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Gesellschaft für Strahlenschutz (GSS)

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Organisationen und Kommissionen > Gesellschaft für Strahlenschutz (GSS)

Allgemeines

Die 1990 gegründete Gesellschaft für Strahlenschutz e.V. (GSS) versteht sich als Gegengewicht zu offiziellen Strahlenschutzorganisationen, denen sie "Verharmlosungen der Gesundheitsgefahren durch ionisierende Strahlen", vor allem nach Tschernobyl, vorwirft. Ziel der GSS ist, "den bestmöglichen Schutz des Menschen und der Umwelt vor den schädlichen Wirkungen ionisierender Strahlung zu erreichen.“[1] Die GSS hat immer wieder Stellungnahmen zur ionisierenden Strahlung publiziert, die auf ihrer Homepage verfügbar sind. → GSS: Literaturhinweise

Präsident und Sprecher der GSS ist seit 1995 Sebastian Pflugbeil. Der in der ehemaligen DDR geborene Medizinphysiker und Bürgerrechtler war Mitbegründer der DDR-Bürgerbewegung Neues Forum. Als Minister ohne Geschäftsbereich unter der Regierung Modrow sammelte er Unterlagen über die Atomkraftwerke der DDR und setzte sich für deren Stilllegung ein. Für sein Lebenswerk wurde ihm 2012 der Nuclear-Free Future Award verlieren.[2][3] Pflugbeil bereiste Tschernobyl und Fukushima rund 90mal, um sich selbst ein Bild von der Lage in den Katastrophengebieten zu machen und sich mit Wissenschaftlern und Betroffenen austauschen zu können.[4]

2011

Vor allem 2011, im Jahr der Fukushima-Katastrophe, waren viele Stellungnahmen des GSS-Präsidenten Pflugbeil in den Medien zu finden.

Drei Tage nach dem GAU erklärte Pflugbeil in einem Interview mit dem "Deutschlandfunk", dass die angekündigten Sicherheitsprüfungen an deutschen und europäischen AKW eigentlich überflüssig seien, da man die Risiken kenne. Er forderte die Atomkonzerne auf, entweder sofort nachzurüsten oder, wenn dies nicht möglich sei, die AKW solange abzuschalten, bis Nachrüstungen erfolgen können.[5]

In der Folge wurde Pflugbeil öfters zu aktuellen Entwicklungen in Fukushima in den Medien zitiert. Am 17. März beispielsweise bezeichnete er die Helfer von Tschernobyl als "Todeskandidaten", die aufgrund der hohen Strahlung früher sterben würden.[6] Entgegen der Behauptungen von UNSCEAR glaubte Pflugbeil, dass wesentlich mehr Menschen wegen des GAUs von Fukushima unter der Folgen der Strahlung leiden werden als nach Tschernobyl.[7]

In einem Interview Ende April 2011 kritisierte Pflugbeil, dass die Tschernobyl-Katastrophe 1986 im Osten wie im Westen gleichermaßen verharmlosend dargestellt wurde. Er wies offizielle Angaben, nach denen sich 90 bis 95 % des radioaktiven Materials noch im Tschernobyl-Reaktor befinden sollen, zurück, da der Großteil davon bei der Explosion in der Umgebung verteilt worden sein dürfte. Die hohe Zahl des im Reaktor verbliebenen Materials solle den Bau eines Sarkophags rechtfertigen, mit dem man den Eindruck erwecken wolle, man habe das Atomkraftwerk im Griff. Pflugbeil wies darauf hin, dass zwar Geld für den Sarkophag vorhanden sei, die Krebsopfer aber ignoriert würden.[8]

Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) wies die Angaben Pflugbeils und des Atomenergiespezialisten Tschetschwerows zurück, der Großteil des Materials sei aus dem Reaktor geschleudert worden. Die GRS warf beiden eine "oberflächliche Prüfung" vor, obwohl sie selbst nach eigener Angabe noch keine genaue Analyse durchgeführt hatte.[9]

Eine Studie der GSS wurde im September 2011 zur Grundlage eines Reports der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW und foodwatch. Darin wurde eine massive Absenkung der Strahlengrenzwerte für radioaktiv belastete Lebensmittel in der EU und in Japan gefordert, da diese keinen ausreichenden Gesundheitsschutz böten.[10]

Gegenüber der "taz" erläuterte Pflugbeil im November 2011 die Entwicklung in Japan und kritisierte die Versuche der Regierung, die Aufklärung der Ursachen des GAU systematisch zu behindern und als Ursache allein die Naturkatastrophe herauszustellen. Außerdem würde die Bevölkerung über die Strahlenbelastung im Unklaren gelassen. In einem längeren Diskurs stellte Pflugbeil die 50jährige Geschichte der Atomkraft als eine Serie von Verheimlichungen und Verharmlosungen durch Organisationen wie IAEO, WHO, ICRP bei Atomkatastrophen und Unfällen dar. Der Grund: Atomkraftwerke seien eine Geldmaschine und eine willkommene Ablenkung davon, die militärische Nutzung der Atomkraft voranzutreiben.[4]

  • Tschernobyl: Pflugbeil und Tschetscherow im Reaktor 4
    "Pflugbeil ist sachkundig und integer, wie es nur wenige sind (...) Die Aufnahmen aus dem Bauch der atomaren Hölle könnten auch aus einem frühen Jules-Verne-Film über die Reise in das Innere der Erde stammen, wie kommt es, daß Pflugbeil keine Angst hat, verstrahlt zu werden, obwohl er nur einen dünnen Schutzanzug und einen Helm trägt? (...) Es geht um die Frage, ob nur drei Prozent der radioaktiven Strahlung entwichen und 97% im Reaktor geblieben sind oder umgekehrt."[11]
Tschernobyl Pflugbeil und Tschetscherow im Reaktor 409:45

Tschernobyl Pflugbeil und Tschetscherow im Reaktor 4

Hochgeladen am 2. April 2011 auf YouTube

2012/2013

Im März 2012 verdeutlichte Pflugbeil die Parallelen zwischen den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima. Erhöhte Zahlen an Totgeburten, Säuglingssterblichkeit und Fehlgeburten nach Tschernobyl in Europa würden auch in Japan als Folge des Fukushima-GAU resultieren. Viele typische Strahlenkrankheiten träten bereits jetzt auf. Die Regierung und die Wissenschaftler würden eine systematische Kampagne gegen die Angst vor Strahlung fahren. "Die nennt die Regierung "Strahlenphobie", unbegründete Ängstlichkeit vor der Radioaktivität. Alle sollen nur schön fröhlich sein, dann würden sie auch nicht krank. Nur traurige Leute bekämen die Strahlenkrankheit." Er wies auch auf die Anreicherung der Kontamination in der Nahrungskette hin und die Gefahr, die von den im Kühlbecken von Reaktor 4 liegenden hochradioaktiven Brennelemente ausgeht.[12]

Bei einer Recherche des "SWR" zur Strahlenbelastung importierter japanischer Autos im Juni 2013 befragt, hielt Pflugbeil es für wahrscheinlich, dass radioaktive Substanzen bei den Exporten mitgeführt werden und forderte regelmäßige Kontrollen.[13]

Er kritisierte die Atomtransporte in Deutschland, die dem Ausstiegsplan widersprächen. Dabei werde Uranhexafluorid transportiert, eine "leicht flüchtige, äußerst giftige, radioaktive und korrosive Verbindung", aus der eine der gefährlichsten Säuren entstehen kann.[14]

Im Oktober 2013 bezweifelte Pflugbeil, dass das AKW Fukushima unter Kontrolle gebracht werden könne. Die Überreste der Reaktoren verfielen weiter, die Brennstäbe seien nicht geborgen und der Untergrund so mit radioaktivem Wasser durchtränkt, dass er schwimme und keine Belastungen mehr aushalte, weswegen die Reaktoren absinken. Sollte ein weiteres Erdbeben oder ein Sturm die Reaktoren beschädigen, könnten das Kühlwasser auslaufen und die Brennstäbe neuerdings explodieren. Die Mitarbeiter müssten die Gebäude räumen, und eine neue Katastrophe wäre nicht zu verhindern.[15]

Am 28. Oktober 2013 veröffentlichte die "taz" einen langen Bericht über die Physikerin Inge Schmitz-Feuerhake, Gründungsmitglied der GSS, und ihren Kampf gegen die Atomkonzerne und deren Lobby in Politik und Wissenschaft. Schmitz-Feuerhake beschäftigte sich u. a. mit den Gefahren der Niedrigstrahlung und der Häufung der Krebsfälle um das AKW Krümmel (Schleswig-Holstein).[16]

Weitere Links

Gesellschaft für Strahlenschutz (GSS) (Homepage)
→ Wikipedia: Sebastian Pflugbeil
→ Welt Online: Sebastian Pflugbeil - Der Mann, der den DDR-Atomausstieg herbeiführte vom 11. April 2011

(Letzte Änderung: 19.12.2016)

Einzelnachweise

  1. GSS: Gesellschaft für Strahlenschutz (GSS) (Homepage) abgerufen am 31. März 2014
  2. GSS: Vorstand abgerufen am 31. März 2014
  3. Südwest Presse: Sebastian Pflugbeil
  4. 4,0 4,1 taz.de: Besuch beim Physiker Sebastian Pflugbeil - Die Geldmaschine vom 28. November 2011
  5. Deutschlandfunk: "Wir reiten auf einer Rasierklinge" vom 14. März 2011
  6. n24.de: Entscheidende Stunden in Fukushima vom 17. März 2011
  7. n24.de: Report: Tschernobyl - Wie viele Opfer gibt es wirklich? vom 12. April 2011
  8. Deutschlandradio Kultur: Gesellschaft für Strahlenschutz kritisiert Desinformation über Tschernobyl vom 26. April 2011
  9. GRS: Häufig gestellte Fragen zum Kernkraftwerk Tschernobyl abgerufen am 26. April 2014
  10. IPPNW: Nach Fukushima: Strahlen-Grenzwerte für Lebensmittel bieten keinen ausreichenden Gesundheitsschutz vom 20. September 2011
  11. Spiegel Online Tschernobyl: Der GAU auf "arte" vom 26. April 2003
  12. n-tv: Totgeburten und Nasenbluten - Fukushima ist nicht überstanden vom 12. März 2012
  13. DasErste.de: Strahlenkontrolle - Sind Autos aus Japan strahlenbelastet? vom 9. Juni 2013
  14. DasErste.de: Von wegen Atomausstieg vom 12. September 2013 (via Wayback)
  15. deutsche-wirtschafts-nachrichten.de: Fukushima: "Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rettung gelingt, geht gegen Null" vom 9. Oktober 2013
  16. taz.de: Ein kriminalistisches Lehrstück vom 28. Oktober 2013

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