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Die Lobbyisten > Kulke, Ulli

Lobbyist für Atomkraft und Klimaskeptiker

Ulli Kulke schlug nach seinem Studium der Volkswirtschaft und Wirtschaftspädagogik die Journalistenlaufbahn ein. Er war 1979 an der Gründung der "taz" beteiligt und dort Redakteur, arbeitete seit 1981 als Reporter und Autor bei der "Welt" und war 1984 Referent für Entwicklungspolitik bei der Bundestagsfraktion der "Grünen".[1]

In jüngerer Zeit propagiert Kulke in den Medien, insbesondere in der atomfreundlichen "Welt", die Nutzung der Atomkraft, wie in den folgenden Abschnitten deutlich wird. Zugleich streut er Zweifel am Klimawandel, wie beispielsweise in seinem "Welt"-Blog "Donner + Doria".[2] Wie passt das zusammen, wo doch Atomkraft als CO2-arme Energie gilt? Es macht dann Sinn, wenn man bedenkt, dass Atomkraft und klimaschädliche fossile Energien, wie die Kohle, zwei wichtige Geschäftsfelder der großen Energiekonzerne sind.

Man kann sich nun fragen, ob Ulli Kulke in den 1970er/1980er Jahren durch die Atomkonzerne in die "taz" und bei den Grünen eingeschleust wurde, oder ob er erst später einem Gesinnungswandel weg von grünen Energien hin zur Atomenergie vollzog. Einen ähnlichen Gesinnungswandel hatte es bereits bei Patrick Moore gegeben.

Unterstützung der Laufzeitverlängerung 2010

2010 flankierte Kulke die durch die Atomkonzerne angestrebte Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftkraftwerke durch ausführliche atomfreundliche Artikel und begrüßte deren Durchsetzung im Oktober desselben Jahres.

Im Februar 2010 betrieb er zunächst Greenwashing, indem er über Atomkraftwerke der sogenannten "IV. Generation" berichtete, die von den USA, China und EURATOM konzipiert werden und alle Probleme auf einmal lösen würden: Kernschmelzen sollten damit der Vergangenheit angehören, und Atommüll durch Transmutation entschärft werden. Kulke lobt die Konzepte als "Neue Atomkraftwerke, diesmal in Grün" und beklagte, dass Deutschland aufgrund des Atomausstiegs nicht mit von der Partie sei.[3]

Am 4. September 2010, einen Tag bevor die Laufzeitverlängerung unterzeichnet wurde, wurde ein Artikel Kulkes in der "Welt" und dem "Hamburger Abendblatt" lanciert, in dem die Revision des Atomausstiegs als Teil einer angeblichen internationalen "Renaissance" der Atomkraft interpretiert wurde. Und beruhigend fügte er hinzu, dass Jürgen Großmann, damaliger RWE-Chef und Hauptinitiator der Laufzeitverlängerung, ja keine Neubauten plane. Atomkraftgegner und Skeptiker versuchte Kulke als Minderheit darzustellen. "Zahlen sind das eine, Akzeptanz der Bevölkerung ist jedoch wichtiger. Da scheint auch in Deutschland die akute Angst vor der Atomkraft zu schwinden."[4][5]

Nachdem die Laufzeitverlängerung durchgesetzt war, widmete sich der Autor noch einmal dem Thema Transmutation. Der verheißungsvolle Titel des Artikels: "Atommüll wird in 20 Jahren nicht mehr strahlen". Kulke berichtete über den Atomlobbyisten Joachim Knebel am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der an einem Verfahren arbeitet, hochradioaktive Isotope in Isotope mit wesentlich kürzerer Halbwertszeit zu verwandeln und das Müllproblem mittelfristig zu lösen.[6]

Im Oktober 2010 schloss Kulke das für die Atomlobby erfolgreiche Jahr mit einem Beitrag ab, in dem er der schwarz-gelben Regierung Rückgrat für ihre Entscheidung zur Laufzeitverlängerung attestierte. Erneuerbare Energien könnten den Atomstrom nicht schnell genug ersetzen, und riesige Kosten für die Energiewende seien vermieden worden. Auf die Milliarden schweren Subventionen für den Atomstrom ging Kulke mit keinem Wort ein.[7]

Verharmlosung des Fukushima-GAUs 2011

Nach der Fukushima-Katastrophe wurde die zuvor beschlossene Laufzeitverlängerung schnell zurückgenommen. Kulke war einer der Journalisten, die gegenzusteuern versuchten.

Am 16. März 2011, wenige Tage nach dem GAU, diskreditierte er den vernünftigen Wunsch einer Mehrheit der Bevölkerung, aus der Atomkraft auszusteigen, als "German Angst" und von Emotionen getrieben. Er hob die Vorteile der Atomkraft hervor und die seiner Meinung nach möglichen Folgen einer Energiewende, wie z. B. steigende Kosten oder geringere Versorgungssicherheit.[8] Als im Mai feststand, dass es in Fukushima drei Kernschmelzen gegeben hatte, versuchte er den GAU herunterzuspielen: TEPCO würde die Situation unter Kontrolle bringen (was bis heute nicht gelungen ist). Er zitierte die krude Behauptung des Aachener Atomprofessors Hans-Josef Allelein, dass die Lage durch die Kernschmelzen nicht gefährlicher geworden sei. Gesundheitliche Folgen könnten nicht eingeschätzt werden. Liest man den Artikel oberflächlich, könnte man denken, es sei nicht viel passiert in Fukushima.[9]

Kritik an der Energiewende

Ab 2014 wurden einige Artikel Kulkes veröffentlicht, in denen er den Atomausstieg und die Energiewende kritisierte.

Im April 2014 räumte er zwar ein, dass eine Mehrheit der japanischen Bevölkerung die Nutzung der Atomenergie ablehnt, lobte aber zugleich den Entschluss des Premierministers Abe, die Atomkraftwerke wieder hochzufahren. In Japan wolle man sich, anders als in Deutschland, nicht auf Abenteuer einlassen. Die Nachteile eines Ausstiegs müssten in Deutschland bedacht werden.[10] Im Juli 2015 nahm Kulke Partei für die Windkraftgegner, die den Ausbau der Windkraft in den Mittelgebirgen und in Wäldern ablehnen, und verteidigte die Ansichten des langjährigen Atomlobbyisten Fritz Vahrenholt.[11] Immerhin: Für die Atomkraft setzte er sich nicht mehr ein.

Weitere Links

→ Wikipedia: Ulli Kulke
Donner + Doria (Blog von Ulli Kulke auf welt.de)

(Letzte Änderung: 01.10.2015)

Einzelnachweise

  1. Welt Online: Ulli Kulke – Reporter und Autor abgerufen am 24. Juli 2015
  2. Die Welt: Donner + Doria/Klimwandel abgerufen am 25. Juli 2015
  3. Welt Online: Kerntechnologie - Neue Atomkraftwerke, diesmal in Grün vom 19. Februar 2010
  4. Welt Online: Weltweit wird es ein Comeback der Atomkraft geben vom 4. September 2010
  5. Hamburger Abendblatt: Energieversorgung - Weltweit wird die Atomkraft zurückkommen vom 4. September 2010
  6. Welt Online: Atommüll wird in 20 Jahren nicht mehr strahlen vom 14. September 2010
  7. Welt Online: Verlängerte Laufzeiten - Koalition zeigt mit der AKW-Entscheidung Rückgrat vom 28. Oktober 2010
  8. Welt Online: German Angst vom 16. März 2011
  9. Welt Online: Fukushima - Dreifach-Kernschmelze schon kurz nach dem Erdbeben vom 24. Mai 2011
  10. Welt Online: Ausstieg aus dem Ausstieg vom 12. April 2014
  11. Welt Online: Energiewende - Windkraft-Branche will jetzt die Wälder verspargeln vom 22. Juli 2015

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