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Reaktoren außer Betrieb > Lingen (Niedersachsen)

Siedewasserreaktor • Leistung: 268 MW • Typ: BWR • Hersteller: AEG •
Baubeginn: 1. Oktober 1964 • Inbetriebnahme: 31. Januar 1968 • Abschaltung: 5. Januar 1977 •[1][2]
Beginn Rückbau: 2013 • Ende Rückbau: offen


Demonstrationsanlage für Siedewasserreaktoren

Bundesarchiv B 145 Bild-F040680-0003, Kernkraftwerk Lingen (KWL)

AKW Lingen 1973

Mit dem Bau des Siedewasserreaktors Lingen (KWL) mit 252 MW Leistung, der als Demonstrationsanlage für spätere Siedewasserreaktoren dienen sollte, wurde 1964 begonnen.[3] Hersteller war AEG.[2]

Der Reaktor bei Lingen (Niedersachsen) wurde am 31. Januar 1968 in Betrieb genommen und ging am 5. Januar 1977 wieder außer Betrieb. Eigentümer ist die RWE Power AG, Betreiber die Kernkraftwerk Lingen GmbH (KWL).[1]

Die Funktionsweise des Reaktors wurde wie folgt beschrieben: "Die Wärmeenergie des im Reaktordruckgefäß entstehenden Dampfes wurde über zwei Dampfumformer aus einem Primärkreislauf an einen Sekundärkreislauf abgegeben. Der nicht radioaktive Sekundärdampf wurde nach Überhitzung in einem mit fossilem Brennstoff beheizten Überhitzerkessel der Turbinenanlage zugeführt."[4]

Zwischenfälle

Seit Inbetriebnahme wurden laut Bundesamt für Strahlenschutz 31 meldepflichtige Ereignisse registriert (Stand: 23. April 2017).[5]

Bereits kurz nach der Inbetriebnahme musste der Reaktor wegen diverser Mängel mehrmals abgeschaltet werden. 1969 kam es reihenweise zu Stillständen aufgrund verschiedener Ursachen. Am 1. August 1969 gelangte wegen zweier Lecks eine erhöhte Menge radioaktiven Wassers in die Ems. Nach einer langen Pannenserie kam es 1977 zu einem schweren Maschinenschaden am Dampfumformersystem. Dessen Reparatur war dem Betreiber zu kostspielig, so dass er den Reaktor stilllegen ließ.[6][7][8]

Rückbau nach sicherem Einschluss

1983 wurden die Brennelemente nach Sellafield in Großbritannien überführt. Mit der Stilllegung wurde am 21. November 1985 begonnen, der Reaktor befindet sich seit 30. März 1988 im sicheren Einschluss.[9] 1993 bis 1996 sind die konventionellen Anlagenteile und das Maschinenhaus abgerissen worden.[10] 2009 wurde vorab der Schornstein des AKW abgebrochen und durch einen kleineren Fortluftkamin ersetzt.[11]

2011 stellte RWE Power einen Antrag auf Rückbau mit geplantem Beginn im Jahre 2013.[12] RWE hat eine dreistellige Millionensumme für den Rückbau zurückgestellt. Die zu entsorgende Gesamtmasse des Atomkraftwerks wird auf 59.000 Tonnen geschätzt.[6]

Nach einer Pressemeldung vom 17. Juli 2013 hat sich die Radioaktivität in den letzten 35 Jahren deutlich verringert, und es wurden bereits die meisten konventionellen Gebäude abgerissen. Durch den Betreiber KWL GmbH wurde zunächst der Rückbau aller Anlagenteile beantragt. "Der zweite Schritt erfolgt später und beinhaltet den Abbau des Reaktordruckgefäßes mit allen Einbauten und eingelagerten Reststoffen sowie des Bioschildes, den Restabbau, die Dekontamination und die Entlassung der Anlage KWL aus der atomrechtlichen Überwachung."[13]

Im September 2013 wurde ein öffentlicher Erörterungstermin zum geplanten Abriss abgehalten. Der zu entsorgende Schrott soll, solange kein Endlager zur Verfügung steht, im Reaktorgebäude zwischengelagert werden.[10]

Am 22. Dezember 2015 erteilte das niedersächsiche Umweltministerium RWE eine erste Teilgenehmigung für den Rückbau, der zwanzig Jahre dauern soll.[14]

→ RWE: Kurzbeschreibung - Abbau der Anlage KWL vom 31. Juli 2012

(Letzte Änderung: 05.08.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 27. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013. S. 319.
  4. RWE: Kurzbeschreibung - Abbau der Anlage KWL vom 31. Juli 2012 [Seite nicht mehr verfügbar]
  5. BfE: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme abgerufen am 23. April 2017
  6. 6,0 6,1 NOZ: Unter der Kuppel wartet der Strahlenmüll: Das Atomkraftwerk Lingen soll abgerissen werden – wann ist aber ungewiss vom 2. März 2013
  7. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013. S. 332.
  8. GRS: Weltweite Erfassung besonderer Vorkommnisse in Kernkraftwerken, Versuchs- und Forschungsreaktoren 1969 vom Dezember 1977
  9. www.umwelt.niedersachsen.de: Sachstandsinformation zum Kernkraftwerk Lingen (KWL) abgerufen am 16. August 2013
  10. 10,0 10,1 NOZ: Abriss von Atomkraftwerk: Schutt bleibt in Lingen vom 4. September 2013
  11. RWE: Schornstein des stillgelegten Kernkraftwerks Lingen wird abgebrochen vom 22. Juni 2009
  12. RWE Power AG: RWE Power plant Rückbau des 1977 stillgelegten Kernkraftwerks in Lingen vom 22. Juni 2011
  13. RWE: Abbauvorhaben Kernkraftwerk Lingen (KWL) vom 17. Juli 2013
  14. umwelt.niedersachsen.de: Erste atomrechtliche Teil-Genehmigung für den Abbau des Kernkraftwerks Lingen erteilt vom 22. Dezember 2015

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