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Atomforschung > Jülich

Geschichte

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Forschungszentrum Jülich

Das Forschungszentrum Jülich (FZJ) geht zurück auf einen Beschluss des Landtags Nordrhein-Westfalen aus dem Jahre 1956, eine Atomforschungsanlage zu errichten. Die Gründung erfolgte am 11. Dezember 1956. Am 28. September 1961 wurde die Anlage unter dem Namen "Kernforschungsanlage Jülich" (KFA Jülich) eingeweiht.[1][2]

Das Forschungszentrum konzentrierte sich auf die Entwicklung von Hochtemperaturreaktoren, Konkurrenzprodukten zur Brütertechnologie, die im Forschungszentrum Karlsruhe konzipiert und entwickelt wurde. Die HTR-Forschungen gewannen 1959 mit Baubeginn des Reaktors AVR Jülich an Fahrt, den die KFA wissenschaftlich betreute, und wurden in den 1960er Jahren mit der Entwicklung des THTR (Thorium-Hochtemperaturreaktors) fortgesetzt. Obwohl die technischen Probleme enorm waren, die Bauzeit sich auf zwölf Jahre verlängerte (1971 bis 1983), die (überwiegend vom Bund getragenen) Kosten immer weiter anstiegen und die Wirtschaftlichkeit des HTR schon Mitte der 1960er Jahre zweifelhaft gewesen war, wurde der THTR fertig gebaut.[3]

→ Prof. Bernd-A. Rusinek: Zwischen Himmel und Erde: Reaktorprojekte der Kernforschungsanlage Jülich (KFA) in den 1970er Jahren von 2012

Der Forschungsreaktor Merlin (FRJ-1) wurde ab 1962 betrieben und Ende 2009 zur "Grünen Wiese" zurückgebaut. Für Stilllegung und Rückbau des Forschungsreaktors Dido (FRJ-2), der von 1964 bis 2006 betrieben wurde, ist am 28. September 2012 die Genehmigung erteilt worden. Der Rückbau soll 2021 beendet sein.[4][5]

Bereits beseitigt worden ist die → Wiederaufarbeitungsanlage Jülich (JUPITER), bei der man mit dem Versuch scheiterte, kugelförmige Brennelemente von Thorium-Hochtemperaturreaktoren wiederaufzuarbeiten.

Seit 1977 wird in Jülich die → Verbrennungsanlage Jülich (JÜV) betrieben.

Von 1983 bis 2013 wurden am TEXTOR, einer Anlage zur Erforschung der Kernfusion, Experimente durchgeführt.

Forschung nach 2011

Die Forschung an Hochtemperaturreaktoren und am Brennstoffkreislauf ist in Jülich auch nach 2011 weitergeführt worden, als hätte es den Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung nie gegeben.

Professor Dr. Hans-Josef Allelein, ein bekannter Atomkraftbefürworter, bemühte sich – neben der Forschung im Bereich Reaktorsicherheit – um die Weiterentwicklung der HTR-Technik als Leiter des Instituts für Reaktorsicherheit am Forschungszentrum Jülich. → Hans-Josef Allelein

Der ehemalige Vattenfall-Atommanager Bruno Thomauske ist Leiter des ebenfalls in Jülich ansässigen Instituts für Brennstoffkreislauf, in dem Wiederaufarbeitung und Transmutation erforscht werden.[6]Bruno Thomauske

In Jülich werden in diesem Zusammenhang neuartige Entsorgungskonzepte entwickelt: "Dazu gehören die Abtrennung bestimmter Radionuklide, deren Konditionierung in keramische Abfallformen, ihre Transmutation in kurzlebige oder stabile Nuklide sowie die Behandlung von Nukleargraphit."[7]

Ausstieg aus der HTR-Forschung

Die Forschung an Hochtemperaturreaktoren war Gegenstand einer kleinen Anfrage des Bundestags vom März 2014, in der diese Reaktortechnik für gescheitert gehalten und die enge Verbindung mit Atomlobbyorganisationen kritisiert wurden.[8] Den Forschern wurde vorgeworfen, Neuentwicklung und Bau eines sogenannten Kugelhaufenreaktors im chinesischen Shidao zu unterstützen, was im Widerspruch zum Atomausstieg stehe. Die Forscher argumentieren, sie beschäftigten sich lediglich mit Sicherheitsfragen von Hochtemperaturreaktoren, nicht aber mit deren Weiterentwicklung.[9]

Offensichtlich war der öffentliche Druck erfolgreich: Das Forschungszentrum Jülich beschloss, die Forschungen an Hochtemperaturreaktoren Ende 2014 aufzugeben und sich nur noch mit der Sicherheit der gängigen Leichtwasserreaktoren zu beschäftigten.[10] "Auch die Forschungsaktivitäten mit HTR-Bezug, bei denen das Forschungszentrum experimentelle Arbeitsmöglichkeiten für Forscher der RWTH Aachen bereit stellt, sollen mit dem Abschluss der entsprechenden Projekte beendet werden."[11]

Weitere Links

Forschungszentrum Jülich (Homepage)
→ AtomkraftwerkePlag: AVR Jülich
→ AtomkraftwerkePlag: Verbrennungsanlage Jülich (JÜV)
→ AtomkraftwerkePlag: Wiederaufarbeitungsanlage Jülich (JUPITER)

(Letzte Änderung: 02.05.2017)

Einzelnachweise

  1. WDR: Jülich forscht vom 27. September 2011
  2. FZ Jülich: Daten und Fakten 2014 vom 31. Dezember 2013
  3. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013. S. 149ff.
  4. Forschungszentrum Jülich: Genehmigung für DIDO-Rückbau erteilt vom 28. September 2012 (via WayBack)
  5. mweimh.nrw.de: Rückbau abgerufen am 14. Dezember 2014 (via WayBack)
  6. FZ Jülich: Brennstoffkreislauf abgerufen am 22. März 2014
  7. FZ Jülich: Nukleare Entsorgung und Sicherheit abgerufen am 14. August 2013
  8. Bundestag: Forschungszentren und "Atomlobby" vom 8. April 2014
  9. WDR: Aufsichtsrat befragt Vorstand: Streit um Atomforschung in Jülich vom 14. Mai 2014 (via WayBack)
  10. RP Online: Forschungszentrum Jülich steigt aus Atomforschung aus vom 15. Mai 2014
  11. Forschungszentrum Jülich: Aufsichtsrat: Strategie zur Sicherheitsforschung findet breite Akzeptanz abgerufen am 17. Mai 2014

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