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Fachverband für Strahlenschutz e.V.

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Organisationen und Kommissionen > Fachverband für Strahlenschutz e.V.

Einsatz für den Schutz vor Strahlung

Der Fachverband für Strahlenschutz e.V. wurde 1966 gegründet.[1] Er ist ein gemeinnütziger Verein und beschreibt sich als Plattform, in der Strahlenschutzfachleute aus Deutschland und der Schweiz ihr Wissen und ihre praktischen Erfahrungen austauschen. Sein Leitmotiv: "Mit fundiertem Fachwissen setzen wir uns beständig ein für den Schutz von Mensch und Umwelt vor Gefährdungen durch Strahlung in Medizin, Forschung, Industrie und bei natürlichen Strahlenquellen. Auch in Not- und Unfällen berät und informiert der Fachverband die Öffentlichkeit - unabhängig und kompetent".[2]

Im Bereich der Atomenergie nennt der Fachverband folgende Themen, mit denen er sich schwerpunktmäßig beschäftigt: radioaktiven Abfall, Strahlenrisiken, nukleare Unfälle (Tschernobyl, Fukushima).[3]

Der Fachverband finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen, zum Teil aber auch durch Förderungen von "Firmen und Institutionen", die allerdings nicht in der Internetpräsenz aufgeführt werden. "Der Fachverband ist als gemeinnützig anerkannt, weil wir satzungsgemäß den "Schutz gegen die schädliche Wirkung ionisierender Strahlen" fördern."[4]

Mitgliederzeitschrift ist die als Fachmagazin bezeichnete "StrahlenschutzPRAXIS" (SSP), die viermal im Jahr erscheint.[5]

Der Fachverband veranstaltet auch Symposien, wie z. B. 2012 zum Thema "Strahlenschutz – ein Jahr nach Fukushima" oder vom 22. bis 24. September 2014 über "Zwischenlager – Dauerlager – Endlager: Wo bleiben wir mit unseren radioaktiven Abfällen?"[6]

Stellungnahmen

Die These zweier schwäbischer Wissenschaftler aus dem Jahre 1985, dass auch radioaktive Gase zum Waldsterben beitrügen, wies der Fachverband zurück: "Die "geringen Abgaben radioaktiver Stoffe" durch Nuklearanlagen in der Schweiz und in der Bundesrepublik (...) stünden in "keinem Bezug zur aktuellen Waldschadenssituation in Mitteleuropa"."[7]

Eine Stellungnahme von 2006 zu den Strahlenopfern der Tschernobyl-Katastrophe fiel ganz im Interesse der Atomindustrie aus. Darin schloss sich der Fachverband den verharmlosenden und durch die Lobbyorganisation IAEO vorgegebenen Darstellungen der WHO an. Der Sekretär Dr. Henrichs wörtlich: "Trotz damaliger Befürchtungen in der Bevölkerung gab und gibt es in Deutschland und Westeuropa keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen aufgrund der in Tschernobyl ausgetretenen Radioaktivität. Dagegen sind in den direkt betroffenen Staaten Russland, Ukraine und Weißrussland bis zum heutigen Tage mehr als 1800 Menschen durch die erhöhte Radioaktivität an Schilddrüsenkrebs erkrankt und neun an den Folgen gestorben. Erhöhte Häufigkeiten anderer Krebsarten oder Leukämien wurden nicht festgestellt." Henrichs verwies auf den 2006 optimierten Strahlenschutz und erklärte: "Würde sich heute nochmals ein Reaktorunglück wie in Tschernobyl ereignen, wäre Europa darauf besser vorbereitet."[8] Andere Strahlenexperten und Organisationen weisen derart niedrige Zahlen und beschönigende Berichte der WHO zurück, und selbst die WHO-Generalsekretärin distanzierte sich 2011 von den eigenen Zahlen. Siehe dazu → WHO: Von der Atomlobby diktierte WHO-Berichte.

In einer Stellungnahme vom 15. Februar 2011 widersprach der Fachverband der Position des Bundesamtes für Strahlenschutz, dass die radioaktiven Abfälle in der Asse zurückgeholt werden sollten. Er begründet dies damit, dass "die mögliche Strahlenexposition des Personals und der Bevölkerung noch deutlich steigen" würde und es unklar sei, was mit den Abfällen nach der Bergung geschehen solle. Diese Stellungnahme wurde an verschiedene Ministerien und Kommissionen verteilt.[9] Zu dieser Stellungnahme gibt es auch weitere Quellen aus den Jahren 2012 und 2013.[10][11]

Lobbynahe Organisation

Der Fachverband für Strahlenschutz ist nicht direkt als Lobbyorganisation für Atomkraft einzustufen, da er die Nutzung der Atomkraft nicht propagiert, aber doch als lobbynahe Organisation, die in der weltweiten nuklearen Community mitwirkt.

Der Verein ist eine assoziierte Gesellschaft der International Radiation Protection Association (IRPA),[12] die ihrerseits beispielsweise mit der Lobbyorganisation IAEO, der Nuclear Energy Agency (NEA), der International Commission on Radiological Protection (ICRP) und anderen Organisationen kooperiert.[13]

Die Lobbyorganisation Kerntechnische Gesellschaft (KTG) wies im Juli 2014 darauf hin, dass einige Mitglieder des Fachverbands auch Mitglieder der KTG sind und man eine enge Zusammenarbeit pflege.[14]

Der Fachverband wird außerdem bei den Atomforschungszentren Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem Forschungszentrum Jülich sowie bei der Strahlenschutzkommission und dem Institut für Strahlenschutz am Helmholtz Zentrum München aufgeführt.[15][16][17][18]

Seltsames Strahlenexperiment von 1986

In einem Artikel des "Spiegel" vom Juni 1986 wurde über Dr. Klaus Henrichs berichtet, der heute rechtlicher Vertreter (Sekretär) des Fachverbandes ist,[19] Mitglied des Ausschusses "Strahlenschutztechnik" in der Strahlenschutzkommission (SSK) und Mitarbeiter der Siemens AG.[20]

Henrichs war an einem Experiment beteiligt, in dem eine Kuh als Versuchstier eingesetzt wurde. Ihr Kraftfutter wurde mit radioaktiven Nukliden angereichert, um die Auswirkungen auf den Stoffwechsel zu untersuchen. Henrichs und andere Beteiligte schätzten die Strahlenwerte für so niedrig ein, dass sie die Milch der Kuh tranken. "Allerdings nur so lange, erinnert sich Dr. Klaus Henrichs von der Arbeitsgruppe Risikoanalyse, "bis wir mit den hohen Jod-Dosen angefangen haben". (...) Das Fleisch und die inneren Organe von Katrin, die wie eine ganz normale Kuh im Schlachthaus endete, wurden noch einmal genau gemessen und dann wegen der geringen Werte bedenkenlos an die institutseigenen Hunde verfüttert. Henrichs: "Wir hätten das Fleisch gerne gegrillt und gegessen, aber aus formalen Strahlenschutzgründen ging das damals nicht."[21] Die Gefahren der Niedrigstrahlung schienen zu jener Zeit noch unbekannt gewesen zu sein.

→ Fachverband für Strahlenschutz e.V.: Homepage

(Letzte Änderung: 22.10.2015)

Einzelnachweise

  1. IRPA: Fachverband für Strahlenschutz e.V. abgerufen am 9. August 2014
  2. Fachverband für Strahlenschutz e.V.: Über uns abgerufen am 8. August 2014
  3. Fachverband für Strahlenschutz e.V.: Themen des Strahlenschutzes mit besonderer gesellschaftlicher Bedeutung abgerufen am 8. August 2014
  4. Fachverband für Strahlenschutz e.V.: Zahlen & Fakten abgerufen am 8. August 2014
  5. Fachverband für Strahlenschutz e.V.: Die StrahlenschutzPraxis - SSP abgerufen am 8. August 2014
  6. Allgemeine Zeitung (Rhein Main Presse): Tagung über radioaktive Abfälle vom 6. August 2014
  7. DER SPIEGEL 48/1985: Auf der Suche nach dem Stoff X vom 25. November 1985
  8. osiris22.pi-consult.de: 20 Jahre nach Tschernobyl: Europa hat Lehren gezogen - Fachverband für Strahlenschutz zieht Bilanz vom 4. April 2006
  9. osiris22.pi-consult.de: Rückholung der Abfälle aus der Schachtanlage Asse II vom 15. Februar 2011
  10. Hamburger Abendblatt: Experte rät von Rückholung des Asse-Mülls ab vom 5. Oktober 2012
  11. DER SPIEGEL 8/2013: Expedition in ein Milliardengrab vom 18. Februar 2013
  12. IRPA: Associate Societies abgerufen am 9. August 2014
  13. IRPA: International Cooperation abgerufen am 9. August 2014
  14. KTG: KTG-Mitteilungen Juli 2014 vom Juli 2014
  15. KIT: Fachverband für Strahlenschutz: Jahrestagung 2012 am KIT abgerufen am 8. August 2014
  16. FZ Jülich: Glossar Strahlenschutz abgerufen am 8. August 2014
  17. SSK: Links abgerufen am 8. August 2014
  18. Helmholtz Zentrum München: Behörden, Organisationen Deutschland abgerufen am 9. August 2014
  19. Fachverband für Strahlenschutz: Geschäftsführung (Sekretär) abgerufen am 10. August 2014
  20. SSK: Mitglieder des Ausschusses „Strahlenschutztechnik“ der Strahlenschutzkommission 2014 vom Juni 2014
  21. DER SPIEGEL 23/1986: Eine Denkpause könnten wir uns leisten vom 2. Juni 1986

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