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Kaiseraugst (Schweiz)

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Atomenergie in Europa > Schweiz > Kaiseraugst (Schweiz)

1 Siedewasserreaktor • Hersteller: BBC-GETSCO • Leistung: 1.000 MW •
Bestellung: 1970 • Vorbereitende Bauarbeiten: 1974 • Geplante Inbetriebnahme: 1979 •
Projektende: 1988[1][2]


Unvollendete Anlagen

Wie in Deutschland wurden auch in der Schweiz Atomkraftwerke vorgeschlagen, die nie gebaut wurden. Das Atomkraftwerk Kaiseraugst, das laut IAEO mit einem Siedewasserreaktor und 1.000 MW Leistung geplant war,[2] scheiterte wie auch das AKW Graben am massiven Widerstand der Atomkraftgegner.

Widerstände wegen Kühltürmen und dichter Besiedelung

2014-Kaiseraugst-Dorfzentrum.jpg

Dorfzentrum von Kaiseraugst im Kanton Aargau (Schweiz)

Am Standort Kaiseraugst sollte ursprünglich ein ölthermisches Kraftwerk gebaut werden, das die Motor Columbus AG 1963 geplant hatte. Da man aber Luftverschmutzung befürchtete, befürwortete das Fricktal ein Atomkraftwerk.[3]

Die für den Bau des Reaktors gegründete Kernkraftwerk Kaiseraugst AG erhielt am 15. Dezember 1969 eine Standortbewilligung, am 28. August 1972 zusätzlich auch für eine um 50 MW erhöhte Leistung und einen Kühlturmbetrieb.[4] 1972 wurde das AKW beim Konsortium BBC-GETSCO bestellt, die Inbetriebnahme war für 1979 avisiert.[1]

1974 wurde bereits mit den Baggerarbeiten begonnen, obwohl noch keine Bewilligung für den nuklearen Teil der Anlage vorlag. Ähnlichen Widerstand wie in Deutschland hielt man in der Schweiz für ausgeschlossen.[5]

Genau an den Kühltürmen, die der Bund gefordert hatte, entzündete sich der Widerstand. Zunächst lehnte die Gemeindeversammlung von Kaiseraugst das Projekt ab. Anschließend mobilisierten die Atomkraftgegner im Baseler Umfeld eine breite Opposition, da ihrer Meinung nach ein AKW in der dichtbesiedelten Nordwestschweiz nicht tragbar war. Es folgten im April 1975 eine Besetzung des Baugeländes und juristische Auseinandersetzungen. Nachdem 1979 und 1984 Antiatom-Initiativen vom Volk und den Ständen abgelehnten wurden, kam es leider zu Gewalttaten: Ein Informationspavillon wurde gesprengt, und auf Automobile wurden Anschläge verübt. Schließlich mehrten sich die Stimmen auch von Atomkraftbefürwortern, Abstand vom Bau des AKW Kaiseraugst zu nehmen.[3]

Projektende 1988

1985 erteilte der Schweizer Nationalrat doch noch eine Rahmenbewilligung, und die Chancen für die Umsetzung des Projekts wurden für gut befunden.[5]

Wie der Nationalrat am 3. März 1988 jedoch feststellte, war das Projekt aufgrund des massiven Widerstandes, aber auch wegen der Tschernobyl-Katastrophe und volkswirtschaftlichen Gründen nicht mehr durchsetzbar. Er wollte das Vorhaben beenden, auch um Atomkraft grundsätzlich als Option beibehalten zu können. Die Kernkraftwerk Kaiseraugst AG sollte für ihre sich auf rund 1,2 Mrd. Franken belaufenden Investitionen entschädigt werden.[4]

Am 8. Dezember 1988 beendeten zunächst der Ständerat, drei Monate danach auch der Nationalrat das Vorhaben, zahlten dem Betreiber jedoch nur 350 Mio. Franken Entschädigung.[3]

Zu den damaligen Ereignissen hat der ehemalige Direktor der Kernkraftwerk Kaiseraugst AG, der Aargauer Ulrich Fischer, ein Buch mit dem Titel "Brennpunkt Kaiseraugst - das verhinderte Kraftwerk" veröffentlicht, dessen Nachwort übrigens Peter Scholer, der Gründer der Bewegung "Gewaltfreie Aktion Kaiseraugst" (GAK) und Anführer der Besetzung, verfasste.[6][7]

Fernsehbeiträge

  • "Neu aufgetauchte Filmaufnahmen dokumentieren das Alltagsleben auf dem besetzten Bauplatzgelände in Kaiseraugst, wo in den Siebzigerjahren ein Kernkraftwerk hätte errichtet werden sollen. Historiker und Zeitzeugen schildern ihre Eindrücke zur berühmten Anti-AKW-Bewegung." Quelle: YouTube
Besetzung Kaiseraugst 1975 Wertvolles Bildmaterial aufgetaucht06:59

Besetzung Kaiseraugst 1975 Wertvolles Bildmaterial aufgetaucht

Hochgeladen auf YouTube am 18. März 2013

  • "Atomkraft-Gegner besetzen während 11 Wochen das Baugelände des geplanten Atomkraftwerks Kaiseraugst. Sie fordern einen Baustopp und Verhandlungen. Die Besetzung nimmt immer grössere Dimensionen an, eine eigentliche Zeltstadt entsteht. Der Rückhalt aus der Bevölkerung ist gross: Bauern stellen Lebensmittel zur Verfügung, und Schulklassen dient das Lager als Anschauungsunterricht. Der Protest zahlte sich übrigens aus: Das AKW Kaiseraugst wurde nie gebaut. [«CH-Magazin» vom 25. April 1975]" Quelle: YouTube
AKW-Gegner besetzen Kaiseraugst (1975)08:35

AKW-Gegner besetzen Kaiseraugst (1975)

Hochgeladen auf YouTube am 11. Juni 2015

(Letzte Änderung: 02.01.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE (S.72) von 1997
  2. 2,0 2,1 IAEO PRIS: KAISERAUGST abgerufen am 7. März 2016 (via WayBack)
  3. 3,0 3,1 3,2 Aargauer Zeitung: Vor 25 Jahren wurde das Kernkraftwerk Kaiseraugst verhindert vom 19. Dezember 2013
  4. 4,0 4,1 parlament.ch: Kernkraftwerk Kaiseraugst. Nichtrealisierung vom 3. März 1988
  5. 5,0 5,1 nzz.ch: Baustellen-Besetzung Kaiseraugst - Folgenreiches Woodstock der AKW-Gegner vom 23. März 2015
  6. srf.ch: AKW Kaiseraugst: Die ehemaligen Gegner im Gespräch vom 13. Dezember 2013
  7. tagesanzeiger.ch: Als Atomenergie noch gut war vom 6. Januar 2014

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