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Kernforschungszentrum Karlsruhe (KfK) von 1956 bis 2009

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Forschungsreaktor 2 (FR 2), 1961-1981

Das Kernforschungszentrum Karlsruhe wurde 1956 unter dem Namen "Kernreaktor Bau- und Betriebsgesellschaft mbH" gegründet und betrieb mehrere Forschungsreaktoren: den Forschungsreaktor 2 (FR 2) als ersten in Eigenbau realisierten deutschen Reaktor, den Brutreaktor-Prototyp Kompakte Natriumgekühlte Kernreaktoranlage (KNK), die 1990 wieder stillgelegte Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe sowie den Mehrzweckforschungsreaktor (MZFR). Die Atommüllverbrennungsanlage am Standort ist bis heute in Betrieb.

Karlsruhe, KNK (Baden-Württemberg)
Karlsruhe, MZFR (Baden-Württemberg)
Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK)
Verbrennungsanlage Karlsruhe

1995 folgte die Umbenennung in "Forschungszentrum Karlsruhe - Technik und Umwelt" und 2002 in "Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft". 2009 wurde das Kernforschungszentrum mit der Universität Karlsruhe zum "Karlsruher Institut für Technologie" fusioniert.[1]

Das KfK war ursprünglich nur als Reaktorstation für Arbeiten mit dem Forschungsreaktor 2 konzipiert, entwickelte sich aber aufgrund der Brütertechnologie ab 1960 zu einem großen Forschungszentrum mit mehreren tausend Mitarbeitern. Zunächst betrieb das KfK theoretische Studien zum Schnellen Brüter, der am Anfang der bundesdeutschen Atomplanung gestanden hatte. Anfang der 1960er Jahre stieg das KfK mit dem Reaktor KNK in die Brüterentwicklung ein. Man erwartete davon eine historische Wende in in der Atomenergietechnik, und die vom Bund getragenen Kosten der Brüterentwicklung stiegen bis Ende der 1960er Jahre auf Milliardenhöhe. Obwohl sich in den USA ein schwerer Unfall im Brüter Enrico Fermi ereignete und der Brüter gegenüber den Leichtwasserreaktoren wirtschaftlich uninteressant wurde, betrieb das KfK auch in den 1970er Jahren seine Brüterentwicklung mit staatlichen Geldern weiter.[2] Erst als der "Schnelle Brüter" von Kalkar 1991 endgültig gescheitert war, wurden die Forschungen zur Brütertechnologie beendet. → Kalkar (Nordrhein-Westfalen)

Die 1990 im Rahmen einer Großen Anfrage der Grünen an den Bundestag erhobene Behauptung, das KfK "habe auch militärische Ziele verfolgt, oder zur Aufgabenstellung des KfK habe die militärische Atomforschung gezählt", wies die Bundesregierung in ihrer Antwort zurück. Sie bestätigte, dass für die Forschung in Karlsruhe umfangreiche Subventionen durch den Bund getätigt wurden: 2,7 Mrd. Deutsche Mark für Brüter-Forschung; 1,5 Mrd. Deutsche Mark für die Wiederaufarbeitung und die Wiederaufarbeitungsanlage; 630 Mio. Deutsche Mark für die Kernfusion; 520 Mio. Deutsche Mark für das Forschungsprogramm Reaktorsicherheit. Zudem machte sie Angaben, wieviel Natururan, angereichertes Uran, abgereichertes Uran und Plutonium 1990 auf dem Gelände gelagert wurden.[3]

Laut einer Kleinen Anfrage aus dem Landtag von Baden-Württemberg aus dem Jahre 2008 wurden in der Umgebung des KfK Cäsium-137, Americium-241 und Tritium nachgewiesen. Zudem habe die Forschungsanlage lange Zeit über keine Filter für radioaktives Jod verfügt. In seiner Antwort erklärte das Umweltministerium, dass die Strahlenbelastung unter den Grenzwerten gelegen habe. Sie räumte ein, dass radioaktive Abwässer (Tritium) bis 2001 in den Altrhein/Rheinniederungskanal und ab 2001 in den Rhein eingeleitet worden seien; die damaligen Höchstwerte der Trinkwasserverordnung seien nicht überschritten worden.[4]

Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ab 2009

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entstand im Oktober 2009 aus dem Zusammenschluss der Universität Karlsruhe und des Forschungszentrums Karlsruhe. Als drei strategische Handlungsfelder werden "Forschung", "Lehre" und "Innovation" genannt.[5] Laut einer Antwort der Bundesregierung vom Mai 2011 auf eine Kleine Anfrage ist das Karlsruher Institut für Technologie Mitglied der wichtigen deutschen Lobbyorganisationen Deutsches Atomforum (DAtF) und Kerntechnische Gesellschaft (KTG).[6]

Das Karlsruher Institut für Technologie veröffentlichte im Mai 2012 eine Studie, in der horrende Strompreiserhöhungen als Folge des Atomausstiegs angekündigt wurden: "Unterstützung erhalten die Stromkonzerne aus der Wissenschaft, die das Spiel mit der (Preis-)Angst mit großer Freude mitspielen. Als solcher Angsttreiber präsentierte sich etwa das Karlsruher Institut für Technologie. Es gab vor einem Monat im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe – die bekanntlich den einst großen Atomerzeuger EnBW vertritt – eine Studie heraus. Demnach sollen die Strompreise bis zum Jahr 2025 um 70 Prozent steigen. Der Grund: der Atomausstieg."[7][8]

Das KIT betreibt seit 1990 ein "Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB)", welches "den Deutschen Bundestag und seine Ausschüsse in Fragen des wissenschaftlich-technischen Wandels berät.[9] Wenige Wochen nach der Atomkatastrophe von Fukushima veröffentlichte das TAB eine Studie, in der mit Todesopfern in Deutschland infolge eines großflächigen und langandauernden Stromausfalls gerechnet wird.[10]

Das KIT forscht in verschiedenen Instituten auf den Gebieten Kernspaltung und Kernfusion. Die Fusionsprojekte förderte die Bundesregierung 2013 mit 28 Mio. Euro. Allerdings sollen ab 2015 die Mittel zugunsten erneuerbarer Energien gekürzt werden: "in den Themengebieten "Nukleare Entsorgung und Sicherheit" um 15 Prozent und "Fusionstechnologien" um 8 Prozent".[11]

Im Oktober 2015 wurde im KIT entschieden, ein Kompetenzteam "Rückbau kerntechnischer Anlagen" einzurichten, in dem das wissenschaftliche und technische Fachwissen auf diesem Feld gebündelt und weiterentwickelt werden soll.[12]

Das KIT stellt außerdem zur Verfügung: → kernenergie.de: Lexikon zur Kernenergie

Institut für Transurane (JRC-ITU)

Das Institut für Transurane (JRC-ITU = Institute for Transuranium Elements) am KIT wurde 1957 im Rahmen des ersten deutschen Atomprogramms unter dem Namen "Plutonium-Institut" gegründet und erhielt noch im gleichen Jahr seinen heutigen Namen.[13]

Es wird zu 100 % mit Mitteln der Europäischen Union finanziert.[14] Das Institut ist auf dem Gelände des KIT untergebracht und beschäftigt 370 Mitarbeiter. Schwerpunkt seiner Aufgaben bildet die Erforschung von Transuranen (Actiniden) im Rahmen der Kernspaltung in Reaktoren, der Entsorgung sowie der Transmutation, also der Phasen des Atombrennstoffzyklus´. Darüber hinaus unterstützt das Institut die "Euratom-Sicherheitsüberwachung (ESO) und die IAEO-Inspektion" bei ihrer Aufgabe, die Weitergabe von radioaktivem Material für die Atomwaffenherstellung zu verhindern. "Das Aktinidenlabor für Nutzer des JRC-ITU ist eine internationale Einrichtung, die auch externen Nutzern für spezialisierte Studien zur Verfügung steht."[15]

Im Jahre 2002 kritisierte die Ärzteorganisation IPPNW, dass das Institut für Transurane die radioaktive Verseuchung der Elbmarsch bei Geesthacht nicht verifizieren konnte. Das Institut für Transurane gab bekannt, dass es nicht in der Lage wäre, Uran oder Transurane aufgrund unzureichender Empfindlichkeit der Messgeräte zu messen, was das IPPNW als "Manipulationen der Atomlobby in Sachen Kernbrennstoffkügelchen bei Geesthacht" bezeichnete.[16]

Neubau für Atomforschung sorgt für Protest SWR 12.3.2011-001:33

Neubau für Atomforschung sorgt für Protest SWR 12.3.2011-0

SWR: Neubau für Atomforschung sorgt für Protest vom 12. März 2011

2011, nach dem Beschluss zum Atomausstieg, wurde bekannt, dass das Institut "bis zu 180 Kilogramm Plutonium und 50 Kilogramm Uran" bei sich lagern und erforschen darf und das Volumen sogar erweitert werden soll. "Was politisch als beendet gilt, wird auf wissenschaftlicher Ebene im Forschungszentrum Karlsruhe munter weiter betrieben. Es geht um die Forschung an Kernreaktoren der vierten Generation. Reaktoren, die in der Lage sein sollen, langlebige Spaltprodukte mit einer Halbwertszeit von mehreren zehntausend Jahren in kurzlebige von nur noch wenigen hundert Jahren umzuwandeln." Die Forschungen des Instituts, die vor der Öffentlichkeit verborgen gehalten werden, unterstützt nicht nur der Bund, sondern auch der französische Atomkonzern AREVA finanziell. Auch gründeten das KIT und AREVA 2009 die "Areva Nuclear Professional School", deren Ziel die Weiterbildung im Bereich der Atomtechnik ist.[17]

Nachdem sich das Institut 2011 in einem Mediatonsverfahren verpflichtet hatte, nicht mehr die Entwicklung von Generation-IV-Reaktoren zu unterstützen, genehmigte das Umweltministerium Baden-Württemberg im März 2012 die Erweiterung des Instituts. Es wurde ein neuer Flügel mit besseren Sicherheitsstandards eingerichtet, in dem radioaktive Stoffe und Forschungsaktivitäten verlagert werden sollen.[14] Aus der Quelle geht nicht hervor, welche Art von Verpflichtung das Institut eingegangen ist. Handelt es sich um eine sogenannte freiwillige Selbstverpflichtung, die nicht rechtlich bindend ist? Auch stellt sich die Frage, wie das Institut überprüfen kann/will, welche Forschungen "externe Nutzer", wie z. B. AREVA, am Institut betreiben. → Generation IV International Forum (GIF)

Institut für Fusionstechnologie und Reaktortechnik (IFRT)

Das "Institut für Fusionstechnologie und Reaktortechnik (IFRT)" wurde 2010 am KIT gegründet.[18] Es betreibt Forschung im Bereich "neuartiger, innovativer Reaktorsysteme und der Kernfusion".[19] Dies betrifft Reaktoren der III. und IV. Generation, Transmutationssysteme und Fusionsreaktoren.[20] Das KIT beteiligt sich an der Realisierung der Fusionsreaktoren ITER und Wendelstein 7-X.[21]

→ AtomkraftwerkePlag: Kernfusion

Institut für Nukleare Entsorgung (INE)

Das Institut führt Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in den Bereichen Endlagerung, Immobilisierung, Reduzierung Toxizität (Partitionierung) und Strahlenschutz durch.[22] Das INE war u.a. auch Auftragnehmer für die "Vorläufige Sicherheitsstudie Gorleben".[23]

(Letzte Änderung: 02.05.2017)

Einzelnachweise

  1. KIT: Forschungszentrum Karlsruhe abgerufen am 1. Juni 2013
  2. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013. S. 141ff.
  3. Deutscher Bundestag: Kernforschungszentrum Karlsruhe (KfK) (Drucksache 11/8188, S.1-4) vom 24. Oktober 1990
  4. Landtag Baden-Württemberg: Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken – Untersuchungsbedarf bezüglich des Forschungszentrums Karlsruhe (Drucksache 14/2218) vom 15. Januar 2008
  5. KIT: Das KIT abgerufen am 4. Juni 2013
  6. Deutscher Bundestag Förderungen von Vereinigungen der Atomlobby (Drucksache 17/5971) vom 26. Mai 2011
  7. cicero.de: Energiewende - Wie die Angst vor hohen Strompreisen geschürt wird vom 8. Juni 2012 (via WayBack)
  8. RP-Online: Studie des Karlsruher Instituts für Technologie - Bis 2025 wird Strom um 70 Prozent teurer vom 14. Mai 2012
  9. Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag: Willkommen im TAB abgerufen am 21. April 2013
  10. tab-beim-bundestag.de Studie: Was bei einem Blackout geschieht aus dem Jahr 2011
  11. Deutscher Bundestag: Atomforschung am Karlsruher Institut für Technologie (Drucksache 17/13342) vom 26. April 2013
  12. IWR: KIT formiert Know-How zum Atomkraftwerks-Rückbau vom 8. Oktober 2015
  13. ITU: 40 years of science at the institute for transuranium elements abgerufen am 4. Juni 2013
  14. 14,0 14,1 life PR: Umweltministerium erteilt atomrechtliche Änderungsgenehmigung für Erweiterung des Instituts für Transurane (ITU) vom 16. März 2012
  15. ITU: Das Institut für Transurane in Karlsruhe abgerufen am 4. Juni 2013
  16. IPPNW: Karlsruher Institut für Transurane kann kein Uran messen - Transurane auch nicht vom 20. Juni 2002
  17. Badische Zeitung: Der unheimliche Nachbar vom 14. September 2011
  18. der Redtenbacher: der redtenbacher Heft 18 vom Juli 2010, Seite 8
  19. IFRT: Willkommen am IFRT abgerufen am 5. Juni 2013
  20. IFRT: Forschung am INS abgerufen am 5. Juni 2013
  21. KIT: Fusionstechnologie abgerufen am 5. Juni 2013
  22. www.ine.kit.edu: Willkommen am Institut für Nukleare Entsorgung (INE) abgerufen am 6. Juni 2013
  23. Deutscher Bundestag: Drucksache 17/6817 - Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben vom 22. August 2011

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