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Reaktoren in Betrieb > Isar 2 (Bayern)

Druckwasserreaktor • Leistung: 1.485 MW • Typ: Konvoi • Hersteller: KWU •
Baubeginn: 15. September 1982 • Inbetriebnahme: 15. Januar 1988 •[1][2]
Abschaltung: 31. Dezember 2022[3]


Einer der leistungsstärksten Reaktoren weltweit

Nuclear power plant Isar 2.jpg

AKW Isar 2

Der Druckwasserreaktor Isar 2 (KKI-2) liegt in unmittelbarer Nähe der bayerischen Gemeinden Essenbach und Niederaichbach, 14 km von Landshut in Bayern entfernt – direkt neben dem älteren Reaktor Isar 1, der 2011 abgeschaltet wurde. Isar 2 wurde am 15. Januar 1988 in Betrieb genommen. Hersteller war die Kraftwerk Union (KWU); Eigentümer sind zu 75 % die E.ON Kernkraft GmbH und zu 25 % die Stadtwerke München. Betreiber ist die E.ON Kernkraft GmbH.[4][1][2]

Der Reaktor hatte anfangs eine Leistung von 1.370 MW; die jetzigen 1.485 MW sind Resultat thermischer und elektrischer Leistungserhöhungen sowie einer Nachbesserung der Hochdruckturbine 2009.[5] Isar 2 produzierte 2013 zwölf Mrd. Kilowattstunden Strom und war damit wie schon in den Vorjahren leistungsstärkster Reaktor der Welt, gefolgte von Parlo Verde-2 in den USA und Brokdorf (Schleswig-Holstein). Der Reaktor deckte damit 13 % des Strombedarfs in Bayern ab.[6]

Am 26. Februar 2014 wurde der Maschinentransformator des AKW Krümmel, den E.ON Vattenfall abgekauft hatte, verschifft; er soll nach Bayern transportiert und in Isar 2 eingesetzt werden.[7]

Am Standort befindet sich ein Zwischenlager.

Geldsegen für die Stadt München

Der "stern" kritisierte im September 2010 die Beteiligung der Stadt München am Atomkraftwerk Isar: "Beide [Parteien] surfen auf der Anti-Atom-Welle. Die Grünen mit vollem Erfolg, die SPD halb obenauf. Beide verschweigen: Seit zig Jahren profitiert die rot-grüne Stadt München von einer 25-Prozent-Beteiligung am Atomkraftwerk Isar II. (…) Die Sozialdemokraten unter Ude und die Grünen wissen natürlich genau, dass Atomstrom - fette Gewinne für Stadtkasse hin oder her - in ihren Parteien nicht gut ankommt. Seit 20 Jahren regieren sie München zusammen und wollen offiziell schon lange den Anteil an Isar II loswerden. (…) Aber ach: Seit 20 Jahren kommt aus irgendeinem Grund immer irgendwas dazwischen. (…) Daher der Verdacht: Die Stadt will eigentlich gar nicht verkaufen."[8]

In der Einflugschneise

Der Standort Isar liegt direkt in der Einflugschneise des Münchener Flughafens, eine hochriskante Lage und eine große Gefahr für die Region. Am 30. März 1988 stürzte ein französischer Militärjet vom Typ Mirage in zwei Kilometer Entfernung vom Atommkraftwerk ab, welches also nur knapp einer nuklearen Katastrophe entging.[9] Wie im Oktober 2010 bekannt wurde, gibt es im Falle eines GAU keine Evakuierungspläne für die Umgebung.[10]

Seit Betriebsbeginn wurden 89 meldepflichtige Ereignisse registriert (Stand: 22. April 2017).[11]

Im Juli 2011 fiel eine Kühlpumpe aus[12], und am 7. August 2012 wurde das Trinkwasser des AKW durch die hochgiftige Chemikalie Hydrazin verunreinigt.[13] Am 17. April 2014 musste Isar 2 wegen einer "Blockschutzauslösung aus dem Bereich eines Maschinentransformators" vorübergehend vom Netz genommen werden.[14]

Kein vorzeitiges Betriebsende, hohe Abrisskosten

Laut Atomgesetz muss das AKW Isar 2 spätestens am 31. Dezember 2022 endgültig abgeschaltet werden.[3] Nach einer Meldung vom 21. Januar 2014 plant E.ON nicht, die Anlage früher vom Netz zu nehmen.[15]

E.ON und die Stadt München haben Jahrzehnte vom Betrieb des Reaktors profitiert, sehen sich aber nach 2022 mit hohen Kosten für Stilllegung und Rückbau der Anlage konfrontiert. E.ON geht hierbei von 2,16 Mrd. Euro aus, die Endlagerung des Atommülls eingeschlossen. Die Stadtwerke München werden davon 540 Mio. Euro zu tragen haben. Fragen zum Profit, den das AKW jährlich abgeworfen hat, wollten die Stadtwerke bislang (Stand: Juni 2014) nicht beantworten.[16]

Nach einer Stellungnahme von E.ON am 12. März 2015 stehen zum Abriss von Isar 1 und 2 genug finanzielle Mittel bereit. Der Abriss beider Einheiten soll 2047 abgeschlossen werden.[17]

Weitere Links

→ münchen.tv: Udes Erbe: Das Atomkraftwerk Isar II vom 12. Juni 2014
→ AtomkraftwerkePlag: Isar 1 (Bayern)

(Letzte Änderung: 10.07.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 26. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. 3,0 3,1 BfE: Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke abgerufen am 9. Juli 2017
  4. E.ON: Kernkraftwerk Isar abgerufen am 23. Juli 2014
  5. BfS: Statusbericht zur Kernenergienutzung in der Bundesrepublik Deutschland 2012 vom Juli 2013
  6. t-online.de: Atommeiler Isar 2 produziert weltweit den meisten Strom vom 5. Mai 2014
  7. SHZ: Transformator auf dem Weg nach Bayern vom 26. Februar 2014
  8. stern.de: Atomkraftwerk Isar II: Wie SPD und Grüne am AKW verdienen vom 24. September 2010
  9. BUND: Ein AKW in der Einflugschneise abgerufen am 28. September 2012
  10. Süddeutsche Online: GAU in Ohu? "Dann geht es drunter und drüber" vom 25. Oktober 2011
  11. BfS: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme abgerufen am 22. April 2017
  12. bild.de: Technische Panne im Atomkraftwerk Isar II vom 19. Juli 2011
  13. donaukurier.de: Giftstoff im Trinkwasser vom 6. August 2012
  14. BR: Panne bei Isar 2 - Kernkraftwerk vom Netz vom 17. April 2014 (via WayBack)
  15. BR: Keine vorzeitige Stilllegung von Isar 2 vom 21. Januar 2014 (via WayBack)
  16. Abendzeitung München: Münchens Atomkraftwerk Isar 2 Abschalten? Das kostet zwei Milliarden Euro vom 13. Juni 2014
  17. wochenblatt: e.on-Sprecher: Abriss der Atomkraftwerke bei Landshut ist finanziell gesichert vom 12. März 2015

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