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Reaktoren außer Betrieb > Karlsruhe, MZFR (Baden-Württemberg)

Schwerwassermoderierter und -gekühlter Druckwasserreaktor • Leistung: 57 MW • Typ: - •
Hersteller: Siemens • Baubeginn: 1. Dezember 1961 • Inbetriebnahme: 29. September 1965 •
Abschaltung: 3. Mai 1984 •[1][2] Beginn Rückbau: 1987 • Ende Rückbau: 2019


Der Mehrzweckforschungsreaktor (MZFR) war ein schwerwassermoderierter und -gekühlter Druckkesselreaktor mit 57 MW Leistung, der mit Natururan betrieben wurde. Er wurde am 29. September 1965 in Betrieb genommen und ging am 3. Mai 1984 wieder vom Netz. Eigentümer ist die EWN-Tochter Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE), die bis 2017 WAK Rückbau- und Entsorgungs-GmbH (WAK GmbH) genannt wurde.[3][1] Betreiber war die Kernkraftwerk Betriebsgesellschaft mbH,[1] Hersteller Siemens.[2]

Für den in den frühen 1960er Jahren geplanten Mehrzweckforschungsreaktor (MZFR) hatte sich kein Abnehmer bei den Energieunternehmen gefunden, weshalb er notgedrungen am Forschungszentrum Karlsruhe in Baden-Württemberg errichtet wurde und eine massive Expansion der dortigen Forschungsinstitute und der staatlichen Förderungsmittel auslöste.

In den 1960er Jahren wurde der Betrieb durch Lecks behindert, aus denen schweres Wasser und Radioaktivität austraten. Das Personal unterlag erhöhter Strahlenbelastung: So wurden beispielsweise am 2. März 1967 sechs Mitarbeiter aufgrund eine Störfalls kontaminiert. Der Zwischenfall wurde zunächst vom Karlsruher Kernforschungszentrum verheimlicht und erst sechs Wochen später in der Presse erwähnt. Erst in den 1970er Jahren konnte ein normaler Betrieb des Reaktors gewährleistet werden.[4]

Der MZFR versorgte das Forschungszentrum mit Strom und Fernwärme.[5] Während des Betriebs wurden insgesamt 46 meldepflichtige Ereignisse gezählt.[6]

Rückbau um 5 Jahre verzögert

Der 1987 begonnene Rückbau ist bereits weit fortgeschritten. Der Reaktor wurde entladen, und die Brennelemente wurden zur Wiederaufbearbeitung abtransportiert. Mittlerweile sind die konventionellen Hilfssysteme (Kühltürme, Turbine, Generator) abgerissen, und der Reaktordruckbehälter und der Biologische Schild demontiert worden. Es fehlen noch der Beton des Biologischen Schildes und restliche Betriebssysteme.[7]

Anfang 2013 wurde mit dem Abriss des Beckenhauses begonnen, in dem "die Brennelementebecken, die Kühl- und Reinigungsanlangen und alle Brennelement-Hantierungseinrichtungen" untergebracht sind.[8] Der Abriss des Reaktorgebäudes soll 2017 erfolgen, Ende 2019 sollen alle nuklear genutzten Gebäude abgebaut worden sein.[9] Damit hat sich der Rückbau gegenüber früheren Prognosen um fünf Jahre verzögert.[8]

Der radioaktive Müll, der beim Rückbau des MZFR und anderer Reaktoren entsteht, wird auf dem Gelände der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) zwischengelagert. Da mehr Müll als vermutet angefallen ist, ist die Lagerkapazität zu 80 % ausgeschöpft. Ein zusätzliches Zwischenlager soll nicht gebaut werden, weswegen die Bereitstellung eines Endlagers auch hier dringlich ist.[10]

(Letzte Änderung: 23.07.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 27. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. KTE: Historie abgerufen am 29. pril 2017
  4. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013, S. 141ff., 184f., 280
  5. ka-news.de: Radioaktive Vergangenheit: So viel Strahlkraft hat Karlsruhe! vom 28. Oktober 2015
  6. BfS: Kernkraftwerke in Deutschland - Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme abgerufen am 11. Juni 2013 (via WayBack)
  7. ewn-gmbh.de: Mehrzweckforschungsreaktor (MZFR) abgerufen am 15. November 2014 [Seite nicht mehr verfügbar]
  8. 8,0 8,1 ka-news.de: Forschungsreaktor in Leopoldshafen wird abgerissen: Bis 2015 "grüne Wiese" vom 26. Januar 2013
  9. um.baden-wuerttemberg.de: Mehrzweckforschungsreaktor (MZFR) abgerufen am 29. April 2017
  10. ka-news.de: Karlsruhe bekommt kein neues Zwischenlager für radioaktive Abfälle vom 7. Februar 2012

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