft habe "die geringste unfallbedingte Todesrate aller kommerziellen Stromproduktionstechnologien".[9]

Großbritannien: Milliardensubventionen für neue Reaktoren

FORATOM veröffentlichte 2014 ein Papier "EU Nuclear Energy Policy Forecast 2014", in dem der Hoffnung Ausdruck verliehen wird, dass bei der Europawahl in einigen Ländern auch das Thema Atomkraft wieder in den Fokus rückt. EURATOM soll 2014 bis 2018 mit 1,6 Mrd. Euro gefördert werden. Darüber hinaus werden diverse 2014 geplante Aktivitäten im Bereich der Atomkraft angesprochen.[10]

Im Oktober 2015 forderte FORATOM von der Europäischen Kommission eine neutrale Herangehensweise, die eine Investition in alle CO2-armen Technologien ermögliche, auch in die Atomkraft. Das Vertrauen potenzieller Investoren müsse erhöht werden.[11] 

Weitere Quellen

FORATOM (Website)
→ kernenergie.ch: Foratom (European Atomic Forum)
→ Wikipedia: Europäisches Atomforum
→ Deutsche Welle: Strippenziehen für die Atome vom 18. Mai 2009

(Letzte Änderung: 04.10.2015)

Einzelnachweise

  1. issuu.com: The History of FORATOM 1960 - 2010
  2. foratom:org: FORATOM Staff abgerufen am 8. August 2013
  3. www.nuklearforum.ch: Neuer Chef für Foratom vom 13. September 2011
  4. foratom.org: Organisation abgerufen am 8. August 2013
  5. Deutsche Welle: Strippenziehen für die Atome vom 18. Mai 2009
  6. heise.de: Sicherung der AKWs vor Flugzeugabstürzen vom 31. März 2011
  7. www.nuklearforum.ch: Foratom: für EU bleibt Kernenergie wichtig vom 12. Dezember 2011
  8. iaea.og: The IAEA and FORATOM expand their cooperation vom 31. Juli 2012
  9. nuklearforum.ch: Hinkley Point C - Foratom kritisiert Europäische Kommission vom 15. April 2014
  10. FORATOM: EU Nuclear Energy Policy Forecast 2014 vom Februar 2014
  11. Foratom: FORATOM on PINC: maintaining nuclear’s current capacity to reach EU energy goals 2050 vom 2. Oktober 2015

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