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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Japan > Mihama (Japan)

3 Druckwasserreaktoren • Leistung: 340 MW/500 MW/826 MW •
Typ: W (2-loop)/M (2-loop)/M (3-loop) • Hersteller: Westinghouse/MAPI/MHI •
Baubeginn: 1967/1968/1972 • Inbetriebnahme: 1970/1972/1976 • [1][2] Abschaltung: 2015/2015/offen


Stilllegung von Mihama-1 und -2

Mihama nuclear power plant.jpg

AKW Mihama (Japan)

Der Standort Mihama befindet sich auf einer Halbinsel an der Westküste Japans, nordwestlich der Stadt Tsuruga in der Provinz Fukui.[3]

In Mihama wurden ab 1970/1972/1976 drei Druckwasserreaktoren mit einer Leistung von 340, 500 und 820 MW betrieben. Mihama-1 war seit 24. November 2010 zur "regelmäßigen Wartung" außer Betrieb, Mihama-2 und -3 wurden 2011 nach der Fukushima-Katastrophe abgeschaltet. Die Reaktoren haben seitdem keinen Strom mehr produziert. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die Kansai Electric Power Co. (KEPCO).[1][4] Hersteller von Mihama-1 war Westinghouse, von Hamoka-2 die Mitsubishi Atomic Power Industries, von Hamaoka-3 die Mitsubishi Heavy Industries Ltd. (MHI)[2]

Ein geplanter vierter Druckwasserreaktor mit 1.200 MW, der 2008 in Betrieb gehen sollte, kam nicht über die Planungsphase hinaus.[2]

Am 17. März 2015 wurde bekannt, dass Mihama-1 und -2 endgültig stillgelegt werden sollten.[5] Der Betreiber hatte dies schon im September 2014 in Erwägung gezogen.[6] Die offizielle Stilllegung erfolgte am 27. April 2015.[1]

Für den stillstehenden Reaktor Mihama-3 stellte der Betreiber am 17. März 2015 einen Antrag auf Wiederinbetriebnahme.[7] Am 16. November 2016 genehmigte die japanische Aufsichtsbehörde NRA eine Laufzeitverlängerung für Mihama-3 um 20 Jahre auf 60 Jahre bis 2036; die Einheit ist weiterhin außer Betrieb.[8]

Sicherer Einschluss geplant

Laut Homepage von EPCO ist für die stillgelegten Einheiten 1 und 2 nach einer teilweisen Dekontamination von Anlagenteilen ein sicherer Einschluss geplant, während dem die Radioaktivität des Reaktors abklingen soll.[9] Der Stilllegungsplan wurde am 19. April 2017 von der Nuclear Regulation Authority (NRA) genehmigt; es soll 30 Jahre dauern, bis der Rückbau der Einheiten abgeschlossen ist.[10]

Leitungsbruch 2004 und andere Störfälle

Am 12. September 1979 verzogen sich im AKW Brennelemente.[11]

Im Februar 1991 liefen aus einem zerbrochenen Rohr in einem Dampfgenerator 55 Tonnen radioaktiven Wassers aus dem Primär- in das Sekundärsystem aus.[12] Vom Handels- und Industrieministerium und vom Betreiber war zunächst bestritten worden, dass Radioaktivität freigesetzt worden war. Ursache für den Rohrschaden war ein Konstruktionsfehler, der bei Inspektionen übersehen worden war.[13]

Am 7. April 2000 wurde in Mihama-2 ein Leck im Primärkreislauf entdeckt, aus dem zwei bis drei Liter radioaktiven Wassers pro Stunde ausliefen.[14]

Am 15. November 2002 lief aus dem Primärkühlsystem von Mihama-3 radioaktives Wasser aus, zunächst 60 Liter pro Stunde, später 300 Liter; der Reaktor wurde abgeschaltet.[15]

Am 9. August 2004 brach in Mihama-3 eine Kondensatleitung im nichtnuklearen Sekundärkreislauf in Längs- und Umfangrichtung. Das austretende Heißwasser verwandelte sich in Dampf und verbrühte Arbeiter; vier starben, und weitere wurden verletzt. Ursache war Korrosion und Schlamperei: Die Wandstärke der Leitung hatte sich von anfangs 10 mm auf bis ca. 1,5 mm verdünnt, und die Leitung soll seit der Inbetriebnahme des Reaktors nicht mehr überprüft worden sein.[16] Die Schwachstelle war bereits ein Jahr zuvor bekannt gewesen, es wurde aber versucht, die Kontrolle zu verschieben.[17] Der damalige Präsident des Betreibers Kansai ordnete einen Massenplan zur Verhinderung eines ähnlichen Unfalls an, übernahm die moralische Verantwortung und gab 2005 seinen Rücktritt bekannt.[18] Der Reaktor wurde abgeschaltet und erst im Februar 2007 wieder hochgefahren.[19]

Am 20. November 2008 wurden zwei Mihama-Reaktoren nach einem Blitzeinschlag und einem Stromausfall automatisch heruntergefahren.[20]

Am 8. Dezember 2011 wurde eine Mihama-Einheit abgeschaltet, nachdem wegen eines leckenden Ventils im Druckbehälter radioaktives Wasser ausgelaufen war.[21]

Eine Auflistung von meldepflichtigen Ereignissen in den Jahren 1994 bis 2013 findet man bei der Aufsichtsbehörde NRA. Der Unfall von 2004 wurde trotz seiner schwerwiegenden Folgen nur mit der INES-Stufe 1 klassifiziert.[22]

Kansai Electric Power Co. (Homepage des Betreiber)

Videobeitrag

Nuclear reactors to be decommissioned01:27

Nuclear reactors to be decommissioned

(Hochgeladen in YouTube am 16. März 2015)

"Two nuclear power plant operators in Japan have apparently decided to scrap 3 reactors that are over 40 years old. They are located in Fukui prefecture, central Japan." Quelle: YouTube





(Letzte Änderung: 21.04.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 IAEO: PRIS - Country Statistics/Japan abgerufen am 20. März 2015
  2. 2,0 2,1 2,2 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA Reactor Database: Mihama 1, Japan abgerufen am 9. April 2016
  4. CNIC: Nuclear Power Plants Operational Status vom 26. August 2011
  5. world nuclear news: Japan retires more reactors as restarts approach vom 18. März 2015
  6. Spiegel Online: Atomkraft: Japan erwägt, Altreaktoren stillzulegen vom 5. September 2014
  7. nuklearforum.ch: Japan: Laufzeitverlängerung für Mihama-3 beantragt vom 3. Dezember 2015
  8. nuklearforum.ch: Japan: Laufzeitverlängerung für Mihama-3 vom 23. November 2016
  9. KEPCO: Decommissioning Mihama Units 1 & 2 with a Priority on Safety abgerufen am 21. April 2017
  10. world nuclear news: Decommissioning plans approved for five Japanese units vom 19. April 2017
  11. tagesschau.de: Kosten von Atomunfällen - Fukushima, Tschernobyl und viele andere vom 11. März 2014
  12. Süddeutsche.de: Vier Tote nach Unfall in Atomkraftwerk vom 19. Mai 2010
  13. www.giga-hamburg.de: GIGA Focus Asien (5/2011) von 2011
  14. Spiegel Online: Japan: Wieder Zwischenfall in Atommeiler vom 7. April 2000
  15. RP Online: Radioaktives Kühlwasser ist ausgelaufen - Erneut Panne in japanischem Atomkraftwerk vom 15. November 2002
  16. nuklearforum.ch: Industrieunfall in japanischem Kernkraftwerk fordert fünf Todesopfer vom August 2004
  17. Spiegel Online: Schlamperei im Atomkraftwerk: Schwachstelle war seit Monaten bekannt vom 10. August 2004
  18. nuklearforum.ch: Schlussbericht zum Industrieunfall in Mihama-3 vom 29. März 2005
  19. nuklearforum.ch: Japan: Wiederinbetriebnahme von Mihama-3 vom 7. Februar 2007
  20. Die Presse.com: Japan: Atomkraftwerk vom Blitz getroffen vom 20. November 2008
  21. heise.de: Japanischer Reaktor nach Leck abgeschaltet vom 9. Dezember 2011
  22. NRA: Mihama Nuclear Power Station abgerufen am 14. April 2015 (via WayBack)

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