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Fessenheim (Frankreich)

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Atomenergie in Europa > Frankreich > Fessenheim (Frankreich)
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2 Druckwasserreaktoren • Leistung: 920 MW/920 MW • Typ: CP0/CP0 • Hersteller: Framatome •
Baubeginn: 1. September 1971, 1. Februar 1972 • Inbetriebnahme: 7. März und 27. Juni 1977 • [1][2]
Abschaltung: offen


Altreaktoren in erdbebengefährdetem Gebiet

2010 06 04 Centrale nucléaire de Fessenheim2.png

AKW Fessenheim (Frankreich)

Das seit 1971 betriebene Atomkraftwerk Fessenheim liegt am linken Rheinufer zwischen Mulhouse und Freiburg im Breisgau und ist 1,5 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.[3][4] Das dienstälteste AKW Frankreichs löst Beunruhigung bei Umweltschützern in Frankreich und Deutschland aus, da es sich im Rheingraben befindet, einem erdbebengefährdeten Gebiet.

Das AKW besteht aus zwei Druckwasserreaktoren mit je 920 MW Leistung, die 1977 in Betrieb genommen wurden. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die Électricité de France.[1] Hersteller war Framatome (heute AREVA).[2]

Steuerungsausfall im April 2014 und weitere Störfälle

In den letzten Jahren gab reihenweise Störfälle. Nach Angaben von Greenpeace lag die Anzahl der meldepflichtigen Ereignisse von 2011 bis 2013 dreimal so hoch wie der Durchschnitt bei den anderen französischen Atomkraftwerken.[5]

So gelangte beispielsweise im September 2010 radioaktives Gas in die Umwelt[6], im November 2011 kam es zu einer technischen Panne, und der Reaktor 1 musste vom Netz genommen werden.[7]

Im April 2012 ereignete sich ein Brand in einem Maschinenraum des Reaktors 2, und im September 2012 kam es bei Wartungsarbeiten mit Wasserstoffperoxid zu einer Dampfentwicklung, bei der zwei Arbeiter verletzt wurden.[8]

Wesentlich gravierender als zunächst berichtet war ein Störfall im April 2014. Zunächst war nur von einem technischen Defekt an einem Sicherheitsschalter die Rede, der zwar Rauchwolken auslöste, aber sonst ungefährlich gewesen sein sollte. [9] Am 4. März 2016 wurde nach Recherchen der SZ und des WDR bekannt, dass Betreiber und Atomaufsicht den Störfall verharmlost hatten. In Wirklichkeit war nach einer Verstopfung eines Abflusses Kühlwasser in drei Gänge mit Sicherheitselektronik gelaufen, was den Ausfall zweier paralleler Sicherheitssysteme verursachte. Die Steuerstäbe im Reaktor 1 waren manövrierunfähig, so dass sich die Kernreaktionen nicht mehr steuern und verlangsamen ließen. Da eine betriebliche Abschaltung unmöglich war, entschied sich ein Krisenteam für eine Notabschaltung durch Einleitung von Bor in das Kühlsystem. Auch dies lief nicht reibungslos – das Kühlwasser im inneren Kreislauf kühlte stärker ab als gedacht. Aus einem Brief der französischen Atomaufsicht ASN ließ sich "eine Abfolge von technischem Versagen und Chaos" erkennen. Das Ereignis wurde dennoch nur als Störung der INES-Stufe 1 klassifiziert. 16 Störungen der Stufe 1 wurden insgesamt seit 2010 von Fessenheim gemeldet.[10]

Abschaltung fraglich

2011 forderten der Straßburger Stadtrat, Sozialisten, Grüne und Atomkraftgegner wegen unzureichenden Schutzes gegen Erdbeben die sofortige Abschaltung des AKW.[11][7]

Nachdem es Anfang September 2012 zu einem erneuten Zwischenfall gekommen war, kündigte Präsident Hollande die Stilllegung des Atomkraftwerks Fessenheim für Ende 2016 an, früher als bislang angekündigt.[12] Im Oktober 2012 teilte die französische Atomaufsicht ASN mit, der Rückbau könne erst fünf Jahre nach der Stilllegung beginnen und werde voraussichtlich 25 Jahre dauern.[13] Laut "taz" sollen für den Rückbau das Know-how, die Rücklagen und eine Lösung für die Endlagerung fehlen.[14]

Im April 2013 wurde angekündigt, dass dem AKW Fessenheim die vorzeitige Schließung vor 2016 drohe, falls nicht bis Jahresende beim zweiten Block der Betonsockel verstärkt und ein Notkühlsystem installiert würden.[15] Im Juli 2013 soll der Stromkonzern EDF mit Vorbereitungen für die Stilllegung begonnen haben.[16] Im September 2013 wurde noch einmal bekräftigt, dass die Stilllegung auch gegen Widerstände durchgesetzt werden solle; dazu beitragen soll ein neues Energiegesetz, das die Obergrenze für Atomstrom festlegt.[17]

Am 18. März 2014 drangen über 60 Greenpeace-Aktivisten in das Atomkraftwerk ein, um auf die Gefahren hinzuweisen, die von alten Atomkraftwerken in Europa ausgehen.[18]

Nach einer Meldung vom Februar 2015 ist es fraglich, ob Fessenheim überhaupt abgeschaltet wird: Die französische Regierung beauftragte die EDF, Alternativen dafür zu erarbeiten.[19] Im März bestätigte Hollande jedoch, dass Fessenheim noch vor Ende seiner Amtszeit im Mai 2017 stillgelegt werden soll.[20]

Im Juni 2015 gab die französische Aufsichtsbehörde Autorité de sûreté nucléaire (ASN) bekannt, dass mehrere Hunderte Millionen Euro in Fessenheim investiert werden müssten, um die Sicherheitsstandards einzuhalten. Dies könnte dazu führen, dass Fessenheim nicht mehr rentabel betrieben werden kann.[21]

Im September 2015 wurde berichtet, dass eine Stilllegung des AKW Fessenheim im Jahre 2017 oder 2018 fraglich ist. Die Rechte um Sarcozy hat sogar erklärt, dass sie nach einem Wahlsieg 2017 die Laufzeit der Anlage verlängern möchte.[22]

Weitere Links

→ EDF: Centrale nucléaire de Fessenheim (Homepage des Betreibers)
→ Wikipedia: Kernkraftwerk Fessenheim
TRAS/ATPN Trinationaler Atomschutzverband gegen Fessenheim

(Letzte Änderung: 17.04.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/France
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA Reactor Database: Fessenheim 1, France abgerufen am 9. April 2016
  4. Deutscher Bundestag: Unterrichtung durch die Bundesregierung Bericht der Bundesregierung an den Deutschen Bundestag über Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung in den Jahren 1983/84/85 (Drucksache 11/949, S. 13) vom 14. Oktober 1987
  5. Greenpeace: Adieu Atomkraft - Frankreich streitet über die Schließung des Schrottreaktors Fessenheim von 2013
  6. Badische Zeitung: AKW Fessenheim: Radioaktives Gas trat aus vom 29. September 2010
  7. 7,0 7,1 Welt Online: Neuer Zwischenfall im Skandal-Meiler Fessenheim vom 22. November 2011
  8. n-tv.de: Störfall im AKW Fessenheim - Arbeiter werden verletzt vom 5. September 2012
  9. TV Südbaden: Fessenheim: Rauchwolken über dem Atomkraftwerk vom 25. April 2014
  10. Süddeutsche.de: Panne im Atomkraftwerk Fessenheim war gravierender als gedacht vom 4. März 2016
  11. Spiegel Online: Straßburger Stadtrat verlangt Aus für Pannen-AKW vom 12. April 2011
  12. n-tv.de: Frankreich schließt Fessenheim - AKW wird Ende 2016 stillgelegt vom 14. September 2012
  13. Zeit Online: Abbau des französischen Akw Fessenheim dürfte bis zu 25 Jahre dauern vom 1. November 2012
  14. taz.de: Frankreichs AKW-Betreiber -Vor dem Finanz-GAU vom 29. Oktober 2012
  15. derStandard.at: Französischem Atomkraftwerk Fessenheim droht vorzeitiges Aus vom 29. April 2013
  16. dtoday.de: EDF beginnt Vorarbeiten für Stilllegung von Fessenheim vom 30. Juli 2013
  17. Badische Zeitung: Fessenheim-Abwickler bekräftigt Akw-Schließung 2016 vom 26. September 2013
  18. Süddeutsche.de: Greenpeace-Aktivisten besetzen AKW Fessenheim vom 18. März 2014
  19. SWR: Abschalten oder nicht ist völlig offen vom 13. Februar 2013
  20. Tagesspeigel: Hollande bekräftigt Zeitplan für Schließung von Fessenheim vom 3. März 2015
  21. bz Basel: AKW ist ökonomisch bald nicht mehr haltbar vom 12. Juni 2015
  22. derStandard: Hollandes Tanz um das AKW Fessenheim vom 25. September 2015

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