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Die Fukushima-Katastrophe > Fukushima verseucht Grundwasser und Pazifik

Kontamination nach dem GAU

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Seit Beginn der Fukushima-Katastrophe strömt hochradioaktives Wasser in den Pazifik. Die Grenzwerte wurden anfangs um das 4.000fache, ab Anfang April 2011 um das 280fache überschritten, nachdem es gelungen war, einen Riss in einem Reaktor zu stopfen.[1]

→ NABU: Zu den Auswirkungen der Reaktorkatastrophe von Fukushima auf den Pazifik und die Nahrungsketten vom 7. Juli 2011 (Einschätzung)

Am 16. März 2013 wurde festgestellt, dass die Meeresküste am AKW Fukushima weiterhin stark radioaktiv belastet ist. Es wurde ein Fisch gefangen, der 7.400 fach stärker mit Cäsium kontaminiert war, als vom japanischen Staat als unbedenklich angesehen.[2] Im April 2013 gab es Meldungen, dass aus unterirdischen Sammelbehältern radioaktives Wasser über Lecks ausgetreten war,[3] und seit Juni war klar, dass radioaktives Strontium ins Grundwasser gelangte.[4] Im Juli stieg die radioaktive Belastung aufgrund massiv erhöhter Cäsium-134- und Cäsium-137-Konzentrationen deutlich an.[5]

Neben dem bereits angesprochenen Cäsium und Strontium war im radioaktiven Wasser auch Tritium enthalten: "In der vergangenen Woche musste der Betreiber Tepco einräumen, dass seit Mai 2011 zwischen 20 und 40 Billionen Becquerels an radioaktivem Tritium ins Meer geflossen sind, wobei 22 Billionen Becquerels pro Jahr erlaubt sind."[6] Das in Fukushima eingesetzte Filtersystem "Advanced Liquid Processing System" (ALPS) "kann diverse Radionuklide, vor allem Strontium, herausfiltern - nicht jedoch strahlendes Tritium."[7]

Am 7. August 2013 wurde gemeldet, dass täglich 300 Tonnen radioaktiv verseuchtes Grundwasser seit zwei Jahren in den Stillen Ozean fließen. Das Wasser ist nicht nur auf kontaminiertes Kühlwasser, sondern auch auf 400 Tonnen Grundwasser zurückzuführen, die täglich von außen in die Reaktorgebäude eindringen und sich mit dem Kühlwasser vermischen. TEPCO hatte nach eigenen Angaben "chemische Mauern" im Erdreich als Blockade errichtet, die das Wasser jedoch einfach umfloss. Die japanische Regierung kritisierte den Betreiber TEPCO scharf und kündigte eigene Notfallmaßnahmen an. Es sollte ein "unterirdischer Wall aus gefrorenem Boden um die Reaktorgebäude errichtet werden".[8]

Weshalb reagierte die japanische Regierung nun plötzlich? Wohl, weil Premierminister Abe, der die japanischen Atomkraftwerke wieder ans Netz nehmen möchte, eine weitere Verschlechterung der Akzeptanz der Atomkraft fürchtete und den Anschein erwecken wollte, dass die Regierung das AKW Fukushima im Griff hätte. Abe schob die Verantwortung TEPCO zu und behauptete, die japanische Regierung wäre nicht über den Ernst der Lage informiert worden.[9]

Nach wochenlangen ZDF-Recherchen zeigte sich im Februar 2014, dass sich die Lage nicht verbessert hatte: Auf dem Gelände lagerten 400 Mio. Liter hoch kontaminiertes Grundwasser, die nach einem Erdbeben die Umwelt verseuchen würden. Das Problem mit dem durchströmenden Grundwasser war von Anfang an bekannt. Schon damals wollte man einen Schutzwall um das Atomkraftwerk bauen, verwarf dies aber, weil Tepco die Maßnahmen zu teuer waren.[10]

Im Mai 2014 wurde berichtet, dass TEPCO ein Umleitungssystem für Grundwasser vor dem havarierten AKW in Betrieb genommen hat. "Künftig soll Grundwasser darüber in den Pazifik geleitet werden. So solle verhindert werden, dass sich radioaktiv verseuchtes Wasser und Grundwasser vermischten, teilte Tepco mit."[11]

Pannen folgen Pannen

Am 20. August 2013 teilte Tepco mit, dass ein Kühlwassertank undicht war und 300 Tonnen, u. a. mit Strontium kontaminiertes hochradioaktives Wasser, in den Boden sicherten. Das Leck konnte bis zum Abend nicht verschlossen werden.[12] Die japanische Regierung erhöhte die Warnstufe wegen des Lecks auf einen Ernstfall der Stufe 3 in der siebenstufigen internationalen INES-Skala.[13]

Am 17. September 2013 leitete TEPCO nach einem Taifun 1.130 Tonnen Regenwasser, das laut TEPCO nur schwach kontaminiert sein soll, ins Meer.[14] Am 26. September wurde bekannt, dass eine Sperre vor den schwach beschädigten Reaktoren 5 und 6, die das Eindringen von radioaktiven Stoffen verhindern sollte, ein Loch hatte. TEPCO kündigte eine Behebung des Mangels an.[15] Im gleichen Monat wurde ein Leck in einem Tank entdeckt, in dem sich Wasser mit einer Belastung von 580.000 Becquerel pro Liter an Betastrahlung befand, das unter anderem von Strontium-90 ausging. Der gesetzliche Grenzwert liegt für Strontium bei 30 Bequerel.[16]

Am 7. Oktober 2013 schaltetet ein Arbeiter aus Versehen einige Kühlwasserpumpen der Reaktoren ab.[17] Am 9. Oktober 2013 wurden sechs Arbeiter durch radioaktives Wasser kontaminiert. Das Helmholtz Zentrum München, dem aufgrund fahrlässigen Umgangs mit radioaktivem Abfall die Verantwortung für die Asse entzogen wurde, hielt das Gesundheitsrisiko für gering.[18] Am 10. Oktober 2013 stieg die Belastung mit Cäsium in der Meeresbucht von Fukushima um das 13-fache. Grund dafür sollten laut Tepco Bauarbeiten an einem Damm gegen Grundwasser sein, bei denen kontaminierter Erdboden ins Wasser gefallen war.[19]

Nach einem Fernsehbeitrag von NBC im März 2014 wurde damit gerechnet, dass radioktiv verseuchte Fische in einigen Wochen die Westküste der USA erreichten (vgl. Video rechts).

Im April 2015 wiesen Forscher Cäsium-134 an der kanadischen Westküste nach. "Jay Cullen von der University of Victoria, der Fukushima Inform angehört, sagte dem kanadischen Radiosender CBC, die Cäsium 134-Konzentration liege etwa tausendfach unter der für Trinkwasser empfohlenen Höchstmenge."[20]

Bei schweren Regenfällen im September 2015 wurden die Entwässerungspumpen des AKW überschwemmt, und nach Schätzungen von Tepco flossen "hunderte Tonnen verseuchten Wassers in den Pazifik".[21]

Am 26. Oktober 2015 schloss Tepco den Bau einer wasserundurchlässigen Schutzwand ab, die verhindern soll, dass kontaminiertes Grundwasser in den Pazifik fließt. Das aufgestaute Wasser soll abgepumpt, dekontaminiert und dann in den Hafenbereich geleitet werden.[22]

Am 10. Februar 2016 wurden die Anlagen fertiggestellt, die zum Bau einer Eismauer aus gefrorenem Erdboden um die Anlage erforderlich sind. Die Mauer selbst, die ein Eindringen von Grundwasser in die Reaktorgebäude verhindern soll, kann erst nach einer Genehmigung durch die Aufsicht errichtet werden.[23]

(Letzte Änderung: 05.01.2017)

Einzelnachweise

  1. taz: Ruine mit Restrisiko vom 6. April 2013
  2. Welt Online: 7400-fache Dosis Cäsium in Fisch aus Fukushima vom 16. März 2013
  3. Zeit Online: Der Katastrophen-Reaktor leckt und leckt und leckt vom 7. April 2013
  4. n-tv.de: Auch zwei Jahre nach Fukushima-Gau - Radioaktives Wasser sickert aus Akw vom 19. Juni 2013
  5. Spiegel Online: Radioaktive Belastung des Grundwassers steigt dramatisch vom 9. Juli 2013
  6. tagesschau.de Atomruine Fukushima - Sorge um verstrahltes Wasser vom 7. August 2013 (via Wayback)
  7. Spiegel Online  Atomruine Fukushima: Erneut Probleme mit Filtersystem vom 4. Oktober 2013
  8. Spiegel Online: Verstrahltes Wasser: Eiswall soll AKW Fukushima abdichten vom 7. August 2013
  9. FAZ.net: Tepcos Lügen bringen Abe in Bedrängnis vom 7. August 2013
  10. ZDF: Die Lüge: Wie gefährlich Fukushima noch immer ist vom 26. Februar 2014 [Seite nicht mehr verfügbar]
  11. tagesschau.de: Neues Ableitungssystem in Fukushima - Tepco leitet Grundwasser in den Ozean vom 21. Mai 2014
  12. FAZ.net: Wieder ein Leck in Fukushima vom 20. August 2013
  13. Süddeutsche.de: Japan erhöht Warnstufe in Fukushima vom 21. August 2013
  14. Spiegel Online: AKW Fukushima: Tepco leitet 1130 Tonnen kontaminiertes Wasser ins Meer vom 17. September 2013
  15. ORF: Neue Panne in Atomkraftwerk Fukushima vom 26. September 2013
  16. Spiegel Online: Atomruine Fukushima: Erneut Probleme mit Filtersystem vom 4. Oktober 2013
  17. RP Online Kühlwasserpumpen abgeschaltet - Neue Panne im Kraftwerk Fukushima vom 8. Oktober 2013
  18. Zeit Online: Chaos ist Alltag am AKW Fukushima vom 10. Oktober 2013
  19. FAZ.net: Starke Cäsium-Belastung im Hafen von Fukushima vom 10. Oktober 2013
  20. Spiegel Online: Cäsium 134: Forscher finden in Kanada radioaktive Spuren von Fukushima-GAU vom 8. April 2014
  21. n-tv.de: Schwere Überschwemmungen in Japan - Radioaktives Wasser fließt ins Meer vom 10. September 2015
  22. nuklearforum.de: Meeresseitige Schutzwand für Fukushima-Daiichi fertig vom 31. Oktober 2015
  23. world nunclear news: Fukushima Daiichi ice wall equipment in place vom 10. Februar 2016

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