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Druckwasserreaktor • Leistung: 1.060 MW • Typ: Typ PWR 3 Loop • Hersteller: KWU •
Baubeginn: 1. Dezember 1973 • Inbetriebnahme: 20. Januar 1979 •[1][2] Abschaltung: offen


Mischoxide bis 2029

Gosgen nuclear.png

AKW Gösgen (Schweiz)

Das Atomkraftwerk Gösgen befindet sich im Kanton Aargau im Norden der Schweiz, an der Aare südwestlich der Stadt Aarau.[3] Es ist lediglich 20 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.[4]

Der Druckwasserreaktor mit 1.060 MW[1] war der erste in der Schweiz, der eine Leistung über 1.000 MW besaß. Eigentümer und Betreiber ist die Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG, wobei die Alpiq AG 40 % der Anteile am Betreiber hält und die Geschäftsleitung innehat. Die am Betreiber beteiligten Unternehmen wünschen sich eine Laufzeit von 60 Jahren.[5] Nach dem Ausstiegsbeschluss vom 25. Mai 2011 sollte der Reaktor "nur" 50 Jahre, bis 2029, am Netz bleiben.[6] Im Dezember 2014 wurde der Ausstiegsbeschluss allerdings weitgehend zurückgenommen. Gösgen soll so lange laufen, wie es die Aufsichtsbehörde ENSI für sicher hält.[7]

Erste Planungen für das AKW begannen bereits 1966, die Vorprojektierung 1969. Auf das 1970 eingereichte Baugesuch hin entschied der Bundesrat, dass statt der ursprünglich vorgesehenen Flusswasserkühlung eine Umlaufkühlung mit einem Kühlturm gebaut werden sollte. Nach diversen Genehmigungen wurden die Betreibergesellschaft gegründet und der Reaktor schlüsselfertig bei der deutschen Siemens-Tochter Kraftwerk Union bestellt.[2]

Nach der Inbetriebnahme am 20. Januar 1979 wurden 1997 zum ersten Mal Mischoxid-Brennelemente mit Plutonium eingesetzt, im Jahr 2000 Brennelemente aus aufgearbeitetem Uran.[8] Das ursprüngliche Nasslager wurde später erweitert und kann nun bis zu 1.008 Uran- und Mischoxid-Brennelemente aufnehmen.[9]

Der Plan, neben der Anlage ein zweites AKW, Niederamt oder Gösgen II genannt, zu errichten, wurde nach der Fukushima-Katastrophe 2011 fallengelassen. Detaillierte Informationen dazu unter → Niederamt (Schweiz).

Störfälle

Am 24. Juni 2008 fielen alle Gleichrichter des Notstandsystems gleichzeitig aus, was der Betreiber jedoch nicht wie vorgeschrieben 24 Stunden später, sondern erst nach acht Monaten, am 3. März 2009, meldete. Auf eine Klage des ENSI hin wurde jedoch auf ein Strafverfahren verzichtet, da nicht festgestellt werden konnte, ob es sich um ein meldepflichtiges Ereignis gehandelt habe.[10]

Im Juni 2012 kam es zu einer Schnellabschaltung aufgrund eines Defekts in einer Diode.[11]

Am 7. Juni 2013 wurde das AKW wegen eines Erdschlusses von der externen Stromversorgung abgeschnitten und auf Notstromversorgung umgeschaltet.[12]

Proteste und Klage

Gösgen gilt als Ausgangspunkt der Anti-Atomkraftbewegung der Schweiz. Die Organisationen "Pro Niederamt" oder "Überparteiliche Bewegung gegen Atomkraftwerke Solothurn" protestierten gegen den Bau. "1977 fand der legendäre Pfingstmarsch nach Gösgen statt, rund 10 000 wanderten mit. Im Juni desselben Jahres versuchten fast 3000 AKW-GegnerInnen die Zufahrt zum Baugelände zu besetzen - sie sahen sich 1000 Polizisten gegenüber." Das AKW wurde trotz der Proteste gebaut.[13]

Am 19. Dezember 2012 reichten der Trinationale Atomschutzverband (TRAS) und die Umweltorganisation Greenpeace Schweiz Klage gegen die Betreiber der Atomkraftwerke Gösgen und Leibstadt wegen Bilanzfälschung ein, die am 19. November 2013 zurückgewiesen wurde. Die Umweltschutzorganisationen hielten an den Vorwürfen fest und prüfen weitere Schritte.[14]

Weitere Links

Kernkraftwerk Gösgen (Homepage)
→ SRF: AKW Gösgen vom 17. März 2011 (Video des Schweizer Fernsehens)
→ Wikipedia Kernkraftwerk Gösgen

(Letzte Änderung: 14.11.2016)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Switzerland abgerufen am 28. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 Kernkraftwerk Gösgen: Technik und Betrieb abgerufen am 21. Januar 2014
  3. WNA Reactor Database: Goesgen, Switzerland abgerufen am 9. April 2016
  4. Deutscher Bundestag: Unterrichtung durch die Bundesregierung Bericht der Bundesregierung an den Deutschen Bundestag über Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung in den Jahren 1983/84/85 (Drucksache 11/949, S. 13) vom 14. Oktober 1987
  5. Kernkraftwerk Gösgen: Kernkraftwerk Gösgen - Allgemeine Informationen abgerufen am 20. Januar 2014
  6. NZZ Online: Die Schweiz steigt aus der Atomenergie aus vom 25. Mai 2011
  7. Berner Zeitung: Nationalrat sagt Nein zu Ausstiegsinitiative der Grünen vom 9. Dezember 2014
  8. Kernkraftwerk Gösgen: Chronik abgerufen am 21. Januar 2014
  9. Kernkraftwerk Gösgen: Erweiterung Nasslager und Nasslager abgerufen am 21. Januar 2014
  10. uvek.admin.ch: Keine Verletzung der Meldepflicht durch das Kernkraftwerk Gösgen vom 1. Juli 2011 (via WayBack)
  11. ENSI: Reaktorschnellabschaltung im Kernkraftwerk Gösgen vom 30. Juni 2012
  12. ENSI: Unterbruch der externen Stromversorgung im Kernkraftwerk Gösgen vom 7. Juni 2013
  13. WOZ: Vielen Dank, Atel! vom 12. Juni 2008
  14. handelszeitung.ch: AKW Leibstadt und Gösgen: Verfahren eingestellt vom 19. November 2013

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