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Reaktoren außer Betrieb > Isar 1 (Bayern)

Siedewasserreaktor • Leistung: 912 MW • Typ: BWR-69 • Hersteller: AEG/KWU •
Baubeginn: 1. Mai 1972 • Inbetriebnahme: 20. November 1977 • Abschaltung: 6. August 2011 •[1][2]
Beginn und Ende Rückbau: offen


Stilllegung nach 34 Jahren Betrieb

KKI1

AKW Isar 1 (2009)

Isar 1 (KKI-1) liegt in unmittelbarer Nähe der bayerischen Gemeinden Essenbach und Niederaichbach, 14 km von Landshut in Bayern entfernt – direkt neben dem neueren Reaktor Isar 2, der immer noch in Betrieb ist.[3]

Der Siedewasserreaktor Isar 1 mit 912 MW Leistung wurde am 20. November 1977 in Betrieb genommen und ging am 6. August 2011 (offizieller Termin wegen der Änderung des Atomgesetzes) außer Betrieb. Eigentümer und Betreiber ist die E.ON Kernkraft GmbH,[1] vor der Entstehung von E.ON die Bayernwerk AG.[4] Hersteller waren AEG und Kraftwerk Union (KWU).[2]

Riskante Lage in der Einflugschneise

Der Standort Isar liegt direkt in der Einflugschneise des Münchener Flughafens, eine hochriskante Lage und eine große Gefahr für die Region. Am 30. März 1988 übte ein französischer Militärjet vom Typ Mirage über der Gemeinde Niederaichbach den Luftkampf mit zwei Jagdjets und kollidierte mit einem. Er überquerte ein Waldstück und stürzte in zwei Kilometer Entfernung vom Atomkraftwerk ab. Dies entspricht einer Zeit von 5 Flugsekunden; der Standort Isar entging also nur knapp einer nuklearen Katastrophe.[5] Wie im Oktober 2010 bekannt wurde, gibt es für den Fall eines GAU keine Evakuierungspläne für die Umgebung.[6]

Seit Inbetriebnahme kam es zu 287 meldepflichtigen Ereignissen (Stand: 23. April 2017).[7]

Am 29. Mai 1983 fielen wegen eines Blitzschlags mehrere Elektronikkarten und die Speisewasserbehälterfüllstandsanzeige aus. Der Reaktor musste mittels Schnellabschaltung vom Netz genommen werden.[8]

1989 kam es aufgrund eines Defekts der Wechselbühne, mit der Brennelemente ausgetauscht werden, zu einer schweren Beschädigung des Druckbehälters, wobei Edelstahlkugeln in die Druckkammer und auf die Brennelemente fielen. Glücklicherweise war der Reaktor zu jener Zeit nicht in Betrieb. Betreiber und Umweltministerium versuchten, den Störfall zu verheimlichen, und veröffentlichten erst 11 Tage später eine knappe Mitteilung. Isar 1 war das AKW, von dem zu jener Zeit mehr radioaktive Stoffe ins Abwasser geleitet wurden als von jedem anderen deutschen Reaktor. Umweltschützer sprachen deswegen von der “größten atomaren Dreckschleuder“ der Bundesrepublik.[9]

Im Februar 2010 musste der Reaktor wegen eines undichten Brennelements vom Netz genommen werden.[10]

Konstruktionsbedingte Schwachstellen

Widerstand gegen die sich 2009 abzeichnende Laufzeitverlängerung von Isar 1 gab es vor allem aus Österreich. Der damalige Umweltlandesrat Anschober sah die österreichische Bevölkerung gefährdet, riet Bayern zu einem Umstieg auf erneuerbare Energien und kündigte politischen Druck an. Isar 1 gehöre zu einer störanfälligen Baureihe und sei schlecht gegen terroristische Anschläge und Flugzeugabstürze gesichert.[11]

In einem Artikel der Münchener "Abendzeitung" wurde im Zusammenhang mit der 2010 beschlossenen Laufzeitverlängerung bis 2019 auf Schwachstellen des Reaktors hingewiesen. Nach einem Bericht des TÜV SÜD und des Bundes Naturschutz waren dies: dünne Wände, dünner Sicherheitsbehälter, Fehlen eines zweiten Kühlkreislaufs, veraltetes Notstromsystem. Umweltminister Markus Söder, heute ein begeisterter Anhänger der Atomausstiegs, bezeichnete den Reaktor damals als sicher.[12]

Bei der Abschaltung von Isar 1 am 25. März 2011 zeigte sich, dass E.ON seine Reaktoren nicht einmal beim Herunterfahren unter Kontrolle hat. Es kam zu einem Zwischenfall: "Danach sank beim Herunterfahren des Reaktors der Kühlwasserpegel im Druckbehälter, was ein "Schutzsignal" auslöste, das wiederum eine Schnellabschaltung in Gang setzte."[13]

Direkter Rückbau geplant

Am 10. Mai 2012 bestätigte die E.ON Kernkraft GmbH, dass sie einen direkten Rückbau des Reaktors Isar I vorsieht und dafür einen Antrag bei Bayerischen Umweltministerium gestellt hat.[14] Die Brennelemente, so eine Meldung von Ende Oktober 2012, sind mittlerweile aus dem Reaktor entfernt worden, müssen aber noch für mehrere Jahre im Reaktorgebäude gelagert werden.[15]

Am 6. Mai 2015 schloss AREVA die "Dekontamination des Reaktordruckbehälters, der Einbauten sowie der anschließenden Rohrleitungen" ab, womit die radioaktive Belastung um 95 % gesenkt worden sei.[16]

Am 24. Januar 2017 erteilte das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz PreussenElektra die Genehmigung für  Stilllegung und Rückbau von Isar 1. Der Rückbau soll noch 2017 beginnen und 15 Jahre später abgeschlossen werden. Die Kosten werden auf rund eine Mrd. Euro geschätzt.[17]

Weitere Links

→ AtomkraftwerkePlag: Isar 2 (Bayern)
→ E.ON: Kernkraftwerk Isar

Fernsehbeitrag

  • Rückbau von AKW Isar 1
    "Die Energiewende gehört zu den großen Themen unserer Zeit. Durch die Geschehnisse in den Atomreaktoren in Fukushima hatte die schwarz-gelbe Regierung während ihrer Legislaturperiode die ursprüngliche Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke aufgehoben. Der Weg für einen endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie war damit beinahe geebnet. Doch was tun mit den riesigen Anlagen, die dann als stahlende Ruinen in der Landschaft herumstehen? Rückbau heißt hier das Schlagwort -- auch im Falle des KKI bei Landshut." Quelle: YouTube
Rückbau von KKI isar 1 - Fragen und Antworten vom 30.0404:09

Rückbau von KKI isar 1 - Fragen und Antworten vom 30.04.2014

isarTV vom 30. April 2014

(Letzte Änderung: 06.08.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 27. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. E.ON: Kernkraftwerk Isar abgerufen am 23. Juli 2014
  4. DER SPIEGEL 33/1989: Guten Mutes vom 14. August 1989
  5. merkur.de: Abschied von der „alten Kiste“ vom 14. März 2011
  6. Süddeutsche Online: GAU in Ohu? "Dann geht es drunter und drüber" vom 25. Oktober 2011
  7. BfS: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme abgerufen am 23. April 2017
  8. IPPNW: Fast-Unfälle in deutschen Atomkraftwerken vom 7. August 2006
  9. DER SPIEGEL 32/1989: Schlammiger Grund vom 7. August 1989
  10. Spiegel Online: Brennelement-Probleme: Atomkraftwerk Isar I muss vom Netz vom 2. Februar 2010
  11. Spiegel Online: Österreichische AKW-Kritik: "Isar I gefährdet unsere Bevölkerung" vom 30. Juli 2009
  12. Abendzeitung: Ohu – so gefährlich ist das alte AKW an der Isar vom 8. Oktober 2010
  13. heise.de: Noch eine Panne beim AKW Isar 1 vom 25. Mai 2011
  14. Augsburger Allgemeine: Eon will Atommeiler Isar 1 abreißen lassen vom 11. Mai 2012
  15. BR.de: Auf der Suche nach der Energiewende - "Irgendwo muss der Strom ja herkommen..." vom 31. Oktober 2012 (via WayBack)
  16. nordic market: Deutschland: AREVA schließt Dekontamination von Kernkraftwerk Isar 1 ab vom 6. Mai 2015
  17. nuklearforum.ch: Deutschland: Rückbau von Isar-1 kann beginnen vom 27. Januar 2017

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