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Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS)

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Organisationen und Kommissionen > Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS)

Entstehung 1976/1977

Am 26. Mai 1976 entstand die "Gesellschaft für Reaktorsicherheit mbH" aus der Fusion zweier älterer Gesellschaften: dem "Laboratorium für Reaktorregelung und Anlagensicherung (LRA)", das seit 1963 Reaktorsicherheitsforschung betrieb, und dem "Institut für Reaktorsicherheit der Technischen Überwachungsvereine (IRS)", das als Gutachter in atomrechtlichen Genehmigungsfragen fungierte. Der Geschäftsbetrieb der GRS wurde am 1. Januar 1977 eröffnet, in einer Zeit, die durch eine Energiedebatte in Politik und Öffentlichkeit geprägt war.[1] In dieselbe Zeit gewann auch die Anti-Atomkraftbewegung an Dynamik.

Forschungs- und Gutachterorganisation

Die GRS ist seitdem als "Forschungs- und Gutachterorganisation auf den Gebieten Reaktorsicherheit, Endlagersicherheit und Strahlenschutz" tätig.[2] Sie hat den Anspruch, "ihre Aufgaben unabhängig von politischen Konstellationen in Bund und Land, nur wissenschaftlichen Kriterien entsprechend" zu erfüllen, war aber immer wieder öffentlicher Kritik ausgesetzt, die laut GRS einen "Lernprozess" ausgelöst habe: so sei sie bemüht, "kritische Distanz zu dem Objekt zu halten", das sie analysiert und begutachtet.[1]

Von 1976 bis 1985 leiteten zunächst Otto Kellermann und Professor Adolf Birkhofer die GRS, ab Mitte der 1980er Jahre zwei ausgewiesene Atomlobbyisten: 1985 bis 1987 Walter Hohlefelder, der später langjähriger Chef der Lobbyorganisation Deutsches Atomforums (DAtF) war, und von 1987 bis 1994 Gerald Hennenhöfer,[1] der 1997 unter Angela Merkel die Lagerung von Atommüll in Morsleben durchsetzte.

Mit der Gründung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) 1988 verlor die GRS "staatsnahe Aufgaben" und konzentrierte sich auf die "Weiterentwicklung sicherheitstechnischer Grundlagen und die Beantwortung generischer Fragen". Ab 2000 erfolgte eine Neuorientierung aufgrund des unter Gerhard Schröder gestarteten ersten Atomausstiegs und des Terroranschlags vom 11. September 2001.[1]

Eine detaillierte Beschreibung der Entwicklung von 1977 bis 2007 und der Aufgabenfelder findet sich in der Festschrift → 30 Jahre Forschungs- und Sachverständigentätigkeit.

Die GRS besitzt heute Standorte in Köln, Garching, Braunschweig, Berlin, Kiew und Paris.[3] Der wissenschaftlich-technische Geschäftsführer der GRS, Frank-Peter Weiß, ist zugleich Inhaber der Professur für Anlagensicherheit an der Technischen Universität Dresden. Seine Forschungsschwerpunkte sind Anlagen- und Endlagersicherheit.[4] Weiß ist zudem Mitglied der Reaktorsicherheits-Kommission (RSK).[5]

Studien und Gutachten

1979 und 1989 veröffentlichte die GRS die "Deutsche Risikostudie Kernkraftwerke" in zwei Teilen. Sie analysierte und erforschte auch die Atomunfälle in Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima und zog Schlüsse daraus für die Reaktorsicherheit. 1991 erfolgte die Umbenennung in "Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS)".

In der "Frankfurter Rundschau" wird vor allem der erste Teil der "Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke" von 1979 kritisiert, da darin nur ein geringes Risiko für Atomunfälle und eine höhere Sicherheit von AKW im Vergleich zu anderen Stromerzeugungsanlagen konstatiert wurde. Die GRS wurde als "betont atomfreundliche (...) Gesellschaft" bezeichnet.[6]

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW kritisiert das Urteilsvermögen von Gutachterorganisationen wie der GRS, da sie Atomunfälle wie Harrisburg und Tschernobyl als "praktisch ausgeschlossen" bezeichnet hatten. Auch heute noch werden schwere Reaktorunfälle von der GRS als unwahrscheinlich angesehen. In neueren Studien werden jedoch Sicherheitsdefizite bei AKW festgestellt und die Möglichkeit eines Super-GAUs mit Kernschmelze und massiver Freisetzung von Radioaktivität auch in Deutschland eingeräumt.[7]

1990/1991 analysierte die GRS im Zuge der deutschen Wiedervereinigung die DDR-Atomkraftwerke Greifswald/Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern), Stendal (Sachsen-Anhalt), Morsleben und die Hinterlassenschaften der Wismut. 1993 erstellte sie zusammen mit osteuropäischen Spezialisten Sicherheitsbewertungen diverser osteuropäischer Atomkraftwerke, darunter Temelin (Tschechien) und Tschernobyl (Ukraine).[1]

2010 wurde die GRS vom Bundesumweltministerium mit der vorläufigen Sicherheitsstudie Gorleben beauftragt, mit deren Abschluss 2013 gerechnet wurde.[8] Das Auftragsvolumen der Studien liegt laut Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Bundestages bei knapp 9 Mio. Euro. Dieses Dokument enthält u. a. Informationen zur Sicherheitsstudie, zur Beteiligung von Bruno Thomauske, zu den Unteraufträgen an die Entsorgungsunternehmen DBE Technology GmbH und International Nuclear Safety Engineering (nse) GmbH sowie zum Institut für Nukleare Entsorgung (INE) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). DBE erhielt Arbeitspakete für rund 2 Mio. Euro, und Thomauskes Gesellschaft nse Arbeitspakete für rund 800.000 Euro.[9]

In einem Gutachten vom 14. November 2013 kam die GRS, wie der "Spiegel" im März 2014 berichtete, zum Schluss, dass das Atomkraftwerk Gundremmingen (Bayern) "die aktuellen Sicherheitsanforderungen an Kernkraftwerke im Erdbebenfall "nicht erfüllt". Diese Aussage gelte auch, wenn man die Kriterien älterer Regelwerke anlege."[10]

Die GRS führt auch sogenannte Precursor-Analysen (Precursor = Vorbote) durch, in denen ermittelt wird, "inwiefern beziehungsweise mit welcher Wahrscheinlichkeit Zwischenfälle in Atomkraftwerken, bei denen es noch nicht zu einem Kernschaden kam, zu einem solchen hätten führen können."[11]

(Letzte Änderung: 22.10.2015)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 GRS: 30 JAHRE FORSCHUNGS- UND SACHVERSTÄNDIGENTÄTIGKEIT vom Juni 2007
  2. GRS: 35 Jahre Forschung und Begutachtung mit der GRS vom 23. Januar 2012
  3. GRS: Standorte der GRS abgerufen am 5. Juni 2013
  4. TUD: Professur für Anlagensicherheit abgerufen am 6. Juni 2013
  5. RSK: Die RSK/Zusammensetzung abgerufen am 6. Juni 2013
  6. FR Online: Die Mär vom Restrisiko vom 21. März 2011
  7. IPPNW: Wie sicher sind die deutschen Atomkraftwerke? vom 15. Januar 2010 [Link funktioniert nicht mehr; neuer Link wird von Spam-Filter blockiert]
  8. GRS: 35 Jahre Forschung und Begutachtung mit der GRS vom 23. Januar 2012, Begriff der Woche: Deutsche Risikostudie Kernkraftwerke vom 4. Oktober 2010 und Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben (VSG) abgerufen am 5. Juni 2013
  9. Deutscher Bundestag: Drucksache 17/6817 - Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben vom 22. August 2011
  10. Spiegel Online: Gundremmingen: Gutachten zweifelt an Erdbebensicherheit von AKW vom 7. März 2014
  11. Deutscher Bundestag: Elf Precursor-Fälle in AKW von 2007 bis 2009 vom 30. Juli 2014 und Deutscher Bundestag: Precursor-Analysen von Zwischenfällen in deutschen Atomkraftwerken (Drucksache 18/2108) vom 14. Juli 2014

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