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Atomkraftwerke Plag

Forsmark (Schweden)

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3 Siedewasserreaktoren • Leistung: 1.022 MW/1.158 MW/1.212 MW •
Typ: ABB-III BWR-2500/ABB-III BWR-2500/ABB-III BWR-3000 • Hersteller: ASEA ATOM •
Baubeginn: 1973/1975/1979 • Inbetriebnahme: 1980/1980/1984 •[1][2] Abschaltung: offen


Drei Reaktoren in Betrieb

Forsmark Kraftwerk.jpg

AKW Forsmark, Einheiten 1 und 2 (Schweden)

Das Atomkraftwerk Forsmark befindet sich an der schwedischen Ostküste, nordöstlich der Stadt Uppsala.[3] Es besteht aus drei Siedewasserreaktoren mit 1.022/1.158/1.212 MW Leistung, die 1980 und 1984 ans Netz gegangen sind. Eigentümer und Betreiber ist die Forsmark Kraftgrupp AB.[1] Hersteller war ASEA ATOM.[2]

Laut Greenpeace stellen die Reaktoren in Forsmark wegen "technischer Mängel und einer schlechten Sicherheitskontrollkultur eine große Gefahr für die Bevölkerung in Schweden und seine Nachbarländer" dar. Auch sei das AKW laut EU-Stresstest schlecht gegen Naturkatastrophen gesichert, der Schutz gegen Terrorismus sei mangelhaft. Greenpeace forderte die sofortige Schließung.[4]

Radioaktiver Abfall aus dem AKW wird im Zwischenlager Forsmark entsorgt. Es ist auch die Einrichtung eines Endlagers am Standort geplant, welches 2020 in Betrieb gehen soll.[5]

2006: Ausfall der Stromversorgung und der Anzeigen

Am 25. Juli 2006 entging Schweden offenbar nur knapp einer nuklearen Katastrophe. Der Reaktor 1 des Atomkraftwerks Forsmark wurde aufgrund eines Kurzschlusses von der Stromversorgung abgeschnitten. Zwei von vier Notstromaggregaten sprangen nicht ordnungsgemäß an. "Das Atomkraftwerk ist durch den Störfall fast zwanzig Minuten lang im Geisterbetrieb gefahren, bis die Belegschaft den Betrieb des Kraftwerks manuell wieder in den Griff bekam", meinte Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace." Daraufhin wurden vier der zehn Reaktoren in Schweden abgeschaltet.[6] "Nach Ansicht des früheren Forsmark-Chefkonstrukteurs Lars-Olov Höglund war man bei dem Störfall nur etwa 20 Minuten von einem "GAU" durch Kernschmelze entfernt gewesen. Die Chefin der schwedischen Kernkraftinspektion SKI, Judith Melin, wies das zurück."[7]

Eine Untersuchung des Störfalls ergab, dass aufgrund eines Kurzschlusses Computer, Lautsprecher und Anzeigegeräte ausfielen. "Nach einem vorläufigen Bericht der SKI hatte das Kontrollpersonal gravierende Probleme, weil vitale Reaktordaten nicht klar erkennbar waren. Beispielsweise sank der Wasserstand im Reaktor durch die Schnellabschaltung deutlich, das exakte Niveau blieb jedoch unklar wegen des Stromausfalls."[8]

Auf einer Veranstaltung der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW erläuterte Höglund den Vorfall detailliert und wies darauf hin, dass die Ursache in einer nicht mit Kraftwerksbetreibern und SKI abgesprochenen und fehlerhaft durchgeführten Modernisierung der Stromversorgung lag. Höglund kritisierte die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen des Betreibers Vattenfall und der SKI: "Die SKI, die schwedische Atomsicherheitsbehörde, ist sich des Problems bewusst, aber anstatt die Atomindustrie zu zwingen, Konsequenzen daraus zu ziehen, pflegen sie lieber den Mythos „Schweden als Weltmeister atomarer Sicherheit."[9]

Der Unfall wurde als Störfall der INES-Stufe 2 klassifiziert.[10]

Im September 2006 wurde einer der abgeschalteten Reaktoren wieder ans Netz genommen, die Inbetriebnahme eines zweiten verzögerte sich aufgrund weiterer Pannen.[11] Im Dezember mussten der Reaktor 3 wegen beschädigter Brennstäbe und der Reaktor 1 wegen fehlerhafter Turbinensteuerung abgeschaltet werden.[12]

Anfang 2007 musste Vattenfall nachträglich Sicherheitsmängel am Atomkraftwerk einräumen, nachdem Mitarbeiter "einen langfristigen "Verfall der Sicherheitskultur" wegen des Strebens nach möglichst hoher Kapazitätsauslastung" konstatiert hatten.[13] Der Leiter des AKW trat im Juli 2007 zurück.[14]

→ Vattenfall: Forsmark (Informationen des Betreibers)
→ Wikipedia: Kernkraftwerk Forsmark
→ AtomkraftwerkePlag: Schweden

(Letzte Änderung: 02.01.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Sweden abgerufen am 1. Juni 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA Reactor Database: Forsmark 1, Sweden abgerufen am 9. April 2016
  4. Tagesspiegel: Mythos Atomkraft vom 4. Oktober 2012
  5. Zeit Online: Forsmark Schwedisches Atommüll-Endlager: Ein Fels für die radioaktive Ewigkeit vom 3. Mai 2011
  6. Zeit Online: Nahe am GAU vom 3. August 2006
  7. n-tv.de: Störfall in Forsmark - Atomdebatte neu angefacht vom 5. August 2006
  8. Zeit Online: Geisterflug - Wie gefährlich war der Störfall im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark wirklich? vom 3. Januar 2007
  9. IPPNW.DE: Warnsignal Forsmark - Rede vom 10. September 2006 auf dem Weltkongress in Helsinki, Finnland
  10. iaea.org INES - The international nuclear and radiological event scale abgerufen am 30. November 2014 (via WayBack)
  11. Spiegel Online: Forsmark - Panne beim AKW-Neustart vom 30. September 2006
  12. greenpeace.de Forsmark: Schwedisches Roulette mit Atomkraft vom 18. Dezember 2006
  13. Spiegel Online Vattenfall räumt Sicherheitsmängel im Atomkraftwerk Forsmark ein vom 30. Januar 2007
  14. verivox.de: Rauscher-Rücktritt nicht unerwartet - Was kommt noch bei Vattenfall? vom 19. Juli 2007

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