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Mühleberg (Schweiz)

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Siedewasserreaktor • Leistung: 390 MW • Typ: BWR-4 • Hersteller: General Electric •
Baubeginn: 1. März 1967 • Inbetriebnahme: 8. März 1971 •[1][2] Abschaltung: 2019


Seit über 40 Jahren in Betrieb

Kkw muehleberg.jpg

AKW Mühleberg (Schweiz)

Das Atomkraftwerk Mühleberg befindet sich im Kanton Bern an der Aare, unweit der Bundesstadt Bern.[3] Es ist 70 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.[4]

Der Siedewasserreaktor mit einer Leistung von 390 MW wurde 1971, also vor über 40 Jahren, in Betrieb genommen und gehört zu den ältesten aktiven Atomkraftwerken der Schweiz. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die BKW Energie,[1] Hersteller war General Electric.[2]

2008 stellte der Betreiber BKW ein Rahmenbewilligungsgesuch für den Ersatz des alten Reaktors durch einen Neubau.[5] Derartige Gesuche wurden nach der Fukushima-Katastrophe vom Schweizer Umweltministerium jedoch bis auf Weiteres eingefroren.[6] Am 12. Oktober 2016 zogen die Atomkonzerne in der Schweiz ihre Rahmenbewilligungsgesuche für die Ersatzkraftwerke an den Standorten Mühleberg, Beznau und Niederamt zurück. Dies wurde mit den geänderten Marktbedingungen und dem geplanten Atomausstieg begründet.[7]

Größere Störfälle am Reaktor Mühleberg sind zwar nicht bekannt geworden, Atomkraftgegner fordern jedoch, das AKW aufgrund seines Alters und technischer Mängel so schnell wie möglich vom Netz zu nehmen.[8]

Auch in einer Studie vom Februar 2014 bezeichneten die atomkritische Schweizerische Energie-Stiftung und Greenpeace die AKW Mühleberg und Beznau als unsicher und forderten deren sofortige Abschaltung. Hingewiesen wird vor allem auf Alterungsprozesse und Kernschmelzrisiken.[9]

→ energiestiftung.ch: Risiko Alreaktoren Schweiz (Studie) vom Februar 2014

Risse im Kernmantel und Erdbebengefahr

Folgende Mängel sind von Atomkraftgegnern immer wieder kritisiert und durch das Schweizer Bundesverwaltungsgericht 2012 bestätigt worden: Risse im Kernmantel, die seit 1990 bekannt sind, das Fehlen einer vom Fluss unabhängigen Reaktorkühlung und die Erdbebengefahr.[10] Das AKW liegt nur 1,2 km unterhalb des Wohlenseedamms; bei einem Dammbruch aufgrund eines starken Erdbebens könnten Mühleberg überschwemmt und eine große Katastrophe ausgelöst werden.[11] Die Atomaufsicht ENSI erklärte zwar im Sommer 2012, dass der Damm und das AKW erdbebensicher sein. Es macht aber nachdenklich, dass dem "Bund", der es genau wissen wollte, Einsicht in das Protokoll der Jahreskontrolle des Staudamms mit der Begründung verweigert wurde, es handle sich um Geschäftsgeheimnisse. Als doch Einsicht in das Protokoll gewährt wurde, waren Passagen über Sickerwasser, Feuchtigkeit und Weiteres geschwärzt worden.[12]

Der Reaktor darf ab 2017 zwar nur weiterbetrieben werden, wenn der Betreiber strenge Auflagen des ENSI erfüllt, die kostspielig werden dürften.[13] Im März 2013 erteilte das Schweizer Bundesgericht jedoch eine unbefristete Betriebsbewilligung für Mühleberg.[14]

Im Juli 2013 musste die Aufsichtsbehörde ENSI einräumen, dass im Bieler See gefunde Cäsium-Ablagerungen von einer Einleitung aus dem AKW Mühleberg infolge einer "Atomabfall-Behandlung" herrührt. Nach Meinung des ENSI ist das Cäsium völlig ungefährlich. Die radioaktive Belastung des Wassers ist beim AKW Mühleberg zwar höher als bei anderen AKW. Das atomfreundliche ENSI hat dem Betreiber aber keinen Termin gesetzt, bis zu dem die Zielwerte eingehalten werden müssen.[15]

Im Oktober 2014 forderten 35 atomkritische Organisationen und Parteien eine schnelle Nachrüstung des AKW. Sie werfen dem Betreiber Verzögerung vor. Bis zum Abschluss der Nachrüstung müsse das AKW vom Netz genommen werden. "In der einschlägigen Verordnung ist festgelegt, dass ein AKW mit zu grossem Risiko abgeschaltet werden muss, bis es nachgerüstet ist. (...) Die Organisationen verlangen nun, dass das in der Verordnung festgelegte Risiko auch auf Kernschmelze-Unfälle bezogen wird."[16]

Abschaltung 2019

Am 30. Oktober 2013 gab die Betreiberin BKW bekannt, dass sie das AKW Mühleberg 2019 vom Netz nehmen möchte. Bis dahin sollen in Betrieb und Instandhaltung noch 200 Mio. Franken investiert werden. Aufgrund niedriger Strompreise, aber auch des politischen Drucks auf den Betreiber infolge der Fukushima-Katastrophe habe sich diese Entscheidung laut "NZZ" schon länger abgezeichnet.[17] Allerdings handelt es sich lediglich um eine unternehmerische Entscheidung, die rechtlich nicht verbindlich ist und jederzeit widerrufen werden könnte.[18]

Die BKW darf das AKW nur weiter betreiben, wenn es 26 zusätzliche Sicherheitsanforderungen erfüllt, die das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) im Dezember 2013 gefordert hat. ENSI warf dem BKW-Verwaltungsrat vor, seiner Pflicht zur Sicherheitsbewertung nicht ausreichend nachzukommen.[19]

Der Grund für den langen Weiterbetrieb ist, dass "der Kanton Bern sonst Schadenersatzklagen von über 100 Millionen Franken riskiert."[20] Die Schweizer Zeitung "Der Bund" kritisierte im Artikel "Unnötige Nachspielzeit für ein altes AKW", dass der Weiterbetrieb Gefahren, aber kaum Nutzen bringe.[21]

Nach Schätzungen von "swissnuclear" dürfte der Rückbau 15 Jahre dauern; für die Nachbetriebsphase sollen 319 Mio. Franken an Kosten anfallen, für die Stilllegung 487 Mio. 125.000 Tonnen Schrott müssen nach Schätzungen entsorgt werden. 75.000 Tonnen verstrahltes Material sollen in Mühleberg dekontaminiert werden, 3.000 Tonnen müssen in einem Zwischenlager und schließlich in einem Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle deponiert werden.[22]

Die Stilllegungskosten werden auf 800 Mio., die Entsorgungskosten auf 1,8 Mrd. Schweizer Franken geschätzt.[23]

Am 18. Dezember 2015 reichte die BKW das offizielle Stilllegungsgesuch beim Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) ein; die Verfügung der Behörde soll Mitte 2018 vorliegen.[24]

→ BKW: Kernkraftwerk Mühleberg (Informationen des Betreibers)

(Letzte Änderung: 14.11.2016)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Switzerland abgerufen am 28. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA Reactor Database: Muehleberg, Switzerland abgerufen am 9. April 2016
  4. Deutscher Bundestag: Unterrichtung durch die Bundesregierung Bericht der Bundesregierung an den Deutschen Bundestag über Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung in den Jahren 1983/84/85 (Drucksache 11/949, S. 13) vom 14. Oktober 1987
  5. nzz.ch: Weitere Gesuche für neue Atomkraftwerke vom 4. Dezember 2008
  6. UVEK: Doris Leuthard: "Sicherheit hat oberste Priorität" vom 14. März 2011 (via WayBack)
  7. nuklearforum.ch: Axpo, Alpiq und BKW ziehen Rahmenbewilligungsgesuche zurück vom 13. Oktober 2016
  8. Tagesanzeiger: Ein Geburtstagsgeschenk für AKW-Gegner vom 8. März 2012
  9. SRF: Neue Studie kritisiert die Sicherheit des AKWs Beznau vom 13. Februar 2014
  10. derbund.ch: Sicherheitsmängel im AKW gaben Ausschlag vom 8. März 2012
  11. derbund.ch: Studie der BKW weckt Zweifel an Sicherheit des eigenen AKW vom 12. November 2011
  12. Der Bund: Wenig Transparenz zu Mühleberg-Damm vom 4. Februar 2014
  13. NZZ: Flexibles AKW-Pensionsalter vom 22. Dezember 2012
  14. tagblatt.ch: BKW darf Mühleberg unbefristet betreiben vom 28. März 2013
  15. derbund.ch: Cäsium im Bielersee: Ursache war Atomabfall-Behandlung vom 16. Juli 2013
  16. SRF: Zügige Nachrüstung des AKW Mühleberg gefordert vom 21. Oktober 2014
  17. nzz.ch: AKW Mühleberg - Abschaltung hat sich schon lange abgezeichnet vom 30. Oktober 2013
  18. derbund.ch: AKW-Abschaltung 2019 ist "rechtlich nicht verbindlich" vom 4. Dezember 2013
  19. Der Bund: Mühleberg - 26 neue Forderungen zur Sicherheit vom 13. Dezember 2013
  20. Berner Zeitung: Der Kampf um das Ende des AKW vom 17. April 2014
  21. derbund.ch: Unnötige Nachspielzeit für ein altes AKW vom 4. Mai 2014
  22. tagesanzeiger.ch: 75000 Tonnen verstrahlter Abfall vom 31. Oktober 2013
  23. Berner Zeitung: KKW-Mühleberg: Stilllegung ohne finanzielles Risiko vom 16. Juni 2015
  24. Berner Zeitung: BKW reicht Stilllegungsgesuch für AKW Mühleberg ein vom 18. Dezember 2015

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