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Atomenergie in Europa > Schweiz > Graben (Schweiz)

1 Siedewasserreaktor • Hesteller: BBC-GETSCO • Leistung: 1.214 MW •
Bestellung: 1974 • Baubeginn: 1975 • Geplante Inbetriebnahme: 1979 • Projektende: 1986[1][2][3]


Unvollendete Anlagen

Wie in Deutschland wurden auch in der Schweiz Atomkraftwerke vorgeschlagen, die nie gebaut wurden. Das Atomkraftwerk Graben, das laut IAEO mit einem Siedewasserreaktor und 1.214 MW Bruttoleistung geplant war,[2] scheiterte wie auch das AKW Kaiseraugst am massiven Widerstand der Atomkraftgegner.

Widerstände ab 1972

2011-04-16 Graben (Foto Dietrich Michael Weidmann) 059

Graben im Kanton Bern (Schweiz)

1966 hatte die Bernische Kraftwerke AG (BKW) Land in der Gemeinde Graben erworben. Auf ein Gesuch der BKW im Jahr 1970 hin wurde 1972 eine Standortbewilligung für ein AKW mit zwei 880-MW-Reaktoren und Kühltürmen erteilt.[3]

Obwohl sich schon 1972 Widerstand erhob und der Oberaargauer Naturschutzverein eine Petition mit 12.000 Unterschriften gegen das Projekts einreichte, bestätigte der Gemeinderat Graben ein Gesuch für das AKW, mit geplanten Baukosten von 2 Mrd. Franken. Es folgten Hunderte von Einwendungen. Nach Erteilung der Baugenehmigung wurden die Einwendungen mit dem Kommentar abgelehnt: "Die Radioaktivität ist Sache des Bundesrates."[3] Das Projekt wurde auf von dem damaligen Bundespräsidenten Roger Bonvin unterstützt.[4]

1974 wurde das AKW beim Konsortium BBC-GETSCO bestellt, 1975 begannen die Bauarbeiten. Die Inbetriebnahme war für 1979 vorgesehen.[1]

1975 wurde die "Gewaltfreie Aktion Graben GAG" gegründet und das Baugelände von April bis Juni besetzt. Die Bernische Kraftwerke AG hielt dagegen, indem sie in den Straßenausbau in Graben investierte und eine kostenlose Lieferung von Strom und Wasser für das Gemeindehaus und die Schule zusagte. Am 22. Dezember 1975 wurde die "Kernkraftwerk Graben AG" gegründet.[3]

Nachdem es im Juni und Juli 1977 gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben hatte, wurde vom 26. bis 28. August von AKW-Gegnern das gewaltlose "Graben-Fest" mit musikalischen Beiträgen und Reden veranstaltet, obwohl die Gemeinde Graben, die Landbesitzer und die BKW dieser Aktion jeden erdenklichen Widerstand entgegengesetzt hatten. In Bern demonstrierten gleichzeitig 5.000 bis 10.000 Aktivisten gegen die Atomkraft. Nach dem Störfall von Harrisburg/Three Mile Island 1979 sagte der Bundesrat eine Prüfung des Projekts zu, und es folgten weitere Demonstrationen. Im gleichen Jahr wurde ein Anschlag auf einen Meteo-Mast durchgeführt, von dem sich die AKW-Gegner distanzierten. Die Gemeinde genehmigte eine Umzäunung des Baugeländes. 1980 folgten ein Laternen- und Fackelzug, und 24.500 Einwendungen gingen beim Bundesamt für Energiewirtschaft in Bern ein. In zahlreichen Gemeinden wurden Petitionen angestoßen.[3]

Aufgabe des Projekts nach Tschernobyl

Noch 1981 und in den folgenden Jahren gab es Bestrebungen, das AKW Graben als Ersatz für das gescheiterte Projekt Kaiseraugst zu bauen. Erst nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986 kippte die Stimmung. Nachdem eine große Mehrheit der Schweizer in einer Umfrage gegen den Bau neuer AKW votiert hatte, sprachen sich am 4. Oktober zuerst der Berner Regierungsrat und am 18. November der große Rat gegen das Projekt aus. 1988 folgte der endgültige Verzicht auf den Bau, in das der Betreiber über eine Mrd. Schweizer Franken investiert hatte. Als auch er 1990 das Projektende bestätigt hatte, wurde er mit 227 Mio. Franken entschädigt. Seit 2006 ist das Gelände wieder eine Landwirtschaftszone.[3][1]

(Letzte Änderung: 23.07.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE (S.72) von 1997
  2. 2,0 2,1 IAEO PRIS: GRABEN abgerufen am 7. März 2016 (via WayBack)
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 Jahrbuch des Oberaargaus, Bd. 51 (2008): Ein Atomkraftwerk, das nicht gebaut wurde - Der Kampf gegen das AKW Graben (S. 223ff.) abgerufen am 21. Juni 2015 (via WayBack)
  4. SRF: Schweizer Einstieg in den Atomausstieg beginnt vom 4. April 2016

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