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Kursk (Russland)

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Atomenergie in Europa > Russland > Kursk (Russland)

4 graphitmoderierte Leichtwasserreaktoren • Leistung: 1.000 MW/1.000 MW/1.000 MW/1.000 MW •
Typ: RBMK-1000/RBMK-1000/RBMK-1000/RBMK-1000 • Hersteller: Minatomenergo •
Baubeginn: 1972/1973/1978/1981 • Inbetriebnahme: 1976/1978/1983/1985 •[1][2] Abschaltung: offen


Veraltete Reaktoren vom Tschernobyl-Typ

RIAN archive 341199 Kursk Nuclear Power Plant.png

AKW Kursk (Russland)

Am Standort, der nur 4 km von der Satellitenstadt Kurchatov und 40 km von Kursk entfernt ist, werden derzeit vier Leichtwasser-Graphitreaktoren vom Typ RBMK-1000 mit einer Leistung von je 1.000 MW Strom betrieben, die 1976/1978/1983/1985 in Betrieb gegangen sind. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die russische Gesellschaft Rosenergoatom,[1][3] Hersteller war Minatomenergo.[2]

Die vier RBMK-Einheiten sind von der gleichen Bauart wie die Tschernobyl-Reaktoren.[4] Als Risiken der Altreaktoren nannte der Physiker Helmut Hirsch die Aufschaukelung der Kettenreaktion, Versprödung der Druckröhren, die die Brennelemente enthalten, Schwächen der Schutzhülle. Trotz Nachrüstungen könnten diese Reaktoren keine westlichen Sicherheitsstandards erreichen.[5]

Schon im Juli 1986 forderten deshalb Regierungsmitglieder im Politbüro der ehemaligen Sowjetunion die Stilllegung der Kursk-Reaktoren.[6] Der Vize-Energieminister Schascharin sagte: "Auch die Kernkraftwerke Smolensk, Kursk und die beiden bei Leningrad müssen geschlossen werden. Die lassen sich gar nicht mehr sanieren." Energiemister Majorez: "Das Modell dieses Reaktors taugt nichts."[7]

1992 wurde im "Spiegel" darauf hingewiesen, dass die Kühlrohre der Reaktoren 1 und 2 versprödet sind und 3358 Kanäle ausgetauscht werden müssten, was Russland ablehnte. Die ukrainische Firma, die die Röhren herstellt, ist deshalb pleite gegangen.[8]

2003 stellten Abgeordnete des Bundestags einen Antrag an die Bundesregierung, die Kredite für EURATOM nicht zu erhöhen, damit osteuropäische AKW nicht gebaut werden können. "Der Bau des AKW Kursk ist besonders problematisch, da es sich hier um einen Reaktor des Typs Tschernobyl handelt, den die Kommission als "nichtverbesserungsfähig" eingestuft hat (COM(2000) 493 final)."[9]

Nach einer Meldung von 2011 hielt auch die russische Regierung zum damaligen Zeitpunkt das AKW Kursk für risikoreich und wegen einer Krümmung für einsturzgefährdet.[10] Neuere Stellungnahmen waren hierzu nicht zu finden.

Geplante Neubauten und Laufzeitverlängerungen

Am Standort waren ursprünglich zwei zusätzliche Reaktoren Kursk-5 und -6 geplant, mit deren Bau am 1. Dezember 1985 bzw. 1. August 1986 begonnen wurde. Die Bauarbeiten an Kursk-6 wurden jedoch 1993 gestoppt, und die RBMK-Einheit Kursk-5 wurde aus ökonomischen Gründen 2012 aufgegeben, nachdem 70 % fertiggestellt worden waren.[11][12]

Seit 2009 ist außerdem die Errichtung eines zweiten Atomkraftwerks mit vier 1.300-MW-Reaktoren am selben Standort geplant. Kursk II-1 bis -4 sollten ab 2015 gebaut werden und 2020 bis 2030 in Betrieb gehen. 2010 wurde die Betriebsgenehmigung von Kursk-1 um 10 Jahre bis 2016 erweitert, und Rosatom investierte in die Reaktoren 2-4, um auch deren Laufzeiten zu verlängern zu können. [12]

Die Naturschutzorganisation Bellona sprach sich gegen den Bau des Atomkraftwerks Kursk II aus. Ein Vertreter kritisierte in einer öffentlichen Anhörung im Mai 2015 Fehler und falsche Berechnungen in der Umweltverträglichkeitsstudie.[13]

Störfälle

Am 16. Juni 1993 verteilten sich nach einem Rohrbruch in Einheit 3 radioaktive Areosole in der Anlage.[14][15]

Im November 1995 wurden zwei Arbeiter in Kursk-4 erhöhter Strahlung ausgesetzt, nachdem sie ein Brennelement mit einem defekten Brennstab herausgezogen hatten (INES-Stufe 2).[14]

Darüber hinaus gab es Notabschaltungen, wie z. B. nach der Deaktivierung von zwei Hauptzirkulationspumpen im Dezember 2006[16] und einem Leck in einer technischen Rohrleitung in Kursk-1 am 4. Juli 2007.[17]

Weitere Links

→ Rosenergoatom: Kursk NPP (Homepage des Betreibers)

(Letzte Änderung: 18.11.2016)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Russian Federation abgerufen am 24. Juni 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. Rosenergoatom: Kursk NPP abgerufen am 24. Juni 2014
  4. IAEA: PRIS - CountryStatistics/Ukraine abgerufen am 28. November 2014
  5. Deutsche Welle: "Bei jedem Reaktortyp besteht die Möglichkeit eines katastrophalen Unfalls" vom 9. April 2006
  6. Spiegel Online: Kreml-Dokumente: Forscher warnten vor Tschernobyl-Katastrophe vom 19. März 2011
  7. DER SPIEGEL 12/2011: Das Modell taugt nichts vom 21. März 2011
  8. DER SPIEGEL 14/1992: Riesiger Scheiterhaufen vom 30. März 1992
  9. Deutscher Bundestag: Keine Zustimmung zur Erhöhung der EURATOM Kreditlinie (Drucksache 15/575) vom 12. März 2003
  10. taz.de: Bericht über AKW-Sicherheit in Russland - Notabschaltung? Gibt's nicht vom 13. Juni 2011
  11. IAEO PRIS: KURSK-5 und KURSK-6 abgerufen am 18. März 2016 (via WayBack)
  12. 12,0 12,1 WNA: Nuclear Power in Russia abgerufen am 17. Juli 2014
  13. Bellona: Bellona’s experts oppose building a second nuclear power plant in Russia’s Kursk Region vom 22. Mai 2015
  14. 14,0 14,1 Nuclear Energy Institute: Soviet-Designed Nuclear Power Plants in Russia, Ukraine, Lithuania, Armenia, the Czech Republic, the Slovak Republic, Hungary and Bulgaria (Fifth Edition) von 1997
  15. Greenpeace: Der Jahreskalender: Januar abgerufen am 18. Juli 2014
  16. russland.ru: Notabschaltung im AKW Kursk: Keine erhöhte Radioaktivität aus dem Reaktor vom 19. Dezember 2006
  17. Rianovosti: Notabschaltung eines Reaktorblocks im russischen AKW Kursk vom 4. Juli 2007

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