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Gundremmingen B und C (Bayern)

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Reaktoren in Betrieb > Gundremmingen B und C (Bayern)

2 Siedewasserreaktoren • Leistung: 1.344 MW/1.344 MW • Typ: BWR-72/BWR-72 • Hersteller: KWU •
Baubeginn: 20. Juli 1976 • Inbetriebnahme: 9. März 1984/26. Oktober 1984 •
Abschaltung: 31. Dezember 2017/31. Dezember 2021[1][2][3]


Letzte aktive Siedewasserreaktoren in Deutschland

P1110369.jpg

AKW Gundremmingen A (im Vordergrund), B und C

Luftbild KKW Gundremmingen.jpg

AKW Gundremmingen

Die Siedewasserreaktoren B und C (KRB-II-B und KRB-II-C) in Gundremmingen befinden sich an der Donau nahe Günzburg (Bayern) und wurden am 9. März und 26. Oktober 1984 in Betrieb genommen. Sie werden von der "Kernkraft Gundremmingen GmbH" (KGG) betrieben, Eigentümer sind zu 75 % die RWE Power AG und zu 25 % die E.ON Kernkraft GmbH.[1][4] Hersteller war die Kraftwerk Union (KWU).[2] Bauherren waren die Bayernwerk AG (später in E.ON aufgegangen) und RWE.[5]

Es handelt sich um die letzten Siedewasserreaktoren, die in Deutschland noch am Netz sind und aufgrund ihrer Bauweise als besonders gefährlich gelten. → AtomkraftwerkePlag: Reaktortypen/Leichtwasserreaktoren

Nach der Fukushima-Katastrophe im März 2011 gab es im Mai 2011 eine spektakuläre Aktion von Umweltschützern gegen den Weiterbetrieb der Reaktoren, bei der Tausende von Luftballons mit Totenköpfen in die Luft aufstiegen und so verdeutlichten, wohin nach einem schweren Unfall die radioaktive Wolke ziehen würde.[6]

Nach dem geänderten Atomgesetz vom 6. August 2011 müssen Gundremmingen-B bis 31. Dezember 2017 und Gundremmingen-C bis 31. Dezember 2021 endgültig abgeschaltet werden.[3]

Im Juni 2011 fühlte sich der damalige RWE-Chef Großmann wegen der früheren Abschaltung des Blocks B benachteiligt und forderte wie bei beim baugleichen Block C einen Betrieb bis 2021.[7] Seit Inbetriebnahme sind laut Bundesamt für Strahlenschutz 239 meldepflichtige Ereignisse bei beiden Reaktoren aufgetreten (Stand: 22. April 2017).[8]

Am 7. April 2016 ging Gundremmingen-B zur letzten großen Revision vor der Abschaltung Ende 2017 vom Netz. Der Betreiber investiert noch einmal "20 Millionen Euro in die Prüfung, Wartung und Modernisierung der Kraftwerkstechnik." Es sollen neue Brennelemente, darunter auch 12 mit Mischoxiden (MOX) eingesetzt werden.[9]

Baubedingte Sicherheitsmängel und Störfälle

Die Umweltschutzorganisation Robin Wood weist darauf hin, dass beide Siedewasserreaktoren baubedingte Schwachstellen aufweisen, die z. B. zu einer Kernschmelze oder zu einem Austritt von Radioaktivität ins Flusswasser führen können.[10] Der BUND spricht bei den beiden letzten Siedewasserreaktoren von "massiven Sicherheitsmängeln" und einer Häufung von Krebsfällen in der Umgebung.[11]

In der im Mai 2012 erschienenen Greenpeace-Studie "Critical Review of the EU Stress Test - performed on Nuclear Power Plants" werden Mängel der Reaktoren, die im Stresstest beschrieben wurden, und zusätzliche im Stresstest nicht berücksichtigte Mängel detailliert aufgezählt. So sind die Reaktoren beispielsweise weder gegen Erdbeben noch gegen Überflutungen ausreichend geschützt.[12]

Im November 2012 wurde bekannt, dass RWE künftig in Gundremmingen B und C keine neuen plutoniumhaltigen MOX-Brennelemente einsetzen möchte.[13] Diese Meldung des Landtagsmitglieds Hartmann war entweder ein Irrtum, oder RWE hat gelogen. Denn schon im Mai 2014 wurde wieder ein neues MOX-Brennelement eingesetzt, weitere sollen folgen.[14]

Besorgnis löste die Häufung von Defekten an Brennelementen im Reaktor B seit 2010 aus; Atomkraftgegner vermuteten einen Serienfehler, der vom Betreiber systematisch verheimlicht werde, was durch diesen zurückgewiesen wurde.[15]

Im April 2014 warnte die atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW davor, dass es in Gundremmingen bei einem Ausbau des Turbinenkondensators im Maschinenhaus zu einem Super-GAU kommen könne. "Sollten Ventile in den Frischdampfleitungen zuschlagen, führe dies in Sekundenschnelle zu einem explosionsartigen Druckanstieg. Der Reaktordruckbehälter könne diesem Druck nicht standhalten". Der Betreiber wies die Äußerung der IPPNW zurück.[16]

Am 25. März 2015 kam es zu einem Zwischenfall, als ein Arbeiter versehentlich an den Bedienelementen von Block C und nicht, wie vorgesehen, von Block B hantierte. Die Öffnung eines Armaturgehäuses löste ein Leck, einen Druckabfall im Luftsystem und, nach Bedienung einer weiteren Armatur, eine Schnellabschaltung in Einheit C aus. Dies zeige, so der ehemalige Atomaufseher Dieter Majer, zu welchen Problemen der Betrieb von zwei Reaktoren an einem Standort führen könne.[17] Das Bayerische Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz behauptete laut einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag im Mai 2015, die Sicherheitseinrichtungen beider Anlagen seien "eindeutig blockzugeordnet und funktional und räumlich vollständig voneinander getrennt".[18]

Gescheiterte Leistungserhöhung

E.ON und RWE planten schon seit Jahren eine Leistungserhöhung von 100 MW je Reaktor, gegen die Umweltschützer protestierten, da sie darin einen Widerspruch zum Atomausstieg sahen.[19] Thomas Frey vom Bund Naturschutz forderte den bayerischen Umweltminister auf, die Leistungserhöhung abzulehnen. ""Es kann nicht sein, dass die Konzerne RWE und Eon das Risiko für die Bevölkerung nochmals erhöhen, um noch mehr Geld zu verdienen (...). Wir exportieren so viel Strom wie nie zuvor."[20]

Im November und Dezember 2013 wurde dazu eine Studie durch Prof. Wolfgang Renneberg, dem ehemaligen Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium, und dem Kraftwerksingenieur Dieter Majer veröffentlicht. Beide kamen zum Ergebnis, dass die Leistungserhöhung nicht genehmigungsfähig sei, da die Reaktordruckbehälter und das Notkühlsystem nicht dem neuesten Stand der Technik entsprächen und das Erdbebenrisiko mit veralteten Methoden und Berechnungsgrundlagen kalkuliert würde. Der Betreiber wies die Vorwürfe zurück.[21][22]

Der Dillinger Landrat Leo Schrell leistete Widerstand, und Tausende von Bürgern protestierten mit einer Petition gegen die Leistungserhöhung.[23]

Das Bundesumweltministerium wollte eine Entscheidung zur Leistungserhöhung treffen, ohne den Rat der Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) einzuholen. Atomkraftgegner vermuteten, dass so kritische Meinungen unterdrückt werden sollten, um die Leistungserhöhung auf jeden Fall durchzusetzen. Schließlich distanzierte sich jedoch zunächst der CSU-Umweltminister Marcel Huber von der Leistungserhöhung.[24] Bald darauf äußerte sich auch Ministerpräsident Seehofer ablehnend zum Antrag. Ursache für die Beurteilung der Staatsregierung waren weitere Proteste gegen die Leistungserhöhung. Zehntausende von Protestunterschriften waren dem Landtag überreicht worden.[25]

Am 17. Dezember 2013 musste die Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH ihre Niederlage zugeben und zog ihren Antrag auf Leistungserhöhung zurück. Sie begründete dies mit der Meinung der Bayerischen Staatsregierung, die darin ein "falsches politisches Signal in Zeiten der Energiewende" gesehen habe. Der Betreiber fügte – wohl mit Blick auf die kritische Gutachten im Vorfeld – hinzu, dass Sicherheitsaspekte bei dieser Entscheidung keine Rolle gespielt hätten.[26]

Gutachten attestiert unzureichende Erdbebensicherheit

Der Betreiber des Atomkraftwerks hatte bei der Ablehnung der Leistungserhöhung Ende 2013 großen Wert darauf gelegt, dass diese aus politischen, nicht aber aus sicherheitstechnischen Gründen erfolgt sei.

Zu einem völlig anderen Schluss kommt jedoch ein Gutachten der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) vom 14. November 2013, wie der "Spiegel" im März 2014 berichtete. "Die "Überprüfung der Systemauslegung nach Stand von Wissenschaft und Technik" habe ergeben, dass die Anlage die aktuellen Sicherheitsanforderungen an Kernkraftwerke im Erdbebenfall "nicht erfüllt". Diese Aussage gelte auch, wenn man die Kriterien älterer Regelwerke anlege." Der Betreiber verweist jedoch auf ein Gutachten des TÜV SÜD, das als Reaktion auf das GRS-Gutachten erstellt wurde und postulierte, dass die Anlage alle Sicherheitsanforderungen erfülle. Das Münchener Umweltministerium stellte sich auf die Seite der Betreiber und bestätigte dies. Der TÜV SÜD musste allerdings einräumen, dass eines der drei Nachkühlsysteme "für eine niedrigere Erdbebenklasse" ausgelegt sei.[27]

Der TÜV SÜD war schon in der Vergangenheit durch seine atomfreundlichen Prüfungsergebnisse aufgefallen. Aufgrund dessen und der starken Präsenz der Atomkonzerne ist er als Atomlobbyorganisation einzuschätzen. → TÜV SÜD

Stilllegung und Rückbau

Mit dem Rückbau der beiden Einheiten möchte der Betreiber unmitttelbar nach der Abschaltung der Einheiten B und C im Dezember 2017 bzw. Dezember 2021 beginnen.[28]

Für die Stilllegung von Gundremmingen B im Jahr 2017 sind bereits Vorbereitungen getroffen worden: RWE hat im Dezember 2014 einen Antrag zum Abbau von Anlagenteilen im Bayerischen Umweltministerium gestellt.[29]

Laut "Augsburger Allgemeine" sollen die Einheiten in Gundremmingen bis 2040 endgültig rückgebaut und entsorgt werden. Die Rückbauarbeiten sollen größtenteils innerhalb der Reaktorgebäude durchgeführt werden. Dabei könne ein "geringer Anteil" radioaktiver Substanzen in Atmosphäre und Wasser freigesetzt werden. Die Grenzwerte sollen dabei nicht überschritten werden[30]

Weitere Links

→ KGG: Homepage (Informationen des Betreibers)
→ AtomkraftwerkePlag: Gundremmingen A (Bayern)
Zwischenlager an Atomkraftwerken: Gundremmingen
Verein FORUM

Fernsehbeiträge

  • Energiewende auf bayerisch - Atomkraftwerk Gundremmingen wird hochgefahren
    "Nach der Atomkatastrophe von Fukushima schlug sich CSU-Ministerpräsident Seehofer vehement auf die Seite der Atomkraftgegner. Zwei Jahre danach fördert seine Landesregierung die Aufrüstung des Uralt-Meilers in Gundremmingen. RWE und EON wollen die Leistung ausbauen und bis zur Abschaltung Kasse machen."[31]

    Resümee des Kontraste-Beitrags: Gundremmingen B und C sind nicht für die Leistungssteigerung ausgelegt, die Bevölkerung wird aus Profitgründen gefährdet. Die Bayerische Regierung stützt sich bei der Genehmigung der Atomstromausweitung auf ein Gutachten des TÜV SÜD. Horst Seehofer lehnte eine Stellungnahme ab.
Energiewende auf bayerisch Atomkraftwerk Gundremmingen wird hochgefahren (ARD Kontraste)06:23

Energiewende auf bayerisch Atomkraftwerk Gundremmingen wird hochgefahren (ARD Kontraste)

ARD, Kontraste vom 13. Juni 2013


(Letzte Änderung: 27.04.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 26. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. 3,0 3,1 BfS: Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke abgerufen am 16. Juni 2015 (via WayBack)
  4. KGG: Das Kernkraftwerk/Portrait abgerufen am 2. Oktober 2012
  5. Kernkraftwerk Gundremmingen: Chronologie Blöcke B und C des Kernkraftwerks Gundremmingen 1973 – 2009 vom 13. März 2009
  6. Süddeutsche.de: Mit Totenköpfen und Ballons gegen Atomkraft vom 14. Mai 2011
  7. Augsburger Allgemeine: RWE wehrt sich - Energiekonzern will Gundremmingen B bis 2021 am Netz halten vom 7. Juni 2011
  8. BfS: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme abgerufen am 22. April 2017
  9. KKG: Block B geht zur Revision vom Netz vom 6. April 2016
  10. robinwood.de: Gundremmingen B (KRB-B) und Gundremmingen C (KRB-B) abgerufen am 2. Oktober 2012 (via WayBack)
  11. BUND: AKW Gundremmingen (Bayern) abgerufen am 2. Oktober 2012
  12. greenpeace.de: Critical Review of the EU Stress Test - performed on Nuclear Power Plants vom Mai 2012
  13. ludwig-hartmann.de: MOX-Brennelemente in Gundremmingen vom 5. November 2012
  14. BR Online: MOX-Elemente im Kernkraftwerk vom 16. Mai 2014 (via WayBack)
  15. Augsburger Allgemeine: AKW-Gegner: Defekte an Brennelementen verheimlicht vom 4. April 2013
  16. BR: AKW Gundremmingen weist Vorwürfe zurück vom 17. April 2014 (via WayBack)
  17. SWP: AKW: Falscher Handgriff wirft Fragen auf vom 1. April 2015
  18. Deutscher Bundestag: Fragen zur Blocktrennung bei den Atomkraftwerken Gundremmingen B und C im Lichte einer meldepflichtigen Reaktorschnellabschaltung (Drucksache 18/4888) vom 12. Mai 2015
  19. swp.de: Aktivisten besorgt wegen Leistungserhöhung in Gundremmingen vom 24. Februar 2013
  20. Süddeutsche.de: Bayerns neue Liebe zur Atomenergie vom 21. Juni 2013
  21. Südwest Presse: Experten warnen vor höherer Atomstromproduktion in Gundremmingen vom 11. November 2013
  22. Focus Online: Studie: Leistungserhöhung in Gundremmingen nicht genehmigungsfähig vom 12. November 2013
  23. BR Online: Massive Zweifel an der Sicherheit vom 13. November 2013 (via WayBack)
  24. FR Online: Ministerium ignoriert Atom-Experten vom 10. Dezember 2013
  25. Handelsblatt: Keine Ausweitung der AKW-Produktion vom 17. Dezember 2013
  26. kkw-gundremmingen.de: Kernkraftwerk Gundremmingen zieht den Antrag auf Leistungserhöhung zurück vom 17. Dezember 2013
  27. Spiegel Online: Gundremmingen: Gutachten zweifelt an Erdbebensicherheit von AKW vom 7. März 2014
  28. süddeutsche.de: Betreiber bereiten sich auf Abschaltung des Kernkraftwerks Gundremmingen vor vom 9. März 2016
  29. Augsburger Allgemeine: Der Atomausstieg wird konkret vom 12. Dezember 2014
  30. Augsburger Allgemeine: Bis 2040 soll Atomkraftwerk abgebaut sein vom 22. Oktober 2016
  31. rbb-online.de Energiewende auf bayrisch: Atomkraftwerk Gundremmingen wird hochgefahren vom 13. Juni 2013

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