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Fabian, Hans-Ulrich

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Die Lobbyisten > Fabian, Hans-Ulrich

70 % Atomstrom und reduzierte AKW-Kontrollen gefordert

Dr. Hans-Ulrich Fabian, studierter Physiker, war nach seinem Eintritt in die Nordwestdeutsche Kraftwerke AG (NWK) 1971 für Genehmigungsverfahren und Projektabwicklung bei den Kernkraftwerken Stade, Unterweser und Brokdorf zuständig. 1991 wurde er in den Vorstand der PreussenElektra AG berufen und war ab Mai 1998 Geschäftsführer der PreussenElektra Kernkraft GmbH & Co. KG. Im März 2000 wurde er pensioniert.[1] Vom 24. September 1996 bis 12. Dezember 2000 war Fabian Mitglied des Vorstands der Urenco Ltd. in Großbritannien.[2]

1991, als die deutsche Atomwirtschaft den geeigneten Moment sah, Atomkraft nach der Tschernobyl-Katastrophe wieder hoffähig zu machen, schlug Fabian vor, den Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung wie in Frankreich auf 70 % zu erhöhen. Dazu hätte man die Kapazität verdoppeln und zehn bis zwölf zusätzliche Kernkraftblöcke von je 1300 Megawatt errichten müssen.[3]

In einem Schreiben von 1995 an den TÜV Nord forderte Hans-Ulrich Fabian, die Sicherheitsauflagen und Kontrollen für Atomkraftwerke deutlich zu reduzieren. Diese führten zu einem "unaufhörlichen Anstieg der Betriebskosten" der Betreiber. Sollte dies nicht verändert werden, drohte PreussenElektra die Produktion von Atomenergie in Deutschland zu beenden. 1998 wurde diese Forderung von der Sprecherin der PreussenElektra, Petra Uhlmann, neuerdings erhoben. Greenpeace kritisierte dies, sah darin aber zugleich ein Zeichen für die mangende Rentabilität der Atomkraftwerke.[4]

Fabian war auch Mitglied des Aufsichtsrats der TÜV Nord AG, aus dem er 2008 ausschied.[5]

EPR - neue Hoffnung für die Atomindustrie

Im Februar 1992 bezeichnete Fabian auf der Wintertagung des Deutschen Atomforums (DAtF) den Europäischen Druckwasserreaktor (EPR), der bis dahin 700 Mio. Deutsche Mark gekostet hatte, als "technisch großartiges Projekt (...). Nun, verkündete Fabian, sei ein Konzept herangereift, das den Atomstrom wieder wirtschaftlich mache."[6]

Im Mai 1999 geriet Fabian in Streit mit dem damaligen Umweltminister Trittin, der den von seiner Vorgängerin Angela Merkel verhängten Transportstopp für abgebrannte Brennelemente nicht aufheben wollte. Fabian forderte eine Wiederaufnahme der Atomtransporte. Bis Februar 2000 müssten 38 Brennelemente aus dem Atomkraftwerk Stade (Niedersachsen) zur Wiederaufarbeitung nach Frankreich abtransportiert werden, sonst müssten der Reaktor abgeschaltet und Schadenersatzforderungen durch PreussenElektra erhoben werden.[7]

2002 wurde Fabian wegen seines Beitrags zur Entwicklung des Europäischen Druckwasserreaktors die Ehrenmitgliedschaft der Kerntechnische Gesellschaft (KTG), einer der wichtigste deutschen Atomlobbyorganisationen, verliehen. Auf seiner Rede erklärte er, dass die Vereinbarung zwischen der Bundesregierung Schröder und den Atomkonzernen kein "Atomkonsens" gewesen sei. "Die Zielsetzung der Kernenergiepolitik der rot-grünen Bundesregierung ist nicht nur ideologisch geprägt, sondern auch umwelt- und energiepolitisch verfehlt".[1]

2006 war Fabian Mitglied des Aufsichtsrats der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS).[8]

→ Wikipedia: PreussenElektra

(Letzte Änderung: 25.10.2016)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 KTG: KTG: Ehrenmitgliedschaft für Dr. Hans-Ulrich Fabian vom 15. Oktober 2002
  2. company director check: Hans-Ulrich Fabian abgerufen am 22. April 2014
  3. DER SPIEGEL 44/1991: Phönix aus der Asche vom 28. Oktober 1991
  4. Berliner Zeitung: Atomindustrie verlangt "Abspecken" bei Kontrollen vom 26. August 1998
  5. TÜV Nord: Geschäftsbericht 2008 (S. 5) vom Mai 2009 (via WayBack)
  6. DER SPIEGEL 6/1999: Fehler im Kalkül vom 18. Februar 1999
  7. DER SPIEGEL 22/1999: Volles Becken vom 31. Mai 1999
  8. fm.nrw.de: Beteiligungsbericht der Landesregierung Nordrhein-Westfalen für das Jahr 2006 abgerufen am 22. April 2014 [Seite nicht mehr verfügbar]

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