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International Commission on Radiological Protection (ICRP)

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Organisationen und Kommissionen > International Commission on Radiological Protection (ICRP)

Strahlenschutz als Programm

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Die Internationale Strahlenschutzkommission wurde 1928 zunächst unter dem Namen "International XRay and Radium Protection Committee” (IXRPC)" gegründet, 1950 unstrukturiert und in "International Commission on Radiological Protection" (ICRP) umbenannt. Sie beschreibt sich als "unabhängige gemeinnützige Organisation" und hat offizielle Beziehung zu vielen internationalen Organisationen, wie z. B. zur WHO, UNSCEAR und zur wichtigsten internationalen Atomlobbyorganisation IAEO.[1]

Die ICRP spricht Empfehlungen für den Schutz der Bevölkerung und Berufsgruppen, die mit radioaktiven Stoffen arbeiten, vor radioaktiver Strahlung aus und hat ein "System der Dosisbegrenzung" entwickelt, um gesundheitliche Risiken zu reduzieren. Der letzte Stand der Empfehlungen mit Geschichte und Zielen der ICRP wurde 2007 publiziert: → BFS: Die Empfehlungen der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) von 2007

Die ICRP legt außerdem zusammen mit der IAEO Grenzwerte für ionisierende Strahlung fest. → Grenzwerte

Verharmlosung und hohe Grenzwerte im Interesse der Atomindustrie

Von bestimmten Organisationen wird die Arbeit der ICRP sehr kritisch gesehen. So wiesen die "Internationalen Ärzte gegen den Atomkrieg" (IPPNW) 2010 darauf hin, dass die ICRP auf fehlerhafte Untersuchungsdaten von Atombombenopfern durch das japanische Forschungsinstitut für Strahlenfolgen (RERF) zurückgegriffen und deshalb die Gefahren radioaktiver Strahlung unterschätzt habe – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Festlegung von Strahlungsgrenzwerten.[2]

Alexej Jablokow, Gründer und Präsident des Zentrums für russische Umweltpolitik, kritisierte im April 2011 die Informationspolitik von internationalen Organisationen wie IAEO und ICRP und warf diesen Verharmlosung und Vertuschung der Tschernobyl-Katastrophe vor. Der Physiker Sebastian Pflugbeil, Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz e. V., bezeichnete ICRP und IAEO als Lobbyorganisationen der Atomindustrie.[3] "Die verantwortlichen Gremien hätten insbesondere die Opferzahlen und das Ausmaß der genetischen Schäden nach der Tschernobyl-Katastrophe "runterdiskutiert"".[4]

Der ICRP-Kritiker und Strahlenbiologe Wolfgang Köhlein sieht es als Aufgabe der ICRP an, Grenzwerte und Standards so festzusetzen, dass sich der Aufwand für die Atomindustrie in Grenzen hält. "Bei strengen Grenzwerten wären der Betrieb von AKWs oder Wiederaufarbeitungsanlagen und vor allem der Uranabbau im Bergwerk unmöglich gewesen." Schon seit längerem wurden Forderungen erhoben, die Grenzwerte zu halbieren, was die ICRP strikt ablehnt.[5]

Nach der Fukushima-Katastrophe legte die ICRP, zu deren Mitgliedern auch Repräsentanten der Atomindustrie (Rosatom in Russland, CEA in Frankreich und Energieversorger) zählen, auch die Strahlenschutzwerte für Japan fest. "Das Ergebnis waren noch weit tolerantere Werte, als sie im Frühjahr 1986 in der UdSSR gegolten hatten."[6]

Für die Abschätzung der Opfer der Katastrophe in Japan wird ein ICRP-Modell angewendet, bei dem die Anzahl der Krebserkrankungen auf 2.838 geschätzt wird. Die Expertengruppe "European Committee on Radiation Risk" (ECRR) hingegen errechnete 200.000 zusätzliche Krebserkrankungen.[7]

Weitere Quellen

ICRP (Homepage)
→ GRS: ICRP
→ Wikipedia: Internationale Strahlenschutzkommission

(Letzte Änderung: 26.06.2016)

Einzelnachweise

  1. BFS: Die Empfehlungen der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) von 2007 (ICRP-Veröffentlichung 103) vom März 2007
  2. derStandard.at: Auch Nagasaki gedenkt der Atombombenopfer vom 9. August 2010
  3. taz.de: 25 Jahre Tschernobyl vom 8. April 2011
  4. Handelsblatt: Atomkraft-Experte - "Gefahr wird runterdiskutiert" vom 6. April 2011
  5. Zeit Online: Ein GAU pro Jahr schadet nicht vom 17. April 2011
  6. taz: Wiedersehen in Fukushima vom 15. Dezember 2012
  7. taz: Ruine mit Restrisiko vom 6. April 2013

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