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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Indien > Kudankulam (Indien)

2 Druckwasserreaktoren • Leistung: 2 x 1.000 MW • Typ: WWER V-412 •
Hersteller: Atomstroiexport • Baubeginn: 31. März 2002/4. Juli 2002 •
Inbetriebnahme: 13. Juli 2013/10. Juli 2016 •[1][2] Abschaltung: offen


Reaktoren russischer Bauart

The Kudankulam Nuclear Power Plant (KKNPP).jpg

AKW Kudankulam (Indien)

Kudankulam ist das indische Atomkraftwerk, welches wohl am meisten in den Medien Erwähnung gefunden hat. Planung und Bau waren mit massiven Protesten aus der Bevölkerung verbunden. Allen Widerständen zum Trotz wurde jedoch 2014 der erste Reaktor hochgefahren.

Kudankulam befindet sich im Bundesstaat Tamil Nadu an der Südspitze Indiens.[2] Für den Standort waren im Jahr 1988 schon einmal zwei russische WWER-Druckwasserreaktoren mit je 1.000 MW Leistung bei Atomenergo Export bestellt worden, die 1998/1999 in Betrieb gehen sollten, aber im Januar 1992 verworfen wurden.[3]

Heute betreibt Indien dort zwei Druckwasserreaktoren des russischen Typs WWER V-412 und einer Leistung von je 1.000 MW, die am 13. Juli 2013 bzw. 10. Juli 2016 in Betrieb gegangen sind (Kritikalität). Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die Nuclear Power Corporation of India Ltd.,[1] Hersteller die ROSATOM-Tochter Atomstroiexport. [2]

Kudankulam-2 hätte laut Plan eigentlich schon im Dezember 2008 fertiggestellt werden sollen, verspätete sich jedoch um acht Jahre.[4]

Für zwei weitere Einheiten, Kudankulam-3 und -4, wurde der Baubeginn erstmals am 15. Oktober 2016 und erneut am 30. Juni 2017 gemeldet; diese sollen 2022 und 2023 in Betrieb gehen.[5][6] Zwei weitere Einheiten sind geplant (Kundankulam-5 und -6); darüber hinaus sind sechs Einheiten vorgeschlagen worden (Kudankulam-7 bis -12).[2]

→ Nuclear Power Corporation of India Ltd.: Plants Under Operation/All Plants (Informationen des Betreibers)

Widerstände aus der Bevölkerung

Kudankulam nuclear plant row PM questions sources funding NGOs-004:05

Kudankulam nuclear plant row PM questions sources funding NGOs-0

Hochgeladen auf YouTube am 8. Dezember 2011

Im September 2011 kam es zu Massenprotesten gegen den Bau des AKW Kudankulam. Die durch den russischen Konzern Atomstromexport errichtete Anlage sollte Ende 2011 ans Netz gehen, die Bauarbeiten mussten aber ausgesetzt werden. Für die Unruhen machte die Regierung die USA und NGOs verantwortlich. Im März 2012 wurden die Bauarbeiten ungeachtet der Proteste wieder aufgenommen.[7]

Im Oktober 2012 wurden Hunderte von Atomkraftgegnern wegen ihrer Proteste festgenommen.[8]

Anti-nuclear protesters begin jal satyagraha at Kudankulam13:09

Anti-nuclear protesters begin jal satyagraha at Kudankulam

Hochgeladen auf YouTube am 13. September 2012

Im gleichen Jahr diffamierten der russische Botschafter und der indische Staatsminister die Proteste in Kudankulam, indem sie erneut behaupteten, diese seien von ausländischen NGOs finanziert worden. Im März 2013 versuchten 2.500 Menschen, das AKW vom Meer aus zu blockieren.[9]

Die Bombenexplosion in der Nähe des Atomkraftwerks im November 2013, bei der sechs Menschen starben, stand nach Aussage der lokalen Anti-AKW-Bewegung nicht in Zusammenhang mit den Protesten.[10]

Aus Protest gegen das Atomkraftwerk Kudankulam traten am 31. Januar 2014 vier Frauen und sieben Männer in einen unbefristeten Hungerstreik.[11]

Anti-Atom Indien (Informationen zu den Anti-AKW-Bewegungen in Indien)

Zwischenfälle

Beim Bau des Atomkraftwerks wurde laut dem Internetmagazin "Netzwerk IT", das auf indische Quellen verweist, mehrmals gepfuscht. 2009 wurde die Inbetriebnahme verzögert, da mehrere Kilometer Kabel fehlten. Am 6. Februar 2013 musste ein Hydro-Test wegen fehlerhafter Ventile abgebrochen werden. Es gab Gerüchte über Todesopfer, die offiziell nicht bestätigt wurden.[12]

Am 14. Mai 2014 wurden sechs Arbeiter durch austretendes heißes Wasser schwer verletzt und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Radioaktivität soll nicht freigesetzt worden sein.[13] Betreiber und Behörden versuchten den Vorfall herunterzuspielen; die Schuld treffe die Arbeiter.[14]

Im Jahr 2014 häuften sich die Zwischenfälle: Zwischen 22. Oktober 2013 und 22. Oktober 2014 gab es laut "The Times of India" 22 Stromausfälle, von denen 14 zu Notabschaltungen führten, die schwere Unfälle hätten verursachen können. Als Ursachen wurden veraltete und minderwertige Ausrüstung und/oder unzureichende Überwachung genannt.[15] Am 26. September kam es zu einem Turbinenschaden wegen loser Komponenten; der Reaktor musste abgeschaltet werden.[16]

Technische Probleme

Die Statistik der IAEO über die Leistung des Reaktors 2013 und eine Petition der staatlichen Betreibergesellschaft zur Verlängerung des Probebetriebs ließen im November 2014 erkennen, dass der Reaktor seit seiner offiziellen Inbetriebnahme bislang so gut wie keinen Strom geliefert hat. Der kommerzielle Betrieb könne wohl erst Anfang 2015 aufgenommen werden.[17][18]

Schon im Juni 2015 wurde Kudankulam-1 für Brennstoffwechsel und Wartungsarbeiten abgeschaltet und sollte eigentlich Ende Oktober wieder hochgefahren werden. Wegen technischer Probleme verzögerte sich die Inbetriebnahme jedoch.[19]

In einer Studie von V.T.Padmanabham, einem Spezialisten für radioaktive Strahlung, und anderen Wissenschaftlern wurde auf die Verwendung minderwertiger Komponenten sowie Mängel am Polarkran und am Reaktordruckbehälter hingewiesen.[20]

Nach siebenmonatigem Stillstand wurde der Reaktor am 4. Februar 2016 wieder hochgefahren, am 17. Februar aber schon wieder abgeschaltet.[21]

(Letzte Änderung: 02.07.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/India abgerufen am 9. August 2016
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 WNA: Nuclear Power in India abgerufen am 18. Oktober 2016
  3. IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  4. npcil.nic.in: Kudankulam Atomic Power Project, Unit Number 2 abgerufen am 9. September 2016
  5. nuklearforum.ch: Indien: Kudankulam-3 und -4 in Bau vom 18. Oktober 2016
  6. world nuclear news: Construction officially begins on Kudankulam 3 and 4 vom 30. Juni 2017
  7. RiaNovosti: Indien nimmt Bau von AKW Kudankulam wieder auf vom 19. März 2012
  8. Sächsische Zeitung: Hunderte Atomkraftgegner in Indien festgenommen vom 29. Oktober 2012
  9. Rianovosti: Indien: Massenprotest gegen Inbetriebnahme von AKW Kudankulam vom 12. März 2013
  10. The Huffington Post: Mindestens Sechs Tote bei Bombenexplosion Nahe Atomkraftwerk in Indien vom 27. November 2013
  11. Anti-Atom Indien: Unbefristeter Hungerstreik gegen Atomkraftwerk Kudankulam vom 31. Januar 2014
  12. Netzwerk IT: Leck im indischen Atomkraftwerk Kudankulam vom 19. März 2013
  13. NDTV: Six Injured in 'Hot Water Spillage' at Kudankulam Nuclear Plant, No Radiation Leak vom 14. Mai 2014
  14. Yahoo! News: What the accident at the Koodankulam nuclear plant tells us about its disastrous state vom 20. Mai 2014
  15. The Times of India: Power outages at Kudankulam nuclear plant dangerous: Study vom 29. Oktober 2014
  16. ZeeNews: Kudankulam turbine to run with parts from another unit vom 28. Oktober 2014
  17. IAEO PRIS: Kudankulam-1 abgerufen am 24. November 2014
  18. cercind.gov.in: Petition No. 408/MP/2014 vom 10. November 2014
  19. Economic Times: Kudankulam delays are on ‘teething problems’, says AEC chairmanvom 15. November2015
  20. vixra.org: Counterfeit/obsolete Equipment and Nuclear Safety issues of VVER-1000 Reactors at Kudankulam, India abgerufen am 31. Januar 2016 [ohne Datumsangabe, aufgrund der Quellenangaben 2013 oder später erschienen]
  21. Business Standard: Kudankulam nuclear plant stops generation, again vom 17. Februar 2016

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