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Atomkraftwerke Plag

Jäger, Gerd

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Die Lobbyisten > Jäger, Gerd

RWE-Spitzenmanager und Atomlobbyist

Prof. Dr. Gerd Jäger war lange Zeit als Vorstand bei RWE für die Bereiche Atomkraft und erneuerbare Energien zuständig. Seine Präferenz gilt der Atomenergie, was sich auch daran zeigt, dass er Mitglied im Präsidium der wichtigsten deutsche Lobbyorganisation der Atomindustrie, des Deutschen Atomforums, ist.[1]

Jäger war seit 1977 bei RWE tätig, zunächst in der Abteilung Kraftwerksbetrieb, 1999 als Vorstand bei der RWE Energie AG, 2000 bis 2003 als Vorstandsmitglied für das Ressort Technik, ab 2003 als Vorstand für Atomkraftwerke und regenerative Energien.[2] Diese Tätigkeit übte er bis 31. Dezember 2011 aus und wurde danach von Ulrich Hartmann ersetzt.[3]

Darüber hinaus hatte Jäger noch viele weitere Posten in der Wirtschaft inne:

  • 2001: Non Executive Director und ab 2008 Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Urenco Ltd.[4][5]
  • 2002: Mitglied im Aufsichtsrat der Nordex AG, einem Windenergieanlagen-Hersteller[6][7]
  • 2007: Aufsichtsratsvorsitzender der RADAG AG, einer Tochter der RWE Power AG für Wasserkraftwerke[8][9]
  • 2008: Vorstandsmitglied der Harpen AG, einem ehemaligen Bergbauunternehmen, das in RWE aufging und heute als Harpen Immobilien GmbH weiterbesteht.[10][11]
  • 2009: Vizepräsident der IHK Essen[12]
  • 2009: Mitglied im Aufsichtsrat der Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS), einem Entsorgungsunternehmen[13]
  • 2000 - 2013: Vorsitzender des Fachverbands VGB PowerTech e. V.[14]
  • 2006 - Dezember 2011: Mitglied und Vizepräsident des Verwaltungsrats der SEO, einem Unternehmen für Wasserkraft- und Pumpspeicherwerke, abgelöst von Ulrich Hartmann[15][16][17]

Beziehungen zu Hochschulen

2007 schlossen die FH Aachen und RWE Power, vertreten durch Gerd Jäger, einen Kooperationsvertrag zur finanziellen Förderung eines kerntechnischen Hochschulstudiums (Bachelor Maschinenbau) ab.[18]

Die Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen University ernannte Jäger wegen seiner Dienste für Forschung und Lehre zum Honorarprofessor.[19][20]

Im Interesse der Atomkraft

Gerd Jäger war an der Aushandlung der Vereinbarung zwischen der Bundesregierung unter Gerhard Schröder und der Atomwirtschaft ("Atomkonsens") beteiligt und paraphierte 2000 das Dokument für RWE.[21]

In einem Artikel von "ingenieur.de" von 2004 wurde Jäger als der "unideologische Techniker" dargestellt, der sich für Atomkraft und erneuerbare Energien bei RWE gleichermaßen ernsthaft einsetze und den "Spagat" zwischen beiden meistern könne.[22]

Seine Äußerungen in den folgenden Jahre sprechen eine andere Sprache.

Mit Stereotypen gegen den Atomausstieg

Auf der Tagung "Tschernobyl 1986-2006: Erfahrungen für die Zukunft" am 24./25. April 2006 hielt Jäger einem Vortrag mit dem Titel "Nachhaltige Stromerzeugung: Anforderungen an die Wirtschaft". Darin hob er die Herausforderungen der Stromerzeugung hervor. Jäger warnte davor, die Atomenergie als "dickste Säule unserer Stromerzeugung" herauszubrechen und eine Zunahme von CO2-Emissionen, hohe Strompreise, Stromimporte und eine Verminderung der Versorgungssicherheit zu riskieren. Zugleich stellte er die Atomkraft als besonders sichere und kostengünstige Energieform heraus.[23]

Wir finden hier, wie aus einem Lehrbuch entnommen, die bekannten Stereotype der Atomlobby wieder, die sich alle als unzutreffend erwiesen haben. → AtomkraftwerkePlag: Die Lügen der Atomlobby

Mit ähnlichen Argumenten wehrte sich Jäger 2007 gegen eine frühere Abschaltung der Atomkraftwerke Gundremmingen und Biblis: beide seien sicher, preisgünstig und unterstützten die Klimaziele.[24]

Ab 2009, als die Energiewirtschaft eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken anstrebte, hielt Jäger auf einer Veranstaltung des Netzwerks "Vorwärtsdenker >> Zukunft hat Gesichter" einen Vortrag, in dem er den Atomausstieg als deutschen Sonderweg kritisierte und alle bereits oben genannten Thesen anführte. RWE sei bereit, "mit der neuen Bundesregierung über konstruktive Lösung zu sprechen, um der Kernenergie in Deutschland eine neue Perspektive zu verschaffen."[25]

Mit immer gleichen Argumenten begründete Jäger in einer Pressemitteilung von RWE im März 2010 den Wunsch der Atomwirtschaft nach einer Laufzeitverlängerung.[26] Als die Laufzeitverlängerung erreicht war, hob er die Vorteile für die Stadt Lingen hervor, die sich aus dem bis 2034 verlängerten Betrieb des AKW Emsland (Niedersachsen) ergeben würden.[27]

Nach der Fukushima-Katastrophe bemühte sich Gerd Jäger vor allem um Schadensbegrenzung für die Atomindustrie. In einem Interview mit dem "Spiegel" wenige Tage nach dem GAU bezeichnete Jäger, mit Forderungen nach der Stilllegung der "Methusalem-Reaktoren" des AKW Biblis (Hessen) konfrontiert, dieses als absolut sicher und lehnte eine Abschaltung wegen des Beitrags zu Stromversorgung und Klimaschutz ab.[28]

Bevor bei RWE über das Schicksal Jürgen Großmanns und auch Gerd Jägers entschieden wurde, schrieb Jäger in einem internen RWE-Papier, der Fukushima-GAU sei nicht auf das "Restrisiko" zurückzuführen, sondern auf den zu niedrigen Wall vor Fukushima gegen Tsunamis.[29] Im Oktober 2011 kritisierte Jäger den Ausstiegsbeschluss unter Merkel als "abrupt und gefährlich" für den Wirtschaftsstandort Deutschland und als "falschen Weg". Es werde künftig öfters zu Stromausfällen kommen.[30]

Sein Festhalten an der Atomenergie dürfte dazu beigetragen haben, dass Jäger Ende 2011 seinen Vorstandsposten bei RWE räumen musste, nachdem im August 2011 durch Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen wurde, dass Peter Terium Werner Großmann als RWE-Konzernchef ablösen und eine neue Ära einleiten sollte.[31]

In einem Vortrag in London im Januar 2012 gab Jäger noch einmal einen Ausblick auf den Weiterbetrieb der noch aktiven AKW, die Stresstests und die anstehenden Maßnahmen zur Stilllegung durch RWE.[32]

Kampf um Gorleben in der Endlagerkommission

Im August 2013 nominierte der Bundesverband der deutschen Industrie zwei ausgewiesene Atomlobbyisten als Mitglieder für die Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe ("Endlagerkommission"): Gerd Jäger und Ralf Güldner, den Präsidenten des Deutschen Atomforums.[33] Beide präferieren den Standort Gorleben als Endlager.[34]

(Letzte Änderung: 25.09.2015)

Einzelnachweise

  1. kernenergie.de: Präsidium DAtF abgerufen am 13. September 2013
  2. ute-berg.de: Grußwort zur Podiumsdiskussion "Zukunftsenergien für Arbeit und Klima" des Wissenschaftsforums OWL vom 12. Juli 2004 [Website nicht mehr verfügbar]
  3. RWE: Dr. Ulrich Hartmann wird Vorstandsmitglied bei der RWE Power AG vom 17. Februar 2011
  4. investing.businessweek.com: Gerd Jaeger abgerufen am 16. September 2013
  5. Urenco: Board of Directors abgerufen am 16. September 2013 [Website nicht mehr verfügbar]
  6. Nordex Geschäftsbericht 2001/2002, Seite 8 abgerufen am 16. September 2013
  7. Nordex (Homepage)
  8. finanznachrichten.de: Grundstein für 70 Millionen Euro teures Laufwasserkraftwerk am Hochrhein gelegt vom 30. Juli 2007
  9. RADAG AG (Homepage)
  10. Wallstreet Online: Dr.-Ing. Gerd Jäger in Vorstand der Harpen AG berufen vom 3. September 2003 [Website nicht mehr verfügbar]
  11. Harpen (Homepage)
  12. IHK: IHK aktuell 2009, Seite 3 abgerufen am 16. September 2013 [Website nicht mehr verfügbar]
  13. GNS: GNS Magazin 3, Seite 2 vom Februar 2009
  14. bundestag.de Ad-hoc-Gruppe "EVU-Klagen" - Vorsitzende abgerufen am 7. Juni 2015
  15. SEO: Jahresberichte 2006, Seite 3 abgerufen am 16. September 2013
  16. SEO: Geschäftsbericht 2011, S. 9 abgerufen am 16. September 2013
  17. SEO: Geschäftsbericht 2012, S. 38 abgerufen am 16. September 2013
  18. FH Aachen: Dimensionen 2/2007, S. 66 von 1977
  19. tageszeitung24.de: Honorarprofessur für Dr.-Ing. Gerd Jäger abgerufen am 16. September 2013
  20. RWTH Aachen: Honorarprofessoren abgerufen am 16. September 2013
  21. bmu.de: Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen, S. 13 vom 14. Juni 2000
  22. ingenieur.de: Der unideologische Techniker vom 16. April 2004
  23. bmu.de: Energiepolitik 20 Jahre nach Tschernobyl - Dokumentation der Tagung "Tschernobyl 1986-2006: Erfahrungen für die Zukunft", S. 207ff vom 24./25. April 2006
  24. kkw-gundremmingen.de: Mehr Wissen Ausgabe Nr. 103, S. 2 vom August 2007
  25. Vorwärtsdenker: Hat Kernenergie eine Zukunft in Deutschland? (Vortrag Jägers im Wortlaut) vom 5. November 2011
  26. RWE: Dr. Gerd Jäger, Vorstandsmitglied der RWE Power AG, zur Diskussion einer möglichen Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken in Deutschland vom 25. März 2010
  27. NOZ: Lingen will von Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke profitieren vom 30. Oktober 2010
  28. Spiegel Online: Kernkraftdebatte: RWE-Atomchef verteidigt Uralt-AKW Biblis vom 18. März 2011
  29. Zeit Online: Der letzte Saurier vom 18. Juli 2011
  30. TU München: Experiment Energiewende vom 14. Oktober 2011 (via WayBack)
  31. RWE: Peter Terium zum Mitglied des Vorstandes und stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt vom 8. August 2011
  32. RWE: Outlook forRWE’snuclearoperations vom 16. Januar 2012
  33. FR Online: Die Millionen-Jahre-Kommission vom 30. August 2013
  34. Tagesspiegel: Keine Entscheidung im Bundestag mehr vor der Wahl vom 31. August 2013

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