FANDOM


Die Lobbyorganisationen > Kerntechnische Gesellschaft (KTG)

Lobbyorganisation für Mitarbeiter der Atomwirtschaft

Die Kerntechnische Gesellschaft e.V. (KTG) ist neben dem Deutschen Atomforum (DAtF) eine weitere wichtige Lobbyorganisation in Deutschland. Sie wurde am 14. April 1969 von Mitgliedern des Deutschen Atomforums gegründet; erster Vorsitzender war Professor Wolf Häfele vom Kernforschungszentrum Karlsruhe.[1]

Mitglieder der KTG sind rund 2.400 in den Atomkonzernen angestellte Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker etc.[2] Man könnte also von einer Art Arbeitnehmerorganisation der Atomlobby sprechen.

Das Ziel der 1969 in Frankfurt gegründeten und heute in Berlin ansässigen Kerntechnischen Gesellschaft ist nicht nur, den Nutzen der Atomenergie durch "sachliche Auseinandersetzung" zu propagieren, sondern auch deren wissenschaftlich-technischen Fortschritt zu fördern. Die KTG gibt zu diesem Zweck die Zeitschrift "atw - Internationale Zeitschrift für Kernenergie" heraus, die über die Homepage des Deutschen Atomforums, "kernenergie.de" abgerufen werden kann. Außerdem organisiert sie Veranstaltungen, wie z. B. die "Jahrestagung Kerntechnik".[2]

Zum Teil aus Mitgliedern der Kerntechnischen Gesellschaft rekrutiert sich auch die Gruppe Bürger für Technik (BfT), eine als Bürgerinitiative getarnte Lobbyorganisation für Atomkraft. Die BfT wurden 2001 durch den Sprecher der Fachgruppe "Nutzen der Kerntechnik" der KTG, Ludwig Lindner, gegründet.

Vorsitzende der KTG ist seit 2011 die Physikerin Astrid Petersen,[3] die zugleich Mitglied im Präsidium des Deutschen Atomforums[4] und Bereichsleiterin bei der Essener Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) ist.

Reaktionen auf den Atomausstieg

Die KTG reagierte auf den Atomausstieg des Kabinetts Schröder 1998 mit einem Konzept "Strategie 2000+" und mit dem erneuten Ausstiegsbeschluss der Regierung Merkel mit einer "Agenda 2022".[5]

Nach Fukushima startete die KTG einige Aktivitäten in den Medien und der Öffentlichkeit, mit denen gegen den 2011 beschlossenen Atomausstieg protestiert wurde.

Im Juni 2011 sprach die Vorsitzende Astrid Petersen in der "taz" von "ökodiktatorischen Ansätzen" und bezeichnete das AKW-Moratorium als "hysterisch und rein politisch motiviert". Deutschland habe als "Exportweltmeister" eine große Verantwortung und könne nicht einfach Atomkraftwerke durch Windräder ersetzen.[6]

Das KTG organisierte am 7. Juli 2011 eine kleine Protestveranstaltung vor dem Bundeskanzleramt gegen den Atomausstieg. "Die KTG warnt mit ihren Aktionen davor, dass tausende Mitarbeiter von Kernkraftwerken und kerntechnischen Einrichtungen an ihren Standorten in ganz Deutschland mit den Folgen leben müssen. Man kritisiert die mögliche Abhängigkeit Deutschlands von Stromimporten."[7]

In einem weiteren Interview in der "taz" vom März 2012 bezeichnete Petersen den Ausstieg als "hysterisch" und "emotional" und kritisierte das Primat der Politik: "Das kann ich schon nicht mehr hören. Natürlich entscheidet die Politik, aber doch nicht allein." Sie betonte die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke, zu denen ihrer Meinung nach eine Alternative fehle, kritisierte zugleich die Vorfälle in der "Asse": "Da ist massiv geschlampt worden, und das fällt auf uns alle zurück."[8] Ähnliche Statements gab Petersen im Mai 2012 in der Financial Times Deutschland[9] und der Jahrestagung Kerntechnik ab.[10]

Während das Deutsche Atomforum seit 2013 den Widerstand gegen den Atomausstieg mehr oder weniger aufgegeben hat, zeigt sich die KTG-Vorsitzende weiterhin kämpferisch.

Nach ihrer Wiederwahl am 6. Mai 2014 wies Astrid Petersen auf "die anhaltende Bedeutung der Kernenergie für die Versorgungssicherheit und die klimafreundliche Stromproduktion in Deutschland" hin. Es müsse eine "Energie-Agenda ohne ideologische Denkverbote" geben.[11]

Am 4. Mai 2015 wurde Petersen als Vorsitzende der KTG neuerdings wiedergewählt und forderte "ein politisches Umdenken in Deutschland in der Bewertung der friedlichen Nutzung der Kernenergie". Das kerntechnische Know-how in Deutschland müsse erhalten bleiben und ins Ausland exportiert werden.[12]

Links

Kerntechnische Gesellschaft e.V. (Homepage)
→ Wikipedia: Kerntechnische Gesellschaft (KTG)

(Letzte Änderung: 13.06.2017)

Einzelnachweise

  1. kernenergie.de: 50 Jahre Deutsche Atomforum e.V. vom Juli 2009
  2. 2,0 2,1 KTG: Über uns abgerufen am 16. Januar 2014
  3. taz: Chefin der Kerntechnischen Gesellschaft - Die neue Frau der Atomlobby vom 19. Mai 2011
  4. kernenergie.de: Präsidium DAtF abgerufen am 13. September 2013
  5. KTG: KTG - Über uns abgerufen am 16. Januar 2014
  6. taz.de: Atom-Lobbyistin über AKW-Moratorium - "Ökodiktatorische Ansätze" vom 15. Juni 2011
  7. Stadtmorgen.de: Kernkraftbefürworter demonstrieren gegen übereilten Atomausstieg vom 7. Juli 2011
  8. taz.de: "Das war Hysterie" vom März 2012
  9. Financial Times Deutschland: Cheflobbyistin Astrid Petersen - Die strahlende Atom-Frau vom 21. Mai 2012 (via WayBack)
  10. FinanzNachrichten.de: Deutsche Kerntechnik schafft Sicherheit weltweit / Kerntechnische Gesellschaft warnt vor Folgen des Atomausstiegs und fordert Unterstützung für den Kompetenzerhalt in der deutschen Kerntechnik vom 23. Mai 2012
  11. na presseportal: Wiedergewählte KTG-Vorsitzende fordert Ende der energiepolitischen Flickschusterei vom 6. Mai 2014
  12. KTG: Kerntechnische Sicherheit aus Deutschland als Exportschlager vom 5. Mai 2015

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki